DE75037C - Verfahren zur Herstellung kohlensaurer Soolbäder aus im Badewasser gelöstem Natriumbicarbonat und Salzsäure - Google Patents
Verfahren zur Herstellung kohlensaurer Soolbäder aus im Badewasser gelöstem Natriumbicarbonat und SalzsäureInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT
PATENTSCHRIFT
KLASSE 30: Gesundheitspflege.
JULIUS QUAGLIO in BERLIN.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 22. August 1893 ab.
Das Nehmen kohlensaurer Soolbäder in Badeanstalten hat für den Badenden den grofsen
Nachtheil, dafs er nach dem Bade den Weg nach Hause, unter Umständen eine grofse Entfernung,
zurücklegen mufs, wodurch bei schlechter Witterung oder niedriger Temperatur
bei der durch das Bad höchst empfindlich gewordenen Haut eine Erkältung beinahe unvermeidlich
ist, und' der heilsame Erfolg des Bades geradezu in das Gegentheil verwandelt
wird. Wird die Möglichkeit geboten, ein solches Bad in der eigenen Wohnung zu neh-.'
men, so fällt selbstverständlich dieser Uebelstand fort.
Die Herstellung eines kohlensauren Soolbades findet nach meinem Verfahren in der
Weise statt, dafs in der mit Wasser von der bestimmten Temperatur gefüllten Badewanne
doppeltkohlensaures Natron in abgewogener Menge aufgelöst wird und dann so viel Salzsäure,
als zur Neutralisirung des Salzes gehört, ganz allmälig, während der ganzen Dauer des
Bades in das Badewasser gebracht wird, und zwar zur Vermeidung der Bildung von Salzsäuredämpfen
unter dem Wasserspiegel des Bades. Dadurch entwickelt sich die Kohlensäure während der ganzen Dauer des Bades
gleichmäfsig und legt sich in Bläschen dicht auf die ganze Körperoberfläche des Badenden,
was eben bei einem wirksamen kohlensauren Bade dessen Wirksamkeit bedingt.
Werden z. B. 600 g Natriumbicarbonat aufgelöst und allmälig 1000 g Salzsäure von
1,125 specifischem Gewicht zugesetzt, so entwickeln sich ca. 162 000 ecm Kohlensäuregas
oder in Bläschen von 1 emm 162000000
Bläschen, genügend, um eine Oberfläche von 162 qm zu bedecken. Gleichzeitig bildet sich
eine Lösung von Chlornatrium (Kochsalz), so dafs ein kohlensaures Soolbad von höchster Wirksamkeit
erzeugt wird. Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, die Salzsäure unabhängig
von eigener Arbeit des Badenden allmälig während der Badezeit gleichmäfsig vertheilt in
das Badewasser zu bringen.
Anwendung einer Tropfflasche ist ausgeschlossen, da die Salzsäure, durch die Luft
tropfend, für die Lungen schädliche Dämpfe entwickeln würde. Stellt man eine Flasche
mit offener Mündung ins Bad, so dafs die Mündung vom Wasser bedeckt ist, so findet
wohl eine Diffusion zwischen Salzsäure und Badewasser statt, dieselbe ist aber unregelmäfsig
und unvollständig, und findet sich noch nach Stunden unzersetzte Salzsäure in der Flasche;
dasselbe findet statt, wenn man die Mündung nach unten kehrt. Eine regelmäfsige und
genau der Zeit1 nach regulirte Entleerung der Salzsäure findet nur mittelst eines Gefäfses
statt, welches oben und unten geöffnet werden kann.
