-
Verfahren zur Verarbeitung von Tierkörpern mittels gespannten Wasserdampfes
Bei der Verarbeitung von Tierkörpern mittels gespannten Wasserdampfes entsteht Fleischbrühe,
die vielfach durch Eindicken in eine Gallerte umgewandelt wird. Zur Vornahme der
Eindickung benutzte man bisher zwei Wege.
-
Aus dem Extraktor oder aus dem Extraktions- und Trockenapparat brachte
man die Brühe in einen Verdampfer, dessen Beschickungsraum unter atmosphärischem
Druck oder Unterdruck stand. Der Verdampfer besitzt einen geschlossenen Heizkörper,
durch den frischer Kesseldampf umläuft, so daß die Eindickung durch indirekte Wärmeabgabe
unter Abzug des aus der Fleischbrühe entwickelten sogenannten Leimdampfes ins Freie
oder in einen Kondensator, in eine Naßluftpumpe o. dgl., erfolgt.
-
Bei dem zweiten bekannten Verfahren brachte man die Fleischbrühe in
einen ebensolchen Verdampfer, nutzte aber den Leimdampf dadurch aus, daß man ihn
in den Doppelmantel des Trockenapparates oder des Extraktions- und Trockenapparates
schickte, um mittels seiner Wärme die Trocknung der vom Rohgut übriggebliebenen
festen Bestandteile zu bewirken.
-
Das erste der bekannten Verfahren erfordert den höchsten Wärmeaufwand.
Das Zerkochen des Rohgutes, das Eindicken der Fleischbrühe und das Trocknen der
festen Rückstände werden je für sich mittels frischen Kesseldampfes bewirkt. Beim
zweiten Verfahren wird eine Wärmeersparnis erzielt, denn durch die Ausnutzung der
Wärme des Leimdampfes wird ein gewisser Aufwand an frischem Kesseldampf entbehrlich
gemacht. Dem zweiten Verfahren haften aber erhebliche Mängel an. Mit dem Leimdampf
gelangen Leimpartikelchen in den Doppelmantel, die hier erhärten können und dann
den Dampfraum verstopfen bzw. die Heizfläche verkrusten. Dadurch werden Reinigungen
notwendig, die unter Umständen sehr zeitraubend und kostspielig werden und zu Betriebsunterbrechungen
führen können.
-
Der Leimdampf wird außer zur Trocknung der festen Rückstände auch
zur Zerkochung des Rohgutes benutzt. Für diesen Zweck ist aber seine Auslaugekraft
geringer als die des reinen Kesseldampfes, wodurch die Menge und Güte des gewonnenen
Fettes ungünstig beeinflußt werden. Bei der Arbeit mit Leimdampf ist die Gefahr
der Geruchbelästigung größer, weil offenbar der reine Kesseldampf gegen die riechenden
Bestandteile aggressiver ist. Dabei ist die Kohlenersparnis geringer, als es den
Anschein hat. Die Hauptbrühemenge entsteht beim Ankochen, die Ersparnis an später
zu verdampfendem Wasser ist also mäßig. Das Frischdampfkondensat aus dem Verdampferheizkörper
geht in den Dampfkessel zurück, so daß die Flüssigkeitswärme abzüglich der Verluste
wieder gewonnen wird. Die Erzeugung des Leimdampfes ist aber ebenfalls von Wärmeverlusten
begleitet, die hier Kohlenverluste bedeuten.
-
Man hat nun schon vorgeschlagen, die Eindickung
der
Fleischbrühe mehrstufig vorzunehmen, und zwar in zwei Fleischbrüheeindickern, die
an den Extraktor angeschlossen waren. Durch diese mehrstufige Verdampfung werden
die allgemeinen Mängel der oben geschilderten älteren Ausnutzung der Leimdampfwärme
vermieden, und die mehrstufige Verdampfung ist auch in wärmewirtschaftlicher Beziehung
dem älteren Verfahren dadurch überlegen, daß man für günstigere Temperaturunterschiede
sorgen kann, weil die Ausnutzung der Leimdampfwärme nicht an bestimmte Betriebsdrucke
gebunden ist.
-
Die Erfindung will die mehrstufige Verdampfung der Fleischbrühe verbessern.
-
Bei dem bekannten Verfahren sind immer so viel Fleischbrühegefäße
erforderlich, als Stufen für die Verdampfung Anwendung finden sollen. Bei zweistufiger
Verdampfung sind also zwei besondere Gefäße erforderlich, der Verdampfer der ersten
und der Verdampfer der zweiten Stufe. Demgegenüber schlägt die Erfindung vor, den
Trockenapparat der Tierkörperverwertungseinrichtung selbst als ersten Verdampfkörper
zu benutzen. Damit werden folgende Vorteile erreicht.
-
Die Gesamteinrichtung ist in ihrer Gestaltung und in ihrer Bedienung
erheblich vereinfacht. Die Anschaffungskosten und die Betriebskosten sinken. Die
gesamten Wärmeverluste des sonst nötigen ersten Verdampfkörpers kommen in Fortfall,
so daß die neue Art der mehrstufigen Eindickung auch wärmewirtschaftlich der gewöhnlichen
Mehrstufenv erdampfung noch überlegen ist. Dazu treten folgende Sondervorteile.
