DE53135C - Richtvorrichtung für auf fester oder schwankender Unterlage stehende Geschütze und Torpedo-Lanzirrohre mit von den Rohren getrennter, das Treffen beweglicher Ziele erleichternden Visireinrichtung - Google Patents
Richtvorrichtung für auf fester oder schwankender Unterlage stehende Geschütze und Torpedo-Lanzirrohre mit von den Rohren getrennter, das Treffen beweglicher Ziele erleichternden VisireinrichtungInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Visireinrichtung.
Bekanntlich unterscheidet man beim Richten von Geschützen das Geben der Seitenrichtung
und der Höhenrichtung; die erstere betrifft die richtige Lage der durch die Rohrachse gedachten
Verticalebene gegen das Ziel, die zweite den Winkel, welchen die Rohrachse mit dem
Horizonte einschliefst.
Dementsprechend zerfallen auch die Einrichtungen , welche den Gegenstand dieser Erfindung
bilden, in zwei Gruppen.
Was die Einrichtungen zum Ertheilen der Seitenrichtung betrifft, so werden dieselben
wesentlich dadurch gekennzeichnet, dafs die Visirvorrichtung in keiner festen Verbindung
mit dem Rohr, sondern neben, über oder unter demselben angeordnet ist und für sich
allein nach dem Ziele eingestellt wird. Diese vom Geschützrohr getrennte Visirvorrichtung
kann in einem Diopter, einem Fernrohr, einem einfachen Rohr ohne Linsen oder in der üblichen
Form bestehen, und mit derselben ist ein Gradbogen fest verbunden, durch dessen Mittelpunkt die Drehachse für die seitlichen
Verstellungen der Visirvorrichtung geht. Dieser aus nicht leitendem Material hergestellte Gradbogen
ruht auf einem unter gewöhnlichen Umständen horizontalen Tische und auf demselben
läuft eine Contactrolle, welche an einem starr mit dem Rohr oder der Laffete verbundenen
Arme sitzt. Der erwähnten Contactrolle entspricht ein Contactstück, welches auf dem
Gradbogen gemäfs der der Schufsdistanz entsprechenden
Seitenabweichung des Geschosses verstellt werden kann. Beim Schiefsen auf in Bewegung befindliche Ziele mufs bei der Ver-1
stellung des Contactstückes auch der Winkel berücksichtigt werden, welchen die Visirlinie
nach dem Ziele während der Flugdauer des Geschosses zurücklegt; man findet diesen
Winkel, indem man während einer der bekannten Flugdauer entsprechenden Zeit das Ziel
mit der Visirvorrichtung verfolgt. Wenn nun durch seitliches Verstellen des Geschützes um
seinen Drehpunkt die Contactrolle über den verschiebbaren Contact gebracht wird, erfolgt
Schlufs einer Leitung, welche einen elektrischen Zünder oder ein Läutewerk enthalten kann,
dessen Ertönen dann als Commando »Feuer« zu gelten hat.
Die zweite Gruppe der zum Gegenstande der Erfindung gehörigen Einrichtungen, nämlich
die zum Geben der Höhenrichtung bestimmten Einrichtungen, sind für Geschütze bestimmt,
welche, wie z. B. Schiffsgeschütze, auf schwankenden Unterlagen ruhen. Den Rohren
dieser Geschütze wird der erforderliche EIevationswinkel unter der Voraussetzung ertheilt,
dafs die Laffete auf einer horizontalen Unterlage oder einer Unterlage von bestimmter Neigung
ruht, und bei den beinahe immer vorhandenen . Schwankungen dieser Unterlage ist es dann Sache des das Geschütz Richtenden,
für die Abgabe des Schusses den Moment zu benutzen, in welchem die Visirlinie durch
das Ziel geht. Durch die Einrichtungen, welche den Gegenstand dieser Erfindung bilden, wird
die Ausnutzung des Momentes, in welchem die Geschützunterlage die Normallage passirt,
dadurch ermöglicht, dafs in diesem Moment unter der Einwirkung der Schwerkraft bewegliche
Leiter einen elektrischen Stromkreis schliefsen, in welchen wieder ein Läutewerk
oder ein elektrischer Zünder eingeschaltet ist.
Da es sich bei dieser Einrichtung um Feststellung der horizontalen Lage einer Ebene
handelt, müssen zwei unter einem Winkel gegen einander angeordnete Vorrichtungen dieser
Art vorhanden, und diese Vorrichtungen müssen hinter einander in die Leitung geschaltet sein,
so dafs ein Schliefsen des Stomkreises nur beim Schliefsen der Leitungsunterbrechungen in
beiden Vorrichtungen stattfinden kann.
