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Verfahren und Einrichtung zum Kühlen von absatzweise hergestellten
Glasplatten Es ist bekannt, absatzweise hergestellte Glasplatten oder -tafeln von
der Herstellungsmaschine auf einer Rollenbahn zum Kühlofen und durch diesen hindurch
zu befördern. Beim Transport des Glases auf der Rollenbahn besteht jedoch die Gefahr,
daß das noch formbare Glas infolge seines Gewichtes zwischen benachbarten Rollen
einsinkt und infolgedessen sich Unebenheiten, Buckel'und Vertiefungen, bilden.
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Erfindungsgemäß wird nun diesem übelstande dadurch abgeholfen, daß
die Fördergeschwindigkeit auf der Rollenbahn bis zur genügenden Verfestigung der
Glasplatten stetig vergrößert wird. Durch die stetige Vergrößerung der Fördergeschwindigkeit,
die zweckmäßig von Rolle zu Rolle erfolgt, findet auf der Rollenbahn eine Spannung
der Glasplatten oder -tafeln statt, da durch denUnterschied in der Umfangsgeschwindigkeit
der einzelnen das Glas tragenden Rollen auf eine Streckung des Glases hinwirkende
Kräfte erzeugt werden. Das Glas kann infolgedessen nicht zwischen den einzelnen
Rollen einsinken und bleibt somit praktisch vollständig eben.
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Man hat bereits vorgeschlagen, die Fördergeschwindigkeit des Glases
hinter dem Walzwerk heraufzusetzen. Diese Geschwindigkeitserhöhung sollte jedoch
auf einmal und nicht entsprechend der Erfindung stetig bis zur genügenden Verfestigung
des Glases erfolgen. Eine einmalige Heraufsetzung der Geschwindigkeit kann aber
niemals eine Streckung der ganzen Glasplatte oder -tafel bewirken, derart, daß ein
Einsinken derselben zwischen den einzelnen Rollen vermieden wird.
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Um die Länge des Kühlofens nicht übermäßig groß werden zu lassen,
denn diese hängt von der Geschwindigkeit des Glases im Ofen ab, ist es zweckmäßig,
die Fördergeschwindigkeit nach genügender Erstarrung des Glases wieder stetig bis
unter die Walzgeschwindigkeit herabzusetzen.
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Nachdem die Fördergeschwindigkeit bis unter die Walzgeschwindigkeit
herabgesetzt ist, wird das Glas, wie bekannt, mit gleichbleibender geringer Geschwindigkeit
bis zum Ende des Kühlofens befördert.
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Vorteilhaft ist es ferner, alle Rollen des Kühlofens einschließlich
der Plattenherstellungsmaschine durch eine gemeinsame Welle anzutreiben, da auf
diese Weise am einfachsten eine Erhöhung oder Verringerung der Geschwindigkeiten
unter Beibehaltung des
Geschwindigkeitsverhältnisses der einzelnen
Rollen zur Herstellungsmaschine und der einzelnen Rollen untereinander erzielt werden
kann.
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Eine beispielsweise Ausführungsform des Erfindungsgegenstandes zeigt
die Zeichnung, und zwar ist Abb. i ein Kurvenbild, dessen eine Kurve die augenblicklichen
Geschwindigkeiten zeigt, die durch die Drehung der Förderrollen einer Glastafel
während ihres Durchlaufes durch den Kühlofen vermittelt werden, und dessen andere
Kurve die für den Durchlauf der einzelnen Strecken erforderlichen Zeiten angibt,
Abb. 2 ein Längsschnitt durch einen Kühlofen gemäß der Erfindung, Abb. 3 ein Grundriß
des Ofens, Abb. 4. ein Längsschnitt durch eine Glastafel bei ihrer Bewegung über
die Förderrollen vor ihrer Streckung und Erstarrung und Abb. 5 ein Schnitt durch
eine erstarrte und gestreckte Glastafel bei ihrer Bewegung über die Förderrollen.
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Eine der Kurven des in Abb. i gezeigten Kurvenbildes gibt die augenblicklichen
Geschwindigkeiten an, die einer Glastafel während ihres Durchlaufes durch den Kühlofen
vermittelt werden. Die daraus ersichtlichen verschiedenen Geschwindigkeiten werden
dadurch erzielt, daß die Umfangsgeschwindigkeit der Förderrollen in dem Teil a vom
Eintritt in den Kühlofen ab von Rolle zu Rolle w iiehst, i in dein Teil b in der
Förderrichtung sich von Rolle zu Rolle verringert und in dein Teil c bei allen Rollen
gleich ist.
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Die Veränderung der Geschwindigkeit in dein Teil u des Kühlofens gemäß
der Erfindung bewirkt eine Streckung der Glastafel. Die Abb. 4 zeigt eine noch formbare
Glastafel auf den Förderrollen eines bekannten Kühlofens so, wie sie beim Eintritt
in den Kühlofen auf dessen Rollen liegt und von diesen mitgenommen wird. Da die
Glastafel noch nicht genügend starr ist, so sinkt sie durch ihr eigenes Gewicht
zwischen zwei aufeinanderfolgenden Förderrollen ein.
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Die stetige Zunahme derUmfangsgeschwindigkeit der einzelnen Rollen
nach der Erfindung in dem Teil a des Kühlofens gestattet, die Glastafel zu strecken
und eine schnelle Ebnung herbeizuführen. Die Streckung erfolgt dabei durch die Reibung
zwischen der Glastafel und den Förderrollen.
