DE19913111A1 - Neue Flußmittel - Google Patents
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Abstract
Bauteile auf Aluminium und Aluminiumlegierungen können unter Verwendung eines Flußmittels auf Basis von Alkalifluorzinkat oder Alkalifluorid/Zinkfluorid-Gemischen bei Temperaturen von bis zu 600 DEG C verlötet werden. Andere Fluxe, beispielsweise auf Basis von Kaliumfluoraluminat, können zusätzlich verwendet werden. Alkalifluorzinkat-Fluxe, insbesondere Kalium- und Cesiumfluorzinkat-Fluxe, wirken nicht nur als Flux, sondern bilden auch eine Vergütung der Oberfläche, indem Zink und Alkalifluoraluminate auf der Oberfläche der Bauteile abgeschieden werden. Es werden auch neue Flußmittel auf Basis von Alkalimetallfluorzutaten beschrieben.
Description
Die Erfindung bezieht sich auf neue Flußmittel zum Löten
von Aluminium und Aluminiumlegierungen, ein Lötverfahren und
gelötete Bauteile.
Baugruppen (beispielsweise Kühler für Automotoren oder
Wärmetauscher) von Teilen aus Aluminium oder Aluminiumlegie
rungen können durch Verlöten (Hartlöten) dieser Teile herge
stellt werden. Mit Vorteil verwendet man ein Flußmittel auf
Basis von Fluoraluminat, welches die Oberfläche der miteinan
der zu verlötenden Bauteile von oxidischen Anhaftungen be
freit. Flußmittel auf Basis von Kaliumfluoraluminat eignen
sich besonders gut für Aluminium oder magnesiumarme Alumini
umlegierungen. Ein solches Verfahren wird im britischen
Patent 1 438 955 offenbart. Die Herstellung von entsprechen
den Flußmitteln wird beispielsweise von Willenberg,
US-A 4,428,920 und Meshri, US-A 5,318,764 sowie von Kawase,
US-A 4,579,605 beschrieben.
Flußmittel, die Fluoraluminate des Cesiums enthalten,
sind beispielsweise bei Suzuki, US-A 4,670,067 und Shimizu,
US-A 5,171,377 beschrieben. Derartige Flußmittel, die zusätz
lich auch Kaliumfluoralumihat-Flußmittel enthalten können,
sind besonders gut geeignet zum Verlöten von Aluminiumlegie
rungen mit höherem Magnesiumgehalt.
Beim Verlöten geht man so vor, daß man auf die zu ver
bindenden Bauteile das Flußmittel (beispielsweise in Form ei
ner Aufschlämmung) sowie ein Lotmetall aufbringt. Die Bau
teile werden in der gewünschten Position zusammengefügt und
erhitzt. Zunächst schmilzt das Flußmittel und reinigt die
Oberfläche, dann schmilzt das Lot. Anschießend läßt man die
Teile abkühlen.
Die US-A 5,190,596 lehrt, daß man dem Flußmittel anstel
le eines Lotmetalls ein Metall zusetzen kann, welches beim
Löten mit dem Aluminium ein Eutektikum bildet. Geeignete Me
talle sind Kupfer, Zink und Germanium, insbesondere Silicium.
Der Zusatz von bestimmten Metallfluorsilikaten in be
stimmten Mengen kann das Lotmetall überflüssig machen (siehe
EP-A 810 057 und die deutsche Patentanmeldung 196 36 897.9).
In der letzteren Patentanmeldung wird offenbart, daß ein Ge
misch von Kaliumfluoraluminat-Flußmittel und Kaliumfluorsili
kat, in welchem das Kaliumfluorsilikat in einer Menge von 6
bis 50 Gew.-% enthalten ist, ein Lotmetall entbehrlich macht.
In der eingangs erwähnten britischen Patentschrift
1,438,955 wird erläutert, daß kleinere Mengen von Alkalime
tallzinkfluoriden, bis hin zu 5 Mol-%, im Flußmittel tole
riert werden können. Ihre Anwesenheit bringe jedoch keinerlei
Vorteile in bezug auf die Senkung des Schmelzpunktes, alle
hätten vielmehr den Effekt, den Schmelzpunkt anzuheben. Hara
maki, US-A 4,645,119 offenbart Flußmittel auf Basis von Kali
umfluoraluminat, welche 3 bis 30 Gew.-% ZnF2, gegebenenfalls
in Form von KZnF3 enthalten. Das Zinkfluorid zersetzt sich
bei der Löttemperatur, und das metallische Zink bedeckt die
gelöteten Teile oder die ganze Oberfläche der miteinander zu
verlötenden Bauteile und verleiht dem Aluminium einen verbes
serten Korrosionsschutz.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein neues An
wendungsverfahren sowie neue, dafür verwendbare Flußmittel
zur Verfügung zu stellen. Diese Aufgabe wird durch das erfin
dungsgemäße Verfahren, den neuen Flux und das neue Flußmittel
gelöst.
