DE2928832C2 - Verfahren zum Reinigen von Wärmeaustauschern - Google Patents
Verfahren zum Reinigen von WärmeaustauschernInfo
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Description
40
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Reinigen der Wände von Wärmeaustauschern oder
Reaktionsgefäßen gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
Seit langem bereits kennt der Fachmann zahlreiche, häufig nicht überwindbare Schwierigkeiten, die auftreten,
wenn die wesentlichen Eigenschaften von Wärmeaustauschern in Reaktionsbehältern aufrechterhalten
werden sollen. Auf den Wänden dieser Wärmeaustauscher tritt häufig eine parasitäre Phase auf. So bilden
sich im Falle des Aufschlusses von Erzen während des Aufschlußvorganges Krusten, die häufig sehr schwer zu
entfernen sind. Da diese Krustenbildungen eine sehr nachteilige Entwicklung der grundlegenden Eigenschaften
und Merkmale der Wärmeaustauscher und der Aufschlußreatoren bewirken, sind bereits zahlreiche
mehr oder weniger glückliche Versuche unternommen worden, um die Wärmeaustauscher und Aufschlußreaktoren
zu reinigen und die abgeschiedenen Krusten zu entfernen. * bo
Zu den am weitesten entwickelten klassischen Lösungen, die zur Bekämpfung dieses Vorgangs
bekannt und in der Fachliteratur beschrieben sind, gehört ein erster Typus von Reinigungsverfahren, bei
denen die Wände, die behandelt werden sollen, mechanisch entkrustet werden durch" energisches
Abkratzen, Einwirkung von Stößen oder Schocks, Vibrationen, durch Bürsten, Sandstrahlen usw. oder
auch durch eine kombinierte Wirkung derartiger Mittel.
Ein anderer Typus von Reinigungsverfahren besteht darin, daß die Wände des Reaktionsgefäßes chemisch
behandelt und die auf diesen abgeschiedenen Krusten in Lösung gebracht oder zersetzt werden. So hat man
beispielsweise versucht die mit Krusten, welche sich bei Aufschlußtemperaturen oberhalb 1800C bilden, bedeckten
Wände dadurch zu reinigen, daß man in dem Reaktionskessel eine Lösung aus Salzsäure und
Fluorwasserstoffsäure bei relativ hoher Temperatur umlaufen läßt
Ein solches Verfahren bringt zwar eine wesentliche Verbesserung gegenüber der bis dahin bekannten
Arbeitsweise. Es hat sich aber gezeigt, das es nicht universell auf alle Arten von Reaktionsgefäßen
angewandt werden kann. In Versuchen hat sich nämlich gezeigt daß die chemische Wirkung des Säurepaares
alleine durchaus nicht für eine vollständige Entfernung der Krusten ausreicht Es erwies sich deshalb als
notwendig, die chemische Wirkung dieses Säurepaares mit einer mechanischen Wirkung durch Einspritzen von
Wasser unter Hochdruck zu kombinieren. Dieses Verfahren erweist sich somit als eine Kombination von
zwei Mitteln chemischer und mechanischer Natur; es wird entsprechend dem Prinzip der Kolbenströmung
angewandt und ist daher lediglich für Rohrreaktoren brauchbar.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Reinigungsverfahren der eingangs genannten Art zu
schaffen, das auf chemischem Wege ohne Unterstützung mechanischer Hilfsmittel eine wirkungsvolle Reinigung
der Wärmeaustauschflächen gewährleistet.
Dies wird erfindungsgemäß dadurch erreicht, daß man eine wäßrige Behandlungslösung anwendet, die 3
bis 30 Gew.-% Kieselfluorwasserstoffsäure und höchstens 10 Gew. % Fluorwasserstoffsäure enthält.
