DE3249C - Kartätschgeschosse für gezogene Geschütze - Google Patents
Kartätschgeschosse für gezogene GeschützeInfo
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Description
1878.
Klasse 72.
W. SIEDERSLEBEN in BERNBURG. Kartätschgeschosse'für gezogene Geschütze.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 30. März 1878 ab.
Ein guter Kartätschschufs soll auf gewisse Entfernungen eine gewisse Scheibenfront mit
einer möglichst grofsen Trefferzahl bedecken. Dieser Zweck wurde bisher am meisten" erreicht
durch den Kartätschschufs aus den früheren glatten Rohren.
Mit Einführung der gewunden gezogenen Systeme büfste derselbe in dem Maafse ein,
als ein Schrotenschufs aus Büchsenrohren dem aus glatten Flintenrohren nachsteht. Eine Kartätsche
soll nämlich sofort nach dem Verlassen des Rohres den sogenannten Streuungskegel
formiren, also sich nicht shrapnelartig gestalten; dieser Streuungskegel mufs aber angemessen
concentrirt sein, damit nicht zu viele Kugeln theils vor dem Ziele im Boden stecken bleiben,
theils darüber hinweggehen, so dafs durch einen kleinen Einfallwinkel ein völliges Bestreichen
des Raumes zwischen Geschütz und Ziel stattfindet. Die jetzt verwendeten Kartätschgeschosse
■ leiden besonders an Fehlern, die diese Wirkung nicht erreichen lassen, sie stauchen und
comprimiren sich beim Stofs, bilden daher, weil die innere dreigespaltene Hülse von nachgiebigem
Metall den Feldern und Zügen des Rohres ihren nach allen Seiten schleuderartig wirkenden Angriff an den warzenartigen Ausbeulungen
gestattet, einen Streuungskegel von höchst ungünstiger Form.
Ferner gestatten sie ein Hervorbrechen einzelner (der vorderen) Kugelschichten schon im
Rohre. Diese Kugeln schlagen an den Ecken der Züge an und werden so höchst unregelmäfsig
von ihrer Bahn abgelenkt. Drittens kommt der grofse Uebelstand hinzu, dafs die Felder und Züge durch Vorprellen und Anschlagen
der Kugeln und Deckel sehr beschädigt werden. Scheiben und Deckel sind eben nur von der äufseren schwachen Hülse
wegen des Zusammenhaltens beim Transport gehalten, beim Stofs der Gase geht alles aufser
Gefüge und drängt und stöfst sich nach Belieben im Rohre. Diese jetzigen Kartätschen
möchten wohl aus glatten Rohren ganz gut wirken, passen aber gar nicht, die schädlichen
Einflüsse, die gewunden gezogene Rohre auf. eine gewöhnliche Kartätsche äufsern, zu paralysiren.
Auch eine mir selbst früher in Preufsen patentirte Kartätsche, die auf alleiniger Anwendung von runden
Zwischenscheiben zwischen je zwei Kugelschichten beruhte, vermochte letztere Uebelstände
nicht völlig zu beseitigen, und erst jetzt ist es mir in diesen neuen Constructionen gelungen,
eine wichtige Verbesserung dieser Geschosse, die durch praktische Schiefsproben sich bereits
bestätigt hat, ins Leben zu rufen.
Meine Kartätschen sind im Gegensatz zu den bisherigen mit etwaiger Doppelhülse so construirt,
dafs die drei- oder viergespaltene starke innere Hülse h mit einem abgerundeten
Winkelrande r über beide Schlufsdeckel d oben und unten etwas (2 bis 3 mm) übergreift bezw. die Deckel^
umschliefst, während unten am Stofsende noch eine dritte besondere Treibscheibe t sich befindet.
