DE33239C - Neuerung an den durch Patent Nr. 3 499 geschützten Einrichtungen zur Erzeugung von Kälte und Eis - Google Patents
Neuerung an den durch Patent Nr. 3 499 geschützten Einrichtungen zur Erzeugung von Kälte und EisInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 17: Eisbereitung und Aufbewahrung.
RAOUL PICTET in GENF.
und Eis.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 31. December 1884 ab.
i. Der Condensator.
Bei Maschinen älterer Construction war der aus Kupfer hergestellte Condensator aus einer
Reihe paralleler Röhren gebildet, die von einem gewöhnlichen Wasserstrom durchlaufen
wurden. Hierbei bestanden jedoch die Uebelstände, dafs das kalte Wasser die Röhren nur
einmal durchlaufen kann und die mittlere Röhrengruppe einen zu intensiven Strom erhält,
was mit einem grofsen, in unvortheilhafter Weise ausgenutzten Wasserverbrauch verbunden
ist. Ferner wirkt nach dem Dalton-Gesetze
eine jede Menge fremder Gase, die atmosphärische Luft, Wasserstoff etc. auf die Compression
und Spannung beim Flüssigmachen ein und erhöht den Druck der Dämpfe im
Condensator oft in einer sehr unvortheilhaften Weise. Auch zieht ein an einem beliebigen
Rohre der Gruppe etwa eintretendes Undichtwerden eine Menge nicht unberücksichtigt zu
lassender Verminderungen, wie Verlust an flüchtiger Flüssigkeit, etwaiger Zutritt des
Wassers und Verstopfung der beschädigten Röhren, nach sich, welch letzterer Umstand
immer mifslich ist und auch eine Verminderung der wirkenden Fläche des Condensators
bewirkt.
Bei der vorliegenden Maschine wird das Kupfer durch Eisen ersetzt, indem speciell gezogene
Eisenrohre mit zusammengeschweifster Ueberlappung zur Verwendung kommen. Die flüchtige Flüssigkeit wird hier in, statt wie vorher
um die Röhren eingebracht. Bei dem Condensator der neuen Anordnung gelangen die durch die Pumpe geprefsten Dämpfe in
ein langes, aus Schmied- oder Gufseisen bestehendes Rohr A, Fig. 1. Zur Seite dieses
langen Rohres ordnet man Gruppen paralleler Schlangenröhren an, deren Gesammtquerschnitt
dem Querschnitt des die Dämpfe von der Pumpe zuführenden Rohres nahezu gleich ist.
Diese Schlangenröhren bestehen aus geraden Eisenröhren, die an jedem Ende durch Krümmlinge
verbunden sind; diese Röhren sind bei B und B1, Fig. 2, in Grundrifs und Ansicht
ersichtlich.
Das untere gerade Ende der Schlange schliefst sich an ein zweites Sammelrohr C aus Schmiedoder
Gufseisen an, Fig. 1, welches dem Rohr A parallel und senkrecht zu den Schlangenröhren
liegt. In Fig. 1 ist eine dieser Serpentinen bei D ersichtlich, während die anderen an ihrer
Zu- und Austrittsstelle nur durch Striche markirt sind.
Die Zahl der Schlangen und die Länge des geraden Theiles derselben ist je nach der
Stärke des kälteerzeugenden Querschnittes veränderlich. Die Verbindungen der Serpentinen
mit den Rohren A und C, Fig. 1, können beliebige, wenn nur dichte, sein. Das Ende
des Rohres C mündet in ein starkes Gufs- oder Schmiedeisenrohr H, dessen Durchmesser
gröfser als derjenige des Rohres C ist und welches am besten vertical angeordnet ist.
Durch den Deckel dieses Rohres H geht ein Rohr G von geringem Durchmesser, das bei
E bis zum Boden des Sammelrohres C reicht. Durch dieses Rohr G gehen die condensirten
Flüssigkeiten zu dem Kühlapparat zurück.