Das erfindungsgemäße Verfahren zum Löten von Aluminium
und Aluminiumlegierungen unter Verwendung eines Flußmittels
auf Basis von komplexen Fluoriden sieht vor, daß das Flußmit
tel Alkalifluorzinkat oder Gemische von Alkalifluorid und
Zinkfluorid als Flux enthält und man bei einer Temperatur im
Bereich von 420 bis 600°C, vorzugsweise unterhalb von
590°C, lötet.
Daß Alkalifluorzinkat bzw. Gemische von Alkalifluorid
und Zinkfluorid bei diesen Temperaturen eine Flußmittelwir
kung aufweisen, ist eine unerwartete Erkenntnis. Überraschen
derweise wirken Alkalifluorzinkate jedoch als Flußmittel,
auch wenn man das Verlöten bei Temperaturen durchführt, die
weit unterhalb des Schmelzpunktes des verwendeten Alkaliflu
orzinkats liegen. Die Schmelzpunkte von KZnF3 und K2ZnF4 lie
gen z. B. bei 870°C und 737°C, es dürfte also bei Tempera
turen unterhalb von 600°C gar nicht zu einem Lötvorgang kom
men. Es bietet sich folgende Erklärung an: in Anwesenheit
lotbildender Komponenten wie z. B. Silicium bildet sich ein
Al-Si-Eutektikum. Dies generiert aufgrund elektrochemischer
Vorgänge ein Alkalifluoraluminat-Flußmittel in situ; bei
spielsweise wird angenommen, daß KZnF3+Al (aus der Al-Si-Le
gierung) sich unter Bildung von KAlF4 oder KF und AlF3 und
Zn-Metall umsetzt. Dies ist allerdings nur ein Erklärungsver
such, der die Phänomene wie den Lötvorgang und die Bildung
von Zn erklären könnte.
Gemische von Alkalifluorid (bzw. Alkalifluoriden) und
Zinkfluorid ergeben brauchbare Lötungen. Das Molverhältnis
von Alkalifluorid zu Zinkfluorid kann im Bereich etwa 1 : 1
liegen, z. B. von 1 : 1,05 bis 1,05 : 1. Es kann aber auch eine
der beiden Komponenten im größeren Überschuß vorliegen, be
sonders das Zinkfluorid. Bevorzugt setzt man allerdings Alka
lifluorzinkate ein, denn sie ergeben bessere Lötungen.
Der Begriff "Alkalifluorzinkat" im Rahmen der vorliegen
den Erfindung umfaßt Verbindungen der allgemeinen Formel
(MF)x.(ZnF2)y, wobei M = Li, Na, K, Rb, Cs und 0<x≧4 sowie
0<y≧4. "Alkalifluorid" umfaßt die Fluoride von Lithium, Na
trium, Kalium, Rubidium und Cesium.
Bevorzugt sind x und y ganze Zahlen, nämlich unabhängig
voneinander 1, 2,3 oder 4; x und y können aber auch in einem
substöchiometrischen Verhältnis zueinander stehen. Entweder
x, y oder beide sind dann zwar größer als 0, stellen aber
keine ganze Zahl dar. In diesem Fall ist es bevorzugt, wenn
y größer ist als x.
Der Begriff "Flußmittel" umfaßt im Rahmen der vorliegen
den Erfindung jene Verbindungen, welche die beim Löten er
wünschte oberflächenreinigende Wirkung (insbesondere Entfer
nung oxidischer Schichten) aufweisen. Das Flußmittel kann aus
Alkalifluorzinkat bestehen; andere Flußmittel sind dann nicht
enthalten. Das Flußmittel kann auch andere Flußmittel neben
Alkalifluorzinkat aufweisen. Beispielsweise kann das Flußmit
tel eine Mischung von Alkalifluorzinkat mit Alkalifluoralumi
nat, beispielsweise Kaliumfluoraluminat und/oder Cesiumflu
oraluminat, darstellen. Das Alkalifluorzinkat kann als reine
Verbindung oder als Gemisch von Alkalifluorzinkaten vorlie
gen. Beispielsweise kann man reines Kaliumfluorzinkat oder
reines Cesiumfluorzinkat einsetzen. Dabei kann es sich um
Verbindungen handeln, die in einer oder mehreren Phasen vor
liegen. Beispielsweise kann man reines KZnF3 oder aber Gemi
sche von KZnF3 und K2ZnF4 einsetzen. Man kann aber auch ent
sprechende Gemische mit verschiedenen Alkalimetallkationen
verwenden.
