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Verfahren zum Stimmen von Saiteninstrumenten Beim Stimmen eines °
Saiteninstrumentes, beispielsweise eines Klaviers, liegt die Schwierigkeit in der
sog. zwölfstufigen -gleichschwebenden Temperatur. Demnach umfaßt ein Tonintervall
von sieben Oktaven gleichzeitig zwölf Quinten.- Werden von unten, also bei den tiefen
Tönen beginnend, die zwölf Quinten nach- dem musikalischen Gehör durchgestimmt,
so muß der -letzte Tön genau sieben Oktaven höher liegen als der Ausgangston (Quintenzirkel),.
Dieses große Schwingungsintervall zwischen- dem tiefsten und dem höchsten Ton. ist-
aber -zu groß, um die Geriauiglceit des Stimmens durch - das Gehör richtig
nachzuprüfen. Aus diesem Gründe wird beim Stimmen erfahrungsgemäß beispielsweise
ausgegangen vom Kammerton a mit achthundertundsiebenzig Einzelschwirigungen (gleibh
vierhundertfünfunddreißig-Doppelschwingungen) in der Sekunde. Der Kammerton a, kann
mit Hilfe einer Stimmgabel festgelegt werden. Von dem Kammerton a ausgehend, wird
.dann ein vollständiger Quintenzirkel in werk etteteri Quinten durchgestimmt, wobei
verschiedene Stimmverfahren angewendet werden können.
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Erfahrungsgemäß stehen die Schwingurigeneiner. nach dem rein musikalischen
Gehör abgestimmten Quinte im -Verhältnis 1,5 -1, während das ,aus- dem Quintenzirkel
mathematisch errechnete Verhältnis
beträgt. Hieraus folgt, daß die Überprüfung eines nach` dem rein musikalischen Gehör
durchgestimmten -Quintenzirkels für den Endton eine zu höhe Schwingungszahl ergibt,
also keine reine Oktave.. Dies hat zur Folge, -daß der ganze StitnmvorgaAg wiederholt
werden muß, wobei dann der- Endfehler des ersten Durchstimmens in den einzelnen
Quintein anteilig ausgeglichen wird (zwölfstufige gleichsch-,vebende Temperatur).
Bei dieser Temperatur ist jeder Halbton gleich
In- dem Stimmen der Töne, bei dem die Oktave in zwölf genau gleiche Tonstufen @eingeteilt
ist, liegt die Schwierigkeit für den 'Stimrner. -:Die Überwindung dieser Schwierigkeit
erfordert
große Geschicklichkeit, Erfahrung und viel Zeitaufwand. Gemäß der Erfindung wird
das Stimmen durch ein Verfahren bewirkt, durch welches der Stimmvorgang wesentlich
vereinfacht und die Geschicklichkeit eines Stimmers und der zeitraubende Vorgang
des Temperierens ausgeschaltet wird.
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Dies wird dadurch erreicht, daß die zu stimmende Saite durch eine
an sich bekannte umlaufende Impulsscheibe und damit zusammenarbeitende Magnete in
Schwingung gebracht und dabei gleichzeitig mit dem Stimmschlüssel so weit gespannt
wird, bis Resonanz eintritt.
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In der Zeichnung ist die Erfindung an einem. Ausführungsbeispiel näher
erläutert. Fig. i zeigt die Stimmvorrichtung in schematischer Darstellung.
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Fig. 2 zeigt eine Einzelheit der Fig. z in Pfeilrichtung. e Fig. 3
zeigt die Tastatur eines Klaviers. Die Vorrichtung zum Stimmen besteht aus einer
drehbaren Welle i, die durch einen Motor o. dgl. Mittel angetrieben wird. Auf der
Welle i sind Scheiben 2, 3, 4 starr befestigt, die an ihrem Umfang mit Ausnehmungen
5 versehen sind. Beispielsweise bei einer Quinte hat die Scheibe 2 entsprechend
dem mathematischen Schwingungsverhältnis vierhunderteinundvierzig Ausschnitte, die
Scheibe 3 zweihundertfünfundneunzig und die Scheibe 4 zweihunderteinundzwanzig Ausschnitte.
Selbstverständlich kann auch das Schwingungsverhältnis eines Halbtons zugrunde gelegt
wer= den. In diesem Falle müßte die Scheibe 2 mit einhundertsechsundneunzig, die
Scheibe 3 mit einhundertfünfundachtzig und die Scheibe 4 mit achtundneunzig Ausnehmungen
5 versehen sein. Die Umlaufzahl der Achse i kann auf verschiedene Werte eingestellt
werden. Jede Scheibe 2, 3, 4 wird an ihrem Umfang von permanenten Magneten 6, 7,
8 beeinflußt, die mit Sekundärmagneten 9, i o, I i gleicher Konstruktion
paarweise in Serie geschaltet sind. Die Sekundärmagnete 9, i o, i i werden mit geringem
Abstand von den zu stimmenden Saiten angeordnet und entsprechend den von den Scheiben
2, 3, 4 ,erzeugten Impulsen in Schwingungen versetzt. Währenddieser Schwingungen
werden die Saiten gespannt, d. h. es wird mit einem Stimmschlüssel Übereinstimmung
der Töne (Resonanz) herbeigeführt. Die richtige Abstimmung wird erkennbar durch
das Verschwinden der sog. Tonschwebungen.
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Der Stimmvorgang vollzieht sich in der Weise, daß der Sekundärmagnet
9 zunächst an eine Stimmgabel angelegt wird, die im Ausführungsbeispiel auf den
Ton a mit achthundertsiebenzig Einzelschwingungen geeicht sein möge. Alsdann wird
die Achse i in ihrer Umlaufzahl so geregelt, daß die Stimmgabel in Resonanz gerät.
Jetzt -wird der Sekundärmagnet 9 an die der Stimmgabel entsprechende Saite a des
zu stimmenden Instrumentes angelegt und diese mit dem Stimmschlüssel zur Resonanz
gebracht, wodurch die Saite a genau auf den Ton a der Stimmgabel abgestimmt ist.
Wird jetzt der Sekundärmagnet io an die Saite e angelegt, dann ist es möglich, die
Saite e infolge der mathematisch richtigen Impulszahl der Scheibe 3 auf die mathematisch
richtige Quinte abzustimmen. Wird jetzt der Sekundärmagnet 9 an die Saite e angelegt
und die Umlaufzahl der Achse i so geregelt, daß die Saite e wieder zur Resonanz
gebracht wird, dann kann mit dem Magneten i o die nächst höhere Quinte eingestimmt
werden. Dieser Vorgang kann so oft wiederholt werden, bis der Quintenzirkel (Fig.3)
geschlossen ist.
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Durch die beschriebene Maßnahme sind alle Saiten so eingestimmt, daß
sie im richtigen mathematischen Verhältnis schwingen. Dies hat zur Folge, -daß die
zeitraubende Arbeit _ des Temperierens fortfällt.
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Die Anzahl der Ausnehmungen 5 in den Scheiben 2, 3, 4 ist verhältnismäßig
groß. Sie kann durch Einschalten von übersetzungsrädern in bekannter Weise herabgemindert
werden.