DE42676C - Neuerung in der Herstellung und Schaltung induktionsfreier Leitungen, vorzugsweise für Fernsprech-Anlagen - Google Patents
Neuerung in der Herstellung und Schaltung induktionsfreier Leitungen, vorzugsweise für Fernsprech-AnlagenInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT
fur Fernsprechanlagen.
Vorliegende Erfindung bezweckt die Herstellung inductionsfreier Einzel- und Doppelleitungen
für elektrische Anwendungen aller Art, insbesondere für Fernsprechanlagen, sowie
eine neue Schaltung solcher Doppelleitungen in der Art, dafs ein Draht derselben in der
gewöhnlichen Weise mit Erdverbindung auf beiden Seiten zum Sprechen benutzt wird,
während der zweite Draht zur Aufhebung der Inductionswirkung auf die Nachbarleitungen
Verwendung findet.
Zur Herstellung solcher inductionsfreier Leiter erhalten dieselben die Form von Solenoiden,
deren Windungen zur Längsachse in einem solchen Neigungswinkel stehen, dafs je zwei
neben einander liegende Solenoide keine inducirende Wirkung auf einander ausüben. Die
Gröfse des Neigungswinkels, bei welchem die Inductionslosigkeit eintritt, hängt von den Abmessungen
der Spiralen und ihrer gegenseitigen Entfernung ab und ist so zu wählen, dafs die
Inductionswirkung derjenigen Windungstheile, welche bei Stromschlufs in dem benachbarten
Solenoid einen Inductionsstrom gleicher Richtung erzeugen, mit der in entgegengesetztem
Sinne zur Geltung kommenden Inductionswirkung der übrigen Windungstheile gleichen
Werth besitzt. Die Gröfse dieses Neigungswinkels beträgt mindestens 450.
Denn liegen zwei in gleicher Richtung gewickelte Solenoide, deren Windungen annähernd
senkrecht zur Längsachse verlaufen, parallel neben einander und tritt in dem einen ein
Strom auf, so erzeugt derselbe in dem anderen Solenoid bekanntlich einen Inductionsstrom von
gleicher Richtung. Werden nun die Solenoiddrähte in der Richtung ihrer Längsachse allmälig
aus einander gezogen, bis sie gerade gespannte Drähte bilden, so werden die
anfänglich parallelen Windungen nach und nach mit einander Winkel bilden, welche von
o° bis i8o° ansteigen. Die in dem zweiten Solenoid entstehenden Inductionsströme ändern
sich in gleicher Folge, indem der anfangs dem ursprünglichen gleichgerichtete Strom an Stärke
allmälig abnimmt, bei einer gewissen mittleren Lage Null wird und dann in einen Inductionsstrom
von entgegengesetzter Richtung übergeht, der bei geradliniger Ausspannung der Drähte seinen Maximalwerth erreicht. Die
Mittellage, in welcher der Inductionsstrom den Nullwerth erlangt, wird annähernd erreicht,
wenn die einzelnen Windungen der Solenoiddrähte mit der Längsachse der Solenoide einen
Winkel von mindestens 45° bilden; denn in diesem Falle kreuzen sich die benachbarten
Windurtgshälften beider Solenoide unter rechten Winkeln und können daher auf einander keinen
inducirenden Einflufs ausüben. Da jedoch auch die von einander abgekehrten Windungshälften
der beiden neben einander liegenden Solenoide an der inducirenden Wirkung theilnehmen, ist
es erforderlich, diesen Minimal werth von 450 meistens etwas zu erhöhen, um die Solenoide
inductionslos zu machen, und zwar kann die Erhöhung dieses Werthes unter den gewöhn-
lichen Umständen bis auf etwa 6o° nothwendig werden, weil je nach den Abmessungen der
verwendeten Drähte und eventuell der Isolationsschichten — wenn keine blanken, sondern isolirte
Drähte verwendet werden — die Abstände der Solenoidwindungen von einander und dementsprechend
die Gröfsen der gegenseitigen Inductionswirkungen sich ändern. Auch kommt für die Gröfse des Winkels in Betracht, dafs
die inducirende Einwirkung zweier Solenoide auf ihre äufseren Windungshälften durch die
dazwischen liegenden inneren Hälften, insofern letztere eine metallische Scheidewand bilden,
ganz oder theilweise aufgehoben wird.
