DE44508C - Neuerung bei dem Verfahren zur Darstellung von Chlor aus Chlormagnesium - Google Patents
Neuerung bei dem Verfahren zur Darstellung von Chlor aus ChlormagnesiumInfo
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Description
PATENTAMT.
Es ist bekannt, dafs Chlormagnesium, wenn es in Gegenwart von Luft auf Rothgluthitze
gebracht wird, durch den Sauerstoff in Magnesia ■ und freies Chlor zersetzt wird. Diese Reaction,
auf welche ein neues Chlorfabrikationsverfahren basirt werden kann, geht aber nur dann in
vollständiger Weise vor sich, wenn das Chlormagnesium wasserfrei ist. Enthalt es Wasser,
so wirkt dasselbe gleichzeitig durch seinen Sauerstoff und seinen Wasserstoff auf die Elemente
des Chlormagnesiums ein, um Magnesia und Chlorwasserstoffgas zu bilden.
Es empfiehlt sich daher, um Chlor aus Chlormagnesium zu gewinnen, dieses Salz zunächst
im wasserfreien Zustande darzustellen. Die hauptsächlichsten Fundquellen liefern dasselbe
jedoch in gelöstem Zustande, und hat die Erfahrung gezeigt, dafs diejenigen Mittel, welche
gewöhnlich zur Gewinnung der Salze aus ihren Lösungen angewendet werden, bei Chlormagnesium
wegen seiner Geneigtheit, sich vor Eintritt des wasserfreien Zustandes zu zersetzen,
nicht zu gebrauchen sind. Es handelt sich also darum, ein neues, gewerblich verwerthbares
Mittel zu finden, um wasserfreies Chlormagnesium aus seinen Lösungen zu gewinnen.
Erfinder hat diese Aufgabe in nachstehender Weise gelöst:
Zur vollständigen Austreibung des Wassers aus der Lösung und zur Gewinnung einer
wasserfreien Chlorverbindung benutzt Erfinder Hitze, deren Anwendung er in drei Phasen
zerlegt.
Erste Phase. Die Lösung wird einfach in einer Abdampfpfanne erhitzt,- wie sie z. B. in
den Salinenwerken in Verwendung stehen.
Hierbei wird die Lösung concentrirt, bis sie
auf 165 bis 1700 C. kommt. Die fremden
Salze setzen sich wahrend dieser Concentration ab und werden entfernt. Erfinder breitet sich
Über diese elementare, allen Chemikern wohlbekannte Verfahrungsweise nicht weiter aus.
Zweite Phase. Sobald die Temperatur 1700C. überschreitet, wird die Lösung breiartig
und treibt sehr auf; das weitere Heizen von unten durch die Pfannenwa'nde könnte
nur aufserordentlich langsam vor sich gehen. Erfinder zieht daher vor, die weitere Eindampfung
des Materials von oben vorzunehmen, indem es über die Sohle eines Flammenofcns
geleitet wird, der den Oefen ähnlich ist, welche zum Trocknen des Natriumcarbonates dienen.
Hierbei findet ein Auftreiben nicht mehr statt. Bei wiederholtem Umrühren verwandelt man
schliefslich die Masse in poröse, feste Körner, welche trocken erscheinen, aber immer noch
ungefähr 30 pCt. Wasser enthalten. Die zweite Phase wird nunmehr unterbrochen. Zur Vereinfachung
nennen wir das Product körnige Chlorverbindung.
Erfinder legt dieser Darstellung der körnigen Chlorverbindung grofse Wichtigkeit bei. Diese
Körner sind porös und fest; die Hitze, mit der sie schliefslich behandelt werden, schmilzt
sie nicht, erweicht sie nicht einmal. In diesem Zustande bietet die Masse wesentliche Vortheile
für die nachfolgenden Manipulationen dar; sie bleibt besonders für das Eindringen der Gase
zugänglich, eine Eigenschaft, deren Nutzen man sehr bald erkennen wird.
Gegen Ende dieses Vorbereitungsverfahrens zur Erreichung der körnigen Beschaffenheit der
Chlorverbindung beginnt die Einwirkung des \
Wassers auf die Chlorverbindung sich gehend j
zu machen; es entwickeln sich als Chlorwasser- j stoffes 3 bis j pCt. des in der Masse enthaltenen
Chlors. Man condensirt dieses Gas durch die in chemischen Fabriken üblichen Mittel;
sodann neutralisirt man es durch Magnesia und führt es als Chlorverbindung in die spater zn
behandelnden Lösungen zurück.
