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Verfahren zur Herstellung gefärbter Lacke und filmbildender Überzüge
Zur Herstellung gefärbter Lacke, insbesondere Zaponlacke, ist man in der Praxis
bisher hauptsächlich so vorgegangen, daß man fertige Farbstoffe irgendwelcher Klasse,
sofern sie lacklöslich sind, unmittelbar mit dem Lack vermischte. Auf diese Weise
erhielt man Färbungen verschiedener Nuancen, die aber bisher höheren Ansprüchen
an Lichtechtheit nicht ;genügten. Lichtechte grüne Lacke hat man bisher überhaupt
nicht gekannt, und die bekannten blauen zeigten weder reine Nuance noch ,gute Lichtechtheit.
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Die andere Möglichkeit, Färbungen durch sog. Entwicklung von farbstoffgebenden
Stoffen im Lack selbst zu erzeugen, hat trotz der Vorschläge gemäß Patent 285 323
und Patent 232 624 keine praktische Anwendung gefunden.
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Die vorliegende Erfindung besteht darin, Triarylmethanfarbstoffe,.
die beizenziehende Atomgruppen enthalten, durch Chromsäure oder ihre Salze im Lack
selbst in ihre gefärbten Chromkomplexsalze überzuführen durch einfaches Vermischen
und gelindes Erwärmen der Mischung von Lackgrundstoff, trockenem Farbstoff oder
Leukokörper, mit Chromsäure oder ihren Salzen in fester Form.
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Das Ergebnis ist deswegen überraschend, weil die sonst ;auf irgendeine
Art und Weise hergestellbenChromkomplexverbindungenohengenannter Farbstoffe (z.
B. aus einem Leukokörp:er in Wasser mittels freier Chromsäure oder aus dem Farbstoff,
gelöst in Äthyllaktat, Glycerin @usw., durch Erhitzen mit Natriumbichromat, wobei
@er im ersteren Falle kristallinisch erhalten wird), in trockenem Zustand isoliert,
vollkommen unlöslich in allen Lacken sind. Nach :dem vorliegenden Verfahren entstehen
unmittelbar gelöste Chromkomplexfarbstoffe, die im Farbton den nachchromierben Färbungen
auf Wolle gleichen.
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Kommt der Farbstoff in Form seiner Leukoverbindungen zur Anwendung,
so findet auch eine Oxydation durch die Chromsäure statt, woraufhin die Komplexsalzbildung
eintritt.
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In Beispiel q. der Patentschrift 462 221 ist ein Verfahren zum Färben
von Kautschuk beschrieben, indem man in seinen wäßrigen Emulsionen Farbstoffe als
Lacke in Form ihrer Metallverbindungen niederschlägt. Es handelt sich dabei jedoch
um echte, unlösliche Metallsalze (Pigmente), in denen das Metall als Ion gebunden
ist, was grundsätzlich verschieden ist vom komplex gebundenen Chrom nach vorliegendem
Verfahren. Überdies ist z. B. Chlorkautschuk in seinen Eigenschaften so verschieden
von Kautschuk, daß ein Verfahren, letzteren zu färben, nicht ohne weiteres auf die
Herstellung transparenter Färbungen des ersteren hinweist.
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Fast alle hier in Betracht kommenden Farbstoffe enthalten die Orthocarboxylgruppe
als beizenzieh@ende Gruppe im Molekül. Es wurde gefunden, daß .die hier geforderte
komplexsalzbildende Eigenschaft dieser Atomgruppe auch dann erhalten bleibt, wenn
die Carboxylgruppe verestert ist.
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Als Ausgangslacke kommen die meisten
filmbildenden
Lacke und Firnisse in Betracht, wie Acetylcellulose- und Nitrocelluloselackc, Lacke
aus Kunstharzen, wie Glycerin-Phthalsäure Anhy<irid-Kondensationsprodukten,Chlo
kautschuklacke, Gelatinelösangen, Spritlaci, Leinöl- und Lithographenfirnisse.
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Die neue technische Wirkung des Verfah-, rens beruht auf der Möglichkeit,
leuchtende, transparente Lacke, besonders von blauer, grüner und roter Nuance, herzustellen,
die durch auffallende Lichtechtheit ausgezeichnet sind. Das ist deswegen überraschend,
weil die gleichen Chromkomplexsalze, im Nachchromierungsverfahren auf Wolle erzeugt,
lange nicht so lichtecht sind.
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Die Lacke nach vorliegendem Verfahren lassen sich mit anderen, z.
B. mit Azofarbstoffen gefärbten, einwandfrei mischen.
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Beispiel i o,5g der Leukoverbindung des Eriochrc.>mazurols B (Schultz,
Tabellen 1931, N r. 838) werden in ioo g Nitrocelluloselach gelöst und mit
0,25 g Natriumbichromat und 0,259 Oxalsäure durch schwaches Erwärmen
zum blau gefärbten Lack entwickelt. Seine Lichtechtheit ist hervorragend.