Derartige inductionslose Solenoide können entweder aus blankem oder aus isolirtem Draht
hergestellt werden. In Fig. ι sind zwei solche Solenoide, bestehend aus je einem unter 450
gewickelten Draht, dargestellt. Da diese Wickelung eines einzigen Drahtes unter 450 erhebliche
technische Schwierigkeiten darbietet, empfiehlt es sich, immer zwei oder mehrere Drähte
um einander oder einen oder mehrere Drähte um einen nicht als Leiter dienenden Kern zu
wickeln.
In Fig. 2 sind in der Weise beispielsweise zwei Drähte um einander gewickelt; in Fig. ia
ist ein Draht um einen Kern, in Fig. 3 sind drei Drähte, in Fig. 3 a vier Drähte um einen
Kern gewickelt dargestellt. In diesen Zeich-, nungen sind die oberen Windungshälften theilweise
weggeschnitten, wodurch ersichtlich wird, dafs, während die oberen Windungshälften
parallel erscheinen, die nach unten gehenden Windungshälften sich mit jenen kreuzen und
die einzelnen Drähte an den Berührungspunkten rechte Winkel mit einander bilden.
Bei der Verwendung von blankem Draht werden die Solenoide zweckmäfsig durch Verseilung
von zwei Drähten unter einem Winkel von 450 gegen die Längsachse- nach Fig. 2 gebildet.
Solche Solenoide aus blankem Draht dienen als inductionsfreie Einzelleitungen entweder
oberirdisch oder in Kabeln; in letzterem Falle erhalten sie ihre Isolation nach der Verseilung.
Doppelleitungen werden bei der Verseilung blanker Drähte nicht erhalten.
Wird die Solenoidform der Leiter durch Verseilung von zwei blanken Drähten hergestellt,
so gilt als Vorbedingung, dafs der Leitungswiderstand, welchen der Strom beim Einhalten
der Spiralgänge zu überwinden hat, unverhältnifsmäfsig geringer ist als derjenige Widerstand,
welcher sich beim Uebergang von Windung zu Windung in gerader Richtung darbietet.
Ersterer ist abhängig vom Querschnitt und der specifischen Leitungsfähigkeit des Materials,
letzterer hauptsächlich von der Oberflächenbeschaffenheit und Innigkeit der Berührung
zwischen den einzelnen Windungen.
Die beste Wirkung wird erzielt bei möglichst grofser Leitungsfähigkeit des Querschnitts und
möglichst geringer Leitungsfähigkeit der Oberfläche. Wie vorher bereits gesagt, kann ein
solcher Draht selbstverständlich nur als Einzelleitung Verwendung finden und bedarf in Kabeln
der Isolirung.
Werden dagegen einfache Drähte isolirt und dann paarweise zu Solenoiden verseilt, so erhält
man doppeldrähtige Adern, welche entweder durch Nebeneinanderschaltung der Einzeldrähte
zu einer einzigen Leitung vereinigt oder als Hin- und Rückleitung eingeschaltet oder
endlich in Verbindung mit einfachen Anschlufsleitungen unter Zugrundelegung der nachstehend
beschriebenen Schaltungen und sonstigen Anordnungen benutzt werden können.
Letzterer Fall tritt ein, wenn die beschriebenen doppeldrähtigen Kabel streckenweise in
solchen Stadtfernsprecheinrichtungen eingeschaltet werden sollen, deren Anschlüsse mit
einfachen oberirdischen Drähten bewirkt sind.
Diese Schaltungen und sonstige Anordnungen für Kabel mit Doppelleitungen haben den
Zweck, denjenigen Rest von Induction unwirksam zu machen, welcher aus technischen Gründen
in den Adern zurückbleiben könnte, da es bei der praktischen Ausführung der Solenoide,
bei dem Zusammenwinden, nicht immer möglich sein wird, diejenige Winkelgröfse für
die Windungen zu treffen, bei welcher die Inductionslosigkeit eine absolute ist.
Bei den für vorgenannte Zwecke entworfenen Anordnungen erfolgt im allgemeinen die Umkehrung
des Stromes in der zweiten Kabelleitung, welche mit der eigentlichen Sprechleitung
keinen leitenden Zusammenhang besitzt, lediglich durch Induction, und zwar werden,
um die in jeder Kabelader an sich vorhandene Inductionswirkung zu unterstützen, Inductionsrollen
in der Weise gebildet und in die Leitung gebracht, dafs die Elektromagnete der Klappenschränke, an denen die Doppelleitungen
endigen, mit doppelten bifilaren Wickelungen versehen werden, d. h. mit Wickelungen, welche
durch gleichzeitiges Aufwickeln zweier Drähte auf eine gemeinsame Spule erhalten werden.