Bevorzugte Fluorzinkate sind Kaliumfluorzinkat und Cesi
umfluorzinkat. Diese können natürlich auch als Gemisch ent
halten sein.
Sofern Cesiumfluorzinkat als einziges Fluorzinkat im
Flußmittel enthalten ist, liegt es in einer Menge von 5 oder
mehr Gew.-% vor. Vorzugsweise ist das Alkalifluorzinkat in
einer Menge von mehr als 30 Gew.-% insbesondere in einer Men
ge von 50 oder mehr Gew.-% im Flußmittel enthalten. Die Pro
zentangaben beziehen sich auf das als 100 Gew.-% gesetzte
Flußmittel. Sofern es sich nicht um reine Alkalifluorzinkat-Fluß
mittel handelt, stellen andere Flußmittel den Rest auf
100 Gew.-% des Gemisches dar, insbesondere Flußmittel auf Ba
sis von Kalium- und/oder Cesiumfluoraluminat.
Das Flußmittel kann vielfach als solches, ohne Zusatz
von Hilfsstoffen, eingesetzt werden. Beispielsweise können
lotplattierte Aluminiumbleche mit reinem Flußmittel verlötet
werden. Neben dem Flußmittel können anwendungsfertige Zusam
mensetzungen gewünschtenfalls Hilfsstoffe umfassen. Das Fluß
mittel kann auch Hilfsstoffe enthalten wie Bindemittel, Dis
pergiermittel, Lotmetall, Lotmetall-Vorstufen, lotbildende
Materialien wie Metallfluorsilikate, insbesondere Alkali
fluorsilikate, oder Stabilisatoren. Im erfindungsgemäßen Ver
fahren sind Flußmittel aus reinem Alkalimetallfluorzinkat so
wie Flußmittel, die zusätzlich Kaliumfluoraluminat und/oder
Hilfsstoffe enthalten, sehr gut anwendbar.
Sofern Bindemittel im Flußmittel enthalten ist, ist es
zweckmäßig in einer Menge von 10 bis 90 Gew.-% enthalten. So
fern Lotmetall im Flußmittel enthalten ist, ist es zweckmäßig
in einer Menge von 25 bis 75 Gew.-% enthalten. Das Flußmittel
kann wie in den US-Patenten 5,100,048 und 5,190,596 beschrie
ben, lotbildende Metalle wie Silicium, Kupfer oder Germanium
beigemischt enthalten. Diese sind dann in einer Menge von ca.
10 bis ca. 80 Gew.-% enthalten. Die vorstehend beschriebenen
Mengenangaben können auch unter- oder überschritten werden.
Die effektiv wirksame Mindest- oder Maximalmenge kann durch
Handversuche (Lötversuche) ermittelt werden.
Als Lotmetall-Vorstufe kann auch Metallfluorsilikat, wie
Alkalifluorsilikat, beispielsweise Kaliumhexafluorsilikat
enthalten sein. Sofern es enthalten ist, liegt die Menge
zweckmäßig im Bereich von 5 bis 95 Gew.-%.
Die vorstehenden Prozentangaben beziehen sich auf das
als 100 Gew.-% gesetzte gesamte Flußmittel.
Wie in der DE-Anmeldung 196 36 897.9 gezeigt wird,
kann lotfrei gelötet werden, wenn mindestens 6 Gew.-% K2SiF6
im Flußmittel enthalten sind. Das gleiche trifft laut
EP-A 810 057 für Flußmittel zu, die 7 bis 15 Gew.-% Metall
fluorsilikate wie Cs2SiF6, CsHSiF6, oder CsKSiF6 enthalten.
Bei K2SiF6 sind hierfür 25 bis 50, ja sogar bis 75 Gew.-%
vorteilhaft. Aber auch wenn Metallfluorsilikate in geringen
Mengen im Flußmittel enthalten sind, beispielsweise in einer
Menge von 1 bis weniger als 6 Gew.-%, werden die Flußmitteli
genschaften hinsichtlich der Benetzungseigenschaften der zu
lötenden Oberfläche, aber auch der Schmelzpunkt des Flußmit
tels positiv beeinflußt.
Bei einem geplanten Einsatz des Flußmittels in Form ei
ner Aufschlämmung können auch noch Dispergiermittel enthalten
sein, die die Suspension stabilisieren.
