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Verfahren zur Herstellung von Schmierölen Die Erfindung betrifft ein
Verfahren zur Herstellung von Schmierölen aus den Schmierölfraktionen des rohen
Erdöls. Es ist bekannt, Schmieröle unter Vakuum auf einer Fläche abzudestillieren,
welche durch sich an ihr kondensierende Quecksilberdämpfe erwärmt wird. Es ist auch
bekannt, die flüchtigen Bestandteile von den weniger flüchtigen durch stetige Destillation
zu trennen, indem das Öl durch eine Reihe von Ölerhitzern geführt und die Dämpfe
in Türmen, die mit den entsprechenden Ölerhitzern verbunden sind, fraktioniert kondensiert
werden.
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Quecksilberdampf als Heizmittel, besonders bei der Destillation höher
siedender Schmieröle unter hohem Vakuum, hat ausgesprochene Vorteile insofern, als
die Bildung von Zersetzungsprodukten vermieden wird, welche das Destillat verschmutzen
und eine umfangreiche Reinigung notwendig machen. Dieses Verfahren erlaubte jedoch
bisher noch nicht die Herstellung von sehr reinen Schmierölen. Selbst bei Durchführung
des Verfahrens unter den günstigsten Bedingungen kann das Destillat noch Oxydationsprodukte
und Spaltprodukte enthalten und einen Geruch und eine Farbe haben, welche die Güte
des Schmieröls herabsetzen.
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Das neue Verfahren besteht im wesentlichen darin, daß das untermöglichsterVermeidung
einer Spaltung durch Vakuumdestillation hergestellte Schmieröldestillat unmittelbar
nach seiner Kondensation in flüssigem, aber noch warmem Zustande, und während es
einem hohen Vakuum ausgesetzt ist, über eine ausgedehnte Fläche verteilt wird, so
daß die übelriechenden Bestandteile des Öls in Gas- oder Dampfform entweichen, ohne
daß eine wesentliche Verdampfung des Öls selbst eintritt.
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Dieses Verfahren ist namentlich auch auf diejenigen Schmieröldestillate
anwendbar, die dadurch gewonnen werden, daß die bei der Destillation von Schmierölfraktionen
des Roherdöls entstehenden Öldämpfe in bekannter Weise derart kondensiert werden,
daß, während der überwiegende Teil der Dämpfe verflüssigt wird, ein anderer kleinerer,
einen Teil der übelriechenden Bestandteile enthaltender Teil der Dämpfe, der bei
der die Kondensation des Hauptanteils der Dämpfe bewirkenden Temperatur unkondensierbar
bleibt, aus dem Bereich der heißen Kondensate abgeleitet wird.
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Bei dem neuen Verfahren wird das Öl in Heizröhren erhitzt. Dann werden
die verdampften niedrigsiedenden Anteile, Benzin und gegebenenfalls auch das Gasöl,
vom Destillationsrückstand getrennt und kondensiert.
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Dabei findet die Erhitzung in solcher Weise statt, daß eine Zersetzung
soweit als möglich verhindert wird. Der heiße Destillationsrückstand fließt ununterbrochen
weiter und wird, ebenfalls fortlaufend, mit einer Lösung von Ätznatron in Wasser
innig gemischt. Unmittelbar hiernach fließt das heiße Öl in dünner Schicht über
eine große Fläche, um die Verdampfung des mit dem Ätznatron eingeführten Wassers
zu ermöglichen und zu erleichtern. Ein geringer Teil des Öles wird vom Wasserdampf
mitgenommen.
Durch Verringerung des Druckes werden höher siedende
Anteile des Öls, z. B. der Gasölfraktion, verdampft.
