Technisches Gebiet
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Die Erfindung betrifft die Behandlung von textilen
Flächengebilden und bezieht sich insbesondere auf die
Behandlung lyocellfaserhaltiger Ware.
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Bei der Fasergattung Lyocell handelt es sich um eine
cellulosische Faser, zu deren Herstellung Cellulose
ohne Derivatisierung in einem wäßrig organischen
Lösungsmittel gelöst und anschließend wieder daraus
ersponnen wird.
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Aus cellulosischen Fasern werden textile Flächengebilde
auf verschiedenste Art und Weise hergestellt.
Typischerweise werden Lyocellschnittfasern zu Garnen
versponnen bzw. verdreht, die dann durch Weben,
Stricken oder Wirken zu Flächengebilden verarbeitet
werden. Dabei können die Garne vollständig aus
Lyocellfasern und die textilen Flächengebilde
vollständig aus Lyocellgarnen gebildet werden. Es ist
jedoch auch möglich, weniger als 100% Lyocell
enthaltende Mischgarne herzustellen, wobei der übrige
Faseranteil aus Baumwoll- oder Polyesterfasern oder aus
einer beliebig anderen geeigneten Faser bestehen kann.
Auch das textile Flächengebilde kann aus einer Mischung
von Garnen hergestellt werden, von denen einige 100%ige
Lyocellfasergarne oder Mischgarne darstellen können,
wobei es sich bei den übrigen Garnen entweder um
Mischungen oder um völlig andere Fasern wie Polyester
oder Baumwolle handeln kann. Des weiteren kann man
Garne bzw. Fäden auch aus Lyocellendlosfasern bilden.
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Bezeichnend für flächenförmige Lyocellwaren, worunter
im Sinne der Erfindung zumindest teilweise aus Fäden,
die Lyocellfasern enthalten oder ausschließlich aus
Lyocellfasern bestehen, hergestellte textile
Flächengebilde bzw. Fadenstoffe zu verstehen sind, ist der
weiche Fall bzw. Griff. Lyocellwaren sind jedoch auch
dafür bekannt, bei der Naßveredlung, z. B. beim Färben
oder bei den zur Erzeugung des sogenannten
"Pfirsichhaut-Effekts" auf Lyocellwaren angewendeten
Enzymbehandlungen, leicht zur Faltenbildung zu neigen.
Darstellung der Erfindung
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Es wurde nun ein Verfahren gefunden, mit dem man
Lyocellwaren so behandeln kann, daß die Faltenbildung
bei der Naßveredlung verringert werden kann, und mit
dem man textile Flächengebilde mit einem besseren
Weichgriff ausrüsten kann.
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Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit ein
Verfahren zum Fixieren einer aus Fäden gebildeten Ware,
wobei es sich zumindest in einem Teil der Fäden bei den
Fasern zumindest zum Teil um Lyocellfasern handelt,
dadurch gekennzeichnet, daß man
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(i) die Ware ungebunden führt,
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(ii) die Ware in dieser ungebundenen Form mit einem
wassermischbaren Quellmittel so in Berührung
bringt, daß (a) die Lyocellfasern zwar
anschwellen, sich aber im wesentlichen nicht
auflösen, und (b) die Ware schrumpft,
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(iii) das Quellmittel mit Wasser so verdünnt, daß (a)
die Fasern im Durchmesser schrumpfen und (b)
die Fäden in den bei der in Schritt (ii)
herbeigeführten Warenschrumpfung gegeneinander
eingenommenen Stellungen fixiert werden, und
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(iv) die Ware trocknet.
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Alle geeigneten Quellmittel kommen in Betracht. Als
Quellmittel wird ein solches bevorzugt, das zumindest
zum Teil aus einem Alkali wie Natriumhydroxid oder
Lithiumhydroxid oder Kaliumhydroxid oder Ammoniak
besteht. Alternativ dazu kann das Quellmittel zumindest
zum Teil aus einem Alkalihydrogencarbonat wie
Natriumhydrogencarbonat bestehen. Es ist aber auch möglich,
jedoch weniger bevorzugt, andere Quellmittel wie
wäßrige tertiäre Aminoxide, typischerweise wäßriges
N-Methylmorpholin-N-oxid, als Quellmittel einzusetzen.
