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Selbsttätige Ausrückvorrichtung für Webstühle mit stillstehender Weblade
Bei allen Webstühlen ist bekanntlich eine mechanische Ausrückvorrichtung vorhanden,
die zur Wirkung kommt, wenn der Schützen aus irgendwelchen Gründen in seinem Fluge
gehemmt wird und im Fache steckenbleibt, in welcher Lage er die Kettenfäden beim
Anschlagen des Schusses durch das Webblatt und bei der nächsten Fachbildung gefährden
würde. Den wesentlichsten Teil dieser Ausrückvorrichtung bilden zwei Hebel (Stecher),
von denen je einer in jedem Schützenkasten untergebracht ist und die miteinander
so verbunden sind, daß jede Bewegung des einen Hebels auf den anderen übertragen
wird. Diese Hebel stehen gewöhnlich so, daß sie bei einer Bewegung der Weblade auf
das Ausrückgestänge treffen und es bewegen. Gelangt aber der Schützen bei seinem
Flug bestimmungsgemäß rechtzeitig in einen der beiden Schützenkästen, so verdrängt
er die Stecher dieses Schützenkastens und stellt ihn so, daß er bei der Bewegung
der Weblade nicht auf das Aufrückgestänge auftrifft und es mitnimmt. Das Ausrücken
des Webstuhles muß natürlich außerordentlich schnell vor sich gehen, da ja, die
Weblade den auf ihr liegenden Schützen mitnimmt und gegen die Schußanschlagstelle
drückt. Um dabei ein unzulässiges Spannen der Kettenfäden und ihren Bruch zu vermeiden,
hat man schon vielfach das,dem Schützen als Führung dienende Webblatt so angeordnet,
daß es sich von der `'Weblade lösen kann, wenn der Schützen gegen die Schußanschlagstelle
gedrückt wird und dadurch dem Schützen die Möglichkeit bietet, nach der Rückseite
aus der Weblade herauszutreten. Trotzdem läßt sich aber in den meisten Fällen das
Zerreißen von Kettenfäden nicht verhüten. Neben dieser Unvollkommenheit hat die
bekannte selbsttätige Ausrückvorrichtung noch den Nachteil, daß bei dem plötzlichen
Abbremsen des Webstuhles und durch die dabei auftretenden heftigen Stöße wichtige
Webstuhlteile, vor allem die Webladenstelzen, brechen.
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Bei Webstühlen mit feststehender Weblade, bei denen der Schuß durch
besondere offene Anschlagmittel angeschlagen wird, wie z. B. bei Webstühlen zur
Ausführung des Verfahrens nach dem Patent 432 097, kann, wie ohne weiteres verständlich,
die beschriebene Ausrückvorrichtung nicht verwendet werden, da ja eben die das Ausrückgestänge
mitnehmenden Stecher an der Weblade sitzen und nicht bewegt werden. Für diese Webstühle
mit stillstehender Weblade eine mechanische Ausrückvorrichtung zu schaffen, ist
Zweck der vorliegenden Erfindung. Bei ihr ist wie bei den bekannten Ausrückvorrichtungen
in jedem Schützenkasten eine Stecherzunge vorhanden, die miteinander in Verbindung
stehen und durch den in den Schützenkasten eintretenden Schützen verdrängt werden.
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Das Neue besteht darin, daß ein besonderer von der Exzenterwelle bei
jeder Drehung einmal vor- und zurückbewegter Hebel vorgesehen ist und daß die ortsfesten
Stecherzungen eine am Ausrückgestänge drehbar angeordneteKlinke so beeinflussen,
daß sie bei vorzeitiger Unterbrechung des Schützenfluges in die Bewegungsbahn
eines
Mitnehmers des schwingbaren Hebels gelangt und dadurch diese mit dem Ausrückgestänge
kuppelt. Eine weitere Erfindung besteht darin, daß das Ausrückgestänge mit dem Steuerorgan
für die Fachbildungsmittel so verbunden ist, daß diese sofort bei Beginn der Bewegung
des Ausrückgestänges außer Wirksamkeit gesetzt werden.
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Die Ausrückvorrichtung ist auf der Zeichnung dargestellt. Es zeigt
Abb. i eine Seitenansicht bei im Schützenkasten befindlichen Schützen, Abb. 2 eine
Draufsicht, Abb. 3 eine Einzelheit, Abb. 4 das Schema der Fachbildung und Abb. 5
eine Seitenansicht bei ausgelöster Abstellvorrichtung.
