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Verfahren zur Herstellung von Tiefdruckformen Das Ziel, bildliche
Darstellungen mit ihrem Bildträger direkt in Tondruckplatten für Tiefdruck zu überführen,
kann nach einem bekannten Verfahren so erreicht werden, daß die Darstellungen auf
geraubte Platten aus Cellulosederivaten aufgebracht werden, deren raube Oberflächen
bei Behandlung mit Lösungsmitteln je nach der Deckung durch die Farbe der Darstellung
entweder erhalten bleiben oder teilweise oder völlig geglättet werden.
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Diesem Verfahren haften verschiedene Nachteile an: Es können nur solche
Farbaufträge benutzt werden, die mit den Lösungsmitteln widerstehenden Bindemitteln
stark und undurchdringlich gebunden sind. Das bringt eine Beschränkung des Materials
mit sich auf dickflüssige Farben, fettige Stifte u. dgl. und ein Ausschalten wünschenswerter
Materialien, wie z. B. Zeichenkohle u. dgl. Das Hantieren mit den flüchtigen ätherischen
Lösungsmitteln ist unangenehm, nicht ungefährlich und erfordert Übung. Besonders
aber erweichen in ihnen die Platten stark, verziehen und werfen sich beim Trocknen,
das außerdem erst nach längerer Zeit zu völligem Erhärten führt. Außerdem ist die
einmal gequollene Masse aufgelockert und von geringerer Härte. Das vorliegende neue
Verfahren beseitig diese Nachteile, indem es einen anderen neuen Weg einschlägt.
Er beruht auf folgender Erwägung Ein geraubter Bildträger nimmt an und für sich
mittels der zwischen feinen Stegen sitzenden Vertiefungen eine gewisse Menge von
Druckfarbe auf (Fig. i). Diese Farbmenge stellt eine durch Stege unterbrochene Farbschicht
dar. Um ein Druckbild zu ergeben, müssen die Vertiefungen an starkfarbigen oder
dunklen Bildstellen tief, an helleren geringer sein, an leeren völlig fehlen. Es
ist dann also ein vertieftes, abgestuftes Relief vorhanden (Fig. 2). Umgekehrt stellt
eine mit Körperfarbe her- _ gestellte Darstellung -auf einer ebenen, ungerauhten
Fläche ein wenn noch so schwaches, erhöhtes Farbrelief dar (Fig. 3).
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Wird eine solche Darstellung wie sonst etwa auf Papier auf eine durchweg
geraubte Fläche als Bildträger z. B. durch Zeichnen aufgebracht, so füllt die Farbe
die Rauhungsvertiefungen bei hellen Tönen wenig, bei tiefen stark, so daß das erwähnte
Farbrelief nunmehr unterbrochen durch feine Stege in der geraubten Fläche sitzt
(Fig. 4). Wenn es gelingt, dieses schwache Relief in den Bildträger
selbst
abzuprägen, wobei die Malfarbe ähnlich einer Matrize wirkt, so muß nach Entfernen
der Malfarbe ein ihr entsprechendes Tiefenrelief übrigbleiben, das mit Druckfarbe
gefüllt wieder dem gezeichneten Bilde entspricht und auf Papier übertragen das gleiche
Bild ergeben muß.
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Zur Verwirklichung sind als Bildträger ge= eignet ebene Flächen von
Folien, Platten u. dgl., die mit feinen Vertiefungen zwischen Stegen (kornartig,
rasterartig usw.) versehen sind und die im Augenblick der Prägung plastisch sind
und nach der Prägung hart werden oder gemacht werden können. Beispiel Als Bildträger
wird ein Material gewählt, das bei Erhitzen plastisch wird, z. B. Cellon in Platten.
Die Bildtafeln werden, wie schon bei den früheren Verfahren angegeben, gerauht,
indem gegen die. erweichte Platte geeignete rauhe Flächen, wie Stoffe, gekörnte
feste Flächen usw., gepreßt werden; auch können Rauhungen yerwendbar sein, die durch
Sandgebläse oder sonst erzielt werden, wenn die Rauhung genügend fein gebrochen
ist und genügend Stege aufweist.
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Die Darstellungen auf diesen Platten können bei dem neuen Verfahren
grundsätzlich aus jeder körperhaften Farbe bestehen, wofern der Farbstoff selbst
oder sein eventuelles Bindemittel bei der anzuwendenden Temperatur nicht schmelzbar
ist.
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Zur Prägung der Druckplatte, d. h. der Umwandlung der Zeichenplatte
selbst in eine Tiefdruckplatte, wird zweckmäßig im Falle unseres Beispieles ein
besonderer Apparat verwendet. Er besteht aus einer Presse, die eine heizbare, z.