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Zur ungebundenen, d. h. ein freies Schrumpfen
zulassenden, Warenführung kann die Ware als Webware in
Stückform vorliegen. Sie kann aber auch als
Kleidungsstück vorliegen, wobei das Kleidungsstück um
eine Puppe oder einen sonstigen zylinderförmigen Körper
herum angeordnet werden kann, so daß die Ware nicht
scharfkantig gehalten wird.
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Nach Behandlung mit einem Quellmittel wie
Natriumhydroxid wird die Ware mit Wasser so behandelt, daß das
Quellmittel, z. B. Natriumhydroxid, in seiner Wirkung
verdünnt wird. Anschließend kann die Ware zur
Weiterverarbeitung in Kleidungsstücke und anschließenden
Naßveredlung wie z. B. Färben getrocknet werden. Es ist
aber auch möglich, die Ware nach der Verdünnung direkt
einem Färbe- oder sonstigen Naßveredlungsverfahren
zuzuführen.
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Als Ware kommt vorzugsweise eine Webware zur Anwendung,
es ist aber auch möglich, eine Maschenware, wie z. B.
Single Jersey, einzusetzen, wobei das Fixierverfahren
die Einrollneigung der Maschenware verringern kann. Als
Ware kann man aber auch einen Vliesstoff einsetzen, wie
z. B. einen wasserstrahlverfestigten oder genadelten
oder gebundenen Vliesstoff.
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Als Quellmittel kommt typischerweise 3 bis
10 gew.-%ige, bevorzugt 5 bis 9 gew.-%ige und besonders
bevorzugt 7 bis 8 gew.-%ige Natronlauge in Frage. Das
Quellmittel kann mit Umgebungstemperatur oder mit
erhöhter oder verminderter Temperatur zur Anwendung
kommen. Das Quellmittel darf die Lyocellfasern nicht so
stark auflösen, daß deren Struktur zerstört wird. Durch
höhere Konzentrationen des Quellmittels erhöht sich der
Auflösungsgrad der Cellulose, wobei die Cellulose
vorzugsweise nicht wesentlich, etwa 10%ig, aufgelöst
werden sollte.
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Die Ware kann das Verfahren bahnförmig durchlaufen,
wobei sie zunächst durch ein das Quellmittel
enthaltendes Schrumpfbad und anschließend durch ein
wäßriges Verdünnungsbad geführt wird.
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Es hat sich herausgestellt, daß die nach dem Verfahren
erhaltenen textilen Flächengebilde viel weniger unter
Faltenbildung leiden und insbesondere bei einer
anschließenden Naßveredlung, wie. z. B. in
Färbeverfahren, weniger zu linienförmigen Markierungen
neigen.
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Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht die
Herstellung einer gefärbten Ware aus
lyocellfaserhaltigen Fäden, indem man:
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(i) die lyocellfaserhaltigen Fäden einer
ungefärbten Ware in einem im wesentlichen
freien Zustand stärker als bei einem
Naßveredlungsprozeß wie unter Färbebedingungen
anschwellen läßt,
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(ii) die angeschwollene Ware den verdünnenden
Wirkungen von Wasser aussetzt, wodurch die Ware
in einem freien Zustand relaxieren kann, und
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(iii) die Ware anschließend unter
Naßveredlungsbedingungen färbt.
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Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht ferner die
Herstellung einer Lyocellware, in der die Fasern
einheitlich voneinander getrennt vorliegen, indem man
die Lyocellfasern in der Ware in einem freien Zustand
vorquellen läßt und die vorgequollene Ware fixiert.
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Die Einwirkung des Quellmittels auf die Ware in einem
im wesentlichen freien Zustand läßt die Lyocellfasern
und die sie in der Ware enthaltenden Fäden zwar
anschwellen, zerstört aber nicht ihre Struktur. Durch
das Verdünnen des Quellmittels mit Wasser wird die von
den angeschwollenen Fäden in der Ware eingenommene
Stellung fixiert.
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Das erfindungsgemäße Verfahren umfaßt ein Verfahren zur
Veredlung von lyocellfaserhaltiger Lyocellware, bei dem
man:
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(i) die Ware in einem im wesentlichen freien
Zustand durch ein Quellmittel hindurchführt,
das die Lyocellfasern im Durchmesser stärker
als bei der Naßbehandlung in der folgenden
Stufe (iii) anschwellen läßt, dann
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(ii) die Ware durch ein Wasser enthaltendes Bad
hindurchführt und so die Wirkung des
Quellmittels verdünnt,
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(iii) anschließend die Ware nach einer fakultativen
Zwischentrocknung einer Naßbehandlungsstufe
unterwirft und
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(iv) die naßbehandelte Ware trocknet.
