DE66296C - Tropfpipette - Google Patents
TropfpipetteInfo
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Classifications
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- B—PERFORMING OPERATIONS; TRANSPORTING
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
KLASSE 30: Gesundheitspflege.
Es ist eine in den Kreisen der Augenärzte allgemein anerkannte Forderung (Lehrbuch der
Augenheilkunde von Michel, S. 706 und S. 238, Wiesbaden 1890, Bergmann's Verlag,
und E. Franke, Untersuchungen über Infection und Desinfection von Augenwässern. Archiv für Opthalmologie, 37 Bd., 2. Abtheil.,
S. 92, Leipzigj Engelmann; ferner Krömer:
Ueber die Anwendung antiseptischer Atropin- und Eserinlösungen, Correspondenzblatt für
schweizerische Aerzte, 1881, No. 11), dafs man
die Alkaloide, welche für augenärztliche Zwecke gebraucht werden, Atropin, Eserin, Cocain in
sterilen Lösungen in den Bindehautsack des Auges bringt. Bedingt ist die Forderung
durch die Thätsache, dafs die genannten Alkaloide in den gebräuchlichen Lösungen nicht
nur nicht irgend welche fäulnifswidrige bezw. keimfreie Beschaffenheit haben, sondern im
Gegentheil einen ergiebigen Nährboden für Spaltpilze mannigfaltiger Art darbieten. So enthalten
die Lösungen unmittelbar nach ihrem Bezüge aus der Apotheke bereits eine erhebliche
Anzahl von Keimen, die sich im Laufe der nächsten Tage häufig so steigert, dafs eine
Trübung der Flüssigkeit und ein Bodensatz, bestehend aus Pilzconglomeraten, eintritt. Werden
nun solche Lösungen in das Auge gebracht, so ist es nicht wunderbar, wenn sie Veranlassung zu Entzündungen geben, bezw.
schon bestehende steigern; sicher nachgewiesen ist, dafs eine Bindehautaffection, der sogen.
Atropincatarrh, der Verunreinigung des Mittels durch Spaltpilze seine Entstehung verdankt.
Ist man gar gezwungen, die genannten Mittel bei verletztem Auge anzuwenden, wie z. B.
Cocain bei Operationen, Atropin, Eserin bei perforirenden Hornhautwunden, so läuft man
Gefahr, das Auge zu inficiren und seinen
Verlust herbeizuführen (Philipson, Ueber ulcus corneae septicum, durch Einträufelung
septischer Atropinlösung hervorgerufen. Hop. Tid. R. III. 1885).
Hieraus ergiebt sich die Nothwendigkeit, die genannten Medicamente in sterilen Lösungen
anzuwenden. Zur Herstellung solcher Lösungen stehen zwei Wege offen: derjenige
der chemischen und derjenige der Sterilisirung durch Wärme.
Man wendete sich der Einfachheit wegen zuerst dem ersteren Verfahren zu, indem man
durch Zusatz von Desmfectionsstofien zum Ziele zu kommen suchte. Ausgedehnte Versuchsreihen,
vor allen die von Dr. Franke im Archiv für Opthalmologie im 37. Bd., Abth. II, S. 92 bis 150, veröffentlichten, haben ergeben,
dafs eine chemische Sterilisation (starke Desinfectionsstoffe reizen das Auge zu heftig,
schwache genügen nicht) der genannten Alkaloide für augenärztliche Zwecke nicht absolut
zuverlässig herzustellen sind. Infolge dessen ist man genöthigt,' zu dem Verfahren'
der Keimfreimachung durch Wärme zurückzugreifen, und in der That wird diese von
den meisten Augenärzten in Anwendung gezogen (Eversbusch,. Eine Bemerkung über
Reinhaltung der Cocainlösungen etc., Münchener med. Wochenschrift, 1885, S. 628).
Das Vorgehen hierbei, wie es zur Zeit geübt wird, gestaltet sich folgendermafsen: Man
setzt entweder das Tropffläschchen mit der betreffenden Lösung im Dampfkochtopf eine
halbe Stunde strömenden Dämpfen aus, oder man bringt, wenn einem der Dampf kochtopf
nicht zur Verfügung steht, die Lösung in ein Reagenzglas und kocht sie 3 bis 5 Minuten.