Den möglichen Fällen von anhaltender, nahezu unveränderlicher Krängung wird dadurch
Rechnung getragen, dafs man die Contactvorrichtungen auf einer Platte anbringt, welche um eine zur Längenachse des Schiffes
parallele Achse drehbar ist und beständig so eingestellt wird, dafs sie den Krängungswinkel
mifst, so dafs man auch im Stande ist, den Elevationswinkel um den Krängungswinkel zu
vergröfsern oder zu vermindern.
Die Vorrichtungen, mittelst deren beim Passiren der Rohrachse durch die dem gewünschten
Elevationswinkel entsprechende Lage Unterbrechungen des Stromkreises geschlossen
werden, können nach Art von Libellen eingerichtet sein", d. h. aus Röhren von nicht leitendem
Material bestehen, welche in ihrer Längenmitte die Metallcontacte tragen und welche
etwas Quecksilber oder eine Metallkugel enthalten. Statt dessen kann auch ein Waagebalken
in Anwendung kommen, von dessen Enden gleich lange Metallstäbchen nach Näpfen mit Quecksilber hinabreichen, oder ein oder
zwei Pendel.
Werden beide vorstehend besprochene Einrichtungen mit einander vereinigt, so müssen
sämmtliche Contactvorrichtungen hinter einander in eine und dieselbe Leitung geschaltet
werden.
In beiliegender Zeichnung zeigt:
Fig. ι eine Contactvorrichtung, bestehend aus einer Röhre, in welcher eine kleine Menge
Quecksilber verschiebbar ist,
Fig. 2 eine Röhre mit beweglicher Kugel und
Fig. 3 den Waagebalken mit Metallstäbchen und Quecksilbernäpfen;
Fig. 4 ist eine Oberansicht eines Schiffsgeschützes,
welches mit der erwähnten Vorrichtung zum Schliefsen der Seitenrichtungscontacte
versehen ist,
Fig. 5 eine hintere Endansicht dieses Geschützes ;
Rg. 6 zeigt im gröfseren Mafsstabe den Gradbogen aus Isolirungsmaterial mit dem darauf
verschiebbaren Contactstücke.
Die Röhre a, Fig. ι und 2, ist aus nicht
leitendem Materiale, z. B. aus Hartgummi, hergestellt, und in die untere Wand derselben
sind zwei Metallstücke b b] eingesetzt. Wenn während der verschiedenartigen Schwankungen,
welche die das Geschützrohr tragende Unterlage ausführt, die Röhre a die horizontale
Lage passirt, werden die Metallstücke b bl durch das sich von einem Röhrenende nach
dem anderen bewegende Quecksilber c, Fig. i, oder die darüber rollende Metallkugel d, Fig. 2,
für einen Moment leitend verbunden. Von einem der Contactstücke b b\ z. B. von b, läuft
ein Leitungsdraht nach einer Stromquelle, während der Leitungsdraht von bl nach dem Contactstück
b einer anderen Röhre α läuft, welche unter einem Winkel, und zwar vorzugsweise
senkrecht zur ersteren Röhre a, angeordnet ist. Vom Contactstücke δ1 der zweiten Röhre α
läuft dann ein Leitungsdraht nach dem Seitenrichtungscontacte, und dieser ist mit dem elektrischen
Zünder verbunden, von welchem aus sich die Leitung an den anderen Pol der Stromquelle
anschliefst.
Die durch die Achse der beiden auf einander senkrechten (oder einen sonstigen Winkel einschliefsenden)
Röhren α α gedachte Ebene mufs parallel zu jener Ebene sein, mit Bezug auf
welche man dem Geschützrohr die Elevationswinkel giebt, so dafs, sobald die Ebene der
beiden Röhren α in horizontale Lage gelangt, die Rohrachse den gewünschten Elevationswinkel
mit dem Horizonte einschliefst.
Wie schon eingangs gesagt, bringt man in jenen Fällen, wo die Möglichkeit anhaltenden
Krängens des Schiffes vorhanden ist, die Röhren α α auf einer Platte an, welche um eine zur
Längenachse des Schiffes parallele Achse drehbar ist und deren Verstellungen auf einem daneben
angebrachten Gradbogen angegeben werden. Wenn das Schiff in ruhigem Wasser in der
Gleichgewichtslage ist, steht die Platte horizontal und am Nullpunkte des Gradbogens.
