-
Richtungssteifes Gewebe und Verfahren zu seiner Herstellung
| Den tiegellstatl(1 der 1'.I"tlll(lllllg bilden richtungs- |
| steife Gewebe und Verfahren zll deren Herstellung. |
| Die Erfindung bezweckt die Schaffung von Ge- |
| weben, die in der einen Richtung eine wesentlich |
| größere Steifheit aufweisen als in der anderen, d. h. |
| von Geweben, die in eileer Richtung verhältnis- |
| mäßig steif sind, während sie im rechten Winkel |
| zu dieser Richtung schlaff oder jedenfalls wesentlich |
| weniger biegsam sind, sowie von Geweben mit einer |
| geringen oder gar keiner Rollneigung. |
| Es gibt zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten |
| für Gewebe, die in der einen Garnrichtung wesent- |
| lich steifer sind als in der anderen; z. B, erfordern |
| Kragen und .Manschetten eine beträchtlich höhere |
| Steifheit in der Vertikalen als in der Horizontalen. |
| In der Horizontalen sind sie notwendiger«-eise ge- |
| bogen, und übermäßige horizontale Steifheit ist be- |
sonders bei einem Kragen lästig und störend. Bestimmte Vorhangstoffe sollen in der
Senkrechten steif und in der Querrichtung weich sein, damit sie schön hängen, andere
dagegen haben einen besseren Faltenwurf, wenn sie in der Horizontalen oder Querrichtung
steif sind. Ebenso gibt es zahlreiche Futterstoffe, die nur in einer Richtung steif
sein sollen, und es würde eine Verbesserung zahlreicher im allgemeinen Gebrauch
befindlicher Gewebe darstellen, wenn man ihnen eine bestimmte Richtilngssteifheit
verleihen könnte.
-
Es gibt zwar zahlreiche Gewebe, die in der eitlen Richtung ein wenig
steifer sind als in der anderen, was gewöhnlich auf die Tatsache zurückzuführen
ist, daß die Garne des einen Systems stärker oder zahlreicher sind als die Garne
oder Fäden des anderen Systems, aller die dadurch etwa verursachten
Unterschiede
in der Steifheit sind meist unwesentlich. Sie sind in der Regel auch nicht vorbedacht
oder erwünscht, sondern treten einfach als Begleiterscheinung des Herstellungsvorganges
auf (z. B. bei der Schaffung von Mustern oder anderen sichtbaren Effekten) oder
ergaben sich aus der Beschaffenheit des verwendeten Rohmaterials. Solche Steifheitsunterschiede
werden somit von anderen Erwägungen, hauptsächlich solchen der Wirtschaftlichkeit,
bestimmt.
-
Die üblichen Methoden der Appretur von Geweben, die darin bestehen,
daß man die Gewebe mit Stärke oder anderen wasserlöslichen. Substanzen oder auch
mit wasserunlöslichen Appreturmitteln, wie z. B. gewissen Kunstharzen, überzieht,
erzielen eine Versteifung, bei der keine Richtung besonders hervortritt. Sie stellen
keine Lösung des Problems der Richtungssteifheit dar, mit dem sich die Erfindung
beschäftigt. Das gleiche gilt für die bisher entwickelten chemischen Appreturverfahren.
-
In der Zeichnung sind zwei beispielsweise Ausführungsformen von Geweben
gemäß der Erfindung in den Fig. i und 2 schematisch in Ansicht dargestellt. Fig.3
zeigt schaubildlich einen Arbeitsvorgang bei der Herstellung bestimmter, im nachfolgenden
beschriebener Gewebe.
-
Gemäß der Erfindung ist'es möglich, eine große Zahl verschiedenartiger
Gewebe herzustellen, die alle einen beträchtlichen, kontrollierbaren, einheitlichen
und vorher bestimmten Grad von Richtungssteifheit aufweisen. Dies wird dadurch erreicht,
daß man einen bestimmten ausgewählten Teil der in dem Gewebe enthaltenen Garne chemisch
behandelt und dadurch die Garne des einen Systems um ein Vielfaches steifer macht
als die des anderen, wobei von dem Grundgedanken ausgegangen wird, daß man ein Garnsystem
gegenüber einem chemischen Behandlungs- oder Imprägnierungsmittel reaktionsfähig
machen kann, während das andere Garnsystem durch das betreffende Mittel nicht wesentlich
oder jedenfalls völlig andersartig und in geringerem Maße angegriffen wird, um dadurch,
wie nachstehend ausführlich erklärt wird, den entscheidenden Unterschied im Steifheitsverhältnis
zu erzielen. Durch Ausnutzung der unterschiedlichen Empfindlichkeit gegenüber chemischen
Einwirkungen und Anwendung der dadurch erzielten verschiedenartigen Wirkungen bei
der Herstellung der erfindungsgemäßen Gewebe kann man überraschende Variationen
der Steifheit der Garne in ein und demselben Stoff erzielen, selbst wenn diese Garne
die gleiche chemische Grundzusammensetzung haben.
