-
Verfahren und Vorrichtung zur Beeinflussung der Aufrahmungsfähigkeit
von Milch und ähnlichen Flüssigkeiten Zur Pasteurisierung der Milch hat man sich
mit Vorteil solcher Verfahren bedient, welche die Flüssigkeit unterteilen bzw. zerstäuben.
Nun traten aber bei der Behandlung der Milch merkliche Unterschiede gerade hinsichtlich
ihrer Aufrahmungsfähigkeit auf, die man sich nicht zu erklären vermochte. Auch.
bei Verwendung von Düsen oder sonstigen Zerstäubern hat sich oft herausgestellt,
daß in Fällen, in denen eine gut aufrahrüende :Milch gewünscht wurde, solches nicht
erreicht werden konnte. Wenn also auch Düsen bekannt waren, so hat man aber noch
nicht gewußt, wie und wodurch die Rufrahmung beeinflußt wird.
-
Langjährige Versuche haben nun ergeben, daß eine gewisse Gesetzmäßigkeit
besteht und daß man es bei entsprechender Ausgestaltung der Apparatur ganz in der
Hand hat, eine Milch o. dgl. herzustellen, die gut aufrahmt, oder eine solche, bei
welcher der Rahm - also die Fettschicht - mehr oder weniger verschwunden ist, mithin
die Rufrahmung verhindert wird.
-
Es ist festgestellt worden, daß Versprühen, Vernebeln, Unterteilen,
Zerreißen, verbunden mit kurzem V*eg oder Einwirkung von Druck mit schnell folgender
Expansion (Druckentlastung), eine günstige Rufrahmung bewirken, während Versprühen,
Vernebeln, Unterteilen, Zerreißen o. dgl., verbunden mit längerem Weg oder Einwirkung
von Druck mit ungenügender Expansion oder noch dazwischenliegender Reibung, sei
es durch Fall, Steigen der Flüssigkeit oder Hinströmen an Wandungen unter Druck,
eine schlechte Rufrahmung hervorbringen, verursacht durch Zertrümmerung der zu Trauben
vereinigten Fettkügelchen in ihre einzelnen kleinen Teile. Ein Aufschleudern der
Flüssigkeit durch Düsen oder mittels Drehkörpers auf erweitertem Raum erzeugt Rufrahmung,
auf beschränktem Raum Verhinderung dieser. Nach dieser Erkenntnis war der Weg gegeben,
um bei der Pasteurisierung den jeweiligen Anforderungen entsprechend eine Milch
mit guter Rufrahmung bzw. eine solche mit bewußter Verhinderung dieser zu erzeugen.
-
Zur Ausführung des Verfahrens verwendet man daher Vorrichtungen mit
Kapillaren, entsprechenden engen Kanälen, Düsen oder rotierende Körper, zentrifugenartige
Organe, Reib-, Auftrag- und Anprallvorrichtungen, Druckeinwirkung u. dgl.
-
Die Zeichnungen veranschaulichen zur Charakterisierung des Verfahrens
beispielsweise eine Reihe von Vorrichtungen, die Wirkungen, wie sie in diesen Unterlagers
beschrieben sind, hervorzubringen vermögen. Die auf der linken Seite der Tafel angedeuteten
Vorrichtungen (Fig. r bis 8) erzeugen eine Beschleunigung der Rufrahmung, die der
rechten Seite (Fig. g bis 2q.) eine Verhinderung derselben. Rufrahmung zufolge kurzen
Weges
zeigen Fig. i bis 6 und 8, zufolge Einwirkung von Druck mit schnell folgender Expansion
insbesondere Fig.4, 5, 6, 8, Aufschleudern auf erweitertem Raum Fig. 7. Als Gegenstück
hierzu zeigen längeren Weg mit Aufrahmungsverhinderung Fig.16, 18, 21, Druck mit
ungenügender Expansion Fig. 12, i9, 2o, 22. Eine Reibung wird veranschaulicht durch
Fig. g, 1o, 11, 13 bis 17, 19 bis 24, Aufschleuderung auf beschränktem Raum durch
Fig. 22. .
-
Die Fig. 1, 2, 3, 9, 1o und ii zeigen Versprühvorrichtungen, - die
nach Art eines Refraichisseurs arbeiten. 1, 3, 5, 7, 9 und i i sind die Zuführungsrohre
für das die Zerstäubung verursachende Medium, 2, 4, 6, 8, io, 12 die Rohre für die
Flüssigkeit. Bei 13 und 14 ist ein kurzer Weg als Durchtritt durch die verengte
Öffnung, die Düse, veranschaulicht, mithin guteAufrahmung gebend. 14 zeigt außerdem
noch Gleitflächen 1 5 und 16, die solches besonders begünstigen. In Fig. g ist kenntlich
gemacht, daß vor Beginn der Versprühung eine Reibung erfolgen soll, und zwar durch
die bei 17 gezeigte Verengung bzw. Kapillaren. Bei Fig. io wird die Reibung - mithin
Aufrahmeverhinderung -dadurch erreicht, daß das Rohr 8 in weitere engere Rohre 18
unterteilt ist, an deren Wandungen sich die Flüssigkeit vor dem Austritt reiben
muß. Fig. 3 und i i zeigen ähnliche Zerstäuber, jedoch mit ineinander verlegten
Rohren. In Fig. 3 geht das innere Rohr, das die Flüssigkeit führt, bis nahe an die
Öffnung des äußeren, das Zerstäubungsmedium führende Rohr. Es erfolgen ein leichter
Abprall und Zerreißen der Flüssigkeit, mithin gute Aufrahmung. Anders ist es bei
einer Vorrichtung nach Fig. i i. Das Innenrohr ist zurückverlegt. Die im Rohr 12
emporsteigende Flüssigkeit reibt sich vor dem Versprühen am Rohr 1i in dessen Oberteil
i9, was eine Beeinflussung der Fetttrauben verursacht. Fig. 12 zeigt das Druckrohr
2o mit der Anprallfläche 21. Die unter Druck stehende Flüssigkeit wird gegen die
Fläche 2.1 getrieben, auf diese aufprallend, zerstäubend und bei starkem Aufprall
die Fetttrauben zerschlagend.