Durch diese Anordnung wird ein grofser Sammelbehälter für die fremden Gase am Ende
der Serpentinen gebildet. Die thätige Con-
densation innerhalb der Röhren treibt die der Condensation entgangenen Gase immer wieder
mechanisch an das hintere Ende der Röhren. Durch diese Combination wird die Wirkung
des Dalton'schen Gesetzes umgangen, da in Rücksicht auf den geringen Querschnitt dieser
Röhren im Vergleich zu dem enormen inneren Rohrquerschnitt des alten Condensators eine
Diffusion der Gase in den Serpentinen unmöglich ist, so dafs man also mit fremden Gasen,
atmosphärischer Luft u. dergl. arbeiten kann, ohne den Druck im Condensator merklich zu
erhöhen. Dieser Punkt ist sehr wichtig, er spart das Brennmaterial, indem die Arbeit des
Motors ganz wesentlich vermindert wird.
Der Zugang des Condensators ist ein sehr leichter, da alle Röhren offen liegen. Das
ganze Röhrensystem und seine Sammelröhren A C und H werden in einen grofsen Kasten JJ
eingebracht, in den das kalte Wasser durch ein Rohr von unten eintritt, das oben durch
ein Ueberlaufrohr austritt. Das Wasser erwärmt sich durch Condensation der flüchtigen
Flüssigkeit und fliefst nach Erreichung des Temperaturmaximums weiter, nachdem ihm
durch horizontale, in einander greifende Platten eine seitliche Circulation gegeben ist, was die
erzeugte Wirkung noch erhöht.
2. Der Kühlapparat
ist, was seine Anordnung anbetrifft, dem Condensator sehr ähnlich, wogegen die Wirkung
selbst eine absolut verschiedene ist.
Fig. 2 zeigt in Ansicht und Grundrifs die Anordnung dieses Apparates. Die flüchtige
Flüssigkeit wird in einem grofsen verticalen Eisenrohr M angesammelt, das unten mit einem
langen eisernen Sammelrohr L correspondirt. ■ Die Serpentinen B Bl münden unten senkrecht
auf das Rohr C, während sie oben in ein zweites .Sammelrohr K münden, das sich
an das Hauptrohr M anschliefst. Rohr M verbindet so die beiden Rohre K und L und
steht mit seinem oberen Ende mit der Compressionspumpe, und zwar mit den Saugventilen
derselben in Verbindung. Durch diese Anordnung stellt sich das Niveau der flüchtigen
Flüssigkeit in allen Schlangenröhren und in dem verticalen Rohr M auf gleiche Höhe ein.
Taucht man das ganze Röhrensystem in einen grofsen Eisenkasten O, der mit einer
nicht erstarrenden Flüssigkeit, wie Salzwasser, Glycerin etc., angefüllt ist, und setzt man die
Pumpe in Bewegung, so stellt man eine äufserst energische Circulation innerhalb einer jeden
Schlange her. Die Verdampfung theilt die Flüssigkeitssäule einer jeden Schlange in eine
Menge einzelner Flüssigkeitskörper, die durch Dampfkammern getrennt sind. Die Dichte
dieser Flüssigkeitssäule nimmt beträchtlich ab, während der hydrostatische Druck am Fufs
des Cylinders M constant bleibt. Von hier aus wird die flüchtige Flüssigkeit mit Heftigkeit
in eine jede Schlange eingetrieben und tritt das Flüssigkeits- und Dampfgemisch mit
Lebhaftigkeit durch das obere Ende nach dem Rohr K, worauf die Flüssigkeit in den Cylinder
M zurückfällt, um die beschriebene Circulation von neuem zu beginnen.
Auf diese Weise hält man mit einer geringen Menge flüchtiger Flüssigkeit die Totaloberfläche
des Kühlapparates in Thätigkeit, was bei dem alten System nicht der Fall war. Etwaige undichte
Stellen sind sofort zu ersehen, und kann man durch an die Sammelröhren KL
und M angeschraubte Plantschen den Kühlapparat schnell reinigen und entleeren.