-
Es ist z. B. ohne weiteres möglich, ein Baumwollgewebe, das aus nicht
gereinigtem oder rohem Baumwollgarn für die Kette und aus gereinigtem und gebleichtem
Baumwollgarn für den Schuß besteht, mit einem Quellmittel, z. B. einer Zinkchloridlösung,
zu imprägnieren und dadurch die gereinigten oder gebleichten Baumwollgarne zu gelatinieren
und somit in sehr beträchtlichem Maße zu versteifen, ohne daß eine merkliche Wirkung
auf die rohen Garne hervorgerufen wird. Der Unterschied in der Reaktionsfähigkeit
des gebleichten und ungebleichten Baumwollgarns gegenüber der Einwirkung von Quellmitteln
ist augenscheinlich in erster Linie auf die Tatsache zurückzuführen, daß die rohe
Baumwolle beträchtliche Mengen von Nattirwaehsen, Ölen oder ähnlichen Schutzmitteln
enthält, die die ungebleichten Baumwollfasern gegenüber der Einwirkung von Zinkchlorid
und anderen Gelantinier- oder Quellmitteln verhältnismäßig unempfindlich machen.
Diese schützenden Bestandteile können später entfernt werden, z. B. .durch Kochen
in Kesseln, so daß das ganze Gewebe ein im wesentlichen einheitliches und völlig
befriedigendes Aussehen erhält.
-
Viele allgemein bekannte Textilfasern und -fällen und daraus hergestellte
Fäden weisen die gleiche allgemeine Reaktion gegenüber gelatinierenden Reagenzien
auf. In einem Gewebe, \vie dem oben beschriebenen, kann das gebleichte oder gereinigte
Baumwollgarn z. B. durch Garn aus gereinigtem Leinen, Sisal, Ramie, Hanf, Jute und
anderen Naturcellulosefasern ersetzt werden. Garne aus Viskose-oder Kupferoxydammoniakcellulose
oder anderen regenerierten Cellulosearten (sowohl Stapelfasergarne oder endlose
Fäden) ergeben im wesentlichen die gleichen Ergebnisse. Es wurde weiter gefunden,
daß auch aus Celluloseesterfasern (entweder Stapelfasergarne oder endlose Fäden),
wie z. B. aus Celluloseacetat, Cellulosebutyrat und Cellulosepropionat, oder Mischungen
oder Mischestern derselben, hergestellte Garne als versteifte Garne zufriedenstellend
verwendet werden können.
-
Garne, die normalerweise gegenüber solchen Gelatiniermitteln verhältnismäßig
nicht reaktionsfähig sind, können aus Baumwollfasern hergestellt werden oder aus
jeder der allgemein gebräuchlichen pflanzlichen Textilfasern, sofern sie nicht entfettet
sind, ferner aus Schafwolle oder aus Kaseinwolle, aus Superpolyamiden oder aus anderen
keine Cellulose enthaltenden Kunstfasern oder -fällen, wie z. B. den Mischpolymerisaten
von \7inylacetat und Vinylchlorid oder aus Vinylidenchlorid. Außerdem ist es möglich,
die obenerwähnten reaktionsfähigen Fasern oder Fäden für die erfindungsgemäßen "Zwecke
hinreichend reaktionsunempfindlich zu machen, indem man sie mit Schutzmitteln, z.
B. mit kleinen Mengen von Wachsen, ölen, Fetten oder anderen vorübergehend wirkenden
Mitteln, oder mit dauernd wirkenden Mitteln, wie z. B. Formaldehyd oder Formaldehyd
enthaltenden Harzen, z. 13. Harnstofformaldehyd oder Phenolformaldehvd behandelt,
so daß das Gelatiniermittel die eigentliche Faser nicht ohne weiteres erreichen
oder angreifen kann.
