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Aus Spule und Spulenhalter bestehende Aufwickelvorrichtung für frisch
gesponnene Kunstseidefäden Die Erfindung betrifft eine Aufwickelvorrichtung für
frisch gesponnene Kunstseidefäden, auf dem die Fäden während der Nachbehandlung
und dem anschließenden Trocknen verbleiben und dabei vollständig ausschrumpfen können.
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Zu diesem Zwecke ist es bekannt, die Aufwickelkörper oder Spulen für
die frisch gesponnene Kunstseide so auszugestalten, daß deren Durchmesser verändert
werden kann, indem beispielsweise die Auflagefläche der Spulen aus Stäben gebildet
ist, die durch besondere Einrichtungen radial nach außen bzw. innen beweglich und
feststellbar sind. Spulen dieser Art lösen die gestellte Aufgabe einwandfrei, indem
sie die Möglichkeit geben, den Wickel in gelockertem Zustande der Nachbehandlung
zu unterwerfen, und gleichzeitig Gewähr dafür bieten, daß der Wickel nach der Seite
hin gegenüber den Spulenrändern sicher abgedichtet bleibt; sie besitzen aber insofern
gewisse Nachteile, als- jede einzelne Spule, und zwar werden viele Tausende benötigt,
immerhin eine- verwickelte Verstellvorrichtung aufweisen muß, die auch särntliche
Nachbehandlungsbäder und Trockenräume mit durchläuft. Hierdurch vergrößern sich
nicht nur die Anschaffungs- und Unterhaltungskosten, sondern es steigen auch. Verschleiß
und Betriebsunkosten, wozu noch kommt, daß das Gewicht der Spulen infolge der besonderen
Verstellvorrichtungen verhältnismäßig groß ist.
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Es sind bereits Kunstseideaufwickelvorrichtungen bekannt, die aus
zwei axial ineinanderschiebbaren Spulen bestehen, wobei die ortsbewegliche Spule
aus einem zylindrischen, mit Schlitzen versehenen Körper besteht, während die ortsfeste
Spule nach Art eines Haspels ausgebildet ist und nur an einzelnen Stellen, nämlich
durch die Schlitze der beweglichen Spule, durch diese hindurchtritt. Infolgedessen
liegt der Kunstseidewickel beim Aufwickeln nur an wenigen, ganz schmalen Stellen
auf -und läuft somit Gefahr, Druckstellen zu erhalten, während bei der Nachbehandlung
der Wickel auf der zylindrischen Fläche der abnehmbaren Spule liegt, so daß diese
auch noch mit Löchern versehen sein muß, um die Behandlungsflüssigkeit hindurchtreten
zu lassen, ohne dadurch Gewähr zu bieten, daß auch wirklich alle Teile des Wik-
Icels
gleichmäßig von der Flüssigkeit durchdrungen werden.
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Die Erfindung hat sich nun die Aufgabe gestellt, die Vorteile beider
bekannten Arten von Aufwickelvorrichtungen zu vereinigen, ohne deren Nachteile mit
zu übernehmen. Sie geht von einet aus Spule und Spulenhalter bestehenden Aufwickelvorrichtung
für frisch gesponnene Kunstseidefäden aus, bei der der Spulenhalter mit radial nach
außen, durch entsprechende Längsschlitze der Spule bewegbaren Leisten versehen ist,
und löst die Aufgabe in erster Linie dadurch, daß die radial verstellbaren Leisten
des Spulenhalters T-förmigen oder ähnlichen Querschnitt und die Rippen der Spule
umgekehrt T-förmigen oder ähnlichen OOuerschnitt haben derart, daß beim Aufschieben
der Spule auf den Spulenhalter die Rippen der Spule in die Lücken zwischen den Leisten
des Spulenhalters und umgekehrt treten und die Rippen und Leisten zusammen annähernd
eine geschlossene zylindrische Fläche bilden.
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Im Gegensatz zu den bekannten zweiteiligen Spulen wird hierdurch eine
möglichst breite, im Sinne der Spulenform abgerundete Auflage für den Faden bz«-.
den Wickel beim Spinnen und eine möglichst geringe, ebenfalls abgerundete Auflage
für den Wickel bei der Nachbehandlung unter gleichzeitiger Entspannung geschaffen.