Beginnt das Schiff dann zu krängen, so stellt man die Platte mit Hülfe einer daran angebrachten
Vorrichtung für diesen Zweck horizontal, wobei.sie am Gradbogen den Krängungswinkel angiebt. Um diesen Krängungswinkel
mufs der Elevationswinkel, welchen man dem Rohr ertheilt hat, vermehrt oder vermindert
werden, je nachdem die Bordwand, nach welcher das Geschütz gewendet ist, durch das
Krängen gesenkt oder gehoben wird. In diesem Falle trägt eine solche Platte die Contactvorrichtungen
für sämmtliche Geschütze eines Schiffes.
Der durch Fig. 3 dargestellte metallene Waagebalken f ist vermittelst eines Cardahi'sehen
Gehänges um eine horizontale Achse g drehbar aufgehängt und besitzt solche Schwerpunktslage,
dafs er beständig in horizontaler
Lage bleibt. Es werden also die von seinen Enden nach abwärts reichenden gleich langen
Metallstäbe h h nur dann gleichzeitig die Oberfläche des in den Näpfen j j1 befindlichen
Quecksilbers berühren, wenn diese Oberflächen in gleichem Niveau sind, d. h. wenn die Verbindungslinie
der Mitelpunkte beider Quecksilberoberflächen horizontale Lage hat. Zwei solche auf einander senkrecht gestellte oder
einen sonstigen Winkel mit einander einschliefsende Waagebalken/ werden wieder, wie
schon für die beiden Röhren α α beschrieben,
mit einander verbunden; es wird also auch hier durch zwei einander schneidende horizontale
Gerade die Lage einer horizontalen Ebene festgestellt.
Zum gleichen Zwecke könnte man auch zwei ■ Pendel in Anwendung bringen, welche um zwei
auf einander senkrechte oder einen sonstigen Winkel mit einander einschliefsende Achsen
drehbar sind und an ihren freien Enden Federn tragen, welche beim Passiren der Mittellage
über Metallcontacte schleifen, oder endlich auch durch ein einziges, nach allen Richtungen
frei schwingendes metallisches Pendel, welches einen darunter angebrachten Metallcontact nur
dann berühren kann, wenn derselbe infolge der Schwankungen der das Geschütz tragenden
Unterlage die durch den Aufhängepunkt des Pendels gedachte Verticale passirt.
Bei der durch Fig. 4 schematisch dargestellten Vorrichtung, durch welche bei Einstellung
des Geschützes auf die richtige Seitenrichtung ein Glockensignal gegeben oder die
Ladung entzündet wird, ist k die neben dem Geschütz angeordnete, um den Punkt χ drehbare
Visirvorrichtung; wie schon eingangs gesagt, ' könnte die ■ Visirvorrichtung ebensogut
über oder unter dem Geschütz angebracht sein. Als Visirvorrichtung im engeren Sinne des
Wortes ist hier ein Fernrohr oder sonstiges Rohr kx mit Fadenkreuzen dargestellt, welches
um eine auf seine optische Achse senkrechte und zur Bewegungsebene der Visirvorrichtung
parallele Achse drehbar sein mufs, um nach höher und tiefer liegenden Zielen gerichtet
werden zu können. Dafs statt des Rohres oder Fernrohres auch ein Diopter oder eine
Visirvorrichtung von der bei Feuerwaffen üblichen Form in Anwendung kommen kann,
wurde bereits erklärt.
Mit der Visirvorrichtung k ist ein Gradbogen m aus Isolirungsmaterial, z. B. aus Hartgummi,
verbunden, auf welchem ein metallenes Contactstück m1 verschiebbar ist. Dieser Gradbogen
mit verstellbarem Contactstück hat den Zweck, der Seitenabweichung des Geschosses
sowie der Ortsveränderung sich bewegender Ziele Rechnung tragen zu können, zu welchem
Zwecke der Gradbogen mit einer Distanz- und einer Winkelmafsscala versehen ist. Dabei ruht
der Gradbogen m auf einem Tisch n, dessen Oberfläche natürlich zur Bewegungsebene der
Visirvorrichtung k parallel sein bezw. mit dieser Ebene zusammenfallen mufs.
An der Laffete 0 oder an dem Rohr ρ ist ein nach dem Gradbogen m hinreichender
Arm q befestigt, dessen freies Ende q1 um ein
Scharniergelenk drehbar ist, so dafs es durch sein Eigengewicht beständig nach abwärts gezogen
wird, und dafs die daran drehbare Contactrolle q2 beständig an dem Gradbogen m
anliegt.
Ist das verstellbare Contactstück m1 auf Null
eingestellt und die Contactrolle q2 damit in Berührung,
so mufs, wie in Fig. 4 dargestellt, die Rohrachse zur Visirvorrichtung parallel sein.
