DE685685C - Verfahren zur Herstellung von Geweben, Gespinsten und anderen Textilien aus tierischen Hautfasern - Google Patents

Verfahren zur Herstellung von Geweben, Gespinsten und anderen Textilien aus tierischen Hautfasern

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DE685685C
DE685685C DEF77980D DEF0077980D DE685685C DE 685685 C DE685685 C DE 685685C DE F77980 D DEF77980 D DE F77980D DE F0077980 D DEF0077980 D DE F0077980D DE 685685 C DE685685 C DE 685685C
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Description

  • Verfahren zur Herstellung von Geweben, Gespinsten und anderen Textilien aus tierischen Hautfasern Es sind verschiedene Vorschläge gemacht worden, um aus Tierhäuten Fasern zu gewinnen. Die meisten dieser Verfahren ergeben für Spinnzwecke praktisch unverwertbare Produkte, weil die hierbei erhaltenen Fasern entweder nur als kurze Trümmer anfallen oder aber, sofern sie von größerer Länge sind, Knoten aufweisen.
  • Die Erfinderin hat sich die Aufgabe gestellt, aus tierischen Häuten, wie Rindshäuten, Kalbshäuten u. dgl. oder Hautabfällen, wie Rindersehnen, lange und knotenfreie Fasern zu gewinnen, die z. B. für die Herstellung von Gespinsten, Geweben oder anderen Textilien geeignet sind.
  • In dem Hauptpatent 6q_5 070 und in dem Zusatzpatent 646 085 hat die Erfinderin erkannt, daß der Verwendung von tierischen Häuten oder Hautabfällen für die Herstellung von Gespinsten, Geweben und anderen Textilien die ungünstigen kolloidalen Eigenschaften der Hautfasern entgegenstehen, die sich beim Trocknen des Fasermaterials nach üblichen Methoden, z. B. durch Erwärmen oder Überleiten von Luft, dadurch ungünstig bemerkbar machen, daß sie zu Verklebungen und Verhornungen des Fasermaterials Anlaß geben. Es ist nicht möglich, das heim Trocknen erhaltene teilweise verhornte und teilweise verklebte Fasermaterial in Einzelfasern von für die textiltechnische Verarbeitung genügender Feinheit aufzuteilen.
  • In dem Hautpatent 645 o7o und dem Zusatzpatent 646 o85 wurde gezeigt, daß zur Herstellung von Gespinsten, Geweben oder anderen Textilien geeignete Fasern dadurch hergestelltwerden können, daßdasdurch Grobzerfaserung von mit Ouellungsmitteln vorbehandelte Haut gewonnene Fasermaterial durch Behandlung mit die kolloidalen Eigenschaften der Fasern ändernden, insbesondere Verklebungen und Verhornungen bei der Wasserentziehung verhindernden Mitteln, z. B. mit mit Wasser mischbaren organischen Flüssigkeiten oder mit gerbend wirkenden Stoffen, in einen Zustand übergeführt werden, in dem es ohne Schwierigkeiten getrocknet und in Einzelfasern zerteilt werden kann.
  • Die nach diesem Verfahren erhaltenen Fasern sind in einzelnen Fällen je nach den verwendeten Ausgangsstoffen für die textiltechnische@Verarbeitung nicht völlig geeignet, da sie teilweise zu kurz sind und teilweise Knoten, Knäuel u. dgl. aufweisen.
  • Untersuchungen haben gezeigt, daß diese Nachteile darauf zurückzuführen sind, daß sowohl die bekannten mechanischen Verfahren als auch die mechanischen Verfahren der Vorpatente dem strukturellen Aufbau der tierischen HatSt nicht genügend Rechnung tragen. Vom Standpunkt der Fasergewinnung ist es wesentlich, daß die tierische Haut aus sich verästelnden Fasersträngen der verschiedensten Dicken besteht, die in intensiver Weise untereinander verfilzt sind. Wird die Haut einer ungeeigneten mechanischen Behandlung unterworfen, z. B. nach dem Hauptpatent 645 070 oder dem Zusatzpatent 646 o85 im Holländer oder mit einem Reißwolf zerteilt, so werden die verfilzten Fasergebilde zum Teil in kurze Trümmer zerrissen oder an einzelnen Stellen zu Knoten, Knäuel u. dgl. verdichtet.