Mit Kieselfluorwasserstoffsäure oder Fluorwasserstoffsäure jeweils alleine in den angegebenen Konzentrationen
wird der angestrebte Reinigungseffekt nicht erreicht. Bei einer Temperatur von 6O0C wurden mit
einer HF-Konzentration von 4 Gew.-% nicht mehr als
5% und mit einer H^SiFeJ-Konzentration von 13
Gew.-% nicht mehr als 30% der vorhandenen Krusten gelöst.
Mit der erfindungsgemäß vorgesehenen Kombination hingegen können bei Behandlungstemperaturen
von 20 bis 8O0C zuverlässig 80 bis 100 Gew.-% der abgeschiedenen Krusten entfernt werden.
Das wirksame Agens für die Auflösung der Krusten ist die Kieselfluorwasserstoffsäure, wobei sich jedoch im
Verlauf der Zeit Kieselsäure abscheidet und die Oberfläche der Krusten passiviert. Durch die Fluorwasserstoffsäure
wird die Kieselfluorwasserstoffsäure regeneriert und die Auflösungsreaktion reaktiviert.
Vorzugsweise soll die wäßrige Lösung 5 bis 15% Kieselfluorwasserstoffsäure und 1 bis 4% Fluorwasserstoffsäure
enthalten.
Der Behandlungslösung kann auch ein Korrosionsschutzmittel zugesetzt werden.
Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens, die es ermöglicht,
die zum Entfernen der Krusten in technischen Anlagen notwendige Zeit zu verkürzen, bringt man zum Auflösen
der abgeschiedenen Krusten zunächst eine wäßrige Behandlungslösung ein, welche lediglich Kieselfluorwasserstoffsäure
enthält, und setzt dieser kontinuierlich im Verlauf der Behandlung Fluorwasserstoffsäure zur
Regenerierung der Kieselfluorwasserstoffsäure zu.
Fluorwasserstoffsäure wird also in dem MaBe zugegeben, in dem die Krusten gelöst werden, so daß die
Konzentration an freier Fluorwasserstoffsäure in der Behandlungslösung für die Abscheidungen so gering wie
möglich und vorzugsweise 0 ist
In der Praxis hat es sich als wünschenswert erwiesen,
daß die Fluorwasserstoffsäure in Form einer konzentrierten wäßrigen Lösung, z.B. bis zu 40 Gew.-%,
zugegeben wird, welche die Regenerierung der Kieselfluorwasserstoffsäure ermöglicht, ohne daß merklich das Volumen der Behandlungslösung in der
technischen Anlage, die gerade entkrustet wird, erhöht
wird.
Da die Auflösung der Krusten gleichmäßig erfolgt,
wird die wäßrige Fluorwasserstofflösung in die technische Anlage, welche gerade gereinigt wird, in
geregelten Mengen eingebracht mit Hilfe beliebiger Vorrichtungen bekannter Bauart, die diesem Zweck
angepaßt sind, beispielsweise mit Hilfe einer Dosierpumpe.
Die Zulaufmenge der wäßrigen Fluorwasserstofflösung wird so geregelt, daß die Konzentration an
Kieselfluorwasserstoffsäure in der Behandlungslösung konstant und praktisch gleich der Konzentration zu
Beginn der Behandlung bleibt.
So bleibt während des gesamten Vorganges der Auflösung der Krusten die Konzentration an SiF6-Ionen
konstant, während lediglich die kontinuierlich zugegebene Fluorwasserstoffsäure verbraucht und diese
kontinuierlich regeneriert wird. Es können daher mehrere Arbeitsgänge der Auflösung der abgeschiedenen Krusten mit der gleichen Reinigungslösung
durchgeführt werden, wobei jedesmal die Lösung eingesetzt wird, die aus einem vorangegangenen
Reinigungsvorgang stammt und deren Konzentration durch Zugabe von Fluorwasserstoff neu eingestellt
worden ist.
Die folgenden Beispiele zeigen deutlich die synergistische Wirkung des Säurepaares HF und H2[SiF6] in
wäßriger Lösung, wenn dieses Säurepaar zum Auflösen von krustenartigen Ablagerungen eingesetzt wird.