B. elektrisch erwärmbare Plattenunterlage enthält, über die eine Metallkappe mit
Hebelverschluß festgeklappt wird. Die Kappe enthält eine Gummiblase, die durch eine
Luftpumpe zu mehreren Atmosphären Druck aufgeblasen wird. Auch eine gewöhnliche
Spindelpresse o. dgl. ist verwendbar; doch ist Gleichmäßigkeit und Regulierbarken
des Druckes notwendig. - An einem Thermometer ist der Hitzegrad der Heizplatte,
an einem Manometer der Druck der Luftpumpe ablesbar. Die Hitze ist regulierbar.
durch Schaltungen oder Thermostat.
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In dieser Heizpresse wird nun die gerauhte, mit einer Darstellung
in körperhafter Farbe, z. B. einer Kohlezeichnung, versehene Zeichenplatte gegen
eine glatte Fläche gelegt und bei entsprechender Hitze dem gleichmäßig verteilten
Druck ausgesetzt. 'Die Zeichenplatte erweicht in der Hitze, formt gegen die Auflage
gepreßt das in ihren Vertiefungen sitzende Farbrelief ab, indem die jetzt plastische
Masse an farbfreien Stellen glattgepreßt wird und entsprechend der Menge der in
den Tiefen sitzenden Farbe an gedeckten Stellen mehr oder weniger Rauhungssteife
erhalten bleibt. Nach einigen Minuten ist sie fertig geprägt und herausgenommen
nach dem rasch erfolgenden Erkalten sofort wieder erhärtet (Fig. 5). Die ungedeckten
Stellen sind nunmehr glatt, die gedeckten ihrer Farbfüllung entsprechend mehr oder
weniger tief geblieben; die Stege zwischen den Vertiefungen sind in die Ebene der
glatten Fläche gepreßt. Nach Auswaschen der Darstellungsfarbe ist die Platte befähigt,
an deren Stelle dasselbe Quantum von Druckfarbe aufzunehmen (Fig. 6 und 7). Als
Tiefdruckplatte auf Papier gedruckt gibt 'sie der Originaldarstellung entsprechend
die Farbe ab (Fig. 8).
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Umgekehrt können auch auf glatten Flächen druckfähige Rauhungen erzeugt
werden, z. B. durch Auftrag körniger Farbschichten und Einpressen in die erweichte
Fläche oder durch Gegenpressen solcher gegen sie. In diesem Falle enthält das Farbrelief
der Darstellung die zum Druck nötige Auflösung in Tiefenpunkte durch ihre eigene
Körnung, die erreicht wird z. B. durch Zusätze zur Farbmasse von hartem Pulver,
kristallisierenden Lösungen u. dgl. (Fig. 9).
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Gedruckt wird entsprechend dem Kupferdruck. Die Möglichkeit des Schnellpressentiefdruckes
ist dabei auch gegeben, da die Stege bei diesem Verfahren, wie bemerkt, in eine
Ebene gepreßt werden und so einen Halt für den Rakel ergeben können.
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DieAufbringungvon Darstellungenkanndurch Hand oder auch durch Übertragung
von Lichtbildern (Umdruck; Chromgummischichten usw.) erfolgen.
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Die Gesamtrauhung der Platten und die dazu nötige Erweichung kann
im Falle unseres Beispieles ebenfalls in der Heizpresse vorgenommen werden.
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Um widerstandsfähigere Druckplatten für größere Auflagen zu erhalten,
können von den Originalplatten Matrizen genommen werden, z. B. direkte Positivgalvanos,
und in der Heizpresse beliebig oft in Platten aus der Masse der Zeichenplatten abgeprägt
werden. Auch galvanische Wiederholungen an sich können natürlich als Druckplatten
benutzt werden.
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Das Abprägen für die Herstellung von Druckplatten von vorhandenen
Druckreliefs ist an sich bekannt. Neu ist, daß das Darstellungsbild selbst sozusagen
als Prägeplatte ohne photomechanische oder sonstige Behandlung und der Träger dieser
Darstellung als zu prägende Platte benutzt wird.
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Die Vorteile des neuen Verfahrens sind vielfach: Die Beschränkung
auf stark gebundene, lösungsmittelfeste Stifte und Farben entfällt; es kann selbst
mit Pastell, Kreide und Kohle
und mit nicht oder schwach gebundenen
Farbstoffen gearbeitet werden. Lösungsmittel werden nicht benötigt; die Platten
werfen und verziehen sich nicht; man-braucht kein langsames Erhärten abzuwarten;
die Platten sind sofort nach der Prägung druckfertig und nicht gelockert durch Lösung,
sondern, verdichtet durch Druck, hart.
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Mehrere Platten für einen Druck (Farbteilplatten) können natürlich
in derselben Weise hergestellt werden.