-
In der Praxis stellte sich heraus, daß die Erfindung unterschiedslos
bei einer beträchtlichen Xnzahl verschiedenartiger Gewebe angewendet werden kann,
deren Garninhalt im Hinblick auf ihre verschiedenartigen chemischen Reaktionen ausgewählt
ist. Als Gelatiniermittel können eine Reihe von Chemikalien, die in der Textiltechnik
als Quellmittel bekannt sind, als einander gleichwertig verwendet werden. Zum Beispiel
kann man bei der Behandlung des obenerwähnten Batiinwollgewebes als Quellmittel
an Stelle von Zinkchlorid auch Kupferoxydaminoniak
(Kupfertetraminhydroxyd)
oder Schwefelsäure verwenden. Weitere Beispiele sind gemischte Säuren (Salpeter-
und Schwefelsäure), Phosphorsäure, die quaternären Ammoniakbasen, Atznatronlösung
von einer Temperatur von -io° C, Calciumsulphocyatiat und andere mehr. Bei Geweben,
die Schafwolle oder ähnliche Fasern enthalten, verwendet man natürlich keine stark
alkalischen Quellmittel. Die Einwirkung von Quellmitteln auf Cellulosefasern, wie
z. B. entfettete Baumwolle oder Kunstseide, ist im Appreturgewerbe gut bekannt und
wird unterschiedlich als Quellung, Gelatinierung oder Pergamentierung bezeichnet.
Die bei Verwendung der verschiedenen Mittel angewandten Methoden oder Verfahren
sind voneinander verschieden, ihre Bedingungen sind jedoch sämtlich gründlich ausgearbeitet
und dem Fachmann wohl bekannt. Zum Beispiel werden mit Zinkchlorid zu quellende
Stoffe gewöhnlich mehrere Stunden lang der Wirkung dieses Mittels ausgesetzt, während
celluloselialtige Ware, die mit Schwefelsäure behandelt werden soll, der Wirkung
derselben nur auf die Dauer einiger Sekunden ausgesetzt wird. Soweit bekannt ist,
wurde jedoch keine dieser Methoden oder Verfahren bisher in der besonderen Absicht
angewandt, einen ausgewählten Teil des Garninhaltes zu versteifen, um die richtungssteifen,
erfindungsgemäßen Gewebe herzustellen.
-
Bei allen diesen Behandlungen besteht die erfindungsgemäß erwünschte
Reaktion darin, daß eine gleichzeitige Quellung und oberflächliche Löslichmachung
eintritt, so daß die Fasern in gewissem Grad miteinander verkleben, und zwar gewöhnlich
bis zu einer beträchtlichen Tiefe im Faden oder Garn. Wenn diese Reaktion in dem
erwünschten Ausmaß stattgefunden hat, wird das Gelatiniermittel neutralisiert oder
entfernt und das Gewebe gründlich gewaschen und getrocknet.
-
Der Einfachheit halber werden Reagenzien der obenerwähnten Art im
folgenden gewöhnlich als Quell- oder Gelatiniermittel und ihre Wirkung als Quellung
oder Gelatinierung, die Garne als verquollen oder gelatiniert oder versteift bezeichnet,
wobei vorausgesetzt wird, daß die Begriffe unter Umständen nicht in ihrer streng
wissenschaftlichen Bedeutung verwendet werden.
-
Bei den ersten Versuchen zur Herstellung richtungssteifer Gewebe stellte
es sich heraus, daß die derart behandelten Gewebe eine äußerst starke Rollneigung
aufwiesen. Diese zeigte sich darin, daß zwei diagonal gegenüberliegende Ecken eines
quadratischen Gewebestückes sich nach oben gegeneinander einrollen, nach Art einer
Rolle, deren Achse diagonal verläuft und die anderen beiden Ecken verbindet, die
ihrerseits dazu neigen, sich nach unten einzurollen. Letztere bilden tatsächlich,
wenn man es ihnen gestattet, eine entgegengesetzt verlaufende Rolle, deren Rollachse
etwa im rechten Winkel zu der zuerst erwähnten Rolle verläuft. Als Ergebnis einer
Reihe von Versuchen, die unternommen wurden, um die Ursache dieser überraschenden
und unerwünschten Erscheinung festzustellen, zeigte sich, daß diese charakteristische
Rolleigenschaft von der Neigung der einzelnen versteiften Garne herrührt, sich um
sich selbst zu drehen, und zwar merkwürdigerweise, sich aus irgendeinem Grund nach
ihrer Gelatinierung fester einzudrehen, während man natürlich angenommen hatte,
daß die Gelatinierung nur die Festlegung der Fasern bewirken und eine etwaige Tendenz
des Garns, sich in der einen oder anderen Richtung zu drehen, beseitigen würde.
-
Es wurde festgestellt, daß die Richtung des durch das festere Eindrehen
der verquollenen Garne verursachten Rollens des Gewebes von der Richtung abhänIig
ist, in der die verquollenen Garne gedreht sind. Beispielsweise hebt sich in einem
Gewebe mit rohen Kettenfäden und verquollenen Schußfäden mit einheitlicher Z- oder
Rechtsdrehung, in dem die Schußfäden nach einer Quellbehandlung dazu neigen, sich
im entgegengesetzten Uhrzeigersinn fester einzudrehen, die rechte Ecke des Gewebes
(bei stirnseitiger Betrachtung der sich entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn fester
einzudrehenden Schußfäden) und rollt sich nach oben ein, während die linke Ecke
des Gewebes sich nach unten einrollt. Entsprechend würde, wenn die verquollenen
Schußfäden dieses Gewebes eine einheitliche S- oder Linksdrehung hätten, sich die
linke Ecke des Gewebes heben usw.