Das Flußmittel kann in bekannter Weise auf die zu ver
bindenden Bauteile aus Aluminium oder Aluminiumlegierungen
aufgebracht werden. Die Trockenapplikation auf Basis von
elektrostatischer Sprühtechnologie ist aufgrund der guten
Fluidisierungseigenschaften der Flußmittel möglich. Alterna
tiv kann man das Flußmittel in Form von wäßrigen bzw. organi
schen Suspensionen oder als Paste auf die zu verbindenden
Werkstoffe applizieren. Wäßrige oder organische Aufschlämmun
gen enthalten zweckmäßig 15 bis 75 Gew.-% des Flußmittels.
Man kann auch Suspensionen des Flußmittels in organischen
Flüssigkeiten, zweckmäßig die üblicherweise als organische
Lösungsmittel verwendete Substanzen wie Alkohole, insbesonde
re Methanol, Ethanol, Propanol oder Isopropanol sowie Polyole
einsetzen. Andere organische Flüssigkeiten ("carrier") sind
Ether, z. B. Diethylenglycolmonobutylether, Ketone wie Ace
ton, Ester von Alkoholen, Diolen oder Polyolen. Binder für
die Anwendung als Paste ist z. B. Ethylcellulose. Mittels
Filmbildnern, gewöhnlich Polymere, die in organischen Löse
mitteln, z. B. Aceton, löslich sind, können Flußmittel mit
gegebenenfalls Lot oder Lot-Vorstufe auf das Werkstück aufge
bracht werden und ergeben nach dem Verdampfen des Lösemittels
einen fest haftenden Film. Geeignete Polymere sind z. B.
(Meth-)Acrylate. Beim Löten verdampft der Filmbildner dann.
Bei der Anwendung kann das Lotmetall, sofern benötigt,
im Flußmittel enthalten sein (als beigemischtes Pulver), es
kann als Plattierung auf den zu verlötenden Bauteilen bereits
aufgebracht sein oder zusätzlich zum Flußmittel aufgebracht
werden.
Die Löttemperatur ist abhängig vom verwendeten Lot oder
dem lotbildenden Metall oder Stoff. Unterhalb einer Lotme
tall-Liquidustemperatur von 450°C spricht man definitionsge
mäß vom Weichlöten (= "soldering"), darüber hinaus vom Hart
löten (= "brazing"). Es gibt niedrigschmelzende Lote, wie z. B.
Zink-Aluminium-Lote, die bereits ab 390°C oder reines
Zink-Lot, das bereits ab 420°C zum Verlöten verwendet werden
kann. Andere Lote können bei höherer Temperatur verlötet wer
den. Al-Si-[Cu]-Lote kann man ab [530°C] bzw. 575°C verwen
den.
Im allgemeinen reicht eine Lottemperatur bis 600°C aus.
Bevorzugt lötet man bei 390°C bis 600°C, insbesondere bei
420 bis 590°C. Dabei herrscht Umgebungsdruck. Ein Löten, z. B.
im Vakuum, unter Verdampfen des Flußmittels, wie in der
JP-A 03/099 795 beschrieben, fällt nicht unter die vorliegen
de Erfindung. Man kann Flammen- oder Ofen-löten, insbesondere
in inerter Atmosphäre (z. B. N2-Atmosphäre).
Für das erfindungsgemäße Verfahren kann man bekannte
Flußmittel einsetzen. Die japanische Anmeldung 71/293 699 of
fenbart beispielsweise Flußmittel bestehend aus Kaliumfluor
zinkat in einem bestimmten molaren Verhältnis. Die US-A
4,645,119 offenbart ein Flußmittel auf Basis von Kaliumflu
oraluminat, welches auch Kaliumfluorzinkat enthält. Das Kali
umfluorzinkat wurde als Zusatz zur Korrosionsverbesserung
eingesetzt, nicht als Flußmittel. Die europäische Patentan
meldung EP-A-0 659 519 offenbart ein Flußmittel zum Alumini
umlöten, welches Kaliumfluorid, Zinkfluorid und Aluminiumflu
orid innerhalb bestimmter Bereiche enthält. Möglicherweise
sind hier Kaliumfluorzinkate enthalten.
Im folgenden werden neue Flußmittel beschrieben, die im
erfindungsgemäßen Verfahren brauchbar sind und ebenfalls Ge
genstand der Erfindung sind.