  • Es wurde nun gefunden, daß man spinnbare, praktisch knotenfreie Fasern dadurch erhalten kann, wenn man bei dem Verfahren des Hauptpatents 645 070 die Grobzerfaserung durch Auspressen der gequollenen Haut oder des daraus gewonnenen Hautfasermaterials durch lange sich allmählich verjüngende Rohre oder Düsen durchführt und wenn man die hierbei erhaltenen Stränge, Fäden oder Bänder, in denen die Fasern gleichgerichtet sind, unmittelbar hierauf unter Vermeidung einer Lufttrocknung nach dem Hauptpatent mit die kolloidalen Eigenschaften der Fasern ändernden, - insbesondere Verklebungen und Verhornungen des Fasermaterials bei der Wasserentziehung verhindernden Mitteln behandelt und anschließend in Fasern zerlegt.
  • Es ist in der französischen Patentschrift 764 642 ein Verfahren zur Herstellung von Fasermassen aus tierischem Hautmaterial und zur Verarbeitung dieser Massen auf Formgebilde beschrieben, nach dem die tierischen faserhaltigen Ausgangsstoffe mit Hilfe von quellend wirkenden Mitteln und durch mechanische Behandlung unter Erhaltung der Fasern in einen pastenartigen glitschigen Zustand übergeführt werden. Diese mechanische Zerteilung der gequollenen Hautsubstanz kann u. a. dadurch erfolgen, daß diese durch lange sich allmählich verjüngende Rohre-oder Düsen unter hohem Druck gepreßt wird. Die aus diesen zerfasernden Düsen oder Rohren austretenden Stränge oder Fäden, die die Einzelfasern in freiem Zustand .enthalten, werden nach der französischen Patentschrift in Knetern oder Mischern homogenisiert und durch Pressen zwischen Walzen oder durch Düsen in Formkörper übergeführt, die durch Behandlung mit entwässernden oder gerbenden Flüssigkeiten oder Gasen oder durch Trocknen verfestigt werden können.
  • Gegenüber diesem bekannten Verfahren unterscheidet sich die Erfindung dadurch, daß sie beim Auspressen der gequollenen Hautsubstanz durch lange sich allmählich verjüngende Rohre oder Düsen erhaltenen Stränge, Fäden oder Bänder nicht etwa homogenisiert werden, um später in Formkörper übergeführt zu werden, sondern durch Behandlung mit die kolloidalen Eigenschaften der Fasern verändernden Mitteln entquollen werden und hierauf auf Krempeln und ähnlichen Zerfaserungsvorrichtungen fein zerfasert werden. Während nach der französischen Patentschrift die durch Auspressen durch Rohre oder Düsen grobzerfaserte gequollene Haut auf künstliche Formkörper verarbeitet werden soll, werden aus dem hierbei erhaltenen gequollenen Grobfasermaterial nach der Erfindung durch Entquellen und Feinzersafern die Naturfasern isoliert, die auf Gespinste, Gewebe oder andere Textilien verarbeitet werden.
  • In Ausübung der Erfindung werden die zu verarbeitenden Häute oder Hautteile mit alkalischen Flüssigkeiten, wie Kalkmilch, verdünnte Natronlauge, Ammoniak, oder mit sauren Flüssigkeiten, wie Ameisensäure, Essigsäure, Milchsäure, Salzsäure, schweflige Säure, oder mit quellend wirkenden Salzlösungen, wie Rhodanide, Soda, behandelt, bis das Hauptgewebe in einen weichen und schlüpfrigen Zustand übergeführt wird. Die Behandlung der Haut mit Ouellungsmitteln kann einstufig oder mehrstufig, gegebenenfalls unter Verwendung verschiedener Ouellungsmittel, durchgeführt werden.
  • Die so vorbehandelte Haut oder Hautteile können entweder direkt durch sich verjüngende Rohre gepreßt werden, um die Fasern unmittelbar in Schnur- oder Bandform parallel geordnet zu gewinnen, oder aber zuvor einer mechanischen auflockernden Behandlung unter weitgehender Vermeidung von Zerreißungen unterworfen werden.