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Dabei kann man eine nicht schon vor dem Vorquellen in
Kleidungsstückform vorliegende Ware noch vor der
anschließenden Naßbehandlung entsprechend
konfektionieren.
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Textile Flächengebilde aus Lyocellfasern haben großen
Anklang gefunden, unabhängig davon, ob sie nun aus
100 Prozent Lyocellfasern bestehen oder einen kleineren
Anteil an Lyocellfasern enthalten. Mit großem Aufwand
arbeitet man an der Entwicklung von neuen Behandlungen
für Lyocellwaren, vor allem zur Erzeugung eines
sogenannten "Pfirsichhaut-Effekts" auf der Ware. Bei
derartigen Behandlungen wird die Lyocellware
üblicherweise verstärkt Naßprozessen ausgesetzt. Dabei
hat sich gezeigt, daß man zur Vermeidung übermäßiger
Faltenbildungen der Lyocellware und der auf einem durch
Farbstoffaufnahme in gefalteten Bereichen der Ware bzw.
der Kleidungsstücke bedingten optischen Effekt
beruhenden Linienbildung der gefärbten Lyocellware die
Naßbehandlungsbedingungen sehr sorgfältig wählen muß.
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur
Herstellung und zur Behandlung von textilen
Flächengebilden, das diesen Effekt mindert.
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Erfindungswesentlich wird die Ware mit einem
Quellmittel, typischerweise Natriumhydroxid, so behandelt,
daß die Lyocellfasern der Ware anschwellen. Dabei ist
die Natriumhydroxidmenge so zu wählen, daß die
Lyocellfasern stärker als bei einer normalen Naßbehandlung der
Ware, aber nicht so stark anschwellen, als daß die
Fasern durch zu starkes Auflösen zerstört werden. Es
hat sich herausgestellt, daß beim Quellen der
Lyocellware mit einem Quellmittel wie Natriumhydroxid
und einem anschließenden Verdünnen des Quellmittels die
Ware eine Fixierung erfährt, insofern als daß die Fäden
in der Ware in ihrer relativen Stellung zueinander
fixiert werden, was bei einem anschließenden Naßprozeß
die Faltenbildung mindert.
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Als Merkmal der Behandlung mit dem Quellmittel ist
hervorzuheben, daß die Ware beim Quellprozeß als Ganzes
schrumpft. Dies kann nur stattfinden, da die Ware in
einem freien Zustand geführt wird. Unter einem freien
oder im wesentlichen freien Zustand ist dabei im Sinne
der Erfindung ein Zustand zu verstehen, in dem ein
Schrumpfen der Ware zugelassen wird. Das heißt, daß die
zwar zum Teil unter einer kleinen Spannung geführte
Ware immer noch schrumpfen kann. Das Schrumpfen ist
vermutlich darauf zurückzuführen, daß die Lyocellfasern
ihrer Länge nach eine Kräuselung ausbilden. Wird die
angeschwollene lyocellhaltige Fäden enthaltende Ware
mit Wasser als Verdünnungsmittel gewaschen, so wird die
Wirkung des Quellmittels abgestellt. In der Folge
schrumpfen die Fasern. Die Ware selbst kehrt jedoch
nicht in ihren ursprünglichen Zustand zurück, so daß
die Fasern und Fäden in der Ware in einem relativ
getrennten Zustand verbleiben.
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Es wurde gefunden, daß es bei einer anschließenden
Naßbehandlung der Ware, wie z. B. durch Färben oder
Enzymbehandlung, wenn überhaupt nur in einem gegenüber
dem bisherigen viel geringeren Ausmaß zu einer Falten-
bzw. Farblinienbildung auf der Ware kommt.
Beschreibung der Zeichnungen
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Fig. 1 zeigt eine schematische Darstellung einer
Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens.
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Fig. 2 zeigt eine photographische Aufnahme eines nach
dem erfindungsgemäßen Verfahren behandelten Stück
Gewebes und eines unbehandelten Stück Gewebes, jeweils
nachdem sie mit der Hand naß zusammengeknüllt, wieder
losgelassen und dann trocknen gelassen wurden.