Ein Gegenstand der Erfindung ist ein Flußmittel, brauch
bar zum Löten von Aluminium und Aluminiumlegierungen, welches
Alkalimetallfluorzinkat und Lotmetall oder insbesondere eine
Lotmetall-Vorstufe enthält sowie gegebenenfalls Alkalimetall
fluoraluminat und gegebenenfalls Hilfsmittel oder daraus be
steht. Alkali bedeutet vorzugsweise Kalium, Cesium und Rubi
dium. Bevorzugtes Alkalimetallfluorzinkat sind Kaliumfluor
zinkat und/oder Cesiumfluorzinkat; bevorzugte Lotmetall-Vor
stufe ist Silicium, Kupfer, Zink oder Germanium oder ein Me
tallfluorsilikat, vorzugsweise ein Alkalimetallfluorsilikat,
insbesondere Kaliumfluorsilikat und/oder Cesiumfluorsilikat.
Gewünschtenfalls können übliche Hilfsstoffe wie Binder, Trä
ger oder Stabilisator enthalten sein. Bereits ab 2 Gew.-%
Alkalifluorzinkat sind schon positive Einflüsse auf das Löt
verhalten feststellbar. Die Hilfsmittel, beispielsweise Bin
der, können in einer Menge von 10 bis 90 Gew.-%, bezogen auf
das Gesamtgewicht des Flußmittels enthalten sein. Das Fluß
mittel enthält gemäß einer Ausführungsform vorzugsweise 5 bis
95 Gew.-% Alkalifluorzinkat (als einzigen flußmittelwirksamen
Bestandteil) und 5 bis 95 Gew.-% Lot oder Lotmetall-Vorstufe,
oder es besteht aus ihnen.
Sofern zusätzlich zum Alkalifluorzinkat und Lotmetall
oder Lotmetall-Vorstufe noch Alkalifluoraluminat im Flußmit
tel enthalten ist, betragen die Mengen vorzugsweise 5 bis
90 Gew.-% Alkalifluorzinkat, 5 bis 90 Gew.-% Lot oder Lotme
tall-Vorstufe und 5 bis 90 Gew.-% Alkalifluoraluminat. Das
Flußmittel kann aus diesen Bestandteilen bestehen, oder es
können Hilfsmittel in einer Menge von 10 bis 90 Gew.-%, bezo
gen auf das Gesamtgewicht des Flußmittels, enthalten sein.
Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform enthält das
Flußmittel Alkalifluorzinkat, Alkalifluoraluminat sowie min
destens eine Lotmetall-Vorstufe. Bevorzugtes Alkalifluorzin
kat ist Kaliumfluorzinkat und Cesiumfluorzinkat, bevorzugte
Lotmetall ist Silicium, Germanium, Zink oder Kupfer oder Al
kalimetallfluorsilicat, vorzugsweise Kaliumfluorsilikat oder
Cesiumfluorsilikat. Das Flußmittel kann aus den vorgenannten
Bestandteilen bestehen. Das Alkalimetallfluorzinkat ist be
vorzugt in einer Menge von 2 bis 20 Gew.-%, das Alkalimetall
fluoraluminat in einer Menge von 20 bis 80 Gew.-% und die
Lotmetall-Vorstufe in einer Menge von 10 bis 50 Gew.-% im
Flußmittel enthalten. Gewünschtenfalls können übliche Hilfs
stoffe wie Binder, Träger oder Stabilisator (für die Suspen
sion) enthalten sein, vorzugsweise dann in einer Menge von 30
bis 70 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Flußmittels.
Noch ein Gegenstand der Erfindung ist ein Flußmittel,
welches brauchbar zum Löten von Aluminium und Aluminiumlegie
rungen ist und mehr als 5 Gew.-%, vorzugsweise mehr als
5 Mol-%, aber weniger als 100 Gew.-% Cesiumfluorzinkat sowie
Kaliumfluoraluminat oder Cesiumfluoraluminat als Rest auf
100 Gew.-% enthält. Dieses Flußmittel enthält vorzugsweise
mehr als 30 Gew.-%, insbesondere 50 oder mehr Gew.-% an Cesi
umfluorzinkat. Vorteil dieses Flußmittels, welches gewünsch
tenfalls die üblichen Hilfsstoffe wie Binder, Träger oder
Stabilisator enthalten kann, ist, daß man auch magnesiumhal
tige Aluminiumlegierungen sehr gut löten kann. Dies wird auf
das Cesium-Kation zurückgeführt. Alternativ sind deshalb auch
Gemische von Kaliumfluorzinkat und Cesiumfluoraluminat oder
Cesiumfluorzinkat sehr gut brauchbar.