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Es ist vorzuziehen, das Wasser und das Gasöl irl zwei Stufen, und
zwar zuerst das Wasser und hiernach unter einem hohen Vakuum in einem besonderen
Gefäß das Gasöl, zu verdampfen. Das zurückbleibende Öl stellt dann einen Destillationsrückstand
dar, welcher sowohl von Oxydations- als auch von Zersetzungsprodukten völlig frei
ist. Es fließt darauf ununterbrochen durch eine Reihe von Verdampfern, wird in ihnen
über breite Flächen geführt und hier in Wärmeaustausch mit Quecksilberdampf oder
einem anderen geeigneten Heizmittel gebracht, wobei die Temperatur des Quecksilberdampfes
und der Druck in den Verdampfern so bemessen ist, daß die Verdampfung von Schmierölfraktionen
mit allmählich sich erhöhendem Siedepunkt in aufeinanderfolgenden Verdampfern erreicht
wird. Die Dämpfe der verschiedenen Fraktionen werden in unter hohem Vakuum stehenden
Kolonnen fraktioniert kondensiert, wobei einige der in ihnen enthaltenen oder gebildeten
Gase abgetrennt und entfernt werden. Von jeder Kolonne wird auch das Kondensat entfernt
und in dünner Schicht unter hohem Vakuum über eine Reihe großer Flächen geführt,
so daß die im Destillat enthaltenen übelriechenden Gase unmittelbar und dauernd
ausgeschieden werden und ihre Rückabsorption durch das Öl verhindert ist. Das endgültige
Destillat bedarf keiner weiteren Reinigungsbehandlung.
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Abb. z zeigt die schematische Darstellung einer Vorrichtung, mit deren
Hilfe das ganze Verfahren durchgeführt werden kann, während Abb.2 einen Längsschnitt
durch einen der Mineralschmierölverdampfer darstellt.
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Durch die mit einem oder mehreren Wärmeaustauschern b versehene
Leitung a wird Rohöl in den Sammelbehälter c eingepumpt. Infolge der Erwärmung
im Wärmeaustauscher b, deren Wirkung erforderlichenfalls durch weitere Wärmezufuhr
von außen erhöht werden kann, gelangt das Öl in den Behälter c mit einer Temperatur
von etwa 125 bis 175' C.
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Der Sammelbehälter wird vorteilhaft unter einem so hohen Druck gehalten,
daß eine Verdampfung des Wassers und des Benzins verhindert wird. Bei einer Temperatur
von ungefähr :150 ' C wird ein Druck von nahezu 36 Atm. erreicht. Wasser
und feste Anteile fallen aus und werden durch einen Auslaß am Boden abgezogen.
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Es ist wünschenswert, mehrere, beispielsweise drei Sammelbehälter
c zu verwenden und diese parallel zueinander so anzuordnen, daß die Ölzufuhr wie
die Ölableitung dauernd unter ständiger Abwechslung geschieht, und zwar derart,
daß, während dem einen Behälter Öl zugeführt wird, im zweiten Behälter die Ausscheidung
von Wasser und festen Anteilen vor sich geht und diese vom dritten Behälter abgeleitet
werden; dadurch ist die Stetigkeit des Ölstromes gesichert.
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Das entwässerte 01 fließt dann nach der Ofenkammer d; diese
enthält nur ein einziges langes Heizrohr, welches durch ein beliebiges Heizmittel,
beispielsweise durch heiße Gase oder Quecksilberdampf, erhitzt wird. In ihm muß
die Temperatur des Öls unterhalb derjenigen bleiben, bei welcher eine Spaltung eintritt;
sie braucht 315' C nicht zu übersteigen. Diese Temperatur kann noch dadurch herabgedrückt
werden, daß ein geringes Vakuum in dem Heizrohr geschaffen wird, obgleich dies nicht
unbedingt erforderlich ist.
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Von dem Heizrohr tritt nun ein Gemisch von Öl und Öldampf in einen
aus beliebig vielen, in seiner einfachsten Form jedoch nur aus zwei Abteilungen
e und f zusammengesetzten Turm ein; in der unteren Kammer e werden
die unverdampften Anteile des Öls abgeschieden. Die Dämpfe strömen. in die obere
Kammer f. Die im Turm nicht kondensierten Dämpfe, welche Benzin enthalten, treten
durch eine Leitung am oberen Ende des Turmes in den Kondensator g. Das sich dort
bildende Kondensat fließt teils durch Leitung h zum Lagerraum, teils durch Leitung
i
in den Turm zurück und veranlaßt eine Fraktionierung in derKammer f. Das
dabei erhaltene Kondensat enthält reichlich Gasöl und geht teilweise durch Leitung
k und durch den Wärmeaustauscher b, in welchem es Wärme an das neu eintretende Rohöl
abgibt, ebenfalls zum Lagerraum, während der übrige Teil die Leitung na durchströmt,
in den oberen Teil der Kammer-e eintritt und dort die Kondensation der schwereren
Ölfraktionen veranlaßt.