  • Diese Auflockerung kann erfolgen z. B. durch vielfaches wiederholtes langsames Eintreiben keilförmiger Dorne oder durch Zerfasern mit Stachelwalzen oder durch Walken, Hämmern und Kneten oder ähnlich wie bei endgültigem Parallelordnen durch Auspressen durch sich verjüngende Düsen.
  • Zur Herstellung von Strängen, Fäden und Bändern, in denen die Fasern parallel geordnet sind, wird die in Stücke geschnittene gequollene Haut oder das aus solcher gewonnene Fasermaterial unter sehr hohen, z. B. mehrere hundert Atmosphären und darüber betragenden Drucken durch lange, sich allmählich verjüngende Rohre gepreßt. Bei diesem Auspressen ziehen sich infolge der durch dieVerjüngung der Rohre wachsenden Geschwindigkeiten die Fasern unter gleichzeitiger Parallelordnung auseinander. Hierbei ist es erforderlich, Rohre oder Düsen zu verwenden, deren Länge mindestens das io- bis 2ofache der üblichen Faserlänge und mehr beträgt. Da die aus Haut zu. erhaltenden Fasern 3 bis q. cm lang sein können, muß man Rohre von mindestens 3o bis 4o cm, vorzugsweise von z bis 2 m Länge und darüber, verwenden. Es werden vorzugsweise zylindrische Rohre verwendet, die sich so stark verjüngen, daß die sich bildenden Fäden z. B. i bis 2 mm dick sind. Gegebenenfalls können zwecks Vergrößerung der Oberfläche des parallel geordneten Materials auch Rohre mit anderem, z. B. ovalem oder gestreckt rechteckigem Querschnitt verwendet werden.
  • Zur Erhöhung des Reibungswiderstandes empfiehlt es sich, die Innenwände der Rohre zu rauhen oder mit Querrillen zu versehen. Gegebenenfalls können zur Begünstigung der Parallelordnung der Fasern statt einfacher Rohre Doppelrohre bzw. Rohre mit zentrisch angebrachten Keilen verwendet werden. Zweckmäßig ist es, sich verjüngenden Stellen der Rohre oder Düsen längere Stücke mit gleichmäßigem Querschnitt folgen zu lassen, um die Parallelordnung zu vervollkommnen.
  • Nach einer Ausführungsform der Erfindung können auch Rohre, die an ihrem Ende als Flachdüsen ausgebildet sind, verwendet werden. Ebenso können die aus den zylindrischen Rohren austretenden Stränge oder Fäden durch Umlenkrollen oder Walzenpressen gestreckt und bzw. oder zu bandförmigen Gebilden gepreßt werden. Stauchungen und Zerreißungen müssen jedoch in diesem Arbeitsgang vermieden werden. Die Fäden werden hierdurch zu bandförmigen Gebilden von z.B.-o,5 mm Dicke flach gedrückt.
  • Die aus den Rohren heraustretenden Stränge, Fäden oder Bänder werden mit Mitteln behandelt, die die kolloidalen Eigenschaften der Fasern verändern, insbesondere Verklebungen und Verhornungen des Fasermaterials bei der Wasserentziehung zu verhindern vermögen und gegebenenfalls gleichzeitig mehr oder weniger entwässert. Es ist von Wichtigkeit, daß das aus den Rohren heraustretendeFasertnaterial unmittelbar und unter Vermeidung einer Lufttrocknung der Behandlung mit diesen Mitteln unterworfen wird.
  • Das Fasermaterial kann z. B. mit entquellend und gleichzeitig entwässernd wirkenden Flüssigkeiten, wie Alkohol und Aceton, behandelt werden. Nachdem der gewünschte Grad der Entwässerung bzw. Entquellung erreicht ist, kann die organische Flüssigkeit nach üblichen Methoden entfernt werden. Daraufhin kann das Fasermaterial gegebenenfalls nach vorhergehendem Wässern in Salzlösungen gegerbt und gefärbt werden, worauf es der Feinzerfaserung unterworfen- wird.
  • An Stelle oder neben den organischen Flüssigkeiten können Gerbstoffe oder als Gerb-Stoffe wirkende Stoffe oder ihre Lösungen verwendet werden.