Unter Verwendung des erfindungsgemäßen Flußmittels bzw.
des erfindungsgemäßen Flußmittels hergestellte Baugruppen aus
verlöteten Teilen aus Aluminium oder Aluminiumlegierungen
sind ebenfalls Gegenstand der Erfindung.
Die Herstellung der benötigten Alkalifluorzinkate kann
auf verschiedene Weise erfolgen. Beispielsweise kann man Al
kalifluorid, z. B. Cesiumfluorid oder Kaliumfluorid, mit
Zinkfluorid im gewünschten Verhältnis aufschmelzen. Alterna
tiv kann man in wäßriger Lösung arbeiten. So kann man aus
wäßriger Lösung Alkalifluoride und Zinkfluorid unter Bildung
von Alkalizinkfluorid zur Reaktion bringen und das ausgefal
lene Alkalizinkfluorid gewünschtenfalls isolieren. Hierzu
wird eine Zinkfluorid-Lösung, die gewünschtenfalls frisch aus
Zinkoxid und wäßriger HF hergestellt worden ist, mit einer
Kaliumfluorid-Lösung, die gewünschtenfalls frisch aus Kalium
hydroxid und wäßriger HF erhalten worden ist, umgesetzt wer
den. Die Aufarbeitung erfolgt derart, daß man den ausgefalle
nen Feststoff von der wäßrigen überstehenden Lösung abtrennt
und dann trocknet. Eine andere Vorgehensweise sieht vor, eine
Lösung von Alkalibifluoriden (d. h. Addukte von HF und Akali
fluorid) mit Zinkoxid umzusetzen. So kann man das Alkaliflu
orid und/oder das Zinkfluorid durch Umsalzen anderer Alkali- bzw.
Zinksalze mittels HF oder Alkali- oder Ammoniumbifluorid
in der Lösung erzeugen.
Informationen über Phasendiagramme, basierend auf Ther
mo- und Röntgenanalysen, werden von O. Schmidt-Dumont und
Horst Bornefeld in Z. anorg. allgem. Chem. 287 (1956), Seiten
120 bis 137 beschrieben. Informationen über Cs4Zn3F10 werden
von D. Babel in Z. Naturforsch. 20a (1965), Seiten 165 und
166 beschrieben. Eine neue Methode zur Herstellung von Fluo
rometallaten wird von M. K. Chaudhuri, S. K. Ghosh und Z.
Hiese in J. Chem. Soc. Dalton Trans. (1984), Seiten 1763 bis
1964 beschrieben.
Anders als im Stand der Technik angenommen, eignen sich
Alkalifluorzinkate als Flußmittel beim Aluminiumlöten bzw.
Löten von Aluminiumlegierungen wie Mg-Al-Legierungen bei Tem
peraturen von 600°C und weniger. Das Arbeiten im Vakuum mit
Flußmittel-Dampf ist nicht nötig. Der Rückstand ist nicht
korrosiv und kann überlackiert werden. Die Palette der be
kannten Flußmittel wird in unvorhersehbarer Weise bereichert.
Die folgenden Beispiele sollen die Erfindung weiter er
läutern ohne sie in ihrem Umfang einzuschränken.
Zinkoxid wird mit wäßriger HF zu einer Zinkfluorid-Lösung um
gesetzt (Lösung 1). Lösung 1 wird unter Rühren zu einer zuvor
hergestellten wäßrigen KFHF-Lösung (Lösung 2 aus 23,3 g KF
und 16 g HF) gegeben. Es wird eine Stunde nachgerührt und vom
ausgefallenen Feststoff abfiltriert. Der Feststoff wird bei
110°C im Umluftschrank getrocknet.
Ausbeute: 95,4% (d.Th.)
Analyse: XRD bestätigt reines KZnF3; Identifizierung mit Referenzspektrum (s. Fig. 1/7).
DTA bis 650°C keine erkennbare Phasenumwandlung
Ausbeute: 95,4% (d.Th.)
Analyse: XRD bestätigt reines KZnF3; Identifizierung mit Referenzspektrum (s. Fig. 1/7).
DTA bis 650°C keine erkennbare Phasenumwandlung
30 g CsOH wird mit wäßriger HF zu CsF.HF in Lösung umgesetzt.
Zu dieser Lösung wird unter Rühren 16,3 g Zinkoxid portions
weise zugegeben. Die Aufarbeitung erfolgt wie in Beispiel 1.
Ausbeute: 52,8% (d.Th.)
Analyse: 33,9% Cs, 37,9% Zn XRD lt. Anlage, kein Referenzspektrum vorhanden (s. Fig. 2/7).