Beispiel 1 erläutert die Wirkung von Fluorwasserstoff alleine.
Beispiel 2 erläutert die Wirkung von Kieselfluorwasserstoffsäure.
Beispiel 3 zeigt die synergistische Wirkung des Säurepaars HF und H2[SiF6].
Beispiel 4 bestätigt die synergistische Wirkung des Säurepaars bei anderen Konzentrationen.
Beispiel 5 zeigt den Einfluß der Temperatur auf den kinetischen Ablauf der Auflösung der Krusten.
In einer technischen Versuchsanlage wurden 50 kg Krusten, die bei der mechanischen Reinigung einer
industriellen Anlage angefallen waren, behandelt. Die Krusten wiesen folgende Zusammensetzung auf:
TiO2
CaO
Fe2O3
Al2O3
SiO2
Na2O
-I- Verschiedenes
mittlere Schichtdicke 4 mm.
42,0Gew.-%
22,8 Gew.-%
9,0Gew.-%
12,8Gew.-%
l,7Gew.-%
3,9Gew.-%
7,8 Gew.-%
Es wurden 1,5 m3 Fluorwasserstoffsäure zugegeben,
die 4 Gew.-% HF enthielt
Die Temperatur wurde 7 Stunden bei 60°C gehalten und das Gemisch gerührt Nach Ablauf dieser Zeit
waren 1,16 kg T1O2 in Lösung gegangen; dies entsprach
einer Aufschluß-Ausbeute von 5,5%; die Krustenschicht
war praktisch unverändert (nicht aufgeschlossen) geblieben.
B e i s ρ i e! 2
Es wurden 50 kg Krusten gleicher Herkunft wie in Beispiel 1 behandelt, in der gleichen Versuchsanlage und
unter Einhaltung der gleichen Bedingungen hinsichtlich Zeit und Temperatur, mit 1,5 m3 einer wäßrigen
η Kieselfluorwasserstoffsäure, Konzentration 13,1
Gew.-%.
Nach beendeter Aufschlußzeit waren 63 kg TiO2 in
Lösung gegangen, entsprechend einer Ausbeute bzw. einmal Anteil von 30%.
Das Aussehen der Krusten hatte sich verändert: An der Oberfläche war ein weißer Niederschlag entstanden,
der sich in der Analyse als Kieselsäure erwies.
unter Einhaltung der gleichen Bedingungen hinsichtlich Zeit und Temperatur und zwar mit 1,5 m3 einer
wäßrigen Lösung, die 1,94 Gew.-% HF und 6,52 Gew.-%
H2[SiF6] enthielt.
Nach beendetem Aufschluß waren 17,0 kg TiO2 in
Lösung gegangen, entsprechend einer Ausbeute bzw. einem Anteil von 81%. Die Schichtdicke der noch
vorhandenen Krusten betrug im Mittel weniger als
1 mm.
Die wäßrige Lösung, die das Gemisch aus HF und
H2SiF6 enthielt, zeigte somit ein synergistisches Vermögen bei der Auflösung der steinartigen Krusten im
alleine.
Es wurden 50 kg Krusten gleicher Herkunft wie in Beispiel 1 behandelt, in der gleichen Versuchsanlage und
unter den gleichen Bedingungen hinsichtlich Zeit und Temperatur. Als Aufschlußlösung wurden 1,5 m3 wäßrige Lösung eingesetzt, die 3,88 Gew.-% HF und 13,04
so GeW^zOH2[SiF6] enthielt.
Am Ende der Aufschlußzeit waren 20,5 kg TiO2 in
Lösung gegangen, entsprechend einer Ausbeute bzw. einem Anteil von 97,5%.
Die noch übrig gebliebenen Krustenreste waren vollkommen zerfallen und hatten das Aussehen eines in
der Lösung suspendierten Pulvers.