  • Schließlich kann man das aus den Rohren austretende Fasermaterial zur Veränderung seiner kolloidalen Eigenschaften, insbesondere zur Verhinderung von Verklebungen und Verhornungen bei der Wasserentziehung zuerst mit Stoffen, wie Wasser, Alkalien, Erdalkalien oder Säuren, behandeln, die auf die zu Verklebungen und Verhornungen Anlaß gebenden Begleitstoffe der Fasern eine lösende Wirkung ausüben und erst danach einer Behandlung mit Gerbstoffen oder Gerbstofflösungen unterwerfen. Bei dieser Ausführungsform richtet sich die chemische Natur der Bäder nach der chemischen Vorbehandlung der Haut vor der mechanischen Auflockerung und dem Pressen durch Rohre.
  • Die Behandlung mit Mitteln, die die kolloidalen Eigenschaften der Fasern verändern, wird nach einer der bei der Gerberei üblichen Methoden durchgeführt. Die aus den Rohren austretenden Stränge, Fäden oder Bänder können z. B. durch verschiedene Bäder, Entwässerungs-, Neutralisations-, Pickel-, Gerbbäder usw. und dazwischen oder gleichzeitig zwischen Walzen geführt, ausgepreßt oder umgelenkt werden. Gegebenenfalls können die Fäden oder Bänder nach erfolgtem Auspressen wieder in die betreffenden Bäder zurückgeführt oder in neue eingeführt werden.
  • Zur Stabilisierung der Gerbung ist es erwünscht, die gegerbten Stränge, Fäden oder Bänder gegebenenfalls nach vorherigem Auspressen auf Spulen mehrere Tage z. B. in einem geeigneten feuchten Raum zu lagern, um sie dann, ähnlich wie es der Gerberei- und Ledertechnik entspricht, z. B. durch Entsäuerungs-, Fett- und Farbbänder durchzuführen und schließlich in Trockenkammern zu trocknen und gegebenenfalls wieder anzufeuchten.
  • Das Fetten kann gegebenenfalls auch vor dem Lagern oder während des Lagerns vorgenommen werden. Für das Fetten ist es von Wichtigkeit, daß der Faden einen geringeren Durchmesser oder das Band eine geringere Dicke hat, damit das Fasermaterial durchgehend benetzt und durchgefettet wird. Die Trocknung kann gegebenenfalls durch Behandlung mit Alkohol oder Aceton erfolgen. Man kann gegebenenfalls hart trocknen, d. h. das Fasermaterial auf z. B. 6 bis 70;o Wassergehalt einstellen. Man kann aber auch relativ feuchtes Material mit z. B. 15 bis 30% Wassergehalt in Einzelfasern aufschließen.
  • Die Zerlegung der Fäden oder Bänder in Einzelfasern wird auf Krempeln und ähnlichen Vorrichtungen durchgeführt. Gegebenenfalls kann man während dieser Freilegung der Einzelfasern das Fasermaterial trocknen oder mit Stoffen, die seine Eigenschaften zu verbessern vermögen, z. B. mit Weichmachungsmitteln, Fetten, Ölen, z. B. Degra, gegebenenfalls unter Mitanwendung von organischen Lösungsmitteln, behandeln.
  • Von Wichtigkeit ist, daß alle Arbeitsvorgänge fließend und unter Vermeidung von ruckartigen Bewegungen ausgeführt werden. Die Haut soll während der verschiedenen Vorgänge nur Zugwirkungen unterworfen werden, jedoch weder gerissen. noch, zumal in noch ungefestigtem Zustand, gestaucht werden. Hierbei erhält man Einzelfasern, die eine erhebliche Länge aufweisen und praktisch knotenfrei sind, so daß sie mit Erfolg gesponnen, verwoben und bzw. oder auf andere Weise textiltechnisch verarbeitet werden können.
  • Beispiele i. Einenach6wöchigerVoräscherungneutralisierte, mit Salzsäure auf pH = 2,5 gebrachte, hoch gequollene Rindshaut wird in etwa 2 qcm große Stücke zerschnitten, in eine Presse eingebracht, die sich langsam verjüngt und in 2o Düsen ausmündet. Die Düsen haben anfänglich einen Querschnitt von 30 mm Durchmesser und verjüngen sich allmählich auf einer Länge von z. B. 2 m auf einen Querschnitt von 5 mm Durchmesser. Das so gewonnene, im Verband gelockerte Hautmaterial wird anschließend in einem Kneter homogenisiert und erneut durch eine Presse, die ähnlich wie die .erste, nur in feinere Düsen ausmündet, endgültig parallel geordnet. Es tritt entsprechend der Öffnung der Düsen ein z. B. i mm dicker Faden unmittelbar in ein Bad von 7'1, Kochsalz und o,511, @Tatriumbicarbonat ein, wird dadurch, d. h. durch die teilweiseEntsäuerung und dieWirkung desKochsalzes, entquollen (gepickelt), anschließend in ein saures Chromsulfatbad geführt und aufgespult.