Dritte Phase. Die in körnige Masse umgewandelte Chlorverbindung wird in ein mit j
einem Ableitungsrohr versehenes geschlossenes Gefäfs eingebracht, wie beispielsweise in eine
in einen Ofen eingesetzte Retorte für Lcuchtgasproduetion,
damit sie bis auf Rothgluthitze gebracht werden kann. Die Anwendung der Hitze bewirkt die Entwickelung von Wasserdampf
und Chlorwasserstoffgas, welche in einem mit dem Ableitungsrohr der Retorte verbundenen
Condensationsapparat gesammelt werden. Sobald die Entwickelung aufgehört hat und
die Temperatur auf Rothglut angekommen ist, ist das Verfahren beendet. Der Retortenrückstand
ist ein Gemisch von Magnesia und wasserfreiem Chlormagnesium, das 40 bis 50 pCt. Chlor enthält und zu sofortiger Behandlung
durch Luft und Hitze behufs Gewinnung des Chlors geeignet ist.
Wahrend dieser Calcination treten die Erscheinungen der Dissociation auf. Die körnige
Chlorverbindung unterliegt in der Retorte der Dissociation in zwei Richtungen; als wasserhaltiges
Salz entwickelt es Wasserdampf, als durch Wasser zersetzbares Salz entwickelt es
Chlorwasserstoffgas.
Wenn die Chlorverbindung in einem hermetisch verschlossenen Gefäfs enthalten gewesen
ware, so würde jeder Zunahme der Temperatur eine sehr wesentliche Spannungsentwickelung
des Wasserdampfes und Chlorwasscrstoffgases entsprochen haben; die Dampfspannung
würde eine fortwährende Neubildung des Dampfes verhindert haben, wie dies in einem
unter Druck stehenden geschlossenen Dampfkessel der Fall ist; die Spannung des Chlor-,
Wasserstoffgases dagegen würde eine fortwäh- . rende Zersetzung der Chlorverbindung durch
Wasser verhindern. Ganz anders würde sich die Sache gestalten, wenn man die körnige
Chlorverbindung gleichen Temperaturen, aber unter freiem Luftzutritte aussetzen wollte: der
entwickelte Dampf und das Gas würden frei in die Luft entweichen, eine wechselseitige
Dissociation, wie sie im geschlossenen Gefa'fse vorgeht, würde unmöglich gemacht und die
Entwickelung des Dampfes und des Gases würde unter Einflufs der Hitze so lange vor
sich gehen, bis eine vollständige Trockenlegung des Productes erzielt wäre, das in der
Hauptsache dann nur noch aus Magnesia bestände. . . . :
Beim Arbeiten in einem geschlossenen, mit Ableitung versehenen Gefiifse ist der Mittelweg
eingeschlagen zwischen einem ganz geschlossenen Gelälse, das alle und jede Entwässerung
und Zersetzung der Chlorverbindung verhindern würde, und dem Arbeiten an freier Luft, wodurch
nichts zurückbehalten wird. Dampf und Gas können in der vom Erfinder verwendeten
Retorte die Spannung nicht erreichen, welche die Entwässerung und Zersetzung der Chlorverbindung
verhindert, weil die Retorte einen Abzug hat und sich nach Mafsgabe der Dampfund
Gasentwickelung durch die Hitze aufs Neue Dampf und Gas entwickelt, die abziehen.
Nichtsdestoweniger befindet sich die Masse in der Retorte unter Spannung von Chlorwasserstoffgas,
wodurch die Zersetzung der Chlorverbindung abgeschwächt wird; je gröfser diese
Spannung, desto mehr wird die Zersetzung des Salzes zurückgehalten. Beim Arbeiten in dieser
Retorte hat sich herausgestellt, dafs die Zersetzung bis zu dem Punkte zurückgehalten
wird, dafs noch 40 bis 50 pCt. Chlor im Product verbleiben.
Hat man in der die Chlorverbindung umgebenden gashaltigen Atmosphäre den gröfst-.
möglichen Spannungszustand des Chlorwasserstoffgases erreicht, welcher die Zersetzung der
Chlorverbindung möglichst hindert, so ist die wesentliche Vorbedingung zur Erzielung der
gröfstmöglichen Ausbeute an wasserfreier Chlorverbindung gegeben.
Von diesem Princip ausgehend, ist der Erfinder dazu gelangt, eine viel reichere Chlorverbindung
zu erzielen, und zwar durch ein sehr einfaches Mittel. Das aus der Retorte
hervorgegangene Wasser kann aus dem Condensator nach Mafsgabe seines Zutrittes abgelassen
werden; das Chlorwasserstoffgas, welches gegen das Ende der Operation viel reich-licher
sich entwickelt als wie zu Anfang, findet kein Wasser mehr vor, um sich zu condensiren,
und bleibt demnach in seinem gasförmigen Zustande. Es wird in die Retorte zurückgeleitet,
welche zu diesem Zwecke mit einem Rohrstutzen an ihrem vorderen Ende versehen ist, durch welchen mittelst eines geeigneten
Kanals der Ausgang des Condensators mit dem Anfang der Retorte verbunden ist; in dem
Kanal ist ein Gasvcntilator von beliebiger Construction angebracht, welcher das Gas aus dem
Condensator anzieht und in die Retorte eintreibt. Auf diese Weise ist ein Kreislauf von
Chlorwasserstoffgas geschaffen, der die Retorte durchstreicht und dort den Spannungszustand
des Chlorwasserstoffgases in dem Mafse erhöht, dafs das erzielte Product, Dank diesem Verfahren,
bis zu 60 pCt. Chlor oder 80 pCt. wasserfreie Chlorverbindung enthält.