Dabei können die verstellbaren Leisten des Spulenhalters auf an sich bekannten Konen
anliegen und Lappen oder Zungen besitzen, die zwecks zwangsläufiger Verstellung
der Leisten sowohl nach innen als auch nach außen unter die Konen greifen. Gegenüber
den zuerst genannten Spulen mit veränderbarem Durchmesser besitzt die Vorrichtung
nach der Erfindung den Vorteil des verminderten Verschleißes und der geringeren
Anschafungs- und Unterhaltungskosten, gestaltet also das ganze Spinnverfahren wesentlich
wirtschaftlicher, einfacher und zeitsparender.
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In der Zeichnung sind mehrere Ausführungsbeispiele des Erfindungsgegenstandes
dargestellt, und zwar zeigen Fig. i die mit Kunstseide bewickelte Spule, Fig. 2
die leere Spule im Längsschnitt, Fig. 3 und d. dieselbe im Querschnitt, Fig. 5 und
6 verschiedene Ausführungsformen von Spule und Spulenhalter im Längsschnitt und
Fig. 7 und 8 zwei Querschnitte durch die Spule in zwei verschiedenen Arbeitsstellungen
in größerem Maßstab.
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Gemäß Fig. i ist die Spule A, hier auch Wickelträger genannt, mit
Kunstseide W bis fast zur Höhe der Räder i und i" bewickelt. In Fig. 2 ist die Spule
A im Längsschnitt gezeichnet; die Schlitze 2 (Fig. 2 und 3) sind leicht ersichtlich.
Diese sind für den Durch tritt der Leisten 3 (Fig. -1) bestimmt, die, zum Spulenhalterß
gehörend, axial in dieSpule.4 eingeführt und dann für die Bewicklung radial nach
außen gedrückt werden, damit der Kunstseidefaden auf einen größeren Umfang aufgewickelt
wird, als ihn die Grundform des Wickelträgers hat. Die Leisten 3 besitzen im Querschnitt
beispielsweise T-Form und sind in großer Anzahl vorhanden, damit die Kunstseidefäden
auf einer möglichst großen Fläche aufliegen. Da die Leisten 3 mit ihren breiten
Auflageflächen nicht in das Innere der Spule--I zurückgeführt werden können, sind
im Rand i" der Spule A entsprechende öffnungen ib vorgesehen, durch die die Leisten
axial hindurchgeführt werden können. Dadurch wird erreicht, daß die Rippen d. (Fig.
2, 3 und .I) der Spule sowie die äußeren Querstege der Längsteile des Spulenhalters,
auch Spulenkopf genannt, verhältnismäßig stark .bz«-. breit bemessen werden können
und der vordere Rand i der Spule in der Rundung auch geschlossen sein kann.
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_Aus den Fig.7 und 8 ist die Anordnung der Leisten 3 in bezug auf
die i, iffnungen i,, der Spule .-f klarer zu erkennen. Hierbei ist noch zu bemerken,
daß Fig. ; die auf den Spulenhalter aufgeschobene Spule bei zusammengezogenen und
Fig. 8 bei gespreizten Leisten 3 darstellen.
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Die großen Flächen. auf denen beim Bc wickeln der Vorrichtung die
Fäden aufliegen, werden bei abgenommener Spule gänzlich frei, und die Fäden finden
nur an verhältnismäßig wenigen Stellen, nämlich an den schmalen oberen Rändern der
Rippen d. der Spule, nach dem Schrumpfen U'iderstand bz«-. Auflage. Hierin liegt
ein großer Vorteil, denn dadurch wiYd eine gleichmäßige Seide erzielt.