Wie leicht begreiflich, besteht die Verwendungsweise dieser Vorrichtung darin, dafs nach
dem Einstellen des Contactstückes auf den der Schufsdistanz und der allenfalls vorhandenen
Seitenbewegung des Zieles entsprechenden Theilstrich die Visirvorrichtung von einem
Manne beständig nach dem Ziele orientirt wird, während ein anderer Mann das Geschütz, den
Bewegungen der Visirvorrichtung folgend, verstellt. Durch die Berührung der Rolle q1 mit
dem Contactstücke ml wird eine Unterbrechung eines elektrischen Stromkreises geschlossen.
Es ist selbstverständlich, dafs die beschriebene Einrichtung auch dahin abgeändert werden
kann, dafs Arm q an der Visirvorrichtung und Gradbogen m am Geschütz angebracht
wird, da es nur darauf ankommt, dafs die Rohrachse in dem Momente, wo die Contactstücke
einander berühren, mit der Visirlinie einen bestimmten Winkel einschliefst, welcher
von der der Schufsdistanz entsprechenden Seitenabweichung abhängt.
Besonders gut anwendbar ist diese Seitenrichtungsvorrichtung beim Lanziren von Torpedos.
Selbstverständlich können die Zündcontacte sämmtlicher' Geschütze eines Schiffes
in eine und dieselbe Leitung parallel geschaltet werden, so dafs nur eine Stromquelle erforderlich
ist.
Claims (1)
- Patent-Ansprüche:ι . Seitenrichtvorrichtung für auf fester oder schwankender Unterlage stehende Geschütze und Torpedo-Lanzirrohre, gekennzeichnet durch eine neben, über oder unter dem Rohr angebrachte Visirvorrichtung k, eine mit letzterer oder dem Geschütz bezw. Lanzirrohr fest verbundene, aus Isolirungsmaterial hergestellte Scala m, auf welcher ein metallenes Contactstück m1 verschiebbar ist, und einen mit dem Geschütz oder der Visirvorrichtung fest verbundenen, über die Scala m reichenden, ein metallenes Contact-stück q2 tragenden Arm q1, wobei die Contactstücke m1 und q2 einen ein Läutewerk oder einen elektrischen Zünder enthaltenden Stromkreis schliefsen und die Stellung des Contactstückes m1 auf der Scala m der Seitenabweichung des Geschosses und der Geschwindigkeit bewegter Ziele angepafst wird.Die Verbindung der unter i. angegebenen Vorrichtung mit elektrischen Leitern, welche unter der Einwirkung der Schwerkraft über einer oder zwei Unterbrechungen des Stromkreises derartig beweglich sind, dafs ein Stromschlufs nur dann stattfindet, wenn die Ebene, mit Bezug auf welche dem Rohr der Höhenwinkel gegeben wurde, eine waagrechte Lage annimmt.
Bei der unter 2. angegebenen Vorrichtung die Anordnung der Leitungsunterbrechungen und beweglichen Leiter auf einer Platte, welche um eine zur Längenachse des Schiffes parallele Achse drehbar ist und Vorrichtungen zum Waagrechtstellen in der Richtung senkrecht auf ihre Drehachse trägt, so dafs bei krängendem Schiffe die waagrecht gestellte Platte an einem daneben befindlichen Gradbogen den Krängungswinkel angiebt, um welchen der dem Rohr zu ertheilende Höhenwinkel vermehrt oder vermindert werden mufs.4. Bei der unter 2. angegebenen Vorrichtung zwei einen 'Winkel mit einander einschliefsende Röhren α aus Isolirungsmaterial, welche in der Mitte des Bodens Metallcontacte b b1 tragen und in welchen Quecksilber c oder eine Metallkugel d beweglich ist, wobei die durch die Achsen beider Röhren gedachte Ebene zu jener parallel ist, mit Bezug auf welche dem Rohr die Höhenwinkel ertheilt werden.5. Bei der unter 2. angegebenen Vorrichtung zwei einen Winkel mit einander einschliefsende, um waagrechte Achsen g drehbare metallene Waagebalken f, von deren Enden gleich lange Metallstifte in Näpfchen j j1 mit Quecksilber reichen.6. Bei der unter 2. angegebenen Vorrichtung zwei Pendel, welche um zwei einen Winkel mit einander einschliefsende waagrechte Achsen schwingen und unter ihnen angebrachte Metallcontacte berühren.7. Bei der unter 2. angegebenen Vorrichtung ein metallenes Pendel, welches um seinen Aufhängepunkt nach allen Seiten frei drehbar ist und unter welchem sich ein Metallcontact in solcher Lage befindet, dafs das Pendel denselben berührt, wenn die Ebene, mit Bezug auf welche dem Geschützrohr die Höhenwinkel ertheilt werden, waagrechte Lage besitzt.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
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