DE293967C - - Google Patents
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
- M 293967 KLASSE 40 o. GRUPPE
Patentiert im Deutschen Reiche vom 2. Mai 1914 ab.
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Gewinnung von Kupfer aus seinen
Erzen, geröstetem Kupferstein und sonstigen kupferhaltigen Stoffen durch Auslaugen mit
Schwefelsäure zur Bildung einer Kupfersulfatlösung und durch Ausfällen des metallischen
Kupfers aus dieser Lösung mit Hilfe von Schwefeldioxyd unter Erwärmung und Druck
nach der umkehrbaren Gleichung
Es ist bereits von Jumau vorgeschlagen worden, reines Kupfer. aus Kupfersulfatlösungen
durch Erhitzen in Gegenwart von schwef-
*5 liger Säure bei einer Temperatur von über
. 140° auszufällen. Jumau gibt an, daß, je
höher die Temperatur, auch um so höher die erzielte Ausbeute an Kupfer sei, und daß man
bei einer Temperatur von 1900C 75 Prozent
des in den Erzen enthaltenen Kupfers ausfällen könne. Berücksichtigt man jedoch, daß
der bei einer so hohen Temperatur herrschende Druck der Druck des entstehenden Wasserdampfes
und der schwefligen Säure bei dieser Temperatur ist, so ergibt sich ohne weiteres,
daß es im höchsten Grade gefährlich sein würde, das Jumausche Verfahren mit der erwähnten
Ausbeute in dem großen Maßstabe auszuführen, der für die Praxis und die Wirtschaftlichkeit
erforderlich ist.
Die vorliegende Erfindung unterscheidet sich nun von dem Verfahren von Jumau dadurch,
daß mit einer wesentlich geringeren Temperatur und demnach auch bei einem erheblich
geringeren Druck das Kupfer in metallischem Zustande nahezu quantitativ aus den Erzen
gewonnen werden kann. Die Erfindung besteht darin, daß nach dem Auslaugen der Erze in der Lösung und vor der Fällung die
freie Schwefelsäure neutralisiert wird.
Es hat sich gezeigt, daß durch eine solche Neutralisation der freien Säure das Verfahren
des Ausfällens bei einer Temperatur von 1500C vor sich gehen kann, die einen mittleren
Druck des Wasserdampfes und der schwefligen Säure von etwa- 6,8 Atm. ergibt,
wobei aber bei dieser Temperatur im Gegensatz zu dem Verfahren von Jumau eine
nahezu vollständige Gewinnung des metallischen Kupfers erreicht wird. Die angegebene
Temperatur und der zugehörige Druck liegen durchaus innerhalb der Sicherheitsgrenzen des
praktischen Betriebes.
Eine weitere Neuerung des vorliegenden Verfahrens liegt noch darin, daß die Konzentration
der Kupfersulfatlösung einen bestimmten Prozentsatz nicht überschreitet. Es ist für das vorliegende Verfahren deshalb wichtig,
daß die Kupfersulfatlösung nicht mehr als 3 Prozent Kupfer enthält.
Zur Ausführung des Verfahrens löst man das Erz durch Rühren oder Berieseln mit einer
3,6 prozentigen Schwefelsäure mit oder ohne
Luftzuführung. Während des Auslaugens sinkt die Menge der in dem Kupfersulfat enthaltenen
freien Säure bis zu ι Prozent freier Säure.
Diese freie Säure wird mit einer berechneten Menge von Calciumcarbonat oder gewöhnlichem
Kalkstein oder irgendeinem anderen basischen Stoff neutralisiert. Bildet die zugegebene
Base ein unlösliches Sulfat ·— was
ίο z. B. bei Zugabe von Calciumcarbonat der
Fall ist —, so filtriert man die Lösung vom gebildeten Niederschlag ab oder scheidet den
Niederschlag auf irgendeine andere bekannte Weise aus der Lösung aus. Ist nun die
Kupfersulfatlösung neutral und enthält 1,5 Prozent Kupfer, so wird sie nach dem Absorptionsturm
geleitet. Schweflige Säure (z. B. die schweflige Säure aus den Abgasen des
Schmelzprozesses) wird daraufhin in die Kupfer-
zo lösung geleitet, und zwar so lange, bis die gewünschte Konzentration (1,5 Prozent) an schwefliger
Säure zum Fällen des in der Lösung enthaltenen Kupfers erreicht wird. Nun wird die
Lösung in einen oder mehrere Fällbottiche gepumpt; der Bottich wird beispielsweise aus
Eisen hergestellt und mit Blei ausgekleidet und muß für höheren Druck widerstandsfähig
sein. Diesem Gefäß wird nun auf irgendeine Weise Wärme zugeführt, bis die Temperatur
150° C und der Druck etwa 6,8 Atm. erreicht haben. Sind die Temperatur- und Druckbedingungen
erfüllt, so wird der Druck aufgehoben, die Bottiche entleert und die heiße
Lösung auf ein Filter gebracht; das Filtrat fließt zum nochmaligen Auslaugen zurück.
