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Kontrollvorrichtung für die Abweichung der Dichtungsscheibe eines
Trockengasbehälters aus der waagerechten Lage Bei den in neuerer Zeit weitgehend
gebräuchlich gewordenen Trockengasbehältern, sogenannten Scheibengasbehältern, werden
nicht selten ernsthafte Schwierigkeiten und Betriebsgefahren dadurch hervorgerufen,
daß die Dichtungsscheibe beim Auf- und Niedergehen innerhalb des Behälters sich
an der einen oder anderen Stelle des Umfanges vorübergehend festklemmt und von diesem
Augenblick an bei der Fortsetzung ihrer Bewegung eine von der Waagerechten mehr
oder weniger abweichende Schiefstellung annimmt, so daß es schließlich mitunter
sogar zu einem vollständigen Festsetzen der Scheibe, in weniger schlimmen Fällen
aber mindestens zu einem ruckhaften Lösen derselben aus ihrer Schiefstellung beim
Weitergang kommt. Diese Schwierigkeiten werden besonders durch den Umstand verstärkt,
daß die Stellung und der Gang der Dichtungsscheibe im Betriebe von außen her nicht
sichtbar sind und die Zugängigkeit der Scheibe durch den über ihr befindlichen Gasbehälterraurn
wegen der bdeutenden Höhenerstreckungen und wegen der Erstickungsgefahr sehr erschwert
wird.
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Um diesen Schwierigkeiten und Gefahren wirksam zu begegnen, werden
für derartige Trockengasbehälter Kontrollvorrichtungen vorgesehen, durch welche
die Abweichungen der Dichtungsscheibe aus ihrer gewöhnlichen waagerechten Stellung
nach außen hin angezeigt werden.
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Eine bekannte Ausführung einer solchen Kontrollvorrichtung benutzt
zur Schaffung einer Anzeigemöglichkeit ein durchlaufendes Seil, dessen beide Enden
an zswei gegenüberliegenden Punkten des Umfangs der Dichtungsscheibe befestigt sind
und das von da aus durch den Behälterraum über der Dichtungsscheibe derart geführt
ist, daß außerhalb des Gasbehälters eine herabhängende Seilschlinge entsteht, in
welcher eine gewichtsbelastete lose Rolle liegt. Die Verdrehung dieser losen Rolle
beim Schiefstellen der Dichtungsscheibe ergibt ein außen erkennbares Zeichen und
Maß für ihre Abweichung von der Waagerechten.
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Die Erfindung beruht auf dem Gedanken, bei einer Kontrollvorrichtung
der vorstehend erläuterten bekannten Art die Drehbewegungen der losen Rolle zur
Betätigung einer elektrischen Anzeigevorrichtung auszunutzen und dadurch eine Fernanzeige
nach einer beliebigen Stelle hin zu ermöglichen. Die Ausbildung dieser erfindungsgemäßen
Mittel im einzelnen wird nachstehend durch die Beschreibung und Zeichnung erläutert.
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Es ist zwar bereits bekannt, die Dichtungsscheibe eines Scheibengasbehälters
mit einer unmittelbar auf sie gebauten elektrischen Kontaktvorrichtung zu versehen,
welche je nach der eintretenden Abweichung aus der waagerechten Lage verschiedene
Stromkreise beeinfluß.t und dadurch eine elektrische Fernanzeige für die Abweichung
nach einem außen liegenden Punkt schafft. Diese Anordnung der bekannten Einrichtung
in dem Behälterraum oberhalb der Dichtungsscheibe hat jedoch erstens den Mangel
schwieriger Zugängigkeit, was im Falle irgendwelcher Störungen, denen elektrische
Kontaktvorrichtungen
bei ungenügender Überwachung leicht ausgesetzt
sind, zu Umständlichkeiten -und Erschwerungen im Betriebe führt, und zweitens vör
allem verursacht sie schwerwiegende Explosionsgefahren wegen der Möglichkeit von
elektrischen Funkenbildungen und Kurzschlüssen, um so mehr als ja auch die Strome
führenden Leitungen von einem räumlich bewegten Körper, nämlich der Dichtungsscheibe,
aus durch den darüber liegenden Behälterraum nach außen geführt, also im ganzen
ortsbeweglich vorgesehen werden müssen.
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Demgegenüber ist ein wesentlicher Vorteil der erfindungsgemäßen Einrichtung,
daß die an der losen Rolle angebrachten Kontaktvorrichtungen jederzeit offen und
zugängig liegen und daß nur Schleifkontakte allereinfachster Art benutzt werden,
so daß die regelmäßige Überwachung und Instandhaltung äußerst erleichtert und eine
hohe Betriebssicherheit gewährleistet ist.