  • Nach mehrtägiger Ruhe werden die chromgegerbten Fäden abgespult, zwischen Filzwalzen ausgepreßt, zwecks Entsäuerung zunächst durch ein Bicarbonatbad, dann anschließend durch .ein Fettemulsionsbad durchgezogen, bei 6o° getrocknet, anschließend in einer Kammer, die bei 20° 70"/, Feuchtigkeit enthält, auf natürlichen Wassergehalt gebracht (etwa 15'/,) und wieder aufgespult. Die so erhaltenen Fäden lassen sich dann auf Krempeln usw. leicht in Einzelfasern zerlegen.
  • 2. Spaltmaterial, das 14Tage in 2°/oiger Natronlauge gequollen war, wird in einem Reißwolf zerfasert, dann mit Hilfe einer Presse durch sich allmählich verjüngende Düsen gepreßt. Der erhaltene Strang von etwa 2 mm Durchmesser wird vorsichtig zu einem Band von ungefähr 0,5 mm Dicke flach gedrückt, das Band sofort anschließend durch ein Bad von Ammoniumchlorid und als Beize dienenden Bauchspeicheldrüsenextrakt gezogen und so neutralisiert und zwischen Filzwalzen ausgepreßt. Dann wird es durch Tran gezogen, in einen Raum von 25' eingehängt, unter reichlichem Luftwechsel durch Oxydationsgerbung gegerbt, anschließend durch ein Benzinbad gezogen und entfettet und der Krempel zum Freilegen der Einzelfasern zugeführt.
  • 3. 14 Tage gekalkte Schweinsblöße wird durch Auswaschen von Kalk weitgehend befreit und mit Ameisensäure gequollen. Das gequollene Material wird durch sich allmählich verjüngende Düsen, die allmählich in eine Flachdüse ausmünden, zu Bändern parallel geordneter Fasern geformt. Die Bänder, die zweckmäßigerweise eine Breite von io mm und 0,4 mm Dicke haben, werden unmittelbar anschließend in einem Pickelbad, das 5 °/o Glaubersalz enthält und mit Hilfe von Schwefelsäure dauernd auf p$=3,8 gehalten wird, neutralisiert und gesäuert, anschließend durch Bäder gezogen, die zunächst Eisengerbsalze, dann Chromgerbsalze enthalten, zwischen Preßwalzen von den überschüssigen Gerbstoffen befreit, zwecks Entfernung der überschüssigen Säuren durch ein Boraxbad gezogen, unmittelbar anschließend durch ein Anilinfärbbad gebracht und wieder anschließend mit einer Seifen-Lederfett-Emulsion gefettet, bei 35° getrocknet, zwecks Anfeuchtung kurz durch ein Wasserbad gezogen und zur Krempel geführt.
  • 4. 8 Wochen gekalkte Spaltabfälle werden durch starkes Kneten und Stampfen grob zerfasert. Der so erhaltene, stark gequollene Faserbrei wird durch sich verjüngende Düsen ausgepreßt. Der erhaltene Faden von etwa o,8 mm Dicke wird durch Wasser und Ammoniumchlorid von Kalk befreit, unmittelbar in ein Acetonbad geführt, wo er zunächst entwässert und anschließend entfettet wird. Nach Abdunsten des Acetons, das bei erhöhter Temperatur vorgenommen werden kann, ist der Faden lagerfähig. Wird der Faden wieder benetzt, so kann er nach einem der obigen Beispiele weiter behandelt werden.
  • 5. Geäscherte Haifischhaut wird mit i °/oiger Natronlauge 8 Tage lang nachbehandelt, anschließend zwischen Walzen gequetscht, so daß die Fasern in ihrem Verband gelockert werden, das Fasermaterial durch lange sich verjüngende Düsen ausgepreßt, parallel geordnet, unmittelbar nach dem Verlassen der Düse neutralisiert, in einem der üblichen Pickelbänder gepickelt und mit Aluminiumsulfat und anschließend mit synthetischem Gerbstoff gegerbt.