DTA: mehrere Onsets, insbesondere bei 368,5°C, 558,8°C und 664,6°C.
Ausbeute: 52,8% (d.Th.)
Analyse: 33,9% Cs, 37,9% Zn XRD lt. Anlage, kein Referenzspektrum vorhanden (s. Fig. 2/7).
DTA: mehrere Onsets, insbesondere bei 368,5°C, 558,8°C und 664,6°C.
60 g CsOH wird mit wäßriger HF zu CsF.HF in Lösung umgesetzt.
Zu dieser Lösung wird unter Rühren 16 g Zinkoxid portionswei
se zugegeben. Die Aufarbeitung erfolgt wie in Beispiel 1.
Ausbeute: 52,8% (d.Th.)
Analyse: 49,0% Cs, 27,2% Zn XRD lt. Anlage, kein Referenzspektrum vorhanden (s. Fig. 3/7).
DTA: kleiner Onset 499°C, Hauptpeak bei 583°C Onset.
Ausbeute: 52,8% (d.Th.)
Analyse: 49,0% Cs, 27,2% Zn XRD lt. Anlage, kein Referenzspektrum vorhanden (s. Fig. 3/7).
DTA: kleiner Onset 499°C, Hauptpeak bei 583°C Onset.
Wie in Beispiel 3, jedoch wird bei ca. 90°C für 2,5 Stunden
nachgerührt. Die Aufarbeitung erfolgt wie in Beispiel 1.
Ausbeute: 67,3% (d.Th.)
Analyse: 58% Cs 26,1%Zn XRD (s. Fig. 4/7) kein Referenzspektrum vorhanden.
Ausbeute: 67,3% (d.Th.)
Analyse: 58% Cs 26,1%Zn XRD (s. Fig. 4/7) kein Referenzspektrum vorhanden.
45 g CsOH wird mit wäßriger HF zu CsF.HF in Lösung umgesetzt.
Zu dieser Lösung wird unter Rühren 16,3 g Zinkoxid portions
weise zugegeben und bei ca. 80°C für 2 Stunden nachgerührt.
Die Aufarbeitung erfolgt wie in Beispiel 1.
Ausbeute: 73,5% (d.Th.)
Analyse: 85,5% Cs 36,2%Zn XRD, kein Referenzspektrum vorhanden (s. Fig. 5/7).
DTA: Onsets bei 502,4°C, 556,3°C und 586,4°C.
Ausbeute: 73,5% (d.Th.)
Analyse: 85,5% Cs 36,2%Zn XRD, kein Referenzspektrum vorhanden (s. Fig. 5/7).
DTA: Onsets bei 502,4°C, 556,3°C und 586,4°C.
16 g NaOH wird mit wäßriger HF zu NaF.HF in Lösung umgesetzt.
Zu dieser Lösung wird unter Rühren 32,6 g Zinkoxid portions
weise zugegeben. Die Aufarbeitung erfolgt wie in Beispiel 1.
Ausbeute: 95,0% (d.Th.)
Analyse: XRD, Identifizierung mit Referenzspektrum 20 11 82 (s. Fig. 6/7).
DTA: Onset bei 648,4°C.
Ausbeute: 95,0% (d.Th.)
Analyse: XRD, Identifizierung mit Referenzspektrum 20 11 82 (s. Fig. 6/7).
DTA: Onset bei 648,4°C.
20,5 g RbOH wird mit wäßriger HF zu RbF.HF in Lösung umge
setzt. Zu dieser Lösung wird unter Rühren 16,3 g Zinkoxid
portionsweise zugegeben. Die Aufarbeitung erfolgt wie in Bei
spiel 1.
Ausbeute: 93,8% (d.Th.)
Analyse: XRD, Referenzspektrum 20 10 16 (s. Fig. 7/7).
DTA: Maxima bei 638,6°C und 683,9°C.
Ausbeute: 93,8% (d.Th.)
Analyse: XRD, Referenzspektrum 20 10 16 (s. Fig. 7/7).
DTA: Maxima bei 638,6°C und 683,9°C.