Die solchergestalt sterilisirte Lösung darf nun nicht in das Tropfgläschen gebracht werden,
bevor auch dieses keimfrei gemacht ist, sonst würde eine Neuinfection stattfinden.
Die gebräuchlichen Augentropffläschchen (die Patenttropfgläser von Traube haben in augenärztlichen
Kreisen keinen Eingang gefunden) bestehen aus gewöhnlichem Flaschenglas, haben mehr oder minder die Form von Medicinfläschchen
und einen Rauminhalt von 25 bis 30 ecm. In den Hals ist ein gläserner
Hohlkegel eingeschliffen, der nach unten zu eine bis an den Boden reichende, verjüngt
zulaufende Röhre trägt, nach oben zu dagegen ein kurzes Ansatzrohr aufweist zum Aufstreifen
eines am einen Ende geschlossenen Kautschukröhrchens von 3 bis 4 cm Länge. Der eben beschriebene Theil heifst Tropfpipette.
Sie dient zur bequemen Entnahme von Flüssigkeit aus dem Fläschchen, indem man einfach zwischen zwei Fingern das Kautschukhütchen
zusammendrückt und wieder losläfst und ebenso zur bequemen Verabfolgung
der Tropfen, indem man die Spitze der Pipette an das Auge bringt und auf das Kautschukrohr
drückt. Hierdurch entleert sich der Inhalt der Pipette.
Man könnte zur Noth auf die Anwendung des Augentropfgläschens und der Pipette verzichten
, man thut es jedoch dicht gern, weil sie so ungemein bequem und handlich sind,
und man ist daher gezwungen, auch sie zu sterilisiren. Dies geschieht entweder durch ein
längeres Erhitzen im Trockenschrank auf i6o° oder durch das Verbringen in siedendes
Wasser, natürlich ohne das Kautschukrohr.
Nachdem in der beschriebenen Weise das Tropfgläschen keimfrei gemacht worden ist,
darf man die sterilisirte Lösung einführen und ist am Ziel.
Das geschilderte Verfahren, welches angewendet werden mufs, wenn man ein halbwegs
sicheres Ergebnifs erhalten will, ist aufserordent-,lich
umständlich, und es dürfte dem beschäftigten Arzte, zumal wenn er nicht Specialist
für Augenkrankheiten ist, schwer fallen, in der erwähnten Weise vorzugehen.
Zweck der vorliegenden neuen Einrichtung eines Augentropfgläschens ist es nun, die
Sterilisirung des Fläschchens mit der Pipette und Keimfreimachung der Lösung gleichzeitig
vorzunehmen und dadurch das ganze Verfahren ungemein abzukürzen und zu vereinfachen.
Die Vorrichtung, welche diesem Zwecke entsprechen soll, besteht wie die alte aus zwei
Theilen, dem Fläschchen und der Pipette.
Das Fläschchen F F, Fig. 1 , ist von mehr oder minder kugeliger Gestalt aus dünnem,
gleichmäfsig geblasenem Glase (Durchmesser 3 bis 4,5 cm) mit flachem Boden und hat
einen kurzen (1 bis 1,5 cm langen) Hals, der ■
sich leicht kegelig erweitert und einen lichten Querschnitt von 8 . bis 10 cm zeigt. . Die
Innenfläche des Halses zeigt einen matten Schliff. In den Hals ist ein hohler Glaskegel
C1 eingeschliffen, der sich nach unten
in ein dünnes, bis zum Boden des Fläschchens reichendes, offenes Röhrchen fortsetzt. Nach
oben geht der Kegel in eine Hohlkehle K über, darauf folgt ein dem ersten analoger,
aber umgekehrter'Kegel C", und darüber befindet sich ein olivenförmiges offenes Ende 0
zum Aufstreifen eines Kautschukhütchens H, wie es allgemein Anwendung findet.