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Fig. 3 zeigt einen Graphen der zum Wiederflachziehen
einer nassen Falte erforderlichen Kraft über die
Natronlaugenkonzentration für eine Behandlung eines
textilen Flächengebildes nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren im Bad und im Foulard.
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Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung werden nun
anhand der Fig. 1 der beigefügten Zeichnungen näher
erläutert.
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Gemäß der Fig. 1 wird eine Ware 1 um eine Walze 2 herum
und durch den Querspalt eines Wälzwerkes 3 hindurch und
in ein Bad 4, enthaltend eine 7%ige Natronlauge 5 von
Raumtemperatur, geführt. Die Ware läuft um ein Paar
Walzen 6, 7 herum und nach oben durch den Querspalt
eines Walzwerkes 8. Dann läuft die Ware um die
Leitwalzen 9 und 10 herum und passiert ein Bad 11,
enthaltend Wasser 12. Die Ware passiert dann den
Querspalt eines Walzwerkes 13 und wird dann um eine
Umlenkwalze 14 der weiteren Verarbeitung zugeführt. In
der Praxis drehen sich die Walzen 3 schneller als die
Walzen 8. Folglich passiert die Ware das Bad 5 in einem
im wesentlichen freien Zustand, so daß sie bei der
Natronlaugenpassage schrumpfen kann. Dadurch schwellen
die Lyocellfasern in der Ware an. Die Ware wird dann in
einem im wesentlichen freien Zustand durch die Walzen
13 durch das Bad 11 gezogen, wobei die Passage der
angequollenen Ware durch das Bad 11 zu einer Verdünnung
der Natronlauge führt. Dadurch schrumpfen die
Lyocellfaser im Durchmesser, die Ware selbst jedoch
erfährt keine Längung, so daß man eine etwas lockere
Ware erhält, die anschließend in einem Naßprozeß
verarbeitet werden kann und dabei weniger Falten und
Farblinien bildet.
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Gewünschtenfalls kann die Ware bei 15 auch direkt einem
Naßprozeß wie der Stückfärbung und/oder Enzymbehandlung
zugeführt werden. Alternativ dazu kann die Ware bei
15 auch getrocknet und vor der Naßbehandlung zu
Kleidungsstücken konfektioniert werden.
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Statt die Ware bahnförmig zu behandeln, ist es auch
möglich, Lyocellwebware zu Kleidungsstücken wie z. B.
Röcken zu verarbeiten und dann die Röcke auf Mannequins
oder Puppen oder anderen Zylindern den
Verfahrensschritten Schwellen und Verdünnen auszusetzen. Dabei
muß die Ware zwar nicht unbedingt völlig flach geführt
werden, sie muß aber in einem ausreichend freien
Zustand vorliegen, daß die Fasern anschwellen können
und die Ware beim Anschwellen schrumpfen kann.
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Für einen Vergleichsversuch wurden aus 10%iger
Lyocellwebware in einer Körperbindung 3/1 mit einem
Flächengewicht von 170 g/m² und einer Gewebeeinstellung
von 45 Fäden/cm der metrischen Nummer 50 in der Kette
und 23 Fäden/cm der metrischen Nummer 34 im Schuß zwei
Proben geschnitten.
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Die erste Gewebeprobe wurde in einer 8 gew.-%igen
Natronlauge eingetaucht. Dann wurde die Probe gewaschen
und mit einem Reaktionsfarbstoff in einer
0,3 gew.-%igen Natronlauge gefärbt. Die Behandlung in
der 8%igen Natronlauge erfolgte bei Raumtemperatur. Die
Gewebeprobe wurde anschließend auf Naßweichheit
untersucht.
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Dazu wurde ihre Biegelänge bestimmt. Dabei wird ein
nasser Stoffstreifen soweit auf einer 45º schiefen
Ebene nach oben geschoben, bis das obere Ende des
Streifens das obere Ende der schiefen Ebene passiert.
Anfänglich wird der Streifen noch den Winkel von
45º beibehalten, bis schließlich das Gewicht des
überstehenden Teils des Streifens den Streifen in eine
Biegung zieht. Die Länge des gerade überstehenden
Streifens gilt als Maß für die Weichheit des Gewebes.
Es liegt nämlich auf der Hand, daß je weicher das
Gewebe, um so kürzer der gerade überstehende Streifen.