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Mit i ist die feststehende Weblade bezeichnet, mit 2 der Schützenkasten,
mit 3 der Schützen und mit 4 der Schläger. In der rückwärtigen Wand der Schützenkästen
ist je eine Schützenkastenzunge 5 um das auswärtige Ende drehbar gelagert. Gegen
das innere Ende jeder Schützenkastenzunge 5 legt sich mittels eines verstellbaren
Fingers 6 der eine Arm eines am Schützenkasten drehbar gelagerten T-förmigen Fühlhebels
7, dessen entgegengesetzt gerichteter Arm durch eine Schubstange 8 mit einem Arm
9 einer Welle io verbunden ist. Die Welle io verläuft unterhalb der feststehenden
Weblade parallel zu ihr. Durch sie wird die Einstellung der einen Schützenkastenzunge
auf die andere übertragen. Der Zweck des dritten Armes 7 des T-förmigen Fühlhebels
7 findet später Erwähnung.
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In Höhe des einen Schützenkastens sind zwei senkrecht zur Weblade
bewegliche Hebel 1i, 12 auf einer Welle 13 drehbar gelagert. Der eine von ihnen,
ii, wird durch eine Feder 14 ständig gegen eine auf der Exzenterwelle 15 sitzende
Nockenscheibe 16 gezogen, durch die er bei jeder Drehung einmal auf den Schützenkasten
zu- und zurückbewegt wird. Der andere Hebel 12 ist durch eine Stange 17 an einen
Arm 18 einer Welle ig angelenkt. Diese trägt einen Daumen so, der sich gegen das
eine Ende eines waagerecht gelagerten zweiarmigen Hebels 2i legt. Das andere Ende
dieses zweiarmigen Hebels 2i sperrt für gewöhnlich einen auf einer Welle 22 sitzenden
Hebel 23. Die W eile a2 trägt am hinteren Ende eine Riemenrückgabel 24 für den zum
Antrieb des Webstuhles dienenden Riemen 25. Eine nicht dargestellte Feder beeinflußt
den Hebel 23 so, daß er ständig bestrebt ist, die Riemenrückgabel auf die Leerscheibe
umzustellen. In Betriebsstellung wird der Hebel 23, wie bereits erwähnt,
durch den zweiarmigen Hebel ei gesperrt. Auf der Welle 22 sitzt außerdem lose ein
Handhebel 26, durch dessen Bewegung gleichfalls der Sperrhebel2i ausgelöst werden
kann. An dem Hebel 23 ist eine Nase 27 vorgesehen, die hinter den Handhebel
26 faßt und ihn mitnimmt, wenn der Hebel 23, von dem Sperrhebel 21 freigegeben,
unter Federwirkung in die Ausrückstellung schnellt.
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An dem Hebel z2 ist in der Nähe des oberen Endes ein doppelarmiger
Hebel 28 drehbar gelagert, dessen eines Ende hakenartig ausgebildet ist und
durch eine am anderen Ende angreifende Feder 29 für gewöhnlich nach oben gedrückt
wird. Das hakenförmig ausgebildete Ende des doppelarmigen Hebels 28 trägt seitlich
einen Stift 30, gegen den sich der Arm 7# des T-förmigen Fühlhebels 7 legt, der,
wie oben beschrieben, durch die Schützenkastenzunge beeinflußt wird. Ist keine von
beiden Schützenkastenzungen durch den im Schützenkasten liegenden Schützen nach
außen gedrückt, so hält der T-förmige Fühlhebe17 den doppelarmigen Hebel 28 in einer
solchen Stellung, daß sein hakenförmig gestaltetes Ende in der Bewegungsbahn einer
am Hebel ii sitzenden Nase 31 liegt. Wird eine der beiden Schützenkastenzungen
beim Eintritt des Schützens in den betreffenden Schützenkasten nach außen gedrückt,
so drückt der dreiarmige Fühlhebel 7 das hakenförmige Ende des doppelarmigen Hebels
28 aus der Bewegungsbahn der Nase 31. Ist bei der Bewegung des Hebels ii, die zu
einem Zeitpunkt stattfindet, wo der Schützen in einem der beiden Schützenkästen
liegen soll, der doppelarmige Hebe128 noch nicht durch eine der beiden Schützenkastenzungen
umgestellt, so wird der Hebel 12 durch den mit der Nase 31 in die Klinke des doppelarmigen
Hebels 28 fassenden Hebel ii mitgenommen und, wie zuvor beschrieben, der Webstuhl
ausgerückt. Die Hebel 1i, 12 sind in Schlitzen einer Platte 32 geführt. Auf dieser
Platte sitzt ein unter Federwirkung stehender Haken 33, der den Hebel 12 in der
Ausrückstellung verriegelt hält. Zum Inbetriebsetzen des Webstuhles muß erst diese
Verriegelung wieder aufgehoben werden. Erfindungsgemäß soll nun noch vor dem Ausrücken
des Webstuhles der Fachwechsel vollständig unterbunden werden.