Anstatt des aus der Chlorverbindung entwickelten Chlorwasserstoffgases sich zu be-
dienen, kann man dasselbe auch aus irgend einer anderen Quelle herleiten. Die Vermehrung
der Spannung dieses Gases in der Retorte wird hierbei immer die nämliche bleiben.
Man sieht nunmehr, aus welchem Grunde die körnige Beschaffenheit der Chlorverbindung
so vorteilhaft ist. Wenn das in der Retorte zu erhitzende Material schmelzbar oder durch
Hitze nur weich würde, so fehlte die Porosität der Körner sowohl als die Zwischenräume
zwischen den Körnern, um das gesammte Material mit dem circulirenden Chlorwasserstoffgas
in innigen Contact zu bringen.
Diese Porosität und diese Zwischenräume sind nicht weniger nothwendig, wenn es sich
darum handelt, den Sauerstoff der Luft mit dem Material in innige Berührung zu bringen,
um das Chlor herauszuziehen.
Wenn es sich bei der Extraction des Chlors empfehlen sollte, auf eine nicht zu reiche Chlorverbindung
zu operiren, so kann man deren Gehalt dadurch verringern, dafs man der körnigen Chlorverbindung vor der Calcination wasserfreie
Magnesia beimischt.
Erfinder hat die Anwendung einer Retorte erwähnt, um die körnige Chlorverbindung in
wasserfreie Chlorverbindung umzuwandeln, womit aber die Anwendung aller anderen Apparate,
die denselben Bedingungen hinsichtlich der Anwendung der Hitze, der Behandlung des festen
Materials und der Circulation des ChlorwasserstofTgases entsprechen, nicht ausgeschlossen ist.
Um das Chlor aus der so erhaltenen wasserfreien Chlorverbindung zu gewinnen, heizt
man bis zur Rothglut in geeigneten Apparaten, in denen ein geregelter Luftstrom circuliren
kann.
Erfinder kann sich zu dieser Behandlung verschiedener Einrichtungen bedienen, z. B. der
Retorten aus einem dem Chlor Widerstand leistenden Material, welche in einem Ofen erhitzt
werden und für den Ein- und Ausgang des Gases mit Rohrstutzen versehen sind; man
kann aber auch diese Retorten gruppenweise oder hinter einander anordnen, die methodisch
j von dem Gase durchströmt werden. Ebenso kann man auswendig geheizte Muffeln verwenden,
die hinter einander dergestalt verbunden sind, dafs das feste Material dieselben
von einem Ende nach dem anderen Ende durchläuft, während das Gas in entgegengesetzter Richtung
strömt. Man kann aber auch zu solchen Oefen seine Zuflucht nehmen, die etagenweise
mit gegen einander versetzten Steinplatten ausgerüstet sind und durch Kanüle geheizt werden,
die von Herdgasen durchstrichen werden. Es kann für die Behandlung jede Einrichtung Verwendung
finden, welche den Anforderungen in
, dreifacher Beziehung, und zwar hinsichtlich der Heizung, der Bewegung des festen Materials
und der Circulation der Gase entspricht.
Die durch dieses Verfahren erzielte wasserfreie Chlorverbindung bietet durch ihre Porosität
die werthvolle Eigenschaft dar, dafs sie durch Luft bei dunkler Rothglühhitze vollständig
zersetzt wird und ein gasförmiges Gemenge liefert, das am Austritt des Apparates
bis zu 30 Volumen Chlor auf 100 Volumen Gasgemenge liefert.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Bei dem Verfahren zur Darstellung von Chlor aus Chlormagnesium das Erhitzen eines durch Eindampfen von Chlormagnesiumlauge erhaltenen körnigen Chlormagnesiums in einer Atmosphäre von Chlorwasserstoffgas in der Weise, dafs entweder das sich bei diesem Erhitzen entwickelnde und dann vom Wasserdampf befreite Chlorwasserstoffgas oder ein solches beliebiger Quelle in das Erhitzungsgefäfs beständig eingeleitet wird, zwecks Darstellung eines möglichst wasserfreien Productes und zur Vermeidung weiterer Chlorabspaltung bei. diesem Entwässerungsverfahren.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE44508C true DE44508C (de) |
Family
ID=319741
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT44508D Expired - Lifetime DE44508C (de) | Neuerung bei dem Verfahren zur Darstellung von Chlor aus Chlormagnesium |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE44508C (de) |
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- DE DENDAT44508D patent/DE44508C/de not_active Expired - Lifetime
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