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Im Falle der nach Behandlung mit 8%iger Natronlauge
naßgefärbten Ware betrug der noch gerade Stoffüberstand
2 cm. Bei einem gleich gefärbten, aber nicht vorher mit
8%iger Natronlauge behandelten Vergleichsbeispiel
konnten 5,5 cm des nassen Gewebes über das Ende der
schiefen Ebene hinausgeschoben werden, ehe sich das
Gewebe unter seinem eigenen Gewicht nach unten bog.
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Aus den obigen Ergebnissen geht deutlich hervor, daß
die Erfindung zu einem textilen Flächengebilde mit
einem im Naßzustand viel weicheren Griff führt. Gezogen
wird dieser Vergleich gegenüber den in der veröffentlichten
PCT-Anmeldung WO95/24524 beschriebenen
Techniken, wonach ein Weichmachen der mercerisierten
Lyocellware eine Behandlung mit einer Cellulase
erfordert.
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Bei dem Vorbehandlungs- und Quellschritt liegt die
Natriumhydroxidkonzentration bevorzugt im Bereich von
3 bis 10 Gew.-%. Mit zunehmender
Natriumhydroxidkonzentration nimmt auch die aufgelöste Cellulosemenge
zu, wobei bei 10 Gew.-% Natriumhydroxid sich 8% der
Cellulose auflösen. Dies ist in etwa der für dieses
Verfahren noch akzeptable Maximalwert, wobei der
bevorzugte Bereich von 7 bis 8% Natriumhydroxid bei
akzeptabel geringen Anteilen an aufgelöster Cellulose
zu einer optimalen Kombination von, verbesserter
Weichheit mit verminderter Falten- und Störstellenmarkierung
führt.
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Die Erfindung ist auch von besonderem Interesse für die
Behandlung von Vliesstoffen. Zum einen wird durch das
Quellen und die anschließende Verdünnung die Struktur
des Vliesstoffes "fixiert", so daß der Vliesstoff eine
anschließende Naßveredlung wie z. B. das Färben besser
verkraftet und der Vliesstoff weniger zu Faserverlust
neigt. Dabei ist der robustere Vliesstoff aber immer
noch weicher als Vliesstoffe, die nicht nach dem
erfindungsgemäßen Quellverfahren behandelt worden sind.
Als Vliesstoff kommt bevorzugt ein
wasserstrahlverfestigter zum Einsatz.
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Die Weichheit des textilen Flächengebildes zeigt sich
insbesondere im Naßzustand. Dazu wurden zwei Stücke
Lyocellware hergestellt und in einem Falle nach dem
erfindungsgemäßen Verfahren durch Vorquellen der Ware
mit Natronlauge unter erlaubtem Schrumpf und
anschließender Fixierung der Ware durch Verdünnen der
Natronlauge mit Wasser behandelt und im anderen nicht
erfindungsgemäß behandelt. Die beiden Warenstücke
wurden anschließend getrocknet und einander gegenübergestellt.
Dabei wurden die Warenstücke und die
Arbeitsschritte vor und einschließlich der erfindungsgemäßen
Behandlung so gewählt, daß sich die Warenstücks im
getrockneten Zustand praktisch gleich anfühlten. Wurden
sie im trockenen Zustand einzeln mit der Hand
zusammengeknüllt, fühlten sich die beiden Flächengebilde gleich
an. Wurden die Flächengebilde vor dem Zusammenknüllen
wieder benetzt, fühlte sich die nasse unbehandelte
Probe gegenüber der nassen behandelten Probe hart an.
Wurden die beiden nassen Proben so auf einen Prüftisch
fallen gelassen, daß sie sich frei flachlegen konnten,
so zeigte die unbehandelte Probe noch viele Falten,
während die erfindungsgemäße, behandelte Probe sich
nahezu knitterfrei flach legte.
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Das unterschiedliche Aussehen der nach dem
erfindungsgemäßen Verfahren behandelten Probe gegenüber der
unbehandelten Probe, jeweils nach dem Zerknittern im
nassen (und nachgereinigten) Zustand durch
Zusammenknüllen und Trocknen, ist in Fig. 2 der Zeichnungen zu
sehen. Das linke Stück (behandelte Probe) ist glatt,
während das Stück rechts (unbehandelte Probe)
zerknittert aussieht. In der Fig. 2 sind beide Proben
ungefärbt, wobei die Probe links in einer 8 gew.-%igen
Natronlauge relaxiert, gewaschen und nachgereinigt und
die Probe rechts nur in heißem Wasser relaxiert und
nachgereinigt wurde. Man sieht, daß sich die
unterschiedlichen Eigenschaften auch sehr stark bei
Naßbehandlung der Ware, d. h. beim Färbeverfahren oder
bei einer anschließenden Haushaltswäsche der aus
solchen Waren hergestellten Kleidungsstücke, auswirkt.