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Die Menge der in den Turm zurückgeführten Destillate kann durch Ventile
geregelt werden. Durch Einteilung des Turmes in eine bestimmte Anzahl von Abschnitten
und durch Regelung der Temperaturen, auf welche das0l in der Kammer d erhitzt wird,
kann eine entsprechende Anzahl von Fraktionen (einschließlich Leichtbenzin Schwerbenzin,
Leuchtöl und leichtes Gasöl sowie, falls gewünscht, etwas schweres Gasöl und leichtes
Schmieröl) abdestilliert werden. Der Destillationsrückstand verläßt den Turm durch
die Leitung n und enthält diejenigen schweren Ölfraktionen, welche vor der endlichen
Schmieröldestillation einer weiteren Behandlung und Destillation unterzogen werden
müssen, ganz gleich ob dieser Destillationsrückstand neben den Schmierölfraktionen
mehr oder weniger schweres Gasöl enthält oder nicht.
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Es ist vorteilhaft, die Temperatur für die Destillation in der Kammer
d so zu bemessen und den Vorgang im Turm derart zu regeln, daß alle diejenigen Fraktionen
aus dem Rohöl ausgeschieden werden, welche einen Flammpunkt
unterhalb
ungefähr 113' C besitzen. Wenn in den Schmierölverdampfern sowohl die leichtesten
als auch die mittleren und schweren Schmieröle abdestilliert werden sollen, so ist
die beschriebene Destillation so zu ändern, daß ein Destillationsrückstand verbleibt,
welcher bei weiterer Behandlung eine Fraktion abscheidet, deren Flammpunkt wesentlich
unter 113' C liegt.
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Der durch die Leitung za fließende Destillationsrückstand tritt in
einen Behälter bzw. eine Kammer o über, welche die Sodakammer genannt wird. Das
Öl breitet sich aus und fließt über eine oder mehrere Scheidewände P. Gleichzeitig
wird von einem Speisekessel y eine Lösung von Ätznatron oder ein anderes Neutralisierungsmittel
der Kammer o zugeführt. Diese Lösung wird mit Öl innig vermischt, und zwar im Abteil
s, welches auf der obersten Scheidewand P angebracht ist und den Auslauf der Leitung
za umschließt. Durch einen Schlitz in der Vorderwand des Abteils s spritzt die Mischung
von Öl und Neutralisationsmittel aus.
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Bei diesem Abschnitt des Verfahrens wird die Temperatur des Öls gewöhnlich
über .27o° C liegen, kann aber auch ungefähr auf 3oo° C oder selbst etwas höher
bemessen werden. Es ist deshalb möglich, die Sodakammer o unter jedem geeigneten
Druck, einschließlich des atmosphärischen, zu halten und trotzdem eine schnelle
Verdampfung des gesamten mit dem Neutralisationsmittel eingeführten Wassers zu erzielen.
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Der Wasserdampf, welcher einen kleinen Teil Öldampf mit sich führt,
strömt in den Fraktionierturm t. Von hier strömen die Dämpfe aus dem oberen Ende
des Turmes in den Kondensator zr. Ein Teil des Kondensats geht zum Lagerraum, der
Rest kehrt in den Turm als Rückfluß zurück. Falls es erforderlich ist, die im Turm
t kondensierten Ölfraktionen oder einen Teil derselben zur Sodakammer o zurückzuleiten,
kann dies durch die Leitung z, geschehen; diese Ölfraktionen können aber auch durch
die Leitung w zum Lagerraum abgeführt werden.
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Der das Neutralisationsmittel enthaltende Destillationsrückstand wird
dann durch die Leitung x und durch das Ventil y in den Behälter bzw. die Destillierblase
z gepumpt, in welchem das Öl über die Verdampfungspfannen io fließt. Dabei werden
die leichteren Ölfraktionen, in der Hauptsache schwere Gasöl- oder bzw. und leichte
Schmierölfraktionen, deren Abdestillierung in der eigentlichen Schmieröldestillieranlage
nicht erwünscht ist, verdampft. In der Blase z herrscht ein hohes Vakuum. Infolge
der hohen Temperatur, z. B. 29c' C, des in die Blase z eintretenden Öls und infolge
der Verminderung des Druckes, z. B. auf einen solchen von 5o mm Quecksilber, wird
der gesamte Gehalt des Destillationsrückstandes an Gasöl verdampft.