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Ein Ausführungsbeispiel des Erfindungsgegenstandes ist in den Zeichnungen
dargestellt, wovon die Abb. i eine Gesamtanord-, nung in einem senkrechten Achsenschnitt
durch den mit der erfindungsgemäßen Kontrollvorrichtung ausgestatteten Trockengasbehälter,
und die Abb. 2 die Einzelheiten der Kontrollvorrichtung selbst in vergrößertem Maßstabe
wiedergibt. .
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In Abb. i erkennt man den Trockengasbehälter, dessen nutzbarer, gasgefüllter
Behälterraum durch den Boden i, die als Zylindermantel ausgebildete Seitenwand2
und die im Innern senkrecht auf und ab bewegliche waagerechte Dichtungsscheibe 3
begrenzt wird. Diese Scheibe 3 wird in üblicher Weise durch die Eisenfachwerke 4
aufgesteift, die mit Führungsrollen 5 besetzt sind. An zwei gegenüberliegenden Umfangspunkten
6 der Scheibe 3 bzw. der Eisenfachwerke 4 sind die Enden 7 eines einheitlichen durchlaufenden
Seiles befestigt. Diese Seilenden 7 werden über Leitrollen 8 und 9, die im obersten
Teil des Gasbehälters bzw. seines über der Dichtungsscheibe 3 befindlichen freien
Raumes io an seiner Seitenwand 2 gelagert sind, und durch weitere Rollen i i und
12, die außerhalb der Gasbehälterwand 2 angeordnet sind, so nach außen geführt,
daß die herabhängende Seilschlinge 13 entsteht. Diese trägt die lose Rolle 14, welche
in einer Gabel 15 gelagert ist. An der Gabel ist das Beschwerungsgewicht 16 befestigt,
welches die lose Rolle 14 nach unten zieht und dadurch die Seile 7 und 13 dauernd
in Spannung hält. Der Gabel 15 und damit der Rolle 14 wird durch zwei senkrecht
gespannte Drahtseile 17 eine Führung erteilt, damit unbeabsichtigtes Hinundherpendeln
der Teile 14, 15 und 16 ausgeschlossen wird.
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Aus der beschriebenen, als bekannt anzusehenden Gesamtanordnung der
Abb. i ersieht man, daß eine in der Zeichnungsebene eintretende Abweichung der Dichtungsscheibe
3 von der Waagerechten einen entsprechenden Höhenunterschied zwischen dem rechten
uni linken Seilaufhängepunkt 6 und eine bezügliche Längenänderung der beiden Seilenden
7 ergibt, die vermittels der Seilschlinge 13 zu einer Verdrehung der losen Rolle
14 führen müssen. Diese Verdrehung wird nun erfindungsgemäß zu einer elektrischen
Fernanzeige durch die Einrichtungen ausgenutzt, die durch Abb.2 im einzelnen schematisch
dargestellt werden.
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Man erkennt in Abb.2 wieder die Seilschlinge 13 und die darin liegende
lose Rolle 14, die in der Gabel 15 gelagert ist und durch das Gewicht 16, welches
an dem senkrechten Arm i9 der Gabel 15 hängt, dauernd nach unten gezogen wird. Die
Gabel 15 behält hierbei unter dem Einfuß des Gewichtes 16 natürlich dauernd ihre
waagerechte Stellung, während die lose Rolle 14 je nach den senkrechten Bezugsbewegungen
der beiden Seilstücke 13 sich hin und her verdrehen kann. Auf dieser losen Rolle
14 sind nun in ihren beiden unteren Quadranten symmetrisch zwei kreissegmentförmige
Widerstandsspulen 2o mit Schleifkontakten 21 befestigt. Diese Kontakte 21 bewegen
sich beim Verdrehen der Rolle 14 unter dem Kontaktarm 22 hinweg, der mit der Gabel
15 verbunden ist und senkrecht von der Drehachse der Rolle 14 nach unten hin reicht.
Jede der beiden Widerstandsspulen 2o ist an ihrem von dem Kontaktarm 22 abgewendeten
Ende mit einer weiteren auf- der Rolle 14 befestigten Widerstandsspule 23 verbunden,
welche nur den Zweck hat, die Größe des gesamten, jeweils aus den Teilen 2o und
23 zusammengesetzten Widerstandes auf ein für die elektrischen Geräte und Leitungen
passendes Größenmaß zu bringen. Die beiden Enden der Widerstandsspulen 23 sind durch
Leitungsdrähte24 und 25, in denen je ein galvanisches Element oder ein Akkumulator
26, 27 von gleichbleibender Spannung eingebaut ist, mit dem Stromstärkemesser 28
verbunden. Andererseits ist das Ende des Kontaktarmes 22 durch den Leitungsdraht
29 ebenfalls mit dem Meßgerät 28 verbunden. In Abb. i sind die Leitungsdrähte 24,25
und 29 als von der Rolle 14 lose herabhängende Kabel eingezeichnet. Die Messungsanzeige
des Gerätes 28 kann entweder unmittelbar auf seiner Skala durch den Zeiger
30 für jeden Augenblick sichtbar gemacht werden, oder man kann mit der Drehachse
des Zeigers _3o einen Schreibhebel 31 verbinden, dessen Schreibstift 32 die bezügliche
Anzeige auf einer stetig herumgedrehten Tromme133 als Schaukurve aufzeichnet.
