-
Verfahren zur Herstellung von Grundmassen für Arzneistoffe zur Einführung
in Körperhöhlen Zur Herstellung von Suppositorien, Vaginalkugeln, Stäbchen u. dg1.
verwendet man entweder Fette und Fettgemische, die bei Körpertemperatur schmelzen,
z. B. Kakaobutter und deren Gemische mit anderen Fettstoffen, z. B. Bienenwachs
oder Gelatineglycerinmassen. Diese beiden Gruppen von Arzneiträgern unterscheiden
sich voneinander dadurch, daß die Fette und Fettgemische in Wasser unlöslich sind,
während die Gelätineglycerinmassen in Wasser leicht gelöst werden können. Dementsprechend
können lipoidlösliche Arzneistoffe nur in den fetthaltigen Grundmassen, wasserlösliche
Arzneistoffe nur in den gelatinehaltigen Arzneiträgern gelöst werden.
-
Die mit Gelatineglycerin bereiteten Massen weisen im frischen Zustand
eine unangenehme Klebrigkeit auf. Andererseits neigen sie stark zum Austrocknen
und zu einer damit verbundenen Schrumpfung, wodurch der Schmelzpunkt der . damit
bereiteten Suppositorien, Vaginalkugeln, Stäbchen u. dgl. in ungünstiger Weise beeinflußt
wird.
-
Infolge dieser Nachteile der Gelatinegly cerinmassen bedient man sich
zur Herstellung von Heilmitteln zur Einführung in Körperhöhlen in den meisten Fällen
der Kakaobutter bzw. der Gemische dieser mit anderen Fettstoffen und ist hierbei
gezwungen, die Unlöslichkeit der meisten Arzneistoffe in diesen Fetten und die dadurch
bedingte Resorptions-und Wirkungsverzögerung als unvermeidlich in Kauf zu nehmen.
Abgesehen von diesen Löslichkeitsverhältnissen weisen aber die auf Fettgrundlage
bereiteten Suppositorien, Vaginalkugeln, Stäbchen u. dgl. noch den weiteren Nachteil
auf, insbesondere bei Einverleibung pulverförmiger Arzneistoffe brüchig zu werden,
was sich bei der Anwendung als sehr unangenehm erweist.
-
Man hat sich schon seit langem bemüht, die mangelnde Resorbierbarkeit
und die Neigung zum -Brüchigwerden solcher fetthaltiger Grundmassen zu beheben,
indem man die Arzneistoffe in Form wäßriger Lösungen und unter Zuhilfenahme von
Emulgatoren einverleibt. Bei höherem Gehalt an wäßriger Phase tritt aber auch unter
Anwendung von Emulgatoren ein Brüchigwerden der Suppositorien, Vaginalkugeln, Stäbchen
u. dgl. auf.
-
Es wurde nun gefunden, daß man von den geschilderten Nachteilen freie
Grundmassen für Arzneistoffe zur Einführung in Körperhöhlen herstellen kann, wenn
man die an sich bekannten und mit verschiedenen Nachteilen behafteten Grundmassen
miteinander derart kombiniert, daß man die Fette oder Öle in
den
Glycerin o. dgl. enthaltenden wasserlöslichen Gallerten der gelatinierenden Substanzen
emulgiert.
- -11
| Man erhält hierbei Grundmassen von |
| radezu kautschukartiger Elastizität und v',° R |
| einem Schmelzpunkt, der eine rasche Wirk |
| der dieser neuen Grundmasse einverleibt |
Arzneistoffe gewährleistet. Außerdem ermöglichen die auf diese Weise hergestellten
Emulsionskolloide, sowohl Wasser- als auch lipoidlösliche Arzneistoffe den Suppositorien,
Vaginalkugeln, Stäbchen ü. dgl. in gelöster und damit schnell resorbierbarer Form
einzuverleiben, wodurch die den Fettgrundmassen anhaftenden Nachteile ausgeschaltet
werden. Auch konnte selbst bei sehr langer Aufbewahrung ein Austrocknen der erfindungsgemäß
hergestellten Grundmassen im Gegensatz zu den bekannten Gelatinegly cerinmassen
nicht beobachtet werden.
-
Als Fettkomponente verwendet man Kakaobutter, Wachse, z. B. Bienenwachs,
Paraffin, und andere an sich bekannte Fette oder Öle mineralischen oder vegetabilischen
Ursprungs. Als wasserlösliche Gallerten können hiergegen Gemische von Gelatine,
Agar-Agar, Tragant, Gummi und anderen quellbaren Pflanzenschleimen mit Wasser Verwendung
finden. Die gallertartige Komponente wird mit Glycerin, Glykol o. dgl. verarbeitet.
Die fettartigen und die gelatineartigen Komponenten werden für sich oder unter Zuhilfenahme
von Emulgatoren, wie Cholesterin, Lecithin oder Cetylalkohol, emulgiert.
-
Die unter Anwendung der erfindungsgemäß herstellbaren Grundmassen
anzufertigenden Heilmittel werden je nach Grundmasse und Arzneistoff unter Beobachtung
geeigneter Temperaturen hergestellt. In manchen Fällen ist es zweckmäßig, insbesondere
um ein rasches Arbeiten zu gewährleisten, die fertigen Präparate Temperaturen unter
5° C auszusetzen.