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Infolge der großen Geschwindigkeiten, mit welchen sich Dämpfe bilden
und die Oberfläche des über die Pfannen io fließenden Öls verlassen, können Teile
der Schmierölfraktionen mitgerissen werden. Aus dem Dephlegmator ii, in welchen
die Dämpfe von der Blase z strömen, werden die leichteren Produkte durch die Leitung
13 entnommen, während die schwereren Produkte in den Rohrbogen 12 fallen und von
hier aus in die Blase z zurückgeleitet werden; sie können aber auch durch einen
Kühler 18 in einen Sammelbehälter ig oder nach einem Kühler i5 geführt werden, wo
sie sich mit dem durch Leitung i3 und Kühler 14. strömenden, von oben kommenden
Destillat mischen und in dem Gemisch nach dem Sammelbehälter 16 fließen. Der Destillationsrückstand
fließt beim Verlassen der Blase z durch die Leitung 17 nach einem Schmierölverdampfer.
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Es ist möglich, das Verfahren auch unter Weglassung der Blase z durchzuführen,
nur muß dann die Sodakammer unter hohes Vakuum gebracht sein. In diesem Falle werden
neben dem Wasser alle Ölfraktionen, welche bisher in der Blase z abdestilliert wurden,
in der Sodakammer o verdampft.
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Die dargestellte Schmieröldestillationsanlage besteht aus einer Reihe
von, z. B. zehn, beliebig großen Verdampfern, von denen zwecks Vereinfachung auf
der Zeichnung nur zwei, 2o und 21, auftreten.
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Jeder Verdampfer besteht aus einem länglichen Behälter (s. Abb. 2),
welcher durch eine Wand oder Pfanne 22 in zwei Kammern, und zwar in eine Ölverdampfungskammer
23 und eine Quecksilberkammer 2q., getrennt ist.
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Der Destillationsrückstand tritt durch die Leitung 17 in die Olverdampfungskammer
23 des ersten Verdampfers 2o ein, in welcher die leichteste Ölfraktion verdampft
wird; die Dämpfe entweichen dabei unmittelbar und mit großer Geschwindigkeit durch
die Leitungen 25. Der zurückbleibende Teil des Öls fließt durch die Leitung 26 in
den nächstfolgenden Verdampfer 21, in welchen die zweite, schwerere Fraktion 1 verdampft
wird. Der hierbei wieder zurückbleibende Teil des Öls läuft in den dann folgenden,
in der Zeichnung aber nicht mehr dargestellten Verdampfer und wird hier von der
nächstschwereren Fraktion getrennt. Dieses Verfahren wird so lange fortgesetzt,
bis die gewünschte, der Menge der vorhandenen Verdampfer entsprechende Anzahl an
Destillaten gewonnen ist; die hierbei aus jedem Einzelverdampfer bzw. aus den Rohren
25 austretenden j Dämpfe können getrennt voneinander einer fraktionierten Kondensation
unterworfenwerden. Der schließlich im letzten Verdampfer verbleibende Rückstand
fließt in den Behälter 27, der mit einer Vakuumpumpe verbunden sein i kann. Bei
Benutzung von asphaltischen Ölen als Ausgangsstoff besteht dieser Rückstand in
der
Hauptsache oder vollständig aus Asphalt bzw. Pech.
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An Stelle von Quecksilberdampf können auch andere verdampfbare Metalle
und deren Verbindungen oder andere Stoffe, wie Benzophenon oder Schwefel, benutzt
werden.
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Bei Benutzung von Quecksilberdampf für die Verdampfer wird die in
Abb. z dargestellte Einrichtung angewandt. Von einem Quecksilberverdampfer
30 geht eine Leitung für den Quecksilberdampf aus, deren Abzweigungen 3=,
32 in die Quecksilberkammern 24 der Verdampfer 2o und 21 führen. Jede Abzweigung
31, 32 besitzt ein Ventil 33. Von der Quecksilberkammer jedes Verdampfers
wird das kondensierte Quecksilber durch einen Behälter 34 und ein knieförmig gebogenes
Rohr 35 in einen Kessel 36 geleitet, der wieder mit dem Quecksilberverdampfer
in Verbindung steht.