Durch die Einschaltung der zweiten Wickelung der Klappenelektromagnete in den geschlossenen
Stromkreis der zweiten zugehörigen Leitung wird nun zugleich die lästige Eigenschaft
der Klappen, die Lautwirkung in der Sprechleitung zu vermindern, beseitigt; ebenso wird
die bei gewöhnlichen Klappenelektromagneten in störender Weise sich geltend machende
Induction zwischen benachbarten Rollen verhindert.
Die Schaltung einer Anschlufsleitung in diesem Falle zeigt Fig. 4. Die oberirdische
Leitung L ist mit Leitung α einer Kabelader
verbunden, während Leitung b derselben Ader an Erde liegt. Beim Vermittelungsam.t
sind die Drähte α und b getrennt mit den beiden Umwindungen w iv der Klappenelektromagnete
— angedeutet hier wie in allen nachstehenden Fällen durch die doppelten Spirallinien —- in Verbindung gesetzt, deren
andere Enden ebenfalls an Erde liegen. Die Einschaltung der Sprechapparate zur Verständigung
mit den Theilnehmern erfolgt circular zwischen Draht α und b in der punktirt angegebenen
Weise. Zwei Anschlufsleitungen werden dagegen unter Einschaltung einer oder beider Klappen nach Art der Fig. 5 unter einander
verbunden, wozu man sich doppelter Stöpselschnüre bedienen kann. In entsprechender
Weise geschieht die Verbindung über zwei Vermittelungsämter hinaus unter Benutzung
:einer doppelten Verbindungsleitung zwischen diesen Aemtern.
Sollen die doppeldrähtigen Leitungen nur zur Verbindung zwischen zwei Vermittelungsämtern
angewendet werden, während für die : Anschlufsleitungen einfache Kabel- oder oberirdische
Drähte zur Verfugung stehen, so kann die Schaltung nach Fig. 6 eingerichtet werden.
KK sind die doppelt gewickelten Klappenelektromagnete. Eine andere Schaltung für
den Fall, dafs die Klappenelektromagnete in Nebenschliefsungen gelegt werden sollen, ist in
Fig. 7 schematisch dargestellt. Der Widerstandswerth der Nebenschliefsungen darf in
•diesem Falle nicht zu klein gewählt werden, wenn auf einen directen Austausch von Batteriesignalen
zwischen den Endstellen Werth gelegt wird; erforderlichenfalls können in die Erdverbindungen
der Klappenelektromagnete auch Condensatoren eingeschaltet werden. Wird indessen
von dieser Möglichkeit abgesehen, so erscheint es unter Umständen vorteilhaft, bei
dem V.ermittelungsamt I die Anschlufsleitung an Kabeldraht a, bei II an Kabeldraht b zu legen.
In letzterem Falle stehen die beiden Sprechstellen nicht durch eine ununterbrochene Leitung
in Verbindung, sondern die Klappenelektromagnete bilden zwei Inductionsübertragungen,
welche jedoch nicht hinter einander, sondern neben einander, geschaltet sind und
deshalb eine kräftige Lautübermittelung gestatten.
Zur besseren Ausnutzung solcher doppeldrähtigen Leitungen, und zwar, um in jeder
Kabelader bezw. in jeder Verbindungsanlage gleichzeitig zwei verschiedene Gespräche führen
zu können, sind folgende Einrichtungen getroffen : Für den Verkehr der Vermittelungsämter
in einer bereits benutzten Telephonanlage ist z, B. der in Fig. 8 dargestellte, auf
der Anwendung , von Zwischenapparaten mit doppelten Wickelungen beruhende Stromlauf
entworfen. In diesem Falle heben sich, wenn beim Sprechen zwischen den Endstellen die
beiden Leitungen der Verbindungsanlage von gleich starken, aber entgegengesetzt gerichteten
Strömen durchflossen werden, die Wirkungen dieser Ströme in den Zwischenapparaten FF
auf, während beim Sprechen mittelst eines Zwischenapparates in den Verbindungsleitungen
gleichgerichtete Ströme inducirt werden, welche nur den anderen Zwischenapparat zum Ansprechen
bringen, in den Endapparaten aber sich gegenseitig vernichten. Als Geber in den
Zwischenapparaten können entweder Fernsprecher mit doppelter Bewickelung oder Mikrophone
dienen, welche mit zwei parallel geschalteten Inductionsrollen ausgerüstet sind.
Die primären Spiralen derselben werden neben einander in den Stromkreis der Mikrophonbatterie
geschaltet, während die secundären Spiralen getrennt in den beiden Leitungen
liegen. In analoger Weise kann auch die in Fig. 6 angegebene Schaltung durch Anwendung
doppelt bewickelter Zwischenapparate zum Doppelsprechen eingerichtet werden.
