DE19853640C2 - Mehrgefäßanordnung mit verbesserter Empfindlichkeit für die optische Analytik, Verfahren zu ihrer Herstellung sowie ihre Verwendung in optischen Analyseverfahren - Google Patents
Mehrgefäßanordnung mit verbesserter Empfindlichkeit für die optische Analytik, Verfahren zu ihrer Herstellung sowie ihre Verwendung in optischen AnalyseverfahrenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft Mehrgefäßanordnungen, die Verwendung
dieser Mehrgefäßanordnungen sowie Verfahren zu ihrer
Herstellung.
Mehrgefäßanordnungen wie z. B. Mikrotiterplatten sind zu einem
Standard in der biochemischen Analytik geworden, da sie
insbesondere den Vorteil aufweisen, eine Vielzahl von
Analysen oder Assays parallel und automatisiert zu
ermöglichen. Solche Assays schließen beispielsweise ELISA-
Tests (Enzyme-linked Immunosorbant Assays), die Bestimmung
der Konzentration von Chemikalien, Proteinen und DNA, die
Bestimmung der α-, β- und/oder γ-Strahlung bei
Szintillationsmessungen, Fluoreszenz-, Phosphoreszenz- oder
Lumineszenzmessungen etc. ein. Weiterhin haben sich
Mehrgefäßanordnungen auch für die automatisierte Analyse an
Zellkulturen als vorteilhaft erwiesen. Im Regelfall erfolgt
die Analyse derart, daß die Proben in den
Mehrgefäßanordnungen mit Licht aus dem UV/VIS-
Wellenlängenbereich bestrahlt werden und die Absorption bzw.
Emission der Proben durch geeignete Detektoren bestimmt wird.
Die Empfindlichkeit dieser Messungen war jedoch aufgrund der
optischen Eigenschaften der für die Herstellung der
Mehrgefäßanordnungen verwendeten Kunststoffe, i. d. R.
Polystyrol, beschränkt. Daher sind in jüngster Zeit
Anstrengungen unternommen worden, die optischen Eigenschaften
der Mehrgefäßanordnungen durch Wahl geeigneter Materialien
bzw. durch Wahl geeigneter Geometrien der
Mehrgefäßanordnungen zu verbessern. So offenbart die
Europäische Patentanmeldung EP 0 797 088 A1.
Mehrgefäßanordnungen mit Böden aus Kunststoffmaterialien, die
eine besonders hohe UV-Durchlässigkeit aufweisen. Die
Empfindlichkeit solcher Mehrgefäßanordnungen ist jedoch nach
wie vor für eine Vielzahl von Assays, bei denen teilweise nur
geringste Probenmengen bis hinunter zum Einzelmolekül zu
analysieren sind, wie beispielsweise bei durch
kombinatorische Chemie hergestellten Substanzbibliotheken,
unzureichend.
DD 236 400 A1 schreibt ein Verfahren, bei dem
Mikrotestplatten durch ein Tauchverfahren oder durch
Einfüllen von 0,050 bis 0,250 ml einer Lösung von nitrierter
Cellulose in die einzelnen Vertiefungen mit anschließendem
Verdampfen beschichtet werden.
WO 92/03732 A2 offenbart die Verwendung von
Dextranadipinhydrazit-Polymeren zur Anbindung von Rezeptoren,
wie z. B. IGG, in Mehrgefäßanordnungen.
WO 88/08789 A1 beschreibt biokompatible Harze, die eine
Polyorganosiloxan-Zusammensetzung, deren Oberfläche mit einem
Amin, einer Carbonsäure oder elementarem Kohlenstoff
modifiziert ist, umfassen, die u. a. als Böden für
Zellkulturplatten verwendet wird.
US 5 545 531 offenbart Mikrotiterplatten mit einem Wafer, der
vorzugsweise lichtdurchlässig ist und ein Substrat und eine
Oberfläche umfasst. An der Oberfläche können durch "light
directed probesynthesis" Moleküle derivatisiert werden. Diese
Moleküle umfassen u. a. Polysaccharide.
Es ist daher die erfindungsgemäße Aufgabe,
Mehrgefäßanordnungen mit einer verbesserten Empfindlichkeit
für optische Analyseverfahren bereitzustellen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch
Mehrgefäßanordnungen,
mit den
Merkmalen der Ansprüche 1, 9 oder 10.
Die Fig. 1 und 2 zeigen bevorzugte
Mehrgefäßanordnungen. Fig. 1 zeigt eine
Mehrgefäßanordnung, umfassend eine Gefäßwandmatrix (1) mit
durchgehenden Vertiefungen und eine daran angebrachte optisch
transparente Bodenplatte (2), die mit dem Film (3)
beschichtet ist. Fig. 2 zeigt eine erfindungsgemäße
Mehrgefäßanordnung, umfassend eine Gefäßwandmatrix (1) mit
durchgehenden Vertiefungen und mehrere daran angebrachte
optisch transparente Bodenplatten (2), die mit dem Film (3)
beschichtet sind, wobei pro Vertiefung der Gefäßwandmatrix
eine Bodenplatte vorliegt.
Die Mehrgefäßanordnungen ermöglichen im
Gegensatz zu den Mehrgefäßanordnungen des Standes der Technik
eine unabhängige Kontrolle der Oberflächeneigenschaften des
Bodens der Mehrgefäßanordnung, durch den bzw. an dem die
optische Analytik durchgeführt wird, und der Gefäßwand, die
lediglich zur Aufbewahrung der Flüssigkeit dient und für die
Analyse in der Regel nicht wesentlich ist. Durch diese
Kontrolle der Oberflächeneigenschaften der Bodenoberfläche
kann die Empfindlichkeit optischer Analyseverfahren mit
Mehrgefäßanordnungen erhöht werden.
Die Mehrgefäßanordnung ist bezüglich der
Anzahl der Vertiefungen nicht beschränkt und umfaßt
insbesondere Mehrgefäßanordnungen mit 24 (4 . 6), 48 (6 . 8), 96
(8 . 12), 384 (16 . 24), 864 (24 . 36) bzw. 1536 (32 . 48)
Vertiefungen, ist jedoch nicht auf diese Konfigurationen
beschränkt. Die Vorzüge der Vorrichtung werden jedoch mit
zunehmender Anzahl an Vertiefungen deutlicher, da diese mit
einem zunehmenden Oberflächen-Volumen-Verhältnis einhergeht,
d. h. Oberflächeneffekte werden bei steigender Anzahl an
Vertiefungen relevanter. Die Abmessungen der
Mehrgefäßanordnungen orientieren sich vorzugsweise an den
Standards der "Society of Biomolecular Screening" (SBS), d. h.
die Mehrgefäßanordnung ist vorzugsweise und unabhängig von