-
Die unter Anwendung der erfindungsgemäß herstellbaren Grundmassen
bereiteten Suppositorien, Vaginalkugeln, Stäbchen u. dgl. besitzen neben den bereits
geschilderten Vorzügen noch die Eigenschaft, diese Vorzüge auch bei höheren Temperaturen
beizubehalten, weshalb sie auch in den Tropen verwendet werden können.
-
Es ist bereits bekannt, hohle Suppositorien herzustellen, deren äußere
Schicht aus einem mechanischen Gemisch aus Gelatine, Kakaobutter und Glycerin besteht.
Werden solche Gemische auf den Schmelzpunkt der Kakaobutter erhitzt, so trennen
sie sich in ihre Bestandteile nach deren spezifischen Gewichten. Nach einem anderen
Vorschlag werden mehrschichtige Zäpfchen hergestellt, deren eine Schicht aus einem
mechanischen Gemisch von Kakaobutter mit Stoffen, wie Gelatine oder Tragant, besteht.
| Im Gegensatz zu diesen Gemischen werden |
| :z le erfindungsgemäßen Grundmassen unter |
| t ierell e u |
| # 1 sog. J_i _W sser_ mulsion n' . h |
| endung von wass _rhaltigen Gallerten der |
| in d S bstanien hergestellt und |
| kl Wen n a F, e d |
feinst verteilte Gemische von Fett oder Öl in Wasser bzw. wäßrigen Lösungen dar,
die sich beim Erhitzen auf den Schmelzpunkt eines ihrer Bestandteile nicht entmischen.
In solche Grundmassen können sowohl Wasser- als auch lipoidlösliche Arzneistoffe
einverleibt werden, was bei den bekannten wasserfreien Gemischen nicht möglich ist.
-
Beispiele 1. 8 Teile Ichthyol*werden in einem Gemisch aus 12 Teilen
Gelatine, a4 Teilen Wasser und 58 Teilen Glycerin gelöst und bei 6o° unter Zuhilfenahme
von i Teil Lecithin mit einem Gemisch aus i i Teilen Wachs und 48 Teilen Kakaobutter
emulgiert. Die Emulsion wird nach Entweichen der Luftblasen in Zinnformen ausgegossen.
Die erhaltenen Formkörper enthalten das Ichthyol in gelöster, leicht resorbierbarer
Form.
-
2. 18 Teile Milchsäure werden in einem Gemisch aus 4o Teilen Gelatine,
6o Teilen Wasser und 32 Teilen Glycerin gelöst und unter Zusatz von i Teil Cetylalkohol
mit einem Gemisch aus 127 Teilen Kakaobutter und 32 Teilen Wachs emulgiert.
-
3. 12 g Gelatine werden mit 34 g Glycerin und 24 ccm Wasser zum Schmelzen
gebracht und alsdann mit einem geschmolzenen Gemisch von 3o g Paraffinum urolle
und 40 g Oleum Cacao versetzt. Unter starkem Emulgieren wird sodann eine Lösung
von 3 g Zincum chloratum in io ccm Wasser zugesetzt. Nach Beendigung des EmulgierprozessesWird
die Masse in Formen gegossen, und man erhält nach dem Erstarren biegsame, beständige
Arzneiträger, die den wirksamen Stoff gelöst enthalten.
-
4. 12 g Gelatine, 40 ccm Wasser und ioo g Glycerin werden mit einem
Gemisch von 50 g Oleum Cacao und Paraffinum urolle vermischt und alsdann
mit 13 g Argentum proteinicum verarbeitet. Beim Emulgieren dieses Gemisches löst
sich das Argentum proteinicum in der wäßrigen Phase und kommt somit in gelöstem
Zustand zur Anwendung.
-
5. 55 g Gelatine läßt man in go ccm Wasser und 25o ccm Glycerin schmelzen
und setzt alsdann eine Lösung von 2 g Kampfer, 3 g Menthol und i g Chloralhydrat
in einem Fettgemisch aus 25o g Oleum Cacao, io g Cera alba, 6o g Paraffinum urolle
und 5 g Oleum Jecoris unter starkem Emulgieren bei geeigneter Temperatur zu. Man
erhält nach dem
Ausgießen und Erkalten der entstehenden Masse Suppositorien
oder Vaginalkugeln oder Stäbchen, in denen die in Wasser unlöslichen Arzneistoffe
Kampfer, Menthol und Chloralhydrat in gelöster Form (in Öl) enthalten sind. ' 6.
6o g Gelatine, 5 g Agar-Agar werden in i7 o ccm Wasser und 165g Glycerin zum Schmelzen
gebracht. Alsdann setzt man 15 g Traubenzucker hinzu. Diese Mischung wird
schließlich mit einer Lösung von z g Oleum Chamomillae in einem Gemisch von je i7o
g Oleum Cacao und Paraffinuin molle unter starkem Rühren emulgiert. Aus dieser Masse
erhält man Arzneiträger, welche in der wäßrigen Phase den Wirkungsstoff Traubenzucker
und in der öligen das ätherische Kamillenöl enthalten.