Erst um diese Haupttheile als Ganzes legt sich dann die schwächere Hülse (Transporthülse)
H. Die starken Mantelhülsentheile müssen aus Stahlblech bestehen, um sich beim Gasdruck
nicht auszuheulen, und welches aufsen verzinnt oder verzinkt sein kann. Durch die Starrheit
und Widerstandsfähigkeit dieses Materials ist es möglich, dafs die inneren Hülsentheile
den Feldern und Zügen keinen Angriff, also auch keine Drehung des Geschosses gestatten,
und deshalb fungiren sie auch, so hergestellt, als wirkliche Gleitschalen. Dadurch, dafs diese
starken Gleitschalen um die Deckel greifen, ist ohne weiteres klar, dafs das Geschofs im Rohre
sich vorn durch Prellstöfse .nicht öffnen kann, sondern als Ganzes das Rohr verläfst, also auch
einzelne anprallende Kugeln das Rohr nicht schädigen können.
Aufserhalb findet dann erst die sofortige Enthülsung statt, da die Schalen durch die Rohrwände
nicht mehr unterstützt werden, sondern dem Drängen der Kugeln nachzugeben im Stande
sind, nachdem die leichte Transporthülse (aber eben nur diese) schon im Rohre in Stücken gegangen
ist. Durch diese geradlinige Uebergleitung der Züge kommt nun ein höchst günstiger Streuungskegel zu Stande, der infolge
der zweckmäfsigen Umhüllung, die den Schufs nach aufsen noch etwas zusammenhält, noch
viel concentrirter ist, als der des früheren Kartätschschusses aus glatten Rohren.
Bei sehr verstärkten Ladungen kann es in Frage kommen, ob selbst gutes Stahlblech bei
einer in der Praxis immerhin beschränkten
Wandstärke völlig glatt und ohne Ausbeulungen beim Schiefsen bleibt. i
Um dem etwaigen Mifsstande, der sofort beim Ausbeulen eintritt, zu begegnen bezw. die Stahl-:
blechgleitschalen zu unterstützen, dient die Con- \ struction Blatt II, III und IV.
Es liegen da die Kugeln säulenartig auf Zwischenspiegeln z, die aber nicht mehr scheibenartig
rund sind, wie bei einer meiner früheren Constructionen, sondern sternförmig, den Kugelschichten
entsprechend, um den Luftwiderstand besser zu überwinden, als die früheren .scheibenartigen.
Die Zwischenspiegel sind unter sich wieder abgesteift entweder durch Kugeln aus unzusammendrückbarem
Metall, zweckmäfsig Eisen (Zink und Hartblei stauchen und deformiren
sich), oder durch eiserne, aus schmiedbarem Gufs bestehende Säulchen s.
In letzterem Falle kann man, was unter Umständen zweckmäfsig ist, selbst Bleikugeln von
weichem Blei verwenden, da die eisernen Säulchen den Druck allein aufnehmen. Auch bei
dieser Construction sind die Hauptmomente, glattes Uebergleiten, geordneter und geschlosse
ner Zustand während des Rohrpassirens, keine Vorpreller und Anschläger und concentrirter
Streuungskegel durch die die Füllung und Deckel umschliefsenden Gleitschalen, die aber
hier durch die innere neue Einrichtung unter-. stützt sind, womöglich in noch höherem Grade
^erreicht.
Die dritte Construction, Blatt IV, zeigt eine Kartätsche mit 12 Schichten zu je 12 Kugeln
von Blei mit Drucksäulchen s nach demselben Princip und deren Füllung besonderen praktischen
Anforderungen angepafst ist, deren wirkliche Verwendbarkeit aber eben nur durch diese
Construction möglich ist.. .. [
Claims (1)
- ; Patent-Anspruch: '.Kartätschgeschosse für gezogene Geschütze, welche auf den Principien der glatten, geradlinigen Uebergleitung und des Zusammenhalts im Rohre durch Umschlüfsgleitschalen in Verbindung .mit der die Unveränderlichkeit des Geschosse^ hinsichtlich Stauchungen und Beulungen beförderjnden inneren Einrichtung basiren, im wesentlichen wie beschrieben und dargestellt.Hierzu 4 Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE3249C true DE3249C (de) |
Family
ID=282302
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT3249D Active DE3249C (de) | Kartätschgeschosse für gezogene Geschütze |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE3249C (de) |
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- DE DENDAT3249D patent/DE3249C/de active Active
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