DE212694C - - Google Patents
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Description
- i V
KAISERLICHES
PATENTAMT
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung eines Ätzgrundes für Luftspitzen. Luftspitzen werden bisher im großen
derart hergestellt, daß die Stickerei mit Baumwolle auf einem Wollstoff vorgenommen wird,
der nach Fertigstellung der Stickerei durch Kochen mit Natronlauge unter Druck zerstört
wird, so daß die baumwollene Stickerei allein zurückbleibt.
ίο Es ist ferner versucht worden, den kostspieligen
Wollstoff, der bei diesem Verfahren . verloren geht, durch wohlfeileren Baumwollstoff
zu ersetzen. Da Luftspitzen in den meisten Fällen aus Baumwolle hergestellt werden, handelt es sich darum, den gleichfalls
aus Baumwolle herzustellenden Ätzgrund derartig zu präparieren, daß bei einer nach
dem Sticken vorzunehmenden Nachbehandlung zwar der Ätzgrund in gewünschter Weise zerstört,
nicht aber die Baumwollspitze selbst angegriffen oder gar zerstört wird.
Es ist bekannt, Baumwollstoff mit Schwefelsäure oder Chlorsäure zu imprägnieren, um
ihn dann als Ätzgrund für Luftspitzen zu benutzen. Die Verwendung derartiger Säure
hat aber den Nachteil, daß der Stoff sich nur kurze Zeit nach dem Imprägnieren hält, dann
aber so mürbe wird, daß er nicht mehr bestickt werden kann, weil er beim Einspannen
in die Stickmaschine reißt. Die Zugfestigkeit leidet infolge der Einwirkung der Säuren schon
bei gewöhnlicher Temperatur, so daß nur ein sehr schnelles Verarbeiten des Stoffes möglich
ist.
Nach vorliegendem Verfahren wird nun Baumwollstoff mit neutralen, spaltbaren, nicht
hygroskopischen Sulfaten, wie z. B. Aluminiumsulfat, Kupfersulfat, Kaliumchromsulfat, Ferrosulfat,
Kaliumaluminiumsulfat o. dgl. imprägniert. Diese Sulfate greifen den Ätzgrund
praktisch gar nicht an, so daß es möglich ist, fertig imprägnierten Ätzgrund . auf Vorrat
herzustellen, zu lagern und zu transportieren, ohne daß eine vorzeitige Zerstörung wie bei
der Säureimprägnierung stattfindet. Dieser so vorbereitete Ätzgrund wird in der üblichen
Weise mit der Stickmaschine bestickt. Darauf wird die Stickerei mit dem Ätzgrund zusammen
erhitzt, wodurch das oder die verwendeten Sulfate sich spalten. Die Faser des
Ätzgrundes wird zerstört und kann in bekannter Weise durch Ausschlagen mit Bürsten
oder in anderer Weise von der Stickerei entfernt werden.
Der präparierte Baumwollstoff kann, ohne seine Haltbarkeit zu verlieren, monatelang
aufbewahrt -Werden. Seine Widerstandsfähigkeit gegen feuchte Luft ist so groß, daß er
auch in Räumen mit feuchter Luft verarbeitet werden kann; dies ist bei säureimprägnierten
Stoffen vollständig ausgeschlossen. Wichtig ist auch der Umstand, daß der nach vorliegendem
Verfahren imprägnierte Baumwollstoff die Stickmaschinen bzw. Nadeln nicht zum Verrosten bringt, wie dies bei Säureimprägnation
stets der Fall ist.