Vertical angeordnete Eisenblechtafeln gestatten eine Circulation des Salzwassers durch
alle Schlangen, gleichviel, ob man sich für die Hauptcirculation einer Schraube oder einer
Pumpe bedient. Die Dimension des Kastens O, sowie Zahl und Durchmesser der Schlangenrohre
und der Sammelrohre richten sich nach der Stärke der Kälteerzeugungsmaschine. Der
beschriebene Condensator und Kühlapparat können einem Druck von 15 bis 20 Atmosphären
widerstehen, wobei sie vollständig dicht bleiben und der Preis derselben im Vergleich
mit einer gleichen Kupferfläche wesentlich herabgedrückt wird.'
3. Die Compressionspumpe.
Bei der Compressionspumpe verursachen die Stöfse der Saug- und Druckventile gegen die
diese letzteren von dem Raum des Compressionscylinders trennenden Kreuze oder gegen den Brohzesitz häufig Brüche und sind
der Grund eines unangenehmen Geräusches, was die Umgebung stört und ein Arbeiten der
Maschine bei Nacht verbietet. Diese unvermeidlichen Stöfse bei den bisher verwendeten
Ventilen verhindern auch einen Lauf der Maschine mit grofser Geschwindigkeit, indem die
Tourenzahl der Maschine fast ausschliefslich aus diesem Grunde eine beschränkte ist.
Um alle diese Uebelstände zu beseitigen und das Schliefsen der Ventile an jedem Kolbenhubende
ohne Geräusch zu beschleunigen, kommen nach vorliegender Erfindung Ventile mit Doppelfeder zur Verwendung, von denen
die eine lang, weich und sehr elastisch ist und deshalb aus Stahl- oder Kupferdraht bestehen
kann, während die andere kurz, stark und sehr widerstandsfähig ist und aus stark gehärtetem
Stahl oder Kupfer besteht.
Die erste Feder führt das Ventil wie bei den gewöhnlichen Ventilen, nur ist die Länge
derselben noch merklich vergröfsert, um die
Dauer zu sichern; die andere Feder dient zur Begrenzung des Ventilhubes.
Fig. 3 zeigt das Saugventil. A ist das Kreuz, welches das Ventilgehäuse vom Cylinder abgrenzt
und in welchem das Ventil in der gewöhnlichen Weise geführt wird. In diesem Falle
ist A nur eine einfache Sicherung beim Bruch der Ventilspindel. B ist das Ventil, das aus
einer an ihrem unteren Ende verbreiterten Stahlstange besteht und auf seinem Sitz aufruht.
C ist die am oberen Ende der Ventilspindel aufgeschraubte Mutter, gegen die sich
die Gegenmutter F anlegt. Auf die Spindel werden zwei Federn E und D aufgeschoben,
von denen Feder E zum Functioniren des Saugventils wie eine gewöhnliche Feder wirkt.
Die stärkere Feder D legt sich gegen die Hülse L an, wenn sich das Ventil behufs
Durchganges des Gases nach dem Cylinder genügend geöffnet hat. Beim Oeffhen des
Ventils widersteht dieses zuerst nur dem Widerstand der ersten Feder E, worauf sich
in einem Abstande von etwa 6 bis 8 mm vom Sitz die zweite Feder D gegen die Hülse L
legt und so das Ventil bei seiner Bewegung stofsfrei aufhält. Hierdurch wird fast vollständig
die krystallinische Structur des Metalles vermieden, was ein sehr langes Functioniren
der Ventile nach dieser neuen Anordnung zur Folge hat.
Fig. 4 zeigt das Compressionsventil. B ist der auf seinem Bronzesitz aufruhende Ventilkörper.