Die Lösung ist sehr leicht filtrierbar, und das Kupfer verbleibt auf dem Filter in fein, verteilter
Form und kann entweder geschmolzen in Form von Stangen oder zusammengepreßt für Anoden in den Handel gebracht werden.
In diesem typischen Beispiel sind die Bedingungen zur Erzielung der bestmöglichen
Resultate angeführt. Man hat nämlich gefunden, daß sich am besten eine Lösung von
6 Prozent Cu S O4-5 H2O (enthält 1,5 Prozent
Kupfer) bei einem Druck von 6,8 Atm. und einer Temperatur von etwa 150 ° C zu diesem
Zwecke eignet. Es ist üblich, die Stärke der Lösung bis zu 3 Prozent Kupfermetall zu erhöhen.
Die Behandlung der aus dem Laugebottich kommenden Lösung mit den zur Neutralisation
nötigen Mengen von Calciumcarbonat oder einer anderen Base, ferner die Temperatur- und
Druckverhältnisse sowie die Konzentration der Schwefligsäurelösung, entsprechend dem Gehalt
an Kupfer der Kupfersulfatlösung, bestimmen den Verlauf der Fällung und verursachen
die Bildung eines Niederschlages von etwa 100 Prozent fein verteiltem Kupfer.
Die Menge der schwefligen Säure, die für die Kupferlösung bestimmt ist, ändert sich
nach dem Gehalt an Kupfer der Kupfersulfatlösung, d. h. die Konzentration der Schwefligsäurelösung
in Gewichtsprozenten ausgedrückt darf die Konzentration der Kupfersulfatlösung, ebenfalls in Gewichtsprozenten ausgedrückt,
nicht wesentlich übersteigen.
Im Anschluß daran sei erwähnt, daß eine Kupfersulfatlösung, deren Gehalt an Kupfer
mehr als 6 Prozent Cu S O4 · 5 H2 O beträgt,
durch eine Schwefligsäurelösung als Kupfermetall niedergeschlagen werden kann, wenn
die Lösung vorher mit Calciumcarbonat oder irgendeiner anderen Base neutralisiert ist.
Jedoch ist in diesem Falle die Abscheidung des Metalls keinesfalls vollständig. Bei Anwendung
einer Temperatur von über 150 ° C und eines Druckes von über 7 Atm. kann
zwar eine vollständige Abscheidung des Kupfers stattfinden, jedoch besteht der Niederschlag
nur zum Teil aus metallischem Kupfer und enthält größere Mengen von Oxyd, Sulfit und
Sulfid des Kupfers. Unter diesen Bedingungen kann jedoch die Schwefelsäure regeneriert
werden und zum weiteren Auslaugen der Erze Verwendung finden.
Dieses Verfahren ist hauptsächlich anwendbar zur Gewinnung von Kupfer aus hochprozentigen
Kupfererzen, hauptsächlich aus den Karbonaten, Oxyden und basischen Sulfaterzen.
Die schweflige Säure kann erhalten werden aus den Abgasen des Schmelzprozesses, da der Prozentgehalt solcher Abgase an
schwefliger Säure in der Regel zur Sättigung einer 6 prozentigen Cu SO4 · 5 H2 O-Lösung ausreicht.
Ferner findet dieses Verfahren eine spezielle Anwendung auf die sulfidischen Erze,
da die Überführung dieser Erze in Oxyde vermittels eines Röstprozesses vorgenommen
wird. Man erhält auf diese Weise ohne weiteres die schweflige Säure, welche zur Behandlung
der Lösung notwendig ist. Dann kann dieses Verfahren Verwendung finden bei allen Erzen und sonstigen kupferhaltigen Produkten,
wie z. B. gerösteter Kupferstein usw., in welchem das Kupfer vermittels Schwefelsäure
in Lösung gebracht werden kann. Es ist vorzuziehen, das Auslaugen mit der aus dem Fällbottich kommenden heißen Lösung
vorzunehmen, wobei das maximale Lösungsvermögen ausgenutzt wird und der Prozeß auf diese Weise kontinuierlich wird, ändern
das Filtrat zum nochmaligen Auslaugen wieder Verwendung findet. Nach einiger Zeit kann
diese Lösung, die eine größere Menge von Verunreinigung inzwischen aufgenommen hat
und deswegen auch übel riecht, regeneriert oder in bekannter Weise gereinigt oder durch
eine frische ersetzt werden. Um eine vollständige Lösung zu erzielen, arbeitet man in
der Regel, wie bereits erwähnt, mit einer
3,6prozentigen Schwefelsäurelösung. Der mechanische und chemische Verlust bei diesem
Auslaugeverfahren dürfte sich auf etwa 25 Prozent stellen. Das niedergeschlagene Kupfer
ist durch andere Metalle, wie z.B. Eisen, nicht verunreinigt, da diese unter den gleichen Bedingungen
nicht ausgefällt werden.