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Der Nitrocelluloselack kann z. B. wie folgt zusammengesetzt sein:
ioo Teile Kollodiumwolle, i oo Teile Butanol, 15o Teile Äthyllaktat, 25o Teile Butylacetat
850'o, 375 Teile Äthylalkohol, 2o Teile Triphenylphosphat, 5 Teile Adipinsäureester.
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Beispiel 2 i g Leukoverbindung aus i Mol. 2-Chlor-4-dimethylamidobenzaldehyd
2 Mol. o-Kresotinsäure (gemäß Patent 198729) wird in ioog Acetylcelluloselack gelöst,
mit o,5 g Natriumbichromat und o,5 g Oxalsäure versetzt und durch gelindes Erwärmen
zum gut lichtechten, violetten Lack entwickelt.
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Der Acetylcelluloselack kann z. B. wie folgt zusammengesetzt sein:
5o Teile Acetylcellulose, 30o Teile Äthyllaktat, i 2o Teile Äthylformiat, 50o Teile
Aceton, 2o Teile Triphenylphosphat, i o Teile Trikresylphosphat.
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Beispiel 3 0,5g des Leukokörpers aus i Mol.o-Chlorbenzaldehyd 1- 2
Mol. o-Kresotinsäure (gemäß Patent 198 gog) löst man in einem Chlorkautschuklack,
versetzt ihn mit 0,25 g Natriumbichromat und o,25 g Oxalsäure und entwikkelt
durch gelindes Erwärmen zum blauen, lichtechten Lack.
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Der Chlorkautschuk kann z. B. wie folgt zusammengesetzt sein: 6ooTeile
einer Chlorkautschuklösung (17,20`o Chlorkautschuk in Chlorbenzol), 30o Teile Äthyllaktat,
i oo Teile Benzol. Beispiel 4 o,5g der Leukoverbindung aus r Mol. 5-Dinitrophen5-lamino
- 2, 6 - dichlorbenzaldehyd -''----2 Mol. o-Kresotinsäure (gemäß Patent 2 5 i55)
werden in ioo g Nitrocelluloselack .:gelöst, mit 0,25 g Natriumbichromat
und ..Ö,25 g Oxalsäure versetzt und durch gelindes Erwärmen in den grün gefärbten,
gut lichtechten Lack übergeführt.
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Beispiel 5 0,5 g der Leukoverbindung des Azofarbstoffes aus 5-Atnido-2,
6-dichlorbenzaldehyd Pyrazolon und 2 Mol. o-Kres,otinsäure (gemäß Patent 226_348)
werden in i oo g Acetylcelluloselack gelöst und mittels 0,25 g Natriumbichromat
und 0,25 g Oxalsäure durch gelindes Erwärmen in den grün gefärbten Lack übergeführt;
seine Lichtechtheit ist gut. Beispiel 6 i g Eriochromazurol B (Schultz, Farbstofftabellen
1931, Nr.838) werden in ioog Nitrocelluloselack gelöst und mittels 0,5 g
Natriumbichromat unter gelindem Erwärmen in den leuchtend klaren, blauen Lack übergeführt;
seine Lichtechtheit ist hervorragend.
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Der Nitrocelluloselack kann z. B. folgende Zusammensetzung haben:
155 Teile Kollodiumwolle butanolfeucht, 4oo Teile Butylacetat, 2o Teile Dibutylphthalat,
25 Teile Trikresylphosphat, 4ooTeile Äthylalkohol 960/p. Beispiel 7 0,259
freie Farbstoffsäure des Eriochromazurols B werden in i oo g Nitrocelluloselack
11.t Stunde lang im Schüttelapparat kalt geschüttelt, mit 0,125g Natriumbichromat
versetzt und während 1!t Stunde auf dem Wasserbad auf 4o bis 6o° erwärmt. Der klare,
leuchtend blaue Lack hat eine hervorragende Lichtechtheit.
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DerNitrocelluloselack kann z. B. folgende Zusammensetzung haben: 155
Teile Kollodiumwolle butanolfeucht, 15o Teile Harz aus Glycerinphthalsäureanhydrid,
8o Teile Balsam eines Harzes aus Glycerinphthalsäureanhydrid, Zoo Teile Äthyllaktat,
i oo Teile Butylacetat, i oo Teile Aceton, 215 Teile Benzol.
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Beispiel 8 0,5 g Äthylester des Eriochromazurols B werden in i oo
g Nitrocelluloselack gelöst und durch gelindes Erwärmen mit 0,25 g Natriumbichromat
in einen violetten, gut lichtechten -Lack übergeführt.