Eine andere Verbindung zum Doppelsprechen, welche die Benutzung der gewöhnlichen Apparatsysteme
erlaubt, ist in Fig. 9 angegeben. Hier bedeuten K und K1 die zu Inductionsrollen
umgewandelten Klappenelektromagnete der Verbindungsleitungen α b. Von den beiden Bewickelungen
des Klappenelektromagneten K ist die eine zwischen die Anschlufsleitung / und
die Verbindungsleitung α, die andere zwischen die Verbindungsleitung b und Erde geschaltet,
während von den doppelt bewickelten Klappenelektromagneten Ki die eine Bewickelung zwischen
die Anschlufsleitung /l und die Verbindungsleitung
b, die zweite zwischen die Verbindungsleitung α und Erde gelegt ist. Dabei
wird die Anordnung so getroffen, dafs an dem Klappenelektromagneten K die beiden Verbindungsleitungen
α und b auf derselben Seite, an dem Klappenelektromagneten K1 dagegen auf
entgegengesetzten Seiten der Umwindungen liegen, so dafs die Ströme, welche aus den
Leitungen α und b kommen, die Umwindungen von K in gleicher, diejenigen von K1 dagegen
in entgegengesetzter Richtung durchlaufen. Abarten dieser Schaltung sind in Fig. 9 a und 9 b
dargestellt, letztere unter Benutzung polarisirter Klappenelektromagnete.
Unter -Zuhülfenahme von Inductionsübertragungen
lassen sich nach dem gleichen Princip noch weitere Doppelsprechschaltungen ausführen
, wie in der schematischen Darsellung in Fig. 10 veranschaulicht ist. 11P I1 sind
gewöhnliche Inductionsrollen, deren primäre Spiralen in eine der Sprechleitungen eingeschaltet
werden, während die secundären Spiralen
entweder neben oder hinter einander geschaltet und mit den Sprechleitungen /' Z1 verbunden
sind.
Claims (2)
- Patent-Ansprüche:ι . Zur Herstellung inductionsfreier elektrischer Leitungen aller Art die Anwendung von solenoidartig gewundenen Leitungsdrähten zu Einzelleitungen aus blankem Draht, zu Doppelleitungen aus isölirtem Draht, bei welchen behufs Aufhebung der Inductionswirkung auf einen benachbarten Solenoiddraht gleicher Construction der Neigungswinkel der Windungen gegen die Längsachse mindestens 450 bis 6o° beträgt.
- 2. Bei der Anwendung der unter Anspruch 1. gekennzeichneten Doppelleitungen aus isolirtem Draht zu zweien oder mehreren in Kabeln die Verbindung der beiden Drähte einer Doppelader mit doppelt (in bifilarer Weise) bewickelten Klappenelektromagneten in der Weise, dafs die eine Umwindung der Klappenelektromagnete in die Sprechleitung, die andere in die zugehörige Inductions- oder Compensationsleitung derselben Ader eingeschaltet wird, zum Zweck, durch diese Schaltung denjenigen Rest von Induction unwirksam zu machen, welcher in den Adern zurückbleibt,- wenn der die absolute Inductionslosigkeit bedingende Neigungswinkel beim Zusammenwinden nicht genau getroffen ist.Bei der Anwendung der unter 1. gekennzeichneten Doppelleitungen aus isölirtem Draht zu zweien oder mehreren in Kabeln zur Erleichterung der Benutzung derselben mit einfachen oberirdischen Anschlufsdrähten (L) . die Schaltung der beiden Drähte einer Doppelader nach der Fig. 4 bis 7 in der Weise, dafs stets ein Draht der Doppelader zur Fortpflanzung der Sprechströme dient, während gleichzeitig in dem zweiten Draht durch Induction Ströme entgegengesetzter Richtung erzeugt werden.Bei Schaltung der nach Anspruch 1. hergestellten solenoidartigen Doppeladern aus isölirtem Draht zu zweien oder mehreren in Kabeln zur gleichzeitigen Benutzung für zwei Gespräche in der Weise, dafs für das eine Gespräch Ströme verwendet werden, die in beiden Drähten gleichgerichtet sind, während für das zweite Gespräch Ströme verwendet werden, die in beiden Drähten entgegengesetzt gerichtet sind, die Benutzung von doppelt ^bewickelten Fernsprechern und von Mikrophonen mit doppelter Inductionsrolle.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
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