DE58416C - Verfahren zum Bedrucken reliefartiger Gegenstände, wie Relief landkarten u. dergl - Google Patents
Verfahren zum Bedrucken reliefartiger Gegenstände, wie Relief landkarten u. derglInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
KLASSE IS: Druckerei.
Die vorliegende Erfindung betrifft die Herstellung von Relieflandkarten und will hauptsächlich
eine correctere Bezeichnung von Reliefkarten ermöglichen, als sie bei nachträglicher
Hochprägung möglich ist.
Material und Herstellung von
Reliefkarten.
Reliefkarten.
Das Material, das bei der Herstellung von Reliefkarten benutzt werden darf, mufs zunächst
weich und bildsam sein und darf erst nach vollendeter Bezeichnung hart werden. Es
empfiehlt sich für diesen Zweck am besten eine Composition von zerriebenem Cartonlöschpapier,
Wasserglas und Schlemmkreide. Schlemmkreide wird so lange zugesetzt, bis die Masse lehmartig wird. Diese Masse wird auf
einer Unterlage von recht grober, starker Leinwand zu einer viereckigen Tafel von der Gröfse
der gewünschten Reliefkarte ausgewalzt. Die Dicke dieser Tafel wird sich nach dem Umfang
und besonders nach den Höhenunterschieden der gewünschten Reliefkarte richten.
Die Oberfläche der Tafel wird dann mit geöltem Seidenpapier oder mit einer anderen
dünnen, aber zähen und dehnbaren Papiersorte überzogen. Ist die Gummi-Industrie im Stande,
Gummidecken von gröfserem Umfang und von der Stärke eines dünnen Papiers herzustellen,
dann würde ein dünner Ueberzug von Gummi gute Dienste leisten.
Die Leinwandunterlage ist in einem Rahmen straff ausgespannt. Dieser Rahmen besteht aus
zwei Theilen (Fig. 1). Zwischen α und b ist
die Leinwandunterlage eingeklemmt. Beide Theile werden durch die Schrauben c c zusammengehalten.
Am ganzen Rahmen würden vier Schrauben genügen. Auf b liegt eine Gummipolsterung g. Die punktirte Linie deutet
die Leinwandunterlage an und d die ausgewalzte Masse und \ \ den Ueberzug. Bei Reliefkarten
gröfseren Umfanges wird man wohl ein recht starkes Drahtnetz im Innern der Masse anbringen
müssen. Der Durchschnitt eines Rahmens würde dann so aussehen, wie Fig. 1 a ihn zeigt. Die punktirte
Linie deutet die Lage des Drahtnetzes an. Dieser Rahmen wird nun mit der auf der ausgespannten
Leinwand festklebenden Masse zunächst auf eine Form ohne Farbvorrichtung gelegt, und zwar pafst der Rand der Form in
den Winkel χ des Rahmens hinein. In dieser Form ohne Farbvorrichtung wird durch Hineinpressen
das Relief geformt. Sodann wird der Rahmen mit dem Relief abgehoben und einer zweiten Form, einer Form mit Farbvorrichtung,
angepafst. Beide Formen sind genau congruent, was leicht zu bewerkstelligen ist, wenn sie auf
galvanischem Wege als Metallabdrücke von einem und demselben Originalrelief hergestellt
werden. Bevor das Relief in die zweite Form gelegt wird, können die zersprengten Stellen
im Ueberzug des Reliefs durch Ueberstreichen von Collodium ausgebessert werden.
Die Form mit der Farbvorrichtung.
Die Form mit der Farbvorrichtung, in die das Relief zum Zwecke der Bezeichnung gelegt
wird, ist nun folgendermafsen beschaffen.
Zur Veranschaulichung des Princips diene Fig. 2. Auf der Oberfläche einer Platte, die-,
als durchsichtig angenommen wird, befindet sich eine Flufslinie A-B-C-D 2 bis 3 mm tief
eingravirt. Im Innern der Platte befinden sich zwei horizontale Kanalsysteme α und b, die
etagenförmig über einander liegen, das obere b gestrichelt, ,das untere a punktirt gezeichnet.