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Nachdem die Glastafel geebnet und erstarrt ist, gelangt sie in den
Abschnitt b des Ofens, in dem die Umfangsgeschwindigkeit der einzelnen Förderrollen
stetig abnimmt. Infolgedessen verringert sich auch die Geschwindigkeit der Glastafel.
Da die Glastafel bereits starr ist, kann die auftretende Stauchung in ihr keine
Formveränderung mehr hervorrufen. Sobald die Glastafel den Abschnitt c erreicht
hat, wird sie in gleichförmiger Bewegung weiterbewegt.
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Die Glastafel kann beliebig erzeugt werden, z. B. durch Walzen zwischen
den Walzen i. Alsdann läuft die Glastafel über die geneigte Ebene weiter, wird,
falls erforderlich, durch die umlaufenden Messer 3 in geeignete Längen geschnitten
und gelangt auf die Rollen q.. Der Antrieb der Rollen .I kann auf zwei Weisen erfolgen.
Der Motor mit veränderlicher Drehzahl, 5 treibt die Walzen i an und bewegt gleichzeitig
die Welle 7. unter Vermittlung einer vorzugsweise elektromagnetischen Kupplung 9.
Die Welle 7 trägt Kegelzahnräder 8, die mit Zahnrädern 8' auf den Förderrollen in
Eingriff stehen. Am Ausgangsende des Kühlofens kann ein weiterer Motor 6 mit veränderlicher
Drehzahl die Welle 7 mit Hilfe einer Kupplung io antreiben, die der Kupplung 9 gleich
ist. Der Betrieb der Einrichtung geht folgendermaßen vor sich. -In der Walzstellung
ist die Kupplung 9 geschlossen und die Kupplung io geöffnet. Die Welle 7 wird also
durch den Motor 5 des Walzwerkes gedreht. Sobald eine Glastafel i i gewalzt ist,
überläuft sie die Rollen des Abschnitts a mit wachsender Geschwindigkeit, wobei
sie gestreckt wird, und alsdann die Rollen des Abschnitts b, wobei ihre Fördergeschwindigkeit
abnimmt. Sobald das Ende der Glastafel die Messerwalzen 3 verlassen hat, kann die
Welle 7 durch den Motor 6 angetrieben werden, indem die Kupplung io eingerückt und
die Kupplung 9- ausgerückt wird. Die Drehzahl des Motors 6 kann ohne Nachteil die
des Motors 5 sein. Der Wechsel des Antriebsmotors findet statt, um zur Erleichterung
der Reinigung einen Lauf der Walzen i in umgekehrter Richtung zu ermöglichen. Hierzu
kann aber auch jede andere Vorrichtung Verwendung finden, die eine Umkehr des Laufes
des Walzwerkes bei Fortsetzung des bisherigen Umlaufes der Förderrollen gestattet.
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In gleicher Weise kann man zum Antrieb der Welle 7 auch mehrere Motore
vorsehen, und zwar besonders dann, wenn es notwendig erscheint, diese Welle, deren
Länge bei den jetzt üblichen Abmessungen eines Kühlofens über Zoo m hinausgehen
kann, zu teilen.
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Nach einer gewissen Laufzeit kommt die Glastafel auf den Rollen des
Abschnitts c an, die die Glastafel mit einer Geschwindigkeit weiterfördern, die
nur ein Bruchteil der Walzgeschwindigkeit ist.
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Um hier zwischen allen Glastafeln den gleichen Abstand d zu wahren,
ist es notwendig, daß der Beginn des Walzvorganges in dein Augenblick erfolgt, in
dem das Ende der
letzten Glastafel an einer bestimmten Stelle des
Kühlofens angelangt ist. Die Feststellung dieses Zeitpunktes, die der Schätzung
des das Walzwerk führenden Arbeiters überlassen werden kann, kann vorteilhafterweise
durch eine der bekannten elektrischen oder magnetischen Anzeigevorrichtungen oder
durch irgendein anderes gebräuchliches Mittel erfolgen. Wenn man eine schnellere
Arbeit beabsichtigt, so muß man dafür sorgen, daß der Motor 6 mit veränderlicher
Geschwindigkeit seine Drehzahl erhöht, wodurch der Augenblick vorverlegt wird, in
dem das Ende der letzten gewalzten Glastafel an der vorbestimmten Stelle des Kühlofens
vorbeikommt. Wenn man eine Verlangsamung des Arbeitstaktes des Glasgießens beabsichtigt,
so kann man die Geschwindigkeit der Förderrollen durch entsprechende Beeinflussung
des Motors 6 herabsetzen.
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Die Vorrichtungen, welche dazu bestimmt sind, die Umfangsgeschwindigkeit
der Förderrollen zu vergrößern oder zu verringern, können von bekannter Bauart sein
oder, mit anderen Worten, die Veränderung der Umfangsgeschwindigkeit kann entweder
dadurch erfolgen, daß alle Förderrollen die gleichen Winkelgeschwindigkeiten haben,
während nur ihr Durchmesser geändert wird, oder dadurch, daß alle Förderrollen den
gleichen Durchmesser haben, jedoch die Winkelgeschwindigkeiten der Rollen veränderlich
gemacht werden. Es können auch beide Mittel gleichzeitig Anwendung finden. Die Veränderung
der Winkelgeschwindigkeiten kann durch Getrieberäder, Kettenräder, Schneckenräder,
Reibungsräder o. dgl. erfolgen, ohne daß dadurch die Erfindung verlassen wird.