Durch Erhöhung der Konzentration der Aufschlußlösung an HF und H2[SiF6] lassen sich die Ausbeuten bei
der Auflösung der Krusten, die entfernt werden sollen, verbessern.
Nachdem beobachtet worden war, daß das Gemisch aus HF und H2[SiF6] ein synergistisches Vermögen
b5 hinsichtlich der Auflösung der im wesentlichen titanhaltigen Krusten bzw. Abscheidungen entfaltete, wurde der
Einfluß der Temperatur auf die Reaktionskinetik untersucht.
Hierzu wurden 45 kg Krusten in einer Versuchsanlage behandelt, und zwar mit einer wäßrigen Lösung, die
ein Gemisch aus 1,94 Gew.-% HF und 6,52 Gew.-% H2[SiF6] enthielt
Die Krusten, die aufgeschlossen werden sollten, hatten folgende Zusammensetzung:
TiO2 CaO Fe2O1 Al2O3 SiO2
Na2O
28,1 Gew.-%
16,1 Gew.-%
ll,7Gew.-%
183Gew.-%
8,7 Gew.-%
8,2 Gew.-°/o
+ Verschiedenes 8,9Gew.-%
das Volumen der Aufschlußlösung betrug 1,4 m3.
Die Untersuchungen wurden bei drei Temperaturen durchgeführt: 25° C, 600C und 800C
Es wurden während des Aufschlusses Proben entnommen, um die Ausmaße der Reaktion zu
bestimmen.
Alle Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle zusammengefaßt; das Reaktionsausmaß ist durch die
Menge in Gew.-% an TiO2 wiedergegeben, die in
Lösung gegangen ist
Zeit h
Aufschlußtemperatur 0C 25
80
0,5 1 2 3 4 6 7 8 24
keine Probenahme 6,2% 11,6%
keine Probenahme 26,9%
keine Probenahme keine Probenahme 51,6% 77,2% Ende des Versuchs keine Probenahme
keine Probenahme
Ende des Versuchs
67,2%
80,2%
91,1%
93,1%
Ende des Versuchs
Die Tabelle zeigt, daß bei Temperaturerhöhung die Reaktionsgeschwindigkeit zunimmt.
Das beschriebene Reinigungsverfahren ist aber nicht nur in kleinem Maßstab - wie an Hand der Beispiele 1
bis 5 erläutert - zur Beseitigung von etwa 50 kg Krusten geeignet, sondern auch zur Beseitigung von z. B. 2 t
Ablagerungen.
Claims (6)
1. Verfahren zum Reinigen der Wände von Wärmeaustauschern oisr Reaktionsgefäßen von
titanhaltigen. und ggf. aluminiumsiücatischen Krusten aus dem Aufschluß von Erzen, dadurch
gekennzeichnet, daß man eine wäßrige Behandlungslösung anwendet, weiche 3 bis 30
Gew.-% Kieselfluorwasserstoffsäure und höchstens 10 Gew.-% Fluorwasserstoff enthält
2. Reinigungsverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Behandlungslösung 5 bis 15
Gew.-% Kieselfluorwasserstoffsäure und 1 bis 4 Gew.-% Fluorwasserstoff enthält
3. Reinigungsverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man zunächst eine wäßrige
Behandlungslösung einbringt, welche lediglich Kieselfluorwasserstoffsäure
enthält, und dann kontinuierlich im Verlauf der Behandlung Flußsäure zur
kontinuierlichen Regenerierung der Kieselfluorwasserstoffsäure zusetzt
4. Reinigungsverfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet daß man der Behandlungslösung
ein Korrosionsschutzmitttel zusetzt
5. Reinigungsverfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet daß man die
Behaiidlungslösung mit einer Temperatur zwischen 20 und 80° C anwendet
6. Reinigungsverfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Reinigungslösung aus
einem vorherigen Reinigungsvorgang durch Zugabe von Fluorwasserstoffsäure zur Weiterverwendung
auffrischt.
35
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