Aus beiden horizontalen Kanalsystemen führen verticale Querkanäle zur eingeschnittenen Flufslinie
A-B-C-D hinauf, aus dem oberen horizontalen Kanälsystem die Querkanäle ^1, aus
dem unteren die Querkanäle q. Die Mündungsstellen der Querkanä'le qt in der Flufslinie sind
mit f, die Mündungsstellen der Querkanäle q mit Z bezeichnet. Es wechselt in A-B-C-D
I mit f regelmäfsig ab.
Auf die Oberfläche der Platte wird ein Blatt Papier und darauf eine Gummiplatte gelegt
und beides fest angeprefst. Die seitliche Ausmündung α des unteren horizontalen Kanalsystems
wird mit einer Handspritze in Verbindung gesetzt, und in die seitliche Ausmündung
b des oberen horizontalen Kanalsystems wird ein Schlauch oder eine Röhre
aus einem Gefäfs mit flüssiger Farbe geführt. Wird der Kolben in dem Cylinder der Spritze
angezogen, fliefst die Farbe in das obere horizontale Kanalsystem; durch die Querkanäle ^1
tritt die Farbe in die Flufslinie A-B-C-D an den mit f bezeichneten Stellen ein und durchfliefst
dieselbe in der Richtung nach /. An den mit / bezeichneten Stellen findet die Farbe
Abflufs durch die Querkanäle q in das untere horizontale Kanalsystem α und geht in den
Cylinder der Spritze hinein.
Auf dem Blatt Papier ist dadurch die Flufslinie A-B-C-D natürlich in umgekehrter Gestalt
zum Abdruck gekommen.
Dieses Princip wird bei der Bezeichnung von Reliefkarten zur Anwendung gebracht
(Fig. 3). Auf der Oberfläche einer Metallform, die das bereits geformte, vorläufig noch in
einem weichen und fügsamen Zustand sich befindliche Relief aufnimmt und mit Farbe versehen
soll, befinden sich alle Flufs- und Eisenbahnlinien nebst Städtezeichen 2 bis 3 mm tief
eingravirt. Alle diese eingravirten Linien, Namen und Zeichen nenne ich im allgemeinen
Zeichenlinien. Aus den Zeichenlinien führen verticale Querkanäle hinab in das Innere der
Form zu zwei horizontalen Kanalsystemen, die etagenförmig unter einander liegen. Abwechselnd
führt an den mit / bezeichneten Stellen ein Querkanal zu einem unteren horizontalen
Kanalsystem und an den mit f bezeichneten Stellen ein Querkanal zu einem oberen horizontalen
Kanalsystem. Das obere horizontale Kanalsystem hat eine seitliche Ausmündung b,
das untere horizontale Kanalsystem hat eine seitliche Ausmündung a.
Für Städtezeichen wird man der Bequemlichkeit wegen gröfsere oder kleinere Punkte
wählen. Liegt eine Stadt abseits von einer Flufs- oder Eisenbahnlinie, dann hat der betreffende
Punkt seine eigenen Querkanäle.
Bei Namen gebraucht man ganz dasselbe Princip. Ein Querschnitt, der zu dem oberen
horizontalen Kanalsystem führt, berührt das eingravirte Wort oben und ein zweiter Querschnitt,
der zum unteren horizontalen Kanalsystem führt, unten. Beide Einschnitte gelangen
aber nicht gänzlich an die Oberfläche der Form, sondern begegnen sich mit den eingravirten
Buchstaben (Fig. 4).
Anmerkungen.
i. Die Herstellung einer solchen Form mit den inneren Kanälen scheint schwieriger zu
sein, als sie in Wirklichkeit ist.
Auf das Originalrelief, das zur Vervielfältigung gelangen soll, wird die Bezeichnung
zur besseren Örientirung mit der Hand aufgetragen. Dann vertheilt man die Punkte /
und/ auf alle Linien. Die Entfernung zwischen / und f wird sich nach der Stärke der gewünschten
Linien richten. An den mit I bezeichneten Stellen bohrt man runde, an den mit
f bezeichneten Stellen eckige Stiftchen von Hartgummi in das Relief hinein und präparirt das
Relief gleichzeitig durch Bestreichen mit Graphit für die Galvanoplastik. Die Stiftchen dürfen des
besseren Haltens wegen tief in das Relief hineingebohrt sein. Die Erweiterungen der Zeichenlinien,
die man dadurch im späteren Abdruck erhält, können durch Kitt oder durch einen anderen hart werdenden Klebstoff späterhin
beseitigt werden.