Es ist bekannt, Wolle zu »karbonisierend und mit solchen Stoffen zu behandeln, welche
Claims (1)
- die pflanzlichen Verunreinigungen (Kletten, Strohteile, Baumwoll- oder Leinenfasern) zerstören, nicht aber die Wollfasern wesentlich angreifen. Als derartige Karbonisierungsmittel sind u.a. auch salzsaure und schwefelsaure Salze vorgeschlagen worden (L ο ebner, Die Karbonisation, 1890, S. 46 oben). Diese Salze, welche, wie der Verfasser anführt, die Eigenschaft haben, ■ getrocknet schnell wieder Wasser aus der Luft anzuziehen, müssen, wie der Verfasser, angibt, theoretisch alle die Karbonisationswirkung haben. . Als besonderes Beispiel wird Kochsalz angegeben und von diesem angeführt, daß es bekanntlich begierig Feuchtigkeit aufsauge. Alle diese salzsauren oder schwefelsauren Salze mögen in der Allgemeinheit, wie es Loebner angibt, zur Karbonisierung von Wolle geeignet sein, weil dabei kein weiteres Erfordernis an die Imprägnierungsmittel gestellt wird, als daß sie die pflanzlichen Verunreinigungen möglichst energisch zerstören, dagegen die Wolle möglichst wenig angreifen.Bei der Fabrikation eines baumwollenen Ätzgrundes für baumwollene Spitzen ist aber sorgfältig darauf Rücksicht zu nehmen, daß eine vorzeitige Zerstörung des Ätzgrundes nicht stattfindet, und daß vor allem jede schädigende Einwirkung der Imprägnierungsmittel auf die Stickerei selbst, die in den meisten Fällen aus Baumwolle besteht, aber auch gefärbte Kunstseide u. dgl. sein kann, unterbleibt.Es wurde nun festgestellt, daß neutrale, nicht hygroskopische, spaltbare Sulfate sich vorzüglich zur Herstellung eines baumwollenen Ätzgrundes für baumwollene Luftspitzen eignen. Die Sulfate vermögen den mit ihnen imgrägnierten Ätzgrund bei einer Erhitzung auf genügende Temperatur, beispielsweise 120 ° C, mit genügender Geschwindigkeit zu zerstören, so daß eine Trennung des Ätzgrundes von der Stickerei leicht möglich ist. Andererseits unterbleibt jede Einwirkung der Imprägnierungsmittel auf die eigentliche baumwollene Stickerei. Insbesondere kann auch das bei den zum Karbonisieren von Wolle empfohlenen hygroskopischen Salzen unausbleibliche Hinüberwandern des Imprägnierungsmittels auf die nicht zu zerstörende Faser unter dem Einfluß der Luft nicht eintreten, so daß also trotz genügender Ätzwirkung auf den Baumwollgrund die Baumwollstickerei nicht angegriffen wird.Diese Eigenschaft des Ätzgrundes ist sehr wichtig, um so mehr, als es nach vorliegendem Verfahren gelingt, Stickereien aus Baumwolle, Kunstseide oder sonstigen Fäden auf allerzartesten Geweben, beispielsweise feinem Baumwolltüll, dadurch herzustellen, daß der Tüll auf den Ätzgrund aufgelegt und nun Tüll und Ätzgrund gemeinschaftlich bestickt wird. Nach der Fertigstellung dieser Tüllstickerei läßt sich der Ätzgrund durch Erhitzen vollständig zerstören, ohne daß selbst das feine Gewebe des Tülls angegriffen wird.Durch Verwendung eines nach vorliegendem Verfahren hergestellten Ätzgrundes ist es ferner möglich, beispielsweise Stickereien von Kunstseide auf Metalltüll, welche von außerordentlich reizvoller Wirkung sind, herzustellen, ohne daß das Imprägnierungsmittel des Ätzgrundes das Metall oder die Kunstseide angreift oder verfärbt. Es ist ausgeschlossen, derartige Stickereien, bei denen Metallfäden verwendet werden, auf wollenem Ätzgrund oder aber nach den bekannten Verfahren auf mit Säure imprägniertem baumwollenen Ätzgrunde herzustellen, ohne daß unliebsame Verfärbungen eintreten.Ein weiterer Vorzug des vorliegenden Verfahrens liegt darin, daß die Stickereien genau ihre einmal auf der Maschine hergestellte Form behalten. Die einzelnen Stiche der ausgeätzten Stickerei liegen in genau derselben Entfernung, mit der sie hergestellt worden sind, da das Ausätzen keinerlei Schrumpfung des baumwollenen Stickfadens mit sich bringt, wie es beim Ausätzen des Wollstoffes durch Natronlauge eintritt. ■Die Imprägnierung erfolgt beispielsweise derart, daß der Baumwollstoff mit einer I5prozentigen Lösung von Aluminiumsulfat getränkt, gefärbt und bei niederer Temperatur (etwa 25 bis 30 ° C.) getrocknet wird Dieser Stoff hält sich viele Monate und kann deshalb während einer derartigen langen Zeit beliebig zum Sticken benutzt werden. Nach dem Besticken wird der Stoff auf etwa 1200C. erhitzt, wodurch der Stoff zerstört wird und nun in bekannter Weise durch Ausschlagen mit Bürsten oder in anderer Weise von der eigentlichen Stickerei entfernt werden kann.Ρλ τ ι·: ν τ -Anspruch:Verfahren zur Herstellung eines haltbaren Ätzgrundes für Luftspitzen durch Imprägnieren von Baumwollstoff oder Stoff aus sonstigen pflanzlichen Fasern mit einem Ätzmittel, dadurch gekennzeichnet, daß neutrale, spaltbare, nicht hygroskopische Sulfate (Aluminiumsulfat, Kupfersulfat, Kaliumchromsulfat, Ferrosulfat, Kaliumaluminiumsulfat o. dgl.) als Ätzmittel benutzt werden.
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| DE1907212694D Expired - Lifetime DE212694C (de) | 1907-10-12 | 1907-10-12 |
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