-
Es wurde ferner festgestellt, daß eine Beeinflussung der Einrollneigung,
ja sogar deren Beseitigung, auf verschiedene Weise möglich ist, und daß der maßgebende
Faktor für das Einrollen eines richtungssteifen Gewebes die reaktionsfähigen Garne,
z. B. aus gebleichter Baumwolle, sind, da dies die Garne sind, in denen die Tendenz
zum festeren Eindrehen und zum Einrollen des Gewebes durch die chemische Behandlung
beträchtlich verstärkt wird. Eine bevorzugte Maßnahme zur Ausschaltung des Einrollens
besteht darin, daß etwa gleich große Mengen reaktionsfähiger Garne gleicher oder
ähnlicher Art, aber von entgegengesetzter Drehrichtung, entweder für die Kette oder
den Schuß verwendet werden, je nach der Richtung, in der das Gewebe versteift werden
soll. Um die Einrolltendenzen der zu versteifenden rechtsdrehenden Garne auszugleichen
oder zu neutralisieren, wird also die gleiche Anzahl von ähnlichen, linksdrehenden
Garnen verwendet. Dies kann entweder in der Kette oder im Schuß geschehen (je nachdem,
in welcher Richtung das Gewebe versteift werden soll), indem man abwechselnd Einzelfäden
oder Einzelfädenpaare von verschiedener Drehrichtung oder, an Stelle von Einzelfäden,
abwechselnd Bündel von Garnen verschiedener Drehrichtung in das Gewebe einwebt,
wobei im letzteren Fall ein Bündel entweder nur rechts- oder nur linksdrehende Garne
enthält. Es ist jedoch vorzuziehen, in denselben oder nebeneinanderliegenden Bündeln
sowohl linksals auch rechtsdrehende Garne zu verwenden. Wenn links- und rechtsdrehende
Einzelfäden oder Bündel von links- und rechtsdrehenden Fäden als Schußgarn verwendet
werden sollen, so ist es in der Praxis und um die Verwendung eines Wechselstuhles
zu vermeiden, oft vorzuziehen und viel wirtschaftlicher, dieses Problem in einem
gewöhnlichen
Webstuhl dadurch zu lösen, daß die Schußspule bei
jedem Schlag mehrere entgegengesetzt gedrehte Garne führt. Zum Beispiel können ein
links-und ein rechtsdrehendes Garn zusammen eingebracht werden, so daß eine Schützenbewegung
zwei Fäden in das Fach einbringt.
-
Ein Beispiel eines solchen Gewebes ist in Fig. i schematisch dargestellt.
Dort sind quer zu den Kettenfäden 2 die Schußfäden 4 in der eben beschriebenen Weise
verwoben, so daß jeder Schußschlag zwei Garne einführt, ein links- und ein rechtsdrehendes,
die beide zusammen auf die Spule gewickelt werden, und zwar vorzugsweise in der
in Fig. 3 dargestellten Weise, die nachstehend ausführlicher beschrieben wird. In
ähnlicher Weise sind in. Fig. 2 Schußfäden 8 quer zu den rohen Kettenfäden 6 eingewoben,
wobei jeder Schußschlag aus vier Fäden besteht, zwei links- und zwei rechtsdrehenden,
die alle von derselben Spule genommen werden, auf die sie im der in Fig. 3 veranschaulichten
Weise aufgewickelt werden.
-
In der Praxis hat es sich als sehr zweckmäßig erwiesen, Garne entgegengesetzter
Drehrichtung auf einer einzigen Spule so aufzuwickeln, daß sie sich beim Abziehen
vom Spulenende gleichmäßig abwickeln und ein zusammengesetztes Garnbündel bilden,
das kein Rollen des Gewebes verursacht, indem man sie in einer bestimmten Weise
auf die Spule aufwickelt, und zwar so, daß ein Garn, wenigstens bis zu einem gewissen
Grad, um das entgegengesetzt gedrehte Garn gewickelt wird. Es wurde gefunden, daß
dies, wie in Fig. 3 dargestellt, einfach dadurch geschehen kann, daß der Kegel Z
mit dem rechtsdrehenden Garn unterhalb desKegels s mit dem linksdrehenden Garn angebracht
wird und das Garn von dem unteren Kegel durch die Bohrung des oberen Kegels geführt
wird, so daß das s-Garn beim Austreten des z-Garns an diesem befestigt und um dasselbe
gewunden wird und beide zusammen abgezogen und auf einer Spule 5 aufgewickelt wenden.