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- Beispiel 9 a,5.g_ des Farbstoffes aus i Mol. o-Chlorbenzalidehyd
+ 2 Mol. o-Kresotinsäure (gemäß Patent 198 Sog) werden in einem Chlorkautschuklack
gelöst
und lassen sich mit o,25 g Natriumbichromat durch gelindes Erwärmen zu deinem rein
blauen Lack entwikk eln.
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Beispiel io 0,25g Farbstoffsäure des EriochromcyaK nins B (Schultz,
Tabellen 1931, Nr. 84o) werden in einem Kunstharzlack gelöst, mit 0,125g Natriumbichromat
versetzt und durch gelindes Erwärmen in den rötlichblauen Lack übergeführt.
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Der Kunstharzlack kann z. B. folgendermaßen zusammengesetzt sein:
3ooTeile Harz aus Glycerinphthalsäureanhydrid, 3oo Teile Äthyllaktat, 3oo Teile
Toluol, ioo Teile Aceton.
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Beispiel ii 0,25 g Farbstoffsäure des Eriochromgeranols R (Schultz,
Tabellen 1934 INTr. 849) löst man in ioog Spritlack auf, versetzt die Lösung mit
o,125 g Natriumbichromat und erhitzt gelinde ,auf 4o bis 6o°, wobei sich der rotviolette
Lack bildet.
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Der Spritlack kann z. B. wie folgt zusammengesetzt sein: 24o Teile
Sandarak, 6o Teile Terpentinharz, 3o Teile- Triphenylphosphat, 67o Teile Alkohol.
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Beispiel 12 i g des Farbstoffes aus i Mol. 5-Oxy-2, 6-dichlorbenzaldehyd
und 2 Mol. o-Kresotinsäure (gemäß Patent 244 826) wird in einer Gelatinelösung warm
aufgelöst, mit 0,5 g Oxalsäure versetzt und durch weiteres Erhitzen in den
blauen Lack verwandelt. Die aufgegossene trockene Gelatine gibt einen Film von ganz
hervorragender Lichtechtheit.
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Gelatinelösung: ioo Teile Gelatine; 9ooTdile Wasser.
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Beispiel 13 5 g es Farbstoffes aus i Mol. 5-Oxy-2, 4, 6-trichlorbienzaldehyd
-f- 2 Mol. @o-Kresiotinsäure (gemäß Patent 199 943) werden in i oo_g eines Lithographenfirnisses
gelöst bzw. angeteigt, mit 2, 5 g Natriumbichromat versetzt und 1/z Stunde auf 70°
erwärmt. Der blaue Farbstoff gibt Aufdrucke von sehr guter Lichtechtheit.
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Leinöldruckfirnis: 9oo Teile Lithographenfirnis, i oo Teile Äthyllaktat.
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Beispiel 14 o,5 g des Azotriphenylm@ethanfarbstoffes, jerhalten aus
i Mol. 5-Amido-2, 6-dicblorb,enzaldehyd, Phenylmethylpyrazolon -und 2 Mol. o-Kresotinsäure
(gemäß Patent 223 879 und Patent 2263q.8) löst man in ioog Nitrocelluloselack
auf, versetzt mit o,25 g Natriumbichromat und entwickelt durch gelindes Erwärmen
zum grün gefärbten Lack.
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Beispiel 15 o,5 g des Farbstoffes aus i Mol. Dinitrophenylamido-2,
6-dichlorbenzaldehyd -j- 2 MIOL o-Kresotinsäure (gemäß Patent 235 155) werden
in ioog Nitrolack gelöst, mit o,25 g Natriumbichromat versetzt und durch gelindes
Erwärmen zum grün gefärbten Lack entwikkelt; seine Lichtechtheit ist gut.
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Beispiel 16 o, 5 g Naphthochromblau B N (S c h u 1 t z, Tabellen 1931,
Nr.852) werden in ioog Nitrocelluloselack gelöst, mit o,25 g Natriumbichromat versetzt
und durch gelindes Erwärmen in den blauen Lack übergeführt; seine Lichtechtheit
ist gut.
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Beispiel 17 o,5 g Naphthochromgrün (S c h u 1 t z, Tabellen 1931,
Nr. 8 51) werden in i oo g Acetylcelluloselack gelöst, mit o,25 g Natriumbichromat
versetzt und durch gelindes Erwärmen zum leuchtend grün gefärbten Lack entwikkelt;
seine Lichtechtheit ist sehr gut.
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Beispiel 18 o;5g des Farbstoffes, hergestellt nach Beispiel i des
Patents 123077, werden in ioog Nitrolack gelöst, mit o,25 g Natriumbichromat versetzt
und durch gelindes Erwärmen in den leuchtend blauroten Lack verwandelt. Seine Lichtechtheit
ist sehr gut.-