In dem galvanischen Abdruck, der die Form für die gewünschten Reliefkarten liefert und
dessen Stärke sich nach dem Umfang der Reliefkarte richtet, sind nun bereits die Querkanäle
vorhanden. Man erhält dann die beiden Etagen der Horizontalkanäie dadurch, dafs man die
Metallform auf der Rückseite durch das vorhin erwähnte Material (Papiermache, Wasserglas
und Schlemmkreide) allmälig verstärkt und die Horizontalkanäle und ebenso die Querkanäle
in die Verstärkung hineinbaut. An den eckigen und runden Querkanälen kann man ja leicht
sehen, welche zur oberen und welche zur unteren Etage der Horizontalkanäle führen
sollen. Natürlich müssen alle Kanäle mit einem wasserdichten Stoff ausgekleidet sein.
Wünscht man die Form ganz aus Metall bestehend, dann verstärkt man die Rückseite
des Metallabdruckes durch zwei weitere galvanische Niederschläge und bringt die Horizontalkanäle
durch Benutzung von Wachsstreifen, die mit Graphit bestrichen sind, und die Fortsetzung
der Querkanäle durch die Benutzung der eben erwähnten Stiftchen von Hartgummi
zu Stande. Am besten wird man für die Form Zink oder Kupfer benutzen. Aber auch Gyps,
wenn er sich durch Beimischung anderer Stoffe
härten läfst, liefse sich für die ganze Form anwenden.
2. Bei Reliefkarten mit reichlicher Bezeichnung ist es rafhsam, zwei Formen mit Farbvorrichtung
anzuwenden; die eine Form enthält die Zeichenlinien der Flüsse und der Namen., die zweite ΪΌπη die Eisenbahnlinien
und Städtezeichen.
3. Aus Gründen, die sofort ersichtlich sein werden, müssen die seitlichen Ausmündungen
der Horizontalkanäle an derselben Seite angebracht sein.
4. Die beschriebene Farbvorrichtung liefse sich auch etwas abändern. Man nimmt von
einem Originalrelief einen dünnen galvanischen Metallabdruck. Alle Zeichenlinien und Namen
werden·auf der Oberfläche der Form derartig eingravirt, dafs sie den Metallabdruck ganz
durchschneiden, so dafs der Metallabdruck wie eine Schablone aussieht. Auf diesen ersten
galvanischen Niederschlag wird dann ein zweiter gemacht, und in dieser Verstärkung der Form
wird mit Hülfe von Wachsstreifen ein einziges Kanalsystem eingebaut, das über und längs
allen Linien und ebenso über die Namen hinwegläuft und zwei Ausmündungen besitzt. Bei
einer solchen Farbvorrichtung sind aber einige Nachtheile zu befürchten.
Bezeichnung der Reliefkarte.
In einer derartig beschaffenen Form befindet sich nun das Relief. Die Form mit Farbvorrichtung
ist auf einer schiebbaren Unterlage befestigt. Zu der Form mit Farbvorrichtung gehören Hülfsapparate (Fig. 5).
Die beiden horizontalen Kanalsysteme münden an der einen Seite der Form in Mundstücken a
und b aus, die im Innern mit Gummi ausgekleidet sind. Die Mündung α kann durch
einen Gummischlauch F mit einem Cylinder C in Verbindung gebracht werden, in dem ein
Kolben K sich hin- und herbewegen läfst. Aus dem Cylinder C führt an der unteren
Seite eine Röhre m seitwärts. In die zweite Ausmündung b kann man die Spitze eines
Schlauches S, die durch einen Hahn h geöffnet und geschlossen werden kann, hineinstecken.
Der Schlauch führt nach einem Farbgefäfs G der Fig. 6.