Dies ist möglich, wenn die Kegel mit dem rechts- und dem linksdrehenden Garn beide
in der gleichen Richtung bewickelt sind, nämlich, von oben gesehen, entgegengesetzt
dem Uhrzeiger, so daß das Abwickeln im Sinn des Uhrzeigers erfolgt (Fig.3). Auf
diese Weise wird etwas mehr linksgedrehtes Garn abgezogen, und die Kette enthält
daher etwas mehr linksgedrehtes als rechtsgedrehtes Garn, wodurch der Umstand, daß
beim Abziehen das rechtsgedrehte Garn etwas stärker und linksgedrehte Garn etwas
schwächer verdreht wird, hinreichend ausgeglichen wird. Wenn eine größere durch
zwei teilbare Anzahl von Garnen verwendet wird, z. B. bei der Herstellung eines
Gewebes, wie es in Fig. 2 dargestellt ist, ordnet man die Kegel so an wie in Fig.
3, nimmt jedoch jeden Kegel zweimal, d. h. zwei Z-Kegel unterhalb zwei S-Kegeln,
so daß das aus vier Fäden bestehende Mehrfachgarn oder Garnbündel so auf die Spule
gewickelt wird, daß es glatt und gleichmäßig davon abgezogen werden kann und Schleifen
vermieden werden, die andernfalls die Oberfläche des damit hergestellten richtungssteifen
Gewebes beeinträchtigen würden. Es ist klar, daß die Garnkegel auch anders, als
vorstehend beschrieben, gewickelt werden können. In solchen Fällen muß die Anordnung
abgeändert werden, wobei jedoch immer das Garn des unteren Garnkegels bzw. der unteren
Garnkegel, wenn vier bzw. sechs Kegel verwendet wenden, so gedreht und gewickelt
sein müssen, daß das Abziehen von dem unteren Kegel oder von den unteren Kegeln
dazu führt, daß das Garn während des Abziehens stärker eingedreht wird, während
das Garn von dem oberen Kegel bzw. den oberen Kegeln beim Abziehen etwas von seiner
Drehung verliert.
-
Ein anderes Mittel, das Einrollen des Gewebes weitgehend oder ganz
auszugleichen, besteht darin, daß man gewisse reaktionsfähige Mehrfachgarne verwendet,
in denen eine Mehrzahl von S-Garnen mit Z-Garnen miteinander verdreht ist, so daß
das ganze Garnbündel keine Tendenz hat, sich in irgendeiner Richtung zu drehen.
Ein weiteres Mittel besteht in der Verwendung von reaktionsfähigen Garnen mit geringer
oder ohne Drehung, z. B. modifizierte Baumwollvorgarne geringer Drehung oder reaktionsfähige
Garne sehr geringer Drehung, die aus synthetischen ununterbrochenen Fäden hergestellt
sind.
-
Es wurde ferner gefunden, daß bei einer verstärkten Bündelung der
reaktionsfähigen Garne die Steifheit des Gewebes annähernd linear zunimmt. Ein Gewebe
z. B. mit einer Fadendichte von 48X48 aus i4er Garnen in der Kette und i6er Garnen
im Schuß, bei welchem zwei Schußfäden (der eine mit S- der andere mit Z-Drehung)
zusammen eingeschossen sind, zeigt doppelt so große Biegesteifheit als ein Gewebe
mit gleicher Fadendichte und gleicher Garnnummer, bei -,velchem die Schußfäden einzeln
eingeschossen sind. Andererseits hat ein Gewebe, bei welchem vier Schußfäden zusammen
eingeschossen sind, doppelt so große Biegesteifheit als ein Gewebe gleicher Fadendichte
und gleicher Garnnummer, bei welchem zwei Schußfäden zusammen eingeschossen sind.
-
Nachstehend folgen einige typische Beispiele erfindungsgemäß hergestellter
Gewebe: Beispiel I Ein breites Gewebe mit einer Fadendichte von 48 X 48 (i4er bzw.
i6er Garn) mit einem Gewicht von 174 g pro Laufmeter, das praktisch keine Einrolltendenz
hat und eine ausgesprochene Richtungssteifheit in der Richtung des Schusses aufweist,
kann wie folgt hergestellt werden: Die Kettenfäden werden aus Rohbaumwolle gesponnen,
geschlichtet und in der im Textilge-,verbe üblichen Weise am Kettbaum angebracht.
Diese rohen Garne sind gegenüber dem Quell- und Appreturmittel nicht reaktionsfähig.
