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Schreibplatte und Verfahren zu ihrer Herstellung. Es sind Schreibplatten
bekannt, die. aus natürlich vorkommenden Stoffen durch einfachste Zurichtung erhalten
werden sowie durch mechanische und chemische Verfahren auf künstlichem Wege aus
gewissen Grundstoen hergestellte. Sie lassen sich teils nur durch Einkratzen mit
einem Stift aus einem Stoff, der härter ist als diese Schreibplatte, teils mit nur
wenigen ganz bestimmten Stoffen beschreiben oder bemalen. Das Wiederentfernen der
Schrift oder Bemalung zwecks wiederholter Verwendung der Schreibplatte begegnet
dabei meistens Schwierigkeiten.
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Die Erfindung betrifft eine künstlich hergestellte Schreibplatte,
die mit den verschiedenartigsten Stoffen beschrieben werden kann, z. B. mit Graphit,
Kopierstift, Fettstift, bunter Kreide, gewöhnlicher sowie kopierender Tinte, Tusche
usw.
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Gemäß der Erfindung wird die Schreibplatte durch Behandeln von Kunsthornmasse
mit ätzenden Stoffen und Schleifen der Masse hergestellt.
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Das Verfahren kann beispielsweise auf folgende Art ausgeführt werden:
Es wird ein Bad angerichtet aus etwa 1/21 loprozentiger Salzsäure, o,15 kg Chlorkalk,
o,15 kg frisch gelöschtem Kalk und 11I" 1 Salmiakgeist. Dieses Bad wird in eine
Schale von etwas mehr als 2öXzo qcm Bodenfläche mit ebenem Boden gegeben und dann
wird eine Zelluloidplatte von 2oX2o qcm Umfang und 3 mm Stärke von der Art, wie
sie als elektrisches Isolationsmittel Verwendung findet, in das Bad eingelegt. Nachdem
die Platte 12 Stunden in dem Bad gelegen hat, wobei man sie zeitweise darin bewegte
und wendete, hebt man sie heraus, läBt ablaufen, schleift sie mit Bimsteinpulver
und Sandpapier auf Fläche, spült ab und trocknet.
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Nach der Trocknung ist die Platte auf beiden Seiten verwendbar zum
Beschreiben mit Blei-, Kopier-, Fettstift, Tinte, Tusche sowie zum Bemalen mit Tinten,
Tuschen, Aquarellfarben u. dgl. Stiche in der Art des Stahlstiches lassen sich leicht
mit solchen Platten herstellen. Die Entnahme von Abzügen, falls kopierfähige Tinte
usw. verwendet worden ist, gelingt einwandfrei.
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Die Schrift usw. kann leicht wieder entfernt werden, z. B. durch Abreiben
mittels eines Schwammes oder Lappens mit Wasser oder durch Radieren mit einem Gummi
oder durch Abschleifen mit Sandpapier.
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Obwohl die Platte nach der Bearbeitung gemäß der Erfindung die Eigenschaft
erlangt hat, alle diese Farben usw. anzunehmen, dringen die Farben usw. nur so wenig
in die Platte ein, daß ein Wegschleifen von Bruchteilen eines tausendstel Millimeters
genügt, die Schrift u. dgl. vollständig wieder zu entfernen. Durch das Abwaschen,
Abschleifen usw. erleidet die Platte keinerlei Beeinträchtigung an ihrer Schriftaufnahmefähigkeit.
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Als Ausgangsstoff kommen die bekannten Kunsthornmassen in Betracht,
z. B. die unter dem Namen Zelluloid bekannte Masse aus Nitrozellulose und Kampher,
das aus Zellulosehydroacetat und Kampherersatzmitteln
hergestellte
sogenannte Cellon bzw. Siccoid, die mit Formalin und Chromsäure bzw. Gerbsäure gehärteten
Casein- und Leimpräparate wie Galalith, die Kondensationsprodukte von Formaldehyd
und Phenol wie Resinit und Bakelit u. a.
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Als ätzende Stoffe kommen besonders Al-. kalien in Betracht, z. B.
Ammoniak, Salmiakgeist, Pyridin, Kalk, aber auch Alkohole, z. B. Methylalkohohl;
auch Säuren und Chlor.
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Die ätzenden Stoffe bewirken nicht nur eine Lockerung des Gefiiges
der Kunsthornmasse durch und durch, sondern führen auch eine große Gleichmäßigkeit
ihrer Beschaffenheit herbei, wodurch vermieden wird, daß man beim Schreiben bald
auf härtere und bald auf weichere Stellen trifft. Auch erscheint die Platte -stets
in reinem Weiß.
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Die Dauer der Behandlung der Kunsthornmasse mit den ätzenden Stoffen
richtet sich nach der Art der Masse und der ätzenden Stoffe sowie nach der Stärke
der ersteren. Von der Ausführung des Verfahrens, wie es an einem bestimmten Fall
im obigen Beispiel dargelegt ist, kann man in der Weise abweichen, daß man die fertige
Kunsthornmasse erst schleift und sie dann erst der Einwirkung der ätzenden Stoffe
aussetzt, doch bereitet dabei das Abschleifen der harten und glatten Rindenschicht
Schwierigkeiten.
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Zweckmäßiger geht man nicht von einem verkehrsüblichen fertigen Zelluloid
u. dgl. aus, sondern setzt bei der Herstellung dieses Stoffes bereits in dem Stadium,
wo er sich noch im plastischen Zustande befindet, mit der Behandlung durch ätzende
Stoffe ein.