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Ein von der Quecksilberdampfzuführungsleitung ausgebendes Rohr ist
mit einem Ventil 37 versehen, welches sich öffnet, wenn der Druck im Quecksilberverdampfer
den festgesetzten Höchstdruck übersteigt, so daß Quecksilberdampf durch dieses Ventil
in den Kondensator 38 eintreten kann, der durch ein Knierohr 39 mit dem Kessel
36 in Verbindung steht.
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Vorteilhaft werden die Ölverdampfungskammern aller Verdampfer unter
Vakuum gebracht, mit Ausnahme derjenigen Kammern, welche zur Verdampfung der leichter
siedenden Fraktionen dienen. Die zur Verdampfung der Fraktionen mit hohem Siedepunkt
verwendeten Olverdampfungskammern müssen unter allen Umständen unterVakuum, und
zwar diejenigen für die Verdampfung der Fraktion mit höchstem Siedepunkt unter einem
sehr hohen Vakuum, stehen. In allen Fällen muß der absolute Druck, bei welchem die
Fraktionen mit höherem Siedepunkt abdestilliert werden, niedrig genug sein, um den
Siedepunkt so nahe als möglich an'3oo ° C zu bringen, weil, wenn auch keine nennenswerte,
so doch eine meßbare Zersetzung ungefähr bei dieser Temperatur beginnt. Selbst unter
dem allerhöchsten Vakuum ist es unmöglich, den Siedepunkt der Höchstfraktionen auf
300° C herunterzudrücken.
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Es gibt aber Mittel, um eine wesentliche Zersetzung selbst bei einer
beträchtlich höheren Temperatur zu verhindern.
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Diese bestehen darin, daß z. das Öl nur kurze Zeit erhitzt wird, 2.
die Olschicht so dünn gehalten wird, daß der hydrostatische Druck nicht beachtet
zu werden braucht, 3. die Wärme lediglich auf das Öl und nicht auf die Oldämpfe
übertragen wird, da sich Öldämpfe viel leichter zersetzen als Öl im flüssigen Zustand,
4. die Öldämpfe so schnell wie möglich aus dem Verdampfer abgeführt werden, 5. der
benutzte Wärmeüberträger derartige Eigenschaften besitzt, daß der Temperaturunterschied
zwischen ihm und dem Öl verhältnismäßig gering und tatsächlich niedriger als
25' C ist.
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SindbeispielsweisezehnVerdampfervorhanden, so ist es wünschenswert
und unter Umständen notwendig, das 0I in den letzten beiden Verdampfern unter einem
Vakuum zu halten, das einen Druck von wesentlich unter 25 mm, ja selbst unter io
mm Quecksilbersäule entspricht. Es ist sogar möglich, einen Druck von 2 bis 7 mm
Quecksilber anzuwenden. Der Druck sollte also so niedrig wie nur möglich sein, weil,
je niedriger er ist, um so schneller auch der Siedepunkt fällt.
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Im letzten -oder in den beiden letzten Verdampfern einer Reihe von
zehn Apparaten kann vom Asphalt bzw. Pech ein Schmieröl abdestilliert werden, welches
einen Flammpunkt von 25o bis 3oo° C und einen Brennpunkt von 295 bis 350'
C besitzt.
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Wenn die von den Ölverdampfungskammern kommenden Dämpfe unmittelbar
kondensiert werden, würde das Öl nicht die erstrebte Qualität haben, weil es dann
einen unangenehmen Geruch aufweisen und sich bei längerer Lagerung verfärben würde.
Es ist festgestellt, daß diese Mängel auf die Gegenwart riechender Gase zurückzuführen
sind. Letztere können sich im gesamten Rohöl oder nur in einzelnen Fraktionen desselben
vorfinden; sie können auch während der vorbereitenden Behandlung, beispielsweise
bei der Abscheidung der schwefelhaltigen Bestandteile, entstanden sein.
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Das zur Entfernung der riechenden Gase benutzte Verfahren besteht
darin, daß das 01
einer Entgasung unterworfen wird.
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Der aus den Rohren 25 jedes Verdampfers kommende Öldampf strömt in
einen Erhitzer 40 und von hier durch ein Rohr 41 in den unteren Teil eines Turmes
42. Über der Mündung des Rohres 41 liegt ein Rost 43, welcher eine Säule von Raschigringen
o. dgl. trägt.