Die eine Hälfte der erforderlichen Schußfäden ist linksgedreht, die andere Hälfte
rechtsgedreht. Diese Garne werden wie üblich in Bottichen gekocht und gebleicht.
Man kann sie z. B. 12 Stunden bei einem Druck von etwa i kg/cm2 unter Verwendung
von 5% Ätzalkaii, j % Seife und i % Natriumsilicat kochen, dann
spülen
und bei etwa 26° C in einer Lösung von 2% verfügbarem Chlor bleichen. Dann wickelt
man die Garrre mit irgendeinem geeigneten Mechanismus auf die Schusspulen. Das Gewebe
muß auf einem Wechselstuhl gewebt werden, da links- und rechtsgedrehte Garne als
Einzelfäden oder als Bündel von rechts- bzw. linksgedrehten Fäden eingebracht werden
müssen. Die Schußfäd,en werden so eingebracht, das entweder ein rechtsgedrehter
Faden auf einen linksgedrehten folgt oder zwei rechtsgedrehte Fäden auf zwei linksgedrehte,
je nach der Type des verwendeten Webstuhls.
-
Nunmehr kann das Gewehe mit dem Gelatiniermittel imprägniert werden.
Es wird langsam durch eine etwa 7o0/0ige Lösung von Zinkchlorid und dann eine Stunde
oder länger in einer Kiste aufgerollt. Hierauf wird das Zinkchlorid in einem «'ipper
mit Wasser ausgelaugt und das Gewebe auf einem Rahmen getrocknet. Es zeigt eine
erstaunliche Elastizität und Steifheit in der Richtung des Schusses. Wenn es wünschenswert
ist, das Gewebe zu kochen und zu bleichen, um die rohen Kettenfäden völlig zu reinigen,
so kann dies nach den üblichen Methoden geschehen, ohne das die durch die Schußfäden
verursachte Richtungssteifheit verlorengeht. Probestücke des Gewebes zeigen in der
Schußrichtung eine 30mal größere Biegesteifheit als in der Kettrichtung. 13eispielIl
Ein in Kleidungsstücken an Stelle von Kamel-oder Pferdeliaargeweben verwendeter
Futterstoff wird mit einer tatsächlichen Fadendichte von 48X48 gewebt, wobei mit
jedem Schusschlag in der vorstehend beschriebenen Weise zwei Schußfäden eingeführt
werden, so das bei einer derartigen Gruppierung der Schußfäden ein Bindungsverhältnis
von 48 X 24 erzielt wird. Die Klette besteht aus rohem i4er Garn, der Schuß aus
gebleichtem i6er Garn, das zur Hälfte links- und zur Hälfte rechtsgedreht ist, und
zwar besteht jeder Schusschlag aus einem links- und einem rechtsgedrehten Faden,
die mittels der in Fig. 3 dargestellten Vorrichtung kombiniert sind. Das Gewehe
wird mit einer konzentrierten Zinkchloridlösung imprägniert. mehrere Stunden lang
aufgewickelt und dann mit kaltem Nasser ausgelaugt. Nach völliger Entfernung des
Zinkchlorids wird das Gewebe im Rahmen getrocknet. Das Gewebe wird in einer Breite
von 39i.'_ Zoll gewebt (etwa ioi cm) und auf 3f; Zoll (96,5 cm) zugerichtet mit
einem Gewicht von etwa 169 g pro laufendem Meter. Probestücke des Gewebes zeigen
in der Schußrichtung eine 120mal größere Biegesteifheit als in der Kettrichtung.