Die Unterlage wird nun mit der Form unter die Presse geschoben. Der Stempel S1 T der
Presse mufs mit einer dicken, aber sehr elastischen Gummiplatte überzogen sein. Bei Reliefkarten
gröfseren Umfanges wird man wohl den hydraulischen Druck anwenden müssen." Der vorher beschriebene Rahmen umfafst den
Rand der Form; er läfst sich zwar infolge der elastischen Polsterung g unter der Presse ·
herunterdrücken, verhindert aber die horizontale Verschiebung .des Reliefs. Ist die Presse genügend
angezogen, so dafs man. die Sicherheit hat, dafs das Material auch genau die Form
ausfüllt und die Schriftlinien verschliefst (Fig. 7), dann wird die Spitze des Schlauches in die
Mündung b gesteckt, der Schlauch ist durch den Hahn h vorläufig verschlossen. Nachdem
der Kolben in dem Cylinder C angezogen ist, wird durch Drehung des Hahnes h die Farbleitung
S geöffnet. Die Farbe strömt in das obere horizontale Kanalsystem, steigt durch
die Querkanäle an den mit / bezeichneten Stellen in die Zeichenlinien hinein, durchläuft
dieselben und findet an den mit Z bezeichneten Stellen Abflufs nach unten durch Querkanäle
in das untere horizontale Kanalsystem (Fig. 2 und 3). Aus diesem geht die Farbe durch
den Schlauch in den Cylinder C, und durch weiteres Anziehen des Kolbens findet die Farbe
durch m Abflufs und kann in einem Gefäfs aufgefangen werden. Durch Drehung des
Hahnes h wird die Farbe im Schlauch S abgesperrt und der Schlauch aus der Mündung b
entfernt. Der Kolben im Cylinder wird zurückgeschoben und an Stelle des Farbeschlauches
wird in die Mündung b die Spitze eines Schlauches gesteckt, der aus einem Gefäfs den
inneren Kanälen der Form Wasser zuführt. Durch Anziehen des Kolbens wird durch das
Wasser. die zurückgebliebene Farbe aus den inneren Kanälen der Form entfernt. Die Farbe,
wozu man gute Tinte benutzt, sitzt auf dem Ueberzug des Reliefs derartig fest, dafs sie
durch das Nachspülen von Wasser nicht entfernt werden kann. Nachdem noch auf die
Rückseite des Reliefs eine Platte von Holz oder einem anderen tauglichen Stoff aufgeprefst wird,
kann das Relief mit Hülfe des Rahmens aus der Form herausgenommen werden.
Herstellung von Reliefkarten mit bedeutenden Höhenunterschieden.
Bei Reliefkarten mit bedeutenden Höhenunterschieden wäre natürlich ein ganz dünner
Gummiüberzug am besten. Man kann aber auch angefeuchtetes Cartonlöschpapier sofort
in die Form mit Farbvorrichtung hineinpressen. Die zersprengten Stellen werden mit Papiermache
ausgefüllt. Die Form wird einer starken Hitze ausgesetzt. Darauf wird der. in der Form
liegende Ueberzug mit OeI durchtränkt und unter einer Presse durch einen in die Form
hineinpassenden Gummistempel fest angeprefst. Die Bezeichnung findet in der beschriebenen
Weise statt, und nach derselben wird der Ueberzug erst mit der bekannten Masse, ausgefüllt.
Bei einem solchen Verfahren kommt nun die Bezeichnung etwas erhaben zum Vorschein.
Man kann diesen kleinen Mangel, der kaum ins Auge fällt, dadurch beseitigen, dafs das Relief
der 'Form ohne Farbvorrichtung noch einmal angepafst und in dieselbe hineingeprefst wird.
Flächencolorit.
Das Flächencolorit kommt bei diesem Herstellungsverfahren von Reliefkarten erst in
zweiter Linie in Betracht. Es läfst sich bewerkstelligen, wenn man von einer fertigen
und hart gewordenen Reliefkarte einen Wachsabdruck nimmt, diesen in eine Schablone umarbeitet
und mit Hülfe dieser Schablone das Flächencolorit herstellt.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Ein Verfahren zum Bedrucken reliefartiger Gegenstände, wie Relief landkarten u. dergl., darin bestehend, dafs die auf den Gegenstand farbig aufzutragenden Bezeichnungen in die zur Prägung des Gegenstandes dienende Form eingravirt sind, und dafs diese Gravirungen mit einem innerhalb der Form liegenden Kanalsystem in Verbindung stehen, durch welches bei gleichzeitiger fester Aüfpressung des Gegenstandes auf die Form Farbe mittelst einer Druck- oder Saugevorrichtung hindurchgezogen wird, so dafs diese auch die Gravirungen durchfliefsende Farbe mit Hülfe der letzteren und entsprechend den letzteren auf den zu bedruckenden Gegenstand aufgetragen wird.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Applications Claiming Priority (1)
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| Publication Number | Publication Date |
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| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
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