-
Wie schon in den Steigrohren die Fetttrauben der Milch beeinflußt
werden können, zeigen die Fig.13 bis 17. Hier sind die Steigrohre so ausgebildet,
daß unbedingt eine starke Reibung erfolgen muß, und zwar durch die eingebauten Warzen
oder Höcker 22 und 23 bzw. durch Verjüngung und Erweiterung 24 bzw. 25. Die Verjüngung
bei 27 der Fig. 17 . bewirkt gleichfalls Reibung. In Fig. 16 wird solche durch Ausgestaltung
des Steig- oder- Druckrohres in Windungen (Schlangenrohr) erreicht. Fig.4 und 18
zeigen zwei unter Druck arbeitende Zerstäuber, bei denen sich zwei Strahlen treffen
und durch ihr Zusammentreffen eine Versprühung bewirken. In Fig. 4 sind die verengten
Rohre 28 und 29 kurz ausgeführt. Zufolgedessen (kurzer Weg) werden die Fetttrauben
nicht auseinandergerissen. Anders ist es bei Fig. 18, da hier die beiden Zuführungsrohre
30 und 31 einen langen Weg aufweisen, der außerdem mit Reibung verbunden
ist, somit Aufrahmeverhinderung. Fig.5 zeigt einen Zerstäuber, bei dem die Flüssigkeit
unten bei 32 eintritt und bei 33 vernebelt wird. Hier ist wenig Widerstand geboten,
wodurch die Fetttrauben nicht beschädigt werden. Anders ist es in Fig. i9. Die bei
34 eintretende Flüssigkeit reibt sich zunächst an der Gegenwand 35 und geht in sprudelnden
Bewegungen bis an die Sprühöffnung 36, was wiederum nicht ohne Einfluß auf die Trauben
ist. Dieser Einfluß wird noch schärfer in Fig. 2o, weil durch Wandverstärkung 37
noch weitere Reibung geschaffen ist.
-
Ein typisches Beispiel für kurzen Weg und damit gute Aufrahmung ist
der Zentrifügalzerstäuber in Fig. 6. Derselbe hat in seinem _ Hohlraum eine einzusteckende
Spindel, durch deren Gänge die Flüssigkeit hindurchgetrieben wird, um dann an der
oberen Öffnung zufolge der erhaltenen kreisenden Bewegung abzustäuben. Die Spindel
38 hat hierbei nur wenig Gänge, wodurch ein kurzer Weg geschaffen wird. Der
Durchtritt durch diese Gänge geschieht schnell, die Fetttrauben sollen nicht beeinflußt
werden, wodurch dieser Zerstäuber gute- Aufrahmung gewährleistet. Hach gleichem
Grundsatz arbeitet der Zentrifugalzerstäuber (Fig. 21). Bei dieser Ausführung hat
die Spindel aber mehrere Spiral-,,vindungen. Der Weg ist also länger, die Reibung
größer. Dieser an sich geringfügige Unterschied bewirkt also eine Attfrahmungsverhinderung.
Fig.7 zeigt einen Zentrifugalzerstäuber. Die Flüssigkeit läuft vom Sammelgefäß 4o
auf die Scheibe 41, auf der sie ausgebreitet und zerrissen wird, fliegt aber in
diesem Falle auf den erweiterten Raum 42, was gute Rufrahmung gewährleistet. Anders
ist es bei der Zentrifugalzerstäubung (Fig. 22). Die auf der Scheibe 43 aufkommende
Milch wird von dieser abgeschleudert und fällt an die Prallflächen 44, an denen
sie samt den Fetttrauben zerrissen wird. Fig.8 zeigt ein Randstück einer Zentrifugentrommel.
Die Austritte 45 sind so gestaltet, daß schnelle Expansion gewährleistet ist. Bei
Fig.23 und 24, die gleichfalls Ränder von. Zentrifugentrommeln darstellen,. wird
im Gegensatz hierzu eine Reibung bewirkt, einmal in den Reibungsrohren 46 und zum
anderen in den Kanälen 47 der starkwandigen Trommel. Bei den Vorrichtungen,
die
zu ihrer Betätigung Druck benötigen, wie Düsen und Kapillaröffnungen, kommt nur
ein solcher von q. bis 6 atü in Betracht.
-
Die Ausbildungen der Vorrichtungen zur Ausübung dieses Verfahrens
sind nicht an die Abbildungen gebunden, da diese nur dazu dienen sollen, Beispiele
zur Erreichung einer Aufrahmebeeinflussung gelegentlich der Pasteurisierung von
Milch oder ähnlichen Flüssigkeiten zu liefern.