Bei spiel,IlI Ein vierbindiges ?..'2 Köpergewebe mit einer Fadendichte von 8o X
44 (i3er bzw. 8er Garn) mit einem Gewicht von etwa 331 g pro Laufmeter, das zur
Verwendung als Futterstoff geeignet ist, mit einer ausgesprochenen Steifheit in
Kettrichtung und ohne erkennbare Rolltendenz, wird wie folgt hergestellt: Die nicht
reaktionsfähigen Schußfäden, die sich in rohem Zustand befinden sollen, werden normal
gesponnen und verwoben. Alle Kettgarne w:rdeti entfettet und gebleicht, so das sie
gegenüber dem Ouellmittel reaktionsfähig sind. Die Hälfte der letztgenannten Garne
sind linksgedreht, die andere rechtsgedreht, so das sich die von ihnen ausgehenden
Einrolltendenzen gegenseitig ausgleichen. Das fertige Gewebe weist daher eine ausgesprochene
Steifheit in der Kettrichtung auf und rollt sich nicht ein. Mit anderen Worten,
die Kettfäden werden in der Reihenfolge SZSZ oder SSZZ (S = linksdrehend, Z =rechtsdrehend)
eingezogen, so das sie eine Steifheit in der Richtung der Kette ohne Einrolltendenz
hervorbringen. Die Vorbereitung des Kettbaumes geschieht ohne Schwierigkeiten, indem
man einen Teil der Kettgarne (entweder die links- oder die rechtsdrehenden) beim
letzten Spülen nach dem Bleichen färbt. Die Garne werden dann auf Spulen gewickelt
und von dort auf Teilbäume, wobei auf jeden Teilbaum entweder links- oder rechtsgedrehte
Garne kommen. Die Bäume werden schließlich hinter der Trommelschlichtmaschine angebracht
(die eine vorzugsweise öl-, wachs- und talgfreie Stärkeschlichte anbringt) und die
Garne werden während des Schlichtens vereinigt, indem sie in der gewünschten Reihenfolge
auf Kettbäume gewickelt werden. Nachdem das Gewebe gewoben ist, wird es entschlichtet,
getrocknet und, wie in Beispiel II beschrieben, imprägniert. Wie in den vorhergehenden
Beispielen kann man abschließend die Schußfäden entfetten und bleichen, um sie völlig
zu reinigen. Probestücke des Gewebes zeigen in der Kettrichtung eine 30mal größere
Biegesteifheit als in der Schußrichtung. Beispiel IV Ein Gewebe von 99g pro Laufmeter
mit einer Fadendichte von 48 X 48 (die Kette aus Zier Baumwollgarn, der Schuß aus
Viskosekunstseide, durchgehender Faden von Zoo Detiier) mit einer ausgesprochenen
Richtungssteifheit in der Richtung des Schusses und ohne wesentliche Einrolltendenzen,
das zur Verwendung als Futterstoff geeignet ist, kann wie folgt hergestellt werden:
Die Einrolltendenzen dieses Gewebes werden dadurch beseitigt, das man als Schußfaden
einen Kunstseidenfaden (durchgehenden Faden) sehr geringer Drehung verwendet. Die
Kettenfäden werden in der üblichen Weise unter Verwendung von roher, nicht entfetteter
Baumwolle hergestellt. Das Gewebe wird den in den vorherigen Beispielen gegebenen
Angaben entsprechend einer Quellung unterworfen. Durch die chemische Behandlung
wird die Kunstseide verquollen, während die rohe Baumwolle nicht angegriffen wird.
Probestücke des Gewebes zeigen in der Schußrichtung eine 36mal größere Biegesteifheit
als in der Kettrichtung. Beispiel V Eiii \lardtiisettegewebe mit einer Fadendichte
von 6o X 34, im wesentlichen ohne Einrolltendenzen und mit ausgesprochener Richtungssteifheit
in
Richtung der Kette, kann wie folgt hergestellt werden Die Schußfäden
werden wie üblich aus 5oer Kammgarn gesponnen. Diese Garne sind in rohem Zustand
und gegenüber dem Quell- und Appreturmittel, das irgendeines der hier angegebenen
Gelatiniermittel sein kann, nicht reaktionsfähig. Die Kettenfäden sind gekochtes
und gebleichtes 40er Kammgarn, zur Hälfte sind sie links-, zur anderen Hälfte rechtsgedreht.
Die Vorbereitung des Kettbaums geschieht nach dem im Beispiel III beschriebenen
Verfahren, wobei die Fäden in der Reihenfolge SS, ZZ oder SZ, SZ, eingebunden werden
(S = linksdrehend, Z = rechtsdrehend). Das Gewebe wird wie üblich gewebt, der Drehereffekt
wird wie üblich mit halben Helfen (Litzen) hervorgerufen. Das Gewebe wird entschlichtet;
um die Schlichte von den Kettenfäden zu entfernen, getrocknet und dann, wie in Beispiel
II beschrieben, pergamentiert. Wie in den vorherigen Beispielen kann das Gewebe
gegebenenfalls abschließend einer Entfettungs- und Bleichbehandlung unterzogen werden.
Probestücke des Gewebes zeigen in der Kettrichtung eine ioomal größere Biegesteifheit
als in der Schußrichtung.
-
Die erfindungsgemäßen richtungssteifen Gewebe können auf einfache
Weise vom Gesichtspunkt der Einrollfreiheit geprüft und verglichen werden, indem
man kleine quadratische Stücke daraus ausschneidet und deren Verformung unter feststehenden
Bedingungen beobachtet. Dies kann z. B. geschehen, indem man von einer gebügelten
oder glattgepreßten Fläche des zu prüfenden Gewebes ein quadratisches Probestück
von 5 Zoll Seitenlänge herausschneidet, dessen Seiten parallel zur Kette bzw. dem
Schuß verlaufen, es bei 21,l° C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 7o0/9 befeuchtet
und dann beobachtet, wie es sich verhält, wenn man es ohne Hemmung auf eine flache
Oberfläche oder einen Tisch legt.