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Die Kettenfäden 34 und 35 sind, wie aus Abb. 4 ersichtlich ist, in
Ösen von sich gegenläufig bewegenden Fachbildungskämmen 36, 37 geführt. Der Fachbildungskamm
37 wird von einem Hebel 38 und der Fachbildungskamm 36 von einem zweiarmigen Hebel
39 getragen. Das freie Ende des zweiarmigen Hebels 39 ist durch eine Stange
40 mit dem Hebel 38 verbunden. Der Hebel 38 wird von einer auf der Welle
15 sitzenden Exzenterscheibe 41 bei jeder Umdrehung der Welle 15 einmal gehoben
und gesenkt und damit auch der Fachbildungskamm 37. Der Fachbildungskamm 36 führt
dabei infolge seiner eigenartigen Anlenkung an den Hebel 38 eine gegenläufige
Bewegung zum Fachbildungskamm 37 aus. Um eine völlig
zwangsläufige
Bewegung des Hebels 38 zu erzielen, ist an ihm ein im Winkel zu ihm verlaufender
Hebel 42 angeordnet, der mit einer Rolle auf einer entsprechend gestalteten Gegenexzenterscheibe
43 aufläuft. An dem Hebel 38 ist in Höhe des Hebels 12 seitlich ein Vorsprung 44
vorgesehen. Sowie der Ausrückhebel12, wenn der Schützen nicht rechtzeitig in einen
der beiden Schützenkästen gelangt ist, durch den ständig schwingenden Hebel ii mitgenommen
wird, greift eine Nase 12', des Ausrückhebels 12 unter den Vorsprung 44 und hält
den sich gerade in höchster Stellung befindlichen Hebel 38 fest, so daß er der Einwirkung
der Exzenterscheibe 41 entzogen ist. Um das zu ermöglichen, ist der Hebel 4--> nicht
starr mit dem Hebel 38 verbunden, sondern drehbar an ihm gelagert. Er ist
doppelarmig ausgebildet, sein eines Ende trägt die auf der Exzenterscheibe 43 laufende
Rolle, während das andere Ende zur Verriegelung mit dem Hebel 38 dient. Die
Verriegelung erfolgt dadurch, daß der Hebel 4?, an dem verriegelnden Ende hakenartig
gestaltet ist und in eine am Hebel 38 drehbar gelagerte Klinke 45 eingreift, die
durch eine Feder 46 gegen das hakenförmige Ende des Hebels 42 gezogen wird. Auf
dem Lagerzapfen 47 der Klinke 45 sitzt drehbar ein weiterer zweiarmiger Hebel 48,
dessen eines Ende unter eine Nase 4V am Schwanzende der Klinke 45 faßt und dessen
anderes Ende durch eine Stange 49 mit dem Ausrückhebel 12 verbunden ist. Wird der
Ausrückhebel 12 vom Hebel ii mitgenommen, so bewegt die Stange 49 den zweiarmigen
Hebel 48 so, daß er die Klinke 45 zurückdrückt, wobei sie außer Eingriff mit dem
hakenförmigen Ende des Hebels 42 kommt. Der Hebel 42 schwingt dann tot und beeinflußt
in keiner Weise mehr den Hebel 38. Wird der Webstuhl durch Zurückdrücken des Ausrückhebels
12 wieder eingerückt, so findet durch die Feder 46 und eine an dem Hebel 42 angreifende
Feder 5o wieder eine selbsttätige Verriegelung des Hebels 42 mit dem Hebel 38 statt.
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Wie früher erwähnt, wird durch die stillstehende Weblade i und den
vor der Weblade sich befindenden Anschlagkamm 51 vermieden, daß der Schützen in
die Ware gedrückt wird und dadurch die Kettenfäden zerreißt. Ferner verhindert die
vorher beschriebene Abstellvorrichtung ein Kreuzen der Kettenfäden, wenn der Schützen
im Fach steckengeblieben ist, vermeidet also auch dadurch Fadenbruch. Um nun mit
Sicherheit zu verhindern, daß durch die Erschütterungen in dem Webstuhl der Schützen
von der Bahn abkommt und vom Anschlagkamm 51 erfaßt werden könnte, sind lamellenartige
Winkel 52 angeordnet, welche an verschiedenen Stellen in das Fach hineinragen
und dadurch verhindern, daß der Schützen in den Bereich des Anschlagkammes 51 kommen
kann. Außerdem verhindern diese Winkel 52
oder Schützenführer ein Herausspringen
des Schützens aus dem Fach und die damit verbundenen Störungen. Sie gewähren gleichzeitig
dem Weber eine bessere Übersicht gegenüber den üblichen Schutzvorrichtungen.
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Damit diese Winkel 52 aus dem Bereich des bis an den Warenrand
geöffneten hinteren Faches treten, sind dieselben der Einfachheit halber mit dem
einen Fachbildungskamm 36 verbunden.
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Diese Winkel können aber auch eine besondere Bewegung erhalten.