-
Es bereitet erfahrungsmäßig keine Schwierigkeiten, die Hälfte der
Fleischbrühe unmittelbar mit den festen Rückständen zusammen zu Tiermehl umzuwandeln.
Dagegen ist es aber sehr schwierig, die zweite Hälfte der Brühe dem Tiermehl ohne
weiteres einzuverleiben. Die Vereinigung gelingt im allgemeinen nur dann glatt,
wenn die zweite Hälfte vorher genügend konzentriert worden ist. Diese Erfahrung
wird durch das neue Verfahren in besonders günstiger Weise nutzbar gemacht. Die
erste Hälfte der Brühe bleibt von vornherein bei den festen Rückständen im Trockenapparat
und wird mit diesen zusammen (erster Körper) eingedickt und eingetrocknet. Sobald
dieser Vorgang im Trockenapparat genügend weit vorgeschritten ist, hat sich im zweiten
Verdampfkörper die Brühe genügend konzentriert, um nun dem vorgetrockneten Tiermehl
zugesetzt werden zu können. Die Erfindung erleichtert also die Gewinnung eines die
gesamte Fleischbrühe enthaltenden Tiermehls in hohem Maße und kürzt die dazu erforderliche
Betriebszeit ab. Das neue Verfahren ist sowohl auf Apparateeinrichtungen, bei denen
der Extraktionsapparat gleichzeitig als Trockenapparat dient, wie auch bei Einrichtungen
mit getrenntem Extraktor und Trockenapparat anwendbar. Die Zeichnung veranschaulicht
eine Einrichtung der zuerst genannten Art.
-
Der Extraktions- und Trockenapparat A wird durch den Einfüllhals z
mit dem Rohgut beschickt und dann verschlossen. Reiner Kesseldampf wird in das Innere
des Extraktors A geschickt, um die Fleischmassen zu zerkochen. Fleischwasser und
Fett speichern sich beispielsweise im Extraktor A auf, bis sie (das Fett zuerst)
durch einen Stutzen :2 und Rohr 3 in den Fettabscheider B überlaufen können.
-
Im Extraktor A kann nicht mehr Flüssigkeit zurückbleiben, als der
Überlaufstutzen 2 seiner Höhenlage nach es gestattet. Am Ende der Kochung befindet
sich eine Hälfte der Fleischbrühe in A, die zweite Hälfte zum Teil mit dem Fett
im Abscheider B und zum Teil im Verdampfer C (zweiter Körper), wie aus der Zeichnung
ersichtlich ist. Man entnimmt aus B das Fett und drückt dann auch das hier noch
befindliche Fleischwasser nach C hinüber. Der Abscheider B ist leer, und die Fleischbrühe
ist auf die Apparate A und C verteilt.
-
Die Dampfzufuhr in das Innere des Extraktors A ist abgesperrt; der
Schieber 6 ist geschlossen. Man öffnet langsam die Ventile 7 und 8, die sich in
der Zuführungs- und Abflußleitung des Heizkörpers im Verdampfer C befinden. An die
Stelle des Ventils 8 kann auch ein Kondenswasserabscheider treten. Der im Extraktor
A noch unter dem Kochdruck vorhandene Dampf wird also nicht wie bisher in einem
Kondensator oder einer Naßluftpumpe unter Aufwendung von Kühlwasser und Kraft vernichtet,
sondern nutzbar gemacht. Er durchströmt den Verdampferheizkörper und erhitzt die
in C befindliche Fleischbrühe. Sein Kondensat fließt über 8 und durch das Rohr g
nach Arbeitsleistung durch Wärmeabgabe ab. Im Kondensator o. dgl. geht also nur
noch seine Flüssigkeitswärme verloren. Die im Verdampfer C aus der Fleischbrühe
frei werdenden Dämpfe ziehen durch das Rohr zö ebenfalls nach 9 .ab und werden mittels
Kondensators oder Naßluftpumpe niedergeschlagen.
-
Inzwischen ist rechtzeitig Kesseldampf in den Doppelmantel 5 des Extraktors
A eingegeführt worden. Er verdampft durch indirekte Wärmeabgabe die im Extraktor
A enthaltene Fleischbrühe, deren Dampf auf den Wege 7-C-8-9 die Verdampfungsarbeit
im zweiten Körper C fortsetzt. Auch dieser Leimdampf wurde bisher vernichtet, während
er
jetzt bis auf seine Flüssigkeitswärme ausgenutzt wird. Die im Verdampfer C nutzbar
gemachte Wärme stellt also einen Gewinn dar; zugleich wird an Einspritzwasser und
Luftpumpenarbeit gespart.
-
Wenn die Konzentration im Extraktor A und im Verdampfer C genügend
weit vorgeschritten ist, wird der Schieber i i geöffnet. Die konzentrierte Lösung
fließt aus C nach A und wird hier mit den festen Restbestandteilen der Beschickung
zusammen zu leimhaltigem Tiermehl eingetrocknet. Während dieser letzten Arbeitsperiode
sind zweckmäßig die Ventile 7 und 8 geschlossen, dagegen ist der Schieber 6 offen,
so daß nunmehr die Abdämpfe aus dem Extraktor A unmittelbar zur Luftpumpe strömen.