-
In der Praxis und für die meisten Zwecke kann man sagen, daß ein Gewebe
im wesentlichen frei von Einrolltendenzen ist, wenn das Probestück des Gewebes im
wesentlichen ausgestreckt liegenbleibt und keine seiner Ecken sich um mehr als i
Zoll (2,54 cm) über seine horizontale Auflagefläche hebt. Die erfindungsgemäß hergestellten
Gewebe bleiben wesentlich unterhalb des obenerwähnten Wertes von 1 Zoll. Die Erfindung
kann jedoch mit beträchtlichem Nutzen auch bei der Herstellung zahlreicher richtungssteifer
Gewebe angewendet werden, die sich etwas stärker einrollen, als es dem obenerwähnten
Wert von i Zoll entsprechen würde.
-
Aus vorstehenden Ausführungen geht hervor, daß der Grad der Richtungssteifheit
eines gegebenen, verquollenen Gewebes im wesentlichen bestimmt wird von der Fadendichte
des Gewebes, der Garn,-nummer sowie von der Bündelung, d. h. von der Zahl der Fäden
in jedem Schußschlag bzw. jeder Helfe. Die Richtungssteifheit von Geweben gemäß
der Erfindung kann mindestens auf das 5- oder iofache, aber auch auf das Zoofache
oder noch höher gesteigert werden, je nach dem Gewicht des Gewebes und der gewählten
Kombination der vorstehenden Faktoren, und zwar in der Richtung der Kette oder des
Schusses. Im normalen Betrieb und zur Erzielung der Höchstleistung eines Webstuhles
wird das Tuch vorzugsweise in Richtung des Schusses versteift, doch ist gelegentlich
eine ausgesprochene Steifheit in Richtung der Kette erwünscht. Auch kann es wünschenswert
sein, Geweben, die in der Schußrichtung ausgesprochen steif sein sollen, auch in
der Richtung der Kette eine leichte Steifheit zu geben. Dies kann geschehen, indem
man in die Kette zwischen den rohen, nicht reaktionsfähigen Kettenfäden einen kleinen
Teil reaktionsfähige Garne aufnimmt, die sich vom Standpunkt des Einrollens des
Gewebes gegenseitig neutralisieren. Diese Garne verleihen dem fertigen Gewebe eine
Steifheit in Richtung der Kette, die jedoch gegenüber der Steifheit in der Richtung
des Schusses geringer ist. Ebenso ist es klar, daß in dem Schußgarn eines Gewebes,
das eine ausgesprochene Steifheit in Richtung der Kette haben soll, ein kleiner
Anteil reaktionsfähige Schußfäden enthalten sein kann, die sich zweckmäßig vom Gesichtspunkt
des Einrollens des Gewebes gegenseitig neutralisieren.
-
Eine andere Ausführungsform der Erfindung betrifft die Verwendung
von nicht reaktionsfähigen Garnen (in kleinen Anteilen) in dem Garnsystem, sei es
die Kette oder der Schuß, dem eine ausgesprochene Richtungssteifheit verliehen werden
soll. Dies ist manchmal wünschenswert, um ein Gewebe einer bestimmten Steifheit
und Fadendichte zu erzeugen, entweder aus Gründen des Aussehens oder zur Erzielung
anderer erwünschter Eigenschaften. Wenn alle Garne einer Richtung reaktionsfähig
belassen werden, kann sich bei bestimmten Bindungsverhältnissen eine zu hohe Steifheit
ergeben. In diesem Fall kann man einen Teil der Garne der betreffenden Richtung,
gewöhnlich weniger als die Hälfte, durch rohe Baumwoll- oder .andere nicht reaktionsfähige
Garne ersetzen. Ferner kann die Steifheit der reaktionsfähigen Garne dadurch herabgesetzt
werden, daß man nicht reaktionsfähige Fasern beimischt. Wenn diese nicht reaktionsfähigen
Fasern aus Wolle oder Kaseinwolle bestehen, erhöhen sie die Knitterfestigkeit des
Gewebes. Aus dem gleichen oder anderen Gründen kann es wünschenswert sein, wollene
oder andere nicht reaktionsfähige Garne in Bündel aufzunehmen, die im übrigen aus
reaktionsfähigen Garnen bestehen.
-
Die Gewebe gemäß der Erfindung können mit handelsüblichem Material
auf gewöhnlichen Vorrichtungen und mit durchaus angemessenen Kosten hergestellt
werden.