Da die unbehandelte Probe leicht Falten bildet, findet
an den durch die Faltenspitzen gebildeten Grate eine
erhöhte Scheuerung der Warenproben statt. Da die
Fasergattung Lyocell eine Neigung zur Fibrillation hat,
führt diese Naßscheuerung zu größerer Fibrillation an
den Faltenlinien als im Rest der Ware. Diese
Fibrillation erzeugt eine große Anzahl kleinster
Fibrillen, die nach einem anschließenden Trocknen der
Ware optisch weißer erscheinen. Es hat also eine
Fibrillation konzentriert an den Faltenlinien
stattgefunden, wobei diese feinsten Fibrillen das Licht anders
reflektieren als die weniger fibrillierten Fasern, die
den Hauptteil der Ware bzw. des Kleidungsstücks bilden.
Nach der Wäsche zeigen die Kleidungsstücke also
Faltenlinien. Das kann bei der Naßbehandlung oder dem Färben
oder auch anschließend beim Waschen der Kleidungsstücke
geschehen.
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Folglich, und obgleich der Tatsache, daß nach dem
erfindungsgemäßen Verfahren behandelte und nicht
behandelte Stoffe sich im trockenen Zustand kaum
unterschiedlich anfühlen und obgleich der Griff der
nassen Ware für den späteren Träger der schlußendlich
hergestellten Kleidungsstücke aufgrund der Tatsache,
daß Kleider trocken getragen werden und sollten sie
doch einmal im Gebrauch durchnäßt werden, es höchst
unwahrscheinlich ist, daß der Verbraucher einen
Griffunterschied zwischen einem nassen Kleidungsstück und
einem anderen nassen Kleidungsstück trotz des
Unterschieds zwischen trockenen und nassen Kleidungsstücken
herausfühlen könnte, kaum von Bedeutung ist, macht die
Verwendung der Erfindung Faltenmarkierungen viel
weniger wahrscheinlich beim Färben und bei der
Haushaltswäsche. Werden zudem die in Fig. 2 gezeigten
Warenproben nur getrocknet, dann trocknet die Probe
links viel flacher als die Probe rechts, bei der die
Falten regelrecht eingetrocknet werden. Die Pflege von
Kleidungsstücken aus erfindungsgemäß hergestellter Ware
ist daher leichter.
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Wissenschaftlich läßt sich dieser Effekt mit der zum
Flachziehen einer nassen Falte erforderlichen Kraft
korrelieren. In der nachstehenden Tabelle I ist diese
Kraft zusammen mit der im erfindungsgemäßen Verfahren
sowohl bad- als auch foulardmäßig zur Behandlung einer
Ware eingesetzten Natronlaugenkonzentration aufgeführt.
TABELLE 1 Natron-Kraft für das Flachziehen einer nassen Falte
lauge
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* nach ASTM-Verfahren D1388 "Steifigkeit von
textilen Flächengebilden", 1975, angenommenes
Flächengewicht: 50 mg/cm²
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Zum besseren Verständnis sind die Angaben der Tabelle
1 in Fig. 3 der Zeichnungen graphisch wiedergegeben,
wobei die zur Begradigung erforderliche Kraft in mg·cm
auf der y-Achse und die Natronlaugenkonzentration in
g/l auf der x-Achse aufgetragen ist. Dabei sind die
Werte für die Badbehandlung als Rauten und die für die
Foulardbehandlung als Quadrate eingetragen. Man sieht,
daß bei einer Natronlaugenkonzentration von bis zu
etwa 80 g/l = 8 Gew.-% die Kraft signifikant abnimmt.
Zweckmäßigerweise ist die Natronlaugenkonzentration
unter dem Wert zu wählen, bei dem sich zuviel Lyocell
in der Natronlauge auflöst und somit liegt die
bevorzugte Konzentration bei etwa 7-8 Gew.-%.