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In Fig.5 ist eine Ausführungsform dargestellt, bei der die Leisten
3 des Spulenhalters mit entsprechenden Abschrägungen durch Konen 5, 5, und
ein Sperrgewinde 6 in der gewünschten Lage gehalten werden. 7 ist die Spulenhalterwelle
der Spinnmaschine, 8 der Spulenhalter, der erfindungsgemäß als verstellbarer Haspel
ausgebildet ist. Auf diesen Haspel wird die Spule, deren Ränder i und i" in diesem
Falle gleich sind, aufgesteckt, bis der Rand i. am hinteren Rand g des Spulenhalters
8 anstößt. Hierauf wird der Griff io mit den Konen 5, 5" hereingedrücet und durch
eine leichte Drehung mittels des Sperrgewindes 6 gesperrt bzw. gesichert. Die Leisten
3 des Spulenhalters sind durch die Konen 5, 5u herausgedrückt worden und halten
zugleich die Spule fest. Diese ist zum Bewickeln bereit, und der Kunstseidefaden
wird zwischen den schrägen Rändern i und i" der Spule mit zunehmendem
Fadenführerhub
auf die herausgedrückten Leisten 3 des Spulenhalters aufgewickelt und .bildet den
Wiokel W.
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Anstatt nur mit zunehmendem Fadenführerhub zu arbeiten, kann man vorteilhaft
auch den Hub verlegen oder auf beide Arten gleichzeitig bzw. abwechselnd arbeiten.
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Ist der Wickel fertig, so wird die ihn tragendeSpule abgenommen; zu
welchemZwecke das Sperrgewinde 6 gelöst, - die Konen 5; 5a mittels des Handgriffes
io nach links herausgezogen und die Leisten 3 des Spulenhalters nach innen gezogen
werden. Die letzteren besitzen hierzu eine Zunge 12, die unter den Konus 5" greift.
Der Wickel W ist nun seiner Unterlage 3 beraubt, er stützt sich aber, sich konzentrisch
festhaltend, auf die Ränder i, i" der Spule und kommt erst im Laufe der Nachbehandlung
auf die festen Rippen q. der Spule zur Auflage; der Wickel kann also frei schrumpfen,
und zwar um so viel, als der Umfang der festen Rippen q. kleiner ist als derjenige
der herausgedrückten Leisten 3.
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Ist die -Spule abgenommen und der Spulenhalter leer, so drückt die
Schraubenfeder i i die entlasteten Leisten 3 nach vorn an den Rand 8a des Spulenkopfes.
Wenn nun die leere Spule aufgestoßen und der Griff io mit den Konen 5 und 5a hereingedrückt
wird, fassen die Teile 3 vorerst die Ränder i, i" und nehmen so die Spule sicher
nach hinten mit, l>is sie am Rand 9 des Spulenkopfes anstößt. Auf diese Weise hat
man die Gewähr, daß die Wicklung richtig auf die Spule, d. h. stets genau zwischen
die Ränder i, ia, zu liegen kommt.
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In Fig. 6 ist eine andere Ausführungsform dargestellt, bei der an
Stelle des Sperrgewindes Sperrkugeln mit Federn vorgesehen sind, die in der gleichen
Weise wirken wie das Sperrgewinde 6 bei der vorbeschriebenen Ausführungsform. Die
Bezugszeichen sind die gleichen, soweit sie sieh auf gleiche Teile beziehen. Die
Abbildung zeigt die Vorrichtung in' der Stellung während der Bewicklung.
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Die Leisten 3 des Spulenhalters sind herausgedrückt; sie bilden die
größere Auflage für den Wickel W. Die Konen 5 und 5a sind hohl und beide als Innenkonen
ausgebildet. Kugeln 13 (es ist der Übersichtlichkeit halber nur eine gezeichnet)
bewirken eine Mitnahme der Konen durch den am Spulenkopf 8 sitzenden Wellenzapfen
1q., indem eine Feder 15 die Kugeln stets in den Innenkonus drückt. Ist der Winkel
fertig und soll die ihn tragende Spule abgenommen werden, zieht man vorerst am Kopf
16 nach außen, d. h. nach links; dadurch nimmt der Bund 17 die Kugeln aus der Sperrlage,
und der Bund 18 wirkt gegen den Kragen i9 der Konen 5 und 5, womit
diese ebenfalls nach links gerückt werden und durch die Zunge 12 die Leisten 3 des
Spulenhalters nach innen ziehen. Ihre Führung haben diese zwischen Spulenkopf 8
und Rand 8a.
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Auf diese Art ist eine vollkommen zuverlässige und sichere Aufwickelvorrichtung
geschaffen, die leicht gegen die Säureeinwirkung abgedichtet werden kann. .