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Verfahren zur Behandlung von Därmen@von Seesäugetieren, insbesondere
zur Herstellung von Wursthüllen Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Behandlung
von Därmen von Seesäugetieren, insbesondere zur Herstellung von Wursthüllen. ' Man
hat bereits versucht, als Ersatz für tierische Därme Kunststoffe zu verwenden. Die
daraus hergestellten Hüllen weisen aber nicht die vorteilhaften Eigenschaften von
tierischen Därmen auf.
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Das Reinigen der Därme von Landtieren, das Spülen, Beizen, Fetten,
Trocknen, Aufschlitzen, Vernähen, Kleben und Gerben ist bekannt. Auch hat man bereits
Därme von Landtieren aufgespalten. Gegenüber den Därmen von Landtieren unterscheiden
sich diejenigen von Seesäugetieren dadurch, daß sich nach der Totenstarre des Tieres
Transtoffe bilden, deren Geruch und Geschmack alsdann nur noch schwer entfernbar
sind. Zwar ist auch bei den Därmen von Landtieren eine baldige Konservierung notwendig,
jedoch handelt es sich dort um biologische Vorgänge, die erst nach der Totenstarre
wirksam werden und die sich nicht in einer Tranbildung äußern. Die Erfindung besteht
darin, diese Tranbildung zu verhindern. Das läßt sich er-. reichen, indem man erfindungsgemäß
die Därme von Seesäugetieren unmittelbar nach der Gewinnung in noch blutwarmem Zustand
konserviert.
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Bei dem Verfahren nach der Erfindung werden Därme, beispielsweise
von Walen, unmittelbar nach dem Töten und zweckmäßig in noch blutwarmem Zustand
aus dem Walkörper herausgetrennt und entkotet und nach an sich bekannten Verfahren
konserviert, beispielsweise nach dem Patent 628 999. Das Konservieren kann
durch Pökeln mit Salzlösung
oder Pökellake, durch Kühlen, beispielsweise
durch Einlegen in Eiswasser, oder durch Trocknen sowie durch Entfetten vorgenommen
werden. Vor dein Konservieren wird der Darm zweckmäßig gereinigt und gewaschen.
Das Entfetten kann auf mechanischem Wege, z. B. durch Abschaben oder auch durch
Behandeln mit organischen Fettlösungsmitteln, vorgenommen werden.
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Die so behandelten Därme unterscheiden sich in ihren Eigenschaften
praktisch nicht von den Därmen von Landtieren, während man bisher bekanntlich aus
Walen Därme nicht gewinnen konnte, die einer praktischen Verwendung zugänglich waren.
Die Darmsubstanz, die bei den Seesäugetieren häufig empfindlicher ist als die der
Därme von Landtieren, war infolge der rasch einsetzenden Otvdation in Verbindung
mit dem Angriff von Mikroorganismen schon nach kurzer Zeit ganz oder teilweise zerstört.
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Die Därme z. B. des Wales haben eine größere Wandstärke als die der
Landtiere. Sie können durch Spalten, z. B. mit Hilfe eines Messers, einer Spaltmäschine,
oder durch Abziehen einer oder mehrerer der einzelnen konzentrisch aufeinanderliegenden
Schichten zu Därmen oder Bahnen von geringerer Stärke verarbeitet werden.
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Für gewisse Zwecke zeigen die Verdauungsorgane der Seesäugetiere,
beispielsweise von gewissen Walarten, eine zu große Dicke oder Stärke. Diese Därme
werden nach dem Reinigen bzw. Entfetten und Konservieren, vorzugsweise nach dem
Behandeln mit Eiswasser, und dem Zerschneiden in an sich bekannter Weise parallel
zur Oberfläche in Bahnen geringerer Stärke aufgespalten, die dann wie gewöhnliche
Darmbahnen weiterverarbeitet werden können.
