Aus Kunststoff bestehende medizinische Vorrichtung, z. B.
Einheiten zur Verabreichung von intravenösen Lösungen,
Blut und dgl. aus einem Behälter an einem Patienten
bestehen oftmals aus plastifizierten Polyvinylchloridmassen
und dgl.
Es besteht jedoch ein Bedarf, die verschiedensten Einheiten
zur Verabreichung parenteraler Lösungen und sonstige Vor
richtungen zur Verwendung auf medizinischem Gebiet aus bieg
samen, durchsichtigen und durch Bestrahlung zu sterilisieren
den Kunststoffen zu fertigen, um auf diese Weise die Vorteile
dieser Sterilisationstechnik ausnutzen und auf die solchen
(geeigneten) Kunststoffen eigenen guten Eigenschaften, z. B.
Hitzebeständigkeit, Durchsichtigkeit, niedrigen Modul und
Verschweißbarkeit durch dielektrisches Erwärmen sowie Ab
dichtbarkeit bzw. Verschweißbarkeit durch Lösungsmittel,
zurückgreifen zu können.
Darüber hinaus sollten aus dem betreffenden Material ge
fertigte Schlauchstücke zweckmäßigerweise unverdrehbar
sein.
Es ist bekannt, daß Äthylen/Vinylacetat-Mischpolymerisate
die erforderliche Beständigkeit gegen Sterilisieren durch
Bestrahlung aufweisen, so daß auf diese Weise die Anwendung
dieser Sterilisationstechnik bei der großtechnischen Her
stellung medizinischer Geräte möglich wird.
Es gibt jedoch noch keine Massen, die sich in der erwünschten
Weise durch das Vorhandensein des gesamten Bereichs der ge
nannten Eigenschaften auszeichnen.
Erfindungsgemäß wird nun dem Fachmann eine Äthylen/Vinyl
acetat-Mischpolymerisatmasse an die Hand gegeben, in der
gleichzeitig sämtliche genannten Eigenschaften ver
wirklicht sind und die sich darüber hinaus durch eine gute
Stabilität unter bei der Sterilisierung durch Bestrahlung
herrschenden Bedingungen auszeichnet. Aus dieser Masse
lassen sich Einheiten zur Verarbeitung von parenteralen
Lösungen und Blut sowie sonstige medizinische Geräte
herstellen. Diese Einheiten oder sonstigen medizinischen
Geräte zeichnen sich durch optimale Materialeigenschaften
und Sterilisierbarkeit durch Bestrahlen aus.
Gegenstand der Erfindung ist somit eine thermoplastische Masse,
die besteht aus
- a) 75 bis 90 Gew.-% eines ersten Äthylen/Vinylacetat-
Mischpolymerisats mit 22 bis 30 Gew.-% Vinylacetat
einheiten, das einen Schmelzindex von 0,5 bis 10
aufweist und
- b) 10 bis 25 Gew.-% eines zweiten Äthylen/Vinylacetat-
Mischpolymerisats mit 25 bis 40 Gew.-% Vinylacetat
einheiten, das einen Schmelzindex von 20 bis 1000
aufweist.
Unter "Schmelzindex" ist die gemäß der US-Standardvor
schrift ASTM D 1238, Bedingung E zu verstehende Schmelz
flußgeschwindigkeit zu verstehen.
Die erfindungsgemäße Masse besitzt eine für medizinische
Zwecke angemessene Wärmebeständigkeit, um im Autoklaven
behandelt werden zu können, und darüber hinaus eine gute
Durchsichtigkeit und einen relativ niedrigen Modul.
Sie läßt sich weiterhin bei ihrer Verarbeitung zu Einheiten
zur Verabreichung von Blut oder sonstigen Lösungen oder anderen
medizinischen Geräte, z. B. Blut- oder Lösungsbeuteln und dgl.,
auf dielektrischem Wege oder mit Hilfe von Lösungsmitteln
verschweißen. Wenn die Masse zu Schlauchstücken geringer
Innenweite verarbeitet ist, kommt es anders als bei be
kannten Äthylen/Vinylacetat-Mischpolymerisatmassen nicht zu
einem Verdrehen der Schlauchstücke.