Die Fernverbindungen des Eisens, welche in der Lösung zugegen sind, oxydieren auch
schweflige Säure zu Schwefelsäure, die für den Prozeß von Vorteil ist, während andererseits
das verbliebene Ferrosulfat, nachdem es durch Behandlung mit Luft wieder oxydiert ist, ein
vorzügliches Lösungsmittel für Kupfererze ist.
Zu bemerken ist noch, daß die Menge des niedergeschlagenen Kupfers, ausgedrückt in
Gewichtsprozenten, derjenigen Menge von schwefliger Säure, die zum Ausfällen des
Kupfers gebraucht wird, entspricht. Z. B. bei einer Lösung von 1,5 Prozent Kupfer und
einer Menge von schwefliger Säure von 1,5 Prozent beträgt der Niederschlag an metallischem
Kupfer beinahe 100 Prozent des niederzuschlagenden Metalls; wird aber bei einer ebenfalls
1,5 prozentigen Kupferlösung eine nur iprozentige schweflige Säure verwendet, so beträgt das
metallische Kupfer nur 66 Prozent des niederzuschlagenden Metalls. Ist der Prozentgehalt
an schwefliger Säure höher als 1,5 Prozent, so findet zwar eine vollständige Fällung des
in der Lösung vorhandenen Kupfers statt, jedoch besteht dieser Niederschlag aus mehr
oder weniger Oxyd, Sulfit u. dgl.
Claims (5)
- Patent-An Sprüche:i. Verfahren zur Gewinnung von Kupfer aus kupferhaltigen Stoffen durch Auslaugen dieser Stoffe mit Schwefelsäure zur Bildung einer Kupfersulfatlösung und Ausfällen des Kupfers aus der Lösung durch Erhitzen unter Druck in Gegenwart von schwefliger Säure, dadurch gekennzeichnet, daß die in der Lösung enthaltene freie Schwefelsäure nach dem Auslaugen und vor dem Ausfällen neutralisiert wird.
- 2. Verfahren zur Gewinnung von Kupfer nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß eine Kupfersulfatlösung mit einem Gehalt von etwa 1,5 Prozent Kupfer Verwendung findet.
- 3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Kupfersulfatlösung mit schwefliger Säure bei einem Druck von etwa 6,8 Atm. auf ungefähr 150° C erhitzt wird.
- 4. Verfahren zur Gewinnung von Kupfer nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die kupferhaltigen Stoffe mit einer etwa 3,6prozentigen Schwefelsäure behandelt werden, so daß die entstehende Kupfersulfatlösung nicht mehr als 1 Prozent freier Schwefelsäure bei der nachfolgenden Neutralisation enthält.
- 5. Verfahren zur Gewinnung von Kupfer nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man das bei dem Ausfällen entstehende Filtrat, das im Verhältnis zum ursprünglichen Kupfergehalt nur einen geringen Prozentsatz an Kupfer enthält, wieder benutzt, um die Ausgangsstoffe nochmals zu behandeln, diesen Vorgang wiederholt und schließlich den Ausgangsstoff mit neuer Lauge wäscht, bis er praktisch vollständig ausgelaugt ist.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE293967C true DE293967C (de) | 1900-01-01 |
Family
ID=548581
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT293967D Expired DE293967C (de) |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE293967C (de) |
Cited By (3)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE1102412B (de) * | 1955-06-29 | 1961-03-16 | Basf Ag | Verfahren zur Trennung des Kupfers von Nickel, Kobalt und Eisen |
| US7041865B2 (en) | 2001-06-21 | 2006-05-09 | Shell Oil Company | Process for the isomerization of an olefin |
| US7078579B2 (en) | 2001-06-21 | 2006-07-18 | Shell Oil Company | Process for the isomerization of a vinylidene olefin |
-
0
- DE DENDAT293967D patent/DE293967C/de not_active Expired
Cited By (3)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE1102412B (de) * | 1955-06-29 | 1961-03-16 | Basf Ag | Verfahren zur Trennung des Kupfers von Nickel, Kobalt und Eisen |
| US7041865B2 (en) | 2001-06-21 | 2006-05-09 | Shell Oil Company | Process for the isomerization of an olefin |
| US7078579B2 (en) | 2001-06-21 | 2006-07-18 | Shell Oil Company | Process for the isomerization of a vinylidene olefin |
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