Als neu ist an dem Tropfglas die Einrichtung des Tropfers zu bezeichnen, sie ermöglicht,
dafs man letzteren gleichzeitig mit dem Fläschchen und dem Inhalt keimfrei macht. Aus
diesem Grunde besitzt er einen zweiten Kegel, welcher folgendem Zwecke dient. Bei der in
Fig. ι dargestellten Lage der Tropfpipette dürfte' man das Fläschchen nicht über eine
Flamme bringen, denn infolge der sich entwickelnden Dampfspannung —■. dem Dampf ist
ja der Abzug nicht frei —· würde die Tropfpipette herausgeschleudert oder zum mindesten
doch gehoben werden, ohne dafs die Dämpfe in ihr Inneres eindringen und ihre sterilisirende
Wirkung ausüben können. Anders gestalte! sich die Sache, wenn man nach Entfernung
des Kautschukhütchens die Tropfpipette umgekehrt mit dem oberen Kegel in den Hals
des Fläschchens setzt, wie dieses Fig. 2 angiebt. -Bringt man jetzt das Fläschchen über
die Flamme, so strömen die sich entwickelnden Dämpfe durch das Pipettenrohr hindurch.
Nach einem Kochen von 2 Minuten ändert man die Stellung des Röhrchens, um auch die
Aufsenfläche desselben, soweit diese bei normaler Stellung im Fläschchen steckt, der Einwirkung
der kochenden Flüssigkeit bezw. deren Dämpfen auszusetzen. Zu diesem Zwecke ergreift man das Röhrchen mit einer nicht
sterilisirten Pincette an der Hohlkehle — Vorsieh tsmafsregeln sind hierbei nicht nöthig, da
die Hohlkehle bei beiden Lagen aufsen bleibt — und senkt es so weit in das Fläschchen, dafs
der untere Kegel im Halse noch nicht festsitzt, sondern noch genügender Zwischenraum zum
Entweichen der Dämpfe übrig bleibt. Ist das Fläschchen zur Hälfte oder auch weniger gefüllt,
so taucht jetzt die Tropfpipette mit ihrer Spitze in die Flüssigkeit, der übrige innerhalb
des1 Fläschchens befindliche Theil wird von Dämpfen umströmt. Nach ferneren 2 Minuten
kann mit dem Kochen aufgehört werden, und ist nach Aufsetzen des Kautschukhütchens H,
welches inzwischen in einer Sublimatlösung von ι : iooo gelegen hat, und Abkühlung des
Flä'schchens in kaltem Wasser fertig.
Die ganze Procedur beansprucht höchstens 5 Minuten.
Nach dem heutigen Stande der Bacterienkunde kann man behaupten, dafs die Innenfläche
des Fläschchens, ihr Inhalt und die Tropfpipette, soweit sie mit dem Inhalt in Berührung
kommen kann, keimfrei sind.
Diese drei Punkte sind es, worauf es einzig und allein ankommt.
Die Innenfläche des Fläschchens ist keimfrei, denn sie wurde theils von dem kochenden
Wasser, theils von den strömenden Dämpfen bespült. Beides genügt, um unter den gegebenen
Verhältnissen die widerstandfähigsten Bacterien bezw. deren Sporen zu tödten.
Der gläserne Theil der Tropfpipette ist steril aus denselben Gründen, welche für das Fläschchen
angegeben wurden.
Das Kaulschukhütchen ist es ebenfalls, und
zwar dadurch, dafs es während 5 Minuten in Sublimatlösung 1 : 1000 gelegen hat, was mehr
als genügend ist, um jegliche Kleinwesen zu tödten.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Eine Tropfpipette, welche durch die Anordnung zweier entgegengesetzt gerichteter Kegel C1 C11 zu einem Stöpsel ausgebildet ist, der behufs gleichzeitiger Sterilisirung des Tropfglases nebst Inhalt und Tropfpipette, sowie zum luftdichten Abschlufs beim Nichtgebrauch abwechselnd nach zwei Richtungen hin in den Hals des zu einem Kölbchen ausgebildeten Glases F behufs Aufnahme der zu verabfolgenden Lösung aufgesetzt werden kann.Hierzu 1 Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE66296C true DE66296C (de) |
Family
ID=340019
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT66296D Expired - Lifetime DE66296C (de) | Tropfpipette |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE66296C (de) |
-
0
- DE DENDAT66296D patent/DE66296C/de not_active Expired - Lifetime
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