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Oberhalb des Rostes 43 befindet sich ein zweiter Rost 44, auf welchem
ebenfalls Raschigringe o. dgl. ruhen. Dicht unter dem Rost 44 ist eine Prallfläche
45 und eine mit einem in der Mitte befindlichen Durchgang versehene Pfanne 46 angeordnet,
so daß die aufwärts steigenden Oldämpfe durch diese Mittelöffnung um die Prallfiäche
herum strömen müssen. Auf diese Weise verhindert die letztere, daß das Kondensat
wieder durch die Öffnung der Pfanne 46 abwärts fließen kann.. Es tropft vielmehr
in die Pfanne selbst und wird von dort durch das Rohr 50 abgeleitet.
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Alle in den Turm 42 eintretenden Dämpfe, welche schwerer als die abzutrennende
Fraktion sind, kondensieren sich beim Durchströmen der Füllkörper auf Rost 43, fließen
nach dem Boden
des Kondensationsturmes und von dort durch ein Rohr
4.7 zurück in einen Verdampfer 2o, 21.
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Alle nicht kondensierten Dämpfe strömen aufwärts durch die Öffnung
der Pfanne 4.6, durch den darunterbefindlichen Rost 44 und durch die auf diesem
ruhenden Füllkörper. In diesen werden die Dämpfe abgekühlt und zum größten Teil
kondensiert. Das Kondensat gelangt über die Pfanne 46 in das Rohr 5o. Ein Teil der
nicht kondensierten Gase dagegen verläßt den Turm durch das vom oberen Ende desselben
abzweigende Rohr 48 und gelangen durch dieses in den zur Aufnahme des stinkenden
Öls dienenden, unter Vakuum stehenden Behälter 49.
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Wenn auch auf diese Weise ein Teil der Gase aus dem Öl entfernt ist,
so enthält das durch das Rohr 5o den Turm 42 verlassende Öl noch erhebliche :Mengen
schlecht riechender Gase. Deshalb wird das Öl in eine besondere Vorrichtung
geleitet. Sie besteht aus einem Gefäß 5" in welchem Scheidewände 52 so zickzackföranig
eingebaut sind, daß dem in einer dünnen Schicht über die Flächen dieser Wände-52
laufenden Öl eine turbulente Strömung erteilt wird. Seitlich vom Behälter 51 geht
eine Anzahl von Gasableitungsrohren aus, welche in ein Rohr 53 münden, während der
Boden des Behälters 51 mit Hilfe eines Rohres 54 an einen ebenfalls u _ter Vakuum
stehenden Kessel 55 angeschlossen ist.
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Im Behälter 51 trennen sich die schlecht riechenden Gase von dem breit
über dieWände 52 fließenden Öl und werden unmittelbar durch das betreffende, über
jeder Wand angeordnete Gasableitungsrohr entfernt, so daß das Öl die einmal abgeschiedenen
Gase nicht wieder aufsaugen kann.
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Das in den Kessel 55 gelangende Öl ist Fertigware, bedarf also für
seine praktischeV erwendung keinerlei weiterer Behandlung.
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Das Gefäß 51 steht unter dem höchstmöglichen Vakuum, welches
vorteilhaft so groß oder besser noch größer ist als dasjenige, unter welchem der
zugehörige Verdampfer steht. Dabei ist der Vorgang in ersterem nicht etwa ein Verdampfungs-
und Destillierverfahren, sondern lediglich ein Entgasungsverfahren, weil weder eine
Erwärmung noch eine Umwandlung des flüssigen Öls in Dampf, wenigstens nicht in nennenswertem
Grade, stattfindet. Die bei dem Verfahren erhaltenen Schmieröle weisen nicht nur
eine schöne Färbung auf und sind völlig frei von unangenehmen Gerüchen, sondern
besitzen auch neben einer hohen Viskosität einen derart niederen Kohlenstoffgehalt,
wie dies bei einem Öl nur möglich ist.
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Falls das Rohöl stark asphalt- bzw. pechhaltig ist, kann, ohne daß
die hochsiedenden und wertvollsten Schmierölfraktionen verlorengehen, auf die Gewinnung
des Asphalts bzw. des Pechs destilliert werden. Die hochsiedenden Destillate besitzen
dabei Eigenschaften, welche bisher bei Schmieröldestillaten unbekannt waren, nämlich
neben den schon obenerwähnten, für ihre praktische Verwendung günstigen Momenten
noch einen außerordentlich hohen Flamin- und Brennpunkt.