Die
Wirkungsweise der Kontrollvorrichtung nach Abb.2 ist leicht zu übersehen. Wenn beispielsweise
das rechte Seilende i3 im Verhältnis zu dem linken Seilende 13 sich senkt,
so verdreht sich die lose Rolle 14 in entsprechendem Maße, mit der Wirkung, daß
die rechts liegende. Widerstandsspule 2o mit ihren Kontakten 21 unter dem senkrecht
stehenbleibenden Kontaktarm 72 hinwegschleift. Das Maß der eingetretenen
Verdrehung, welches verhältnisgleich der eingetretenen Schiefstellung der Dichtungsscheibe
3 des Gasbehälters, d. h. in diesem Beispiel ihrer in Abb. i rechts liegenden Absenkung
ist, kommt in dem Größenmaß der Verkleinerung des wirksam bleibenden Stücks der
rechten Widerstandsspule 2o zum Ausdruck. Demgemäß wird der gesamte Widerstand in
dein durch die beiden. Leitungsdrähte 24 und 29 hergestellten Stromkreis verkleinert,
und da das eingeschaltete galvanische Element 26 seine elektrische Spannung unverändert
aufrechterhält, so wird die Stromstärke vergrößert. Dies kommt in einem entsprechenden
Ausschlag des Zeigers 3o des Stromstärkenmessers 28 nach der rechten Seite seiner
Skala zum Ausdruck. Bei einer entgegengesetzt auftretenden Schiefstellung der Dichtungsscheibe
3 (d. h. Absenkung nach links in Abb. i) bzw. bei entgegengesetzter Verdrehung der
losen Rolle 14 kommt deren linksseitige Widerstandsspule 2o zur Wirksamkeit und
dadurch ein entsprechender Ausschlag des Zeigers nach links hin zustande. Dabei
läßt sich erreichen, daß die Größe des Zeigerausschlages auf der Skala des Meßgerätes
28 ein Maß für die Größe der Abweichung der Dichtungsscheibe 3 von der Waagerechten
ergibt. Man erhält also mit der beschriebenen Kontrollvorrichtung, nach Abb. 2 eine
Anzeige sowohl für die Richtung als auch für das Größenmaß der Schiefstellung der
Dichtungsscheibe 3 in der Ebene des Gasbehälters, die durch die beiden Seilstücke
7 der Abb. i festgelegt und nach einer bestimmten Himmelsrichtung ausgewählt ist.
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Wenn man eine gleichartige Einrichtung, wie durch Abb. i und 2 dargestellt,
für die Achsenebene der senkrecht dazu stehenden Himmelsrichtung anbringt, so erhält
man aus der Doppelanzeige für beide genannte Himmelsrichtungen in jedem Augenblick
genauen Aufschluß über die Größe und Richtung der Schiefstellung der Dichtungsscheibe
3 im geographischen Raum.
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Die leichteZugängigkeit undüberwachungsmöglichkeit der Schleifkontakte
2i, 22 an der losen Rolle, d. h. der für die ordnungsmäßige Wirksamkeit der ganzen
Einrichtung wesentlichsten Teile, kann dadurch begünstigt werden, daß man zur Unterbringung
der senkrechten Führung der losen Rolle 14 den-;enigen Teil des Gasbehältergerüsts
verwertet, in welchem die übliche bis zur Decke des Gasbehälters führende Aufgangstreppe
eingebaut ist, so daß man die in der Höhenrichtung dauernd wandernde Rolle 14 in
jeder Stellung leicht für Beobachtungen oder Eingriffe erreichen kann.
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Durch die erfindungsgemäße Kontrollvorrichtung wird dem Betriebsleiter
ein Mittel an die Hand gegeben, um etwa eintretende Schiefstellungen der Dichtungsscheibe
des Gasbehälters durch das elektrische Anzeigegerät an irgendeinem Betriebspunkt,
der wegen der beliebigen Verlegungsmöglichkeit der stromführenden Kabel uneingeschränkt
zu wählen ist, schon frühzeitig zu erkennen und seine betriebsmäßigen Abhülfe- und
Gegenmaßnahmen zu treffen. Dabei ist es für die Betriebssicherheit ganz wesentlich,
daß man sich aus den oben erläuterten Gründen auf den dauernd einwandfreien Betriebszustand
der elektrischen Kontrollvorrichtung und ihre Zuverlässigkeit voll und ganz verlassen
kann.