Wenn der zweite Mischpolymerisatbestandteil weniger als
35 Gew.-% Vinylacetateinheiten aufweist, sollte sein
Schmelzindex mindestens 30 betragen. Obwohl der Schmelz
index des zweiten Mischpolymerisatbestandteils unter bestimmten
Umständen 400 übersteigen kann, sollte er in der Regel
nicht mehr als 400 betragen.
Wenn der zweite Mischpolymerisatbestandteil einen relativ hohen
Gehalt an Vinylacetateinheiten (in der Größenordnung von
25 bis 40 Gew.-%) enthält, kann sein Schmelzindex bis zu
etwa 20 heruntergehen oder ggf. auch hoch sein.
Allgemein gilt für den zweiten Mischpolymerisatbestandteil,
daß bei geringem Vinylacetatgehalt (in der Größenordnung von
25 Gew.-%) in der Regel der Schmelzindex höher sein soll.
Andererseits kann bei höherem Vinylacetatgehalt (bis zu
etwa 40 Gew.-%) ggf. ein Material niedrigeren Schmelzindex
verwendet werden.
Bei dem erfindungsgemäß verwendeten ersten Mischpolymerisat
handelt es sich um ein hochschmelzendes, festes, biegsames
und strukturell plastisches Material, das (für sich alleine)
jedoch bestimmte Nachteile aufweist. Solche Nachteile sind
fehlende Löslichkeit in Lösungsmitteln und ein hohes Molekular
gewicht. Beide Nachteile stören die Siegelbar- bzw. Ver
schweißbarkeit sowohl mit Lösungsmitteln als auch durch Er
wärmen. Ferner besitzt dieses Material eine Verdrehneigung,
wenn es zu Schlauchstücken mit gegringer Innenweite extrudiert
wird.
Erfindungsgemäß wird in der Mischung der zweite Mischpolymerisat
bestandteil als stärker in Lösungsmitteln löslicher Bestand
teil verwendet, um der Masse eine verbesserte Verschweißbar
keit zu verleihen. Gleichzeitig läßt sich hierdurch neben
anderen Vorteilen auch das Verdrehproblem vermindern. Der
zweite Mischpolymerisatbestandteil wird dadurch ausgewählt,
daß er sich mit dem ersten Mischpolymerisatbestandteil hin
reichend verträgt, damit die Masse als Ganzes die geschilderten
Vorteile aufweist und darüber hinaus durchsichtig bleibt.
Diese thermoplastische Masse
kann ohne merkliche Eigenschaftseinbuße
mit Hilfe von γ- oder β-
Strahlen sterilisiert werden.
In der Masse sind zweckmäßigerweise etwa 77 bis 85% des
ersten Mischpolymerisats und eine entsprechende Menge
des zweiten Mischpolymerisats enthalten. Insbesondere dann,
wenn der Vinylacetatgehalt des ersten Mischpolymerisats
25 bis 30 Gew.-% beträgt, besitzt es einen Schmelzindex
von zweckmäßigerweise 1 bis 5, insbesondere 1 bis 2.
Das zweite Mischpolymerisat kann unter diesen Umständen
vorzugsweise einen Vinylacetatgehalt von 30 bis 35 Gew.-%
und einen höheren Schmelzindex, beispielsweise einen
solchen von 35 bis 50, aufweisen.
Die Masse
kann vorzugsweise aus 80 Gew.-% des ersten Äthylen/Vinylacetat-
Mischpolymerisats mit 28 Gew.-% Vinylacetateinheiten und
einem Schmelzindex von 1,3 bis 20 Gew.-% des zweiten Äthylen/
Vinylacetat-Mischpolymerisats mit 33 Gew.-% Vinylacetatein
heiten und einem Schmelzindex von 43 bestehen.
Zur Zubereitung einer erfindungsgemäßen thermoplastischen
Masse können die beiden Bestandteile in üblicher Weise mit
einander gemischt werden. Die hierbei erhaltene Masse läßt sich
zu Schläuchen oder sonstigen Formteilen in homogener
Form extrudieren. Die beim Extrudieren erhaltenen Schlauchstücke
sind klar, biegsam und mit Hilfe von Lösungsmitteln ver
schweiß- oder verbindbar. Darüber hinaus weisen sie auch noch
die sonstigen beschriebenen Vorteile auf.