Auf einem Aluminium- bzw. AlMg-Coupon [25×25 mm], mit bzw.
ohne Lot oder Lotplattierung, wird, um eine homogene Vertei
lung des Flußmittels auf der Oberfläche zu erhalten, eine de
finierte Menge Flußmittel mit ein bis zwei Tropfen Isopro
panol auf der Couponoberfläche verrieben. Anschließend wird
dieser Coupon mit einem Aluminiumwinkel [ca. 45°, Lauge
40 mm, Höhe 5 mm] versehen und gewartet, bis das Isopropanol
abgedampft ist. Dieser Coupon wird dann in den von einer kon
trollierten Atmosphäre [Stickstoff Taupunkt -40°C] durch
fluteten, vorgeheizten Lötofen [ca. 400°C bei ZnAl-Loten,
ca. 520°C bei AlSi(Cu)-Loten] plaziert (sogenanntes
CAB-Brazing) und auf Löttemperatur [Verlöten des Winkels mit dem
Coupon, je nach Lot auf bis zu 600°C] aufgeheizt [sogen. CAB
Brazing Prozesses]. Nocolok® ist Kaliumfluoraluminat.
Claims (20)
1. Verfahren zum Löten von Aluminium und Aluminiumlegie
rungen, wobei das Flußmittel Alkalifluorzinkat oder Gemische
von Alkalifluorid und Zinkfluorid enthält und man bei einer
Temperatur im Bereich von 390°C bis 600°C, vorzugsweise von
420 bis 600°C, lötet.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß im Flußmittel Kalium- und/oder Cesiumfluorzinkat, enthal
ten ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß, sofern Cesiumfluorzinkat im Flußmittel enthalten ist,
dies in einer Menge von mehr als 5 Mol-% vorliegt.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß Kaliumfluorzinkat und/oder Cesiumfluorzinkat in einer
Menge von mehr als 30 Gew.-% im Flußmittel enthalten ist.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet,
daß Kaliumfluorzinkat und/oder Cesiumfluorzinkat in einer
Menge von 50 oder mehr Gew.-% im Flußmittel enthalten ist.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß das Flußmittel aus Alkalifluorzinkat oder aus Alkaliflu
orzinkat und Hilfsmittel besteht.
7. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß man bei einer Temperatur im Bereich von 420 bis 590°C
lötet.
8. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß zusätzlich zum Alkalifluorzinkat Kaliumfluoraluminat oder
Cesiumfluoraluminat in einer Menge von bis zu 95 Gew.-% ent
halten ist.
9. Verfahren nach Anspruch 1 oder 6, dadurch gekenn
zeichnet, daß das Flußmittel Hilfsmittel wie Binder, Lotme
tall, Lotmetall-Vorstufen oder Stabilisator für Suspensionen
enthält.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet,
daß das Flußmittel Metallfluorsilikat, vorzugsweise Alkali
fluorsilikat, enthält.
11. Abwandlung des Verfahrens nach Anspruch 1 zum lot
freien Löten von Aluminium und Aluminiumlegierungen, wobei
das Flußmittel Metallfluorsilikat, vorzugsweise Alkalifluor
silikat, insbesondere Kaliumfluorsilikat, in einer Menge von
mindestens 5 bis 95 Gew.-% als Lotmetall-Vorstufe enthält.
12. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß das Flußmittel in Form einer wäßrigen oder alkoholischen
Aufschlämmung eingesetzt wird.
13. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß man unter kontrollierter Atmosphäre lötet oder in der
nichtoxidierenden Flamme.
14. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß man Mg-haltige Legierungen des Aluminiums lötet.
15. Flußmittel brauchbar zum Löten von Aluminium und
Aluminiumlegierungen, enthaltend oder bestehend aus Alkali
metallfluorzinkat, Lotmetall-Vorstufe sowie gegebenenfalls
Alkalimetallfluoraluminat.
16. Flußmittel brauchbar zum Löten von Aluminium und
Aluminiumlegierungen, enthaltend mehr als 5 Mol-%, vorzugs
weise mehr als 30 Gew.-%, aber weniger als 100 Gew.-% Cesium
fluorzinkat.
17. Flußmittel enthaltend oder bestehend aus 5 bis
95 Gew.-% Alkalifluorzinkat und 5 bis 95 Gew.-% Lotmetall,
Lotmetall-Vorstufe, wie Silicium, Kupfer, Zink und/oder Ger
manium, oder Alkalifluorsilikat.
18. Flußmittel nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet,
daß es 5 bis 90 Gew.-% Alkalifluorzinkat, 5 bis 90 Gew.-%
Lotmetall-Vorstufe und 5 bis 90 Gew.-% Kaliumfluoraluminat
enthält oder daraus besteht.
19. Flußmittel enthaltend 5 bis 95 Gew.-% Alkalifluor
zinkat und 95 bis 5 Gew.-% Alkalifluorsilikat, oder daraus
bestehend.
20. Flußmittel nach einem der Ansprüche 15 bis 19, da
durch gekennzeichnet, daß Alkali für Kalium, Cesium oder
Rubidium steht.
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