- K K sind die Glocken, gegen welche bisher das Ventil am Ende seines Hubes anstiefs
und welche nur der Sicherheit beim Bruch wegen beibehalten sind. E ist die gewöhnliche
Feder, welche während des gesammten Hubes auf das Ventil wirkt. C ist eine mittelst Stiftes am oberen Ende der Ventilspindel
befestigte Mutter, gegen welche sich die kräftige und kurze Feder D legt. Diese
■ Feder legt sich andererseits gegen den Deckel L, wenn das Ventil von seinem Sitz gehoben
wird und einen genügenden Raum zum Durchgang der comprimirten Gase läfst. Feder D
hält ohne Stofs das Ventil an und führt dieses am Ende des Kolbenhubes auf seinen Sitz
zurück.
Die anderen Theile der Compressions- und Aspirationsventile sind die gewöhnlichen. Die
Stärken dieser Hülfsfedern D für die beiden Ventile ändern sich je nach der Stärke der
Maschine und der Geschwindigkeit, welche man dem Compressor geben will. Die Rotationsgeschwindigkeiten
können mit dieser neuen Ventilanordnung verdoppelt werden, ohne eine Gefahr für den Compressor befürchten
zu müssen.
4. Die kalteerzeugende Flüssigkeit.
Die beschriebene Anordnung der Maschine arbeitet mit Schwefligsäureanhydrid vollständig
zufriedenstellend; diese Flüssigkeit "giebt aber für die Länder gemäfsigten Klimas bei der
Compression so schwache Spannungen (2 bis Atmosphären), dafs man dieselbe ohne Gefahr
durch eine flüchtige Flüssigkeit ersetzen kann/ die unter gleichen Temperaturverhältnissen
ungefähr 1 Atmosphäre mehr als die schweflige Säure giebt, aber einen 30 bis
5oprocentigen höheren Ertrag als die schweflige Säure liefert.
Diese Flüssigkeit wird durch eine Mischung annähernd gleicher Theile Schwefligsäureanhydrid
und Kohlensäure gebildet; sie ist vollständig beständig, ohne Einwirkung auf
Metalle, vermeidet jedwedes Absetzen und gestattet die Erreichung von 840 Kälte. Die
Herstellung der Flüssigkeit selbst bildet den Gegenstand einer gleichzeitigen Anmeldung.
Claims (4)
1. An Stelle des aufrecht stehenden Gondensators E (Patent No. 3499, Fig. 3) die Anordnung
eines kastenförmigen Condensators, bei welchem die verflüchtigte Flüssigkeit in ein Rohr A geleitet wird, welches durch
schlangenförmige, mit Schweifsnaht versehene Röhren BB1 von einem dem Zuführungsquerschnitt
für die Dämpfe gleichen Gesammtquerschnitt mit einem am Boden des Behälters liegenden Rohr C verbunden
ist, in Combination mit dem verticalen Reservoir H, welches etwaige durch Anwesenheit
fremder Gase hervorgerufene Druckerhöhungen verhindert, Fig. 1.
2. An Stelle des rohrkesselartigen Refrigerators A (Fig. ι und 2, Patent No. 3499) der
in Fig. 2 dargestellte Kühlapparat mit der Anordnung eines verticalen Sammelrohres M,
von dessen oberem Ende ein horizontal liegendes Rohr K und von dessen unterem
Ende ein ebensolches Rohr L absteht, welche Rohre durch horizontale Serpentinen
B Bl verbunden sind, um eine
schnelle Circulation der flüchtigen Flüssigkeit zu erzielen.
3. Zum Zwecke der Vermeidung von Stöfsen die Anordnung der Saug- und Compressionsventile
mit doppelten Federn D und E von verschiedener Federkraft, Fig. 3 und 4.
4. Die Anwendung eines Gemisches von annähernd gleichen Theilen Schwefligsäureanhydrid
und Kohlensäure an Stelle der schwefligen Säure.
Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
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