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Auch können zu weite Därme, also solche von größerem Durchmesser,
nach dem Reinigen, Konservieren und Einweichen in Bahnen aufgeschlitzt, in Stücke
von gewünschter Länge zerschnitten und derartige Bahnen durch Vernähen o. dgl. zu
Hüllen geringeren Durchmessers vereinigt werden. Auch können mehrere Bahnen oder
Hüllen übereinander verklebt werden, zweckmäßig so, daß die Schleimseite der einen
Hülle mit der Fettseite der anderen Hülle zusammengelegt und die konzentrisch übereinandergezogenen
Hüllen durchTrocknen miteinander vereinigt werden. Auch kann man derart durch Verkleben
verstärkte Bahnen oder Hüllen durch Nähen zu Hüllen oder Bahnen der gewünschten
Abmessungen.vereinigen.
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Die Därme von Seesäugetieren können auch nach gewünschtem Kaliber
sortiert und in einzelne Stücke zerschnitten werden. Auch können die Därme oder
Bahnen zweckmäßig nach der Konservierung mit Gerbmitteln, Härtemitteln, wasserbindenden
Stoffen an sich bekannter Zusammensetzung behandelt oder präpariert werden, z. B.
um lederartige :t.Verkstoffe zur Herstellung von Lederwaren zu gewinnen. Die Därme
können auch gefettet und mit anderen flüssigen oder halbflüssigen Stoffen, z. B.
wasserabweisenden Stoffen, getränkt werden. Diese Behandlungsverfahren sind an sich
bei Därmen von Landtieren bekannt. Sie sind nicht Gegenstand der Erfindung. -Es
war überraschend, daß sich die aus Seesäugetieren nach der Erfindung gewonnenen
Därme oder zusammengesetzten Darmhüllen zur Aufnahme von Wurstmasse vorteilhaft
eignen und gegenüber den Därmen von Landtieren nicht nur keine Nachteile, sondern
sogar erhebliche Vorteile aufweisen. Sie sind nicht nur billiger, weil die Därme
von Seesäugetieren ein Abfallprodukt darstellen, das bislang nicht verwertet werden
konnte, das aber nach dem Aufbau der Walfangflotte in größeren Mengen zur Verfügung
steht. Die Därme nach der Erfindung sind auch in technischer Hinsicht den Hüllen
von Landtieren überlegen, insbesondere deshalb, weil sie auf längere Abmessungen
hinaus ein praktisch gleichmäßiges Kaliber aufweisen, was bei den Därmen von Landtieren
bekanntlich nicht der Fall ist. So lassen sich aus den Därmen von Seesäugetieren
Stücke von vielen Metern Länge von vollkommen gleichem Kaliber und gleicher Wandstärke
sowie von gleicher Beschaffenheit auswählen. Auch vermag der Darm, beispielsweise
des Wales, verschiedene Darmarten von Landtieren zu ersetzen, wie insbesondere die
weitkalibrigen Därme der Landsäugetiere. Schließlich hat sich gezeigt, daß die Därme
nach der Erfindung aus Seesäugetieren vorteilhafte konservierende Eigenschaften
bei der Verwendung als Wursthülle zeigen und mindestens die gleiche Frischhaltung
der Wurstmasse erzielt wird, wie es bisher bei Würsten in Därmen von Landtieren
bekannt ist. Besonders zweckmäßig sind auch die Därme aus Seesäugetieren nach der
Erfindung, die durch Aufeinanderlegen oder Aufeinandertrocknen mehrerer Darmbahnen
oder mehrerer Hüllen enthalten sind.
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Aus den Därmen nach der Erfindung lassen sich außerdem auch andere
Erzeugnisse zum Umhüllen von Lebensmitteln aller Art, wie Fleisch, Suppenersatzmittel
oder andere Nahrungsmittel, gewinnen. Auch lassen, sich die Därme zu Saiten für
Musikinstrumente verarbeiten, die eine besondere Festigkeit aufweisen, und es wurde
die überraschende Beobachtung gemacht, daß die Därme nach der Erfindung sich auch
gerben bzw. präparieren lassen und dann zur Herstellung von Lederwaren
o,
dgl. benutzt werden können. Auch können die Därme mit flüssigen oder halbfesten
Mitteln getränkt werden, beispielsweise mit wasserabweisenden Mitteln. Derartig
behandelte Därme ergeben einen neuen Werkstoff zur Herstellung oder Ausfütterung
wasserdichter Bekleidungsstücke, z. B. von wasserdichten Schuhen, Mänteln u. dgl.