  • Der so erhaltene gegerbte Faden wird mit Eigelb gefettet und anschließend mechanisch in die Einzelfasern zerlegt. 6. 4. Wochen lang gekalkte Rindersehnen werden durch Stampfen grob zerfasert und anschließend in Salzsäure gequollen. Das erhaltene stark gequollene Fasermaterial wird durch sich verjüngende Rohre gepreßt. Der erhaltene Faden von i mm Dicke wird in ein Pickelbad eingeführt und anschließend gegerbt. Der noch feuchte, gegerbte Faden wird getrocknet und auf der Krempel in einzelne Fasern zerlegt. Der Faden kann auch in der in den anderen Beispielen beschriebenen Weise veredelt werden.

Claims (1)

  1. PATEI\TTANSPRÜCFIE i. Verfahren zur Herstellung von Gespinsten, Geweben und anderen Textilien nach Patent 645 07o durch Verspinnen, Verweben oder andere Verarbeitung von Hautfasern, die durch Grobzerfaserung von mit OuellungsmittelnbehandelterHaut, Behandlung des Grobfasermaterials mit die kolloidalen Eigenschaften der Fasern ändernden, insbesondere Verklebungen und Verhornungen bei der Wasserentziehung verhindernden Mitteln, z. B. mit mit Wasser mischbaren organischen Flüssigkeiten und Feinzerfaserung gewonnen wurden, dadurch gekennzeichnet, daß die Grobzerfaserung durch an sich bekanntes Auspressen der gequollenen Haut oder des daraus gewonnenen Hautfasermaterials durch lange sich allmählich verjüngende Rohre oder Düsen erfolgt, und daß die hierbei erhaltenen Stränge, Fäden oder Bänder unmittelbar hierauf unter Vermeidung der Lufttrocknung mit die kolloidalen Eigenschaften der Fasern verändernden Mitteln behandelt werden. a. Verfahren nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet, daß man sich verjüngende Rohre verwendet, deren Länge vorzugsweise mindestens das io bis aofache der Faserlänge, z. B. 30 cm bis z m beträgt und deren Öffnung an der Austrittsstelle so eng ist, daß Fäden von etwa i bis a mm Durchmesser erhalten werden. 3. VerfahrennachdenAnsprüchen i unda, dadurch gekennzeichnet, daß man sich verjüngende Flachdüsen bzw. Rohre, die in Flachdüsen enden, verwendet. 4. Verfahren nach denAnsprüchen i bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß man die aus den Rohren oder Düsen austretenden Stränge, Fäden oder Bänder unter Vermeidung v onZerreißungen undStauchungen durch Walzen bzw. Walzenpaare streckt und gegebenenfalls in gespannter Richtung z. B. durch Gerbbäder weiterführt. 5. Verfahren nach den Ansprüchen i bis 4., dadurch gekennzeichnet, daß man die Stränge, Fäden oder Bänder vor der Behandlung mit Gerbstoffen o. dgl. mit Stoffen, wie Wasser, Alkalien, Erdalkalien oder Säuren, behandelt, die eine lösende Wirkung auf die zu Verklebungen und Verhornungen Anlaß gebenden Stoffe ausüben. 6. Verfahren nach den Ansprüchen i bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß man das mit Gerbstoffen behandelte stzräng-, faden-oder bandförmige Material vorzugsweise in aufgespultem Zustand z. B. einige Tage lang lagert und erst dann weiterbehandelt. 7. Verfahren nach den Ansprüchen i bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß man die Stränge, Fäden bzw. Bänder trocknet und anschließend -'in einen beliebigen Feuchtigkeitszustand überführt, in dem sie in Einzelfasern aufgespalten werden.
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* Cited by examiner, † Cited by third party
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DE1017898B (de) * 1954-12-09 1957-10-17 Walter Becker Verfahren zur Herstellung eines lagerfaehigen, fuer die Erzeugung von Kunstdaermen und anderen kuenstlichen Hautgebilden aus tierischer Haut durch Ausformung mittels Duesen geeigneten Ausgangsmaterials

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