Zu diesem Zweck dient ein Glasgefäfs (Fig. 1). Dieses Gefäfs hat eine mit Stöpseln verschliefsbare
Oeffnung oben und eine am Boden. Die untere Oeffnung ist nach der Flasche zu mit
einer Oeffnung versehen, deren Querschnitt so berechnet ist, dafs die gesammte im Gefäfs
enthaltene Salzsäure in einer bestimmten Zeit
unter Wasser ausfliefst. Der Badende nimmt das oben und unten zugestopfte Gefäfs mit
sich in das Bad, in dessen Wasser das Natriumbicarbonat gelöst ist, stellt die Flasche auf den
Boden der Wanne und öffnet dann die Stopfen oben und unten, worauf sofort die Entwickelung
der Kohlensäure und die Bildung von Kochsalz vor sich geht und bis zur Beendigung
des Bades fortdauert. In der Regel wird man die untere Oeffnung derart berechnen, dafs der
Ausflufs der Salzsäure in io Minuten beendet ist, da, wenn das Bad auch länger währen soll,
schon der Körper genügend mit Kohlensäürebläschen bedeckt ist und das Badewasser selbst
genügend Kohlensäure enthält: Bei wechselnder Badedauer oder bei Versuchen von Aerzten
wird das Gefäfs derart eingerichtet, dafs man die Ausflufszeit selbst regeln kann.
Diesem Zweck dient dann "der Gefäfshals
(Fig. 3). Derselbe ist mit mehreren Löchern von verschiedenem Durchmesser versehen,
während im Stopfen selbst eine senkrechte Rinne angebracht ist.
Ist der Stopfen so gedreht, dafs die Rinne zwischen zwei Löchern steht, so ist das Gefäfs
geschlossen; gleichzeitig ist auch der Stutzen am Boden, der in diesem Falle ein weiteres
Loch hat, geschlossen; der Badende hat nun nur den Stopfen so zu drehen, dafs dessen
Rinne über das mit der verlangten Minutenzahl bezeichnete Loch des Halses zu stehen kommt.
Dann nimmt er die Flasche ins Bad und zieht den unteren Stopfen heraus, worauf die allmälige
Entleerung der Säure in dem bezeichneten Zeitraum vor sich geht. Man kann auch
diese Einrichtung nach dem unteren Stopfen am Boden verlegen; auch kann man diese Einrichtung
des drehbaren Stopfens mit Rinne auch nur mit einem Loche von bestimmter
Weite anwenden. Diese Gefäfse können aus Glas oder einem anderen, von Salzsäure nicht
angreifbaren Stoff in beliebiger Form herge·^ stellt werden, und kann man auch statt einer
mehrere Oeffnungen sowohl oben als unten anwenden.
Eine brauchbare Einrichtung ist auch in Fig. 4 dargestellt, wo man das Gefäfs mit
Bodenausflufs über der Badewanne aufstellt und durch ein Rohr oder einen Schlauch die Säure
in das Bad unter ,den Wasserspiegel abfliefsen läfst. Die Regelung kann, wie bei Fig. 3,
oben durch die Luftzuströmung oder durch einen Hahn oder durch eine Oeffnung von
bestimmtem lichten Durchmesser am unteren Stutzen oder am Rohr oder Schlauch bewirkt
werden. Sehr vortheilhaft ist auch die Entleerung eines ganz beliebigen Gefäfses mit der
bestimmten Menge Salzsäure durch einen säurefesten Heber, wozu auch ein Schlauch genommen
werden kann (Fig. 5). In diesen Fällen können nach der Zeit kalibrirte Mundstücke
oben oder unten am Heber eingesetzt werden. Die Höhe, in welcher das Gefäfs über dem Boden der Wanne steht, wird
natürlich vorgeschrieben.
Selbstverständlich können dem Bade nach Verlangen auch andere Salze oder Stoffe beigemischt
werden.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Verfahren zur Herstellung kohlensaurer Soolbäder aus im Badewasser gelöstem Natriumbicarbonat und Salzsäure, dadurch gekennzeichnet, dafs die Salzsäure in der W'eise eingebracht wird, dafs der Ausflufs derselben unter dem Wasserspiegel selbstthätig allmälig in einer bestimmten Zeit gleichmäfsig stattfindet.Hierzu 1 Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE75037C true DE75037C (de) |
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ID=348037
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT75037D Expired - Lifetime DE75037C (de) | Verfahren zur Herstellung kohlensaurer Soolbäder aus im Badewasser gelöstem Natriumbicarbonat und Salzsäure |
Country Status (1)
| Country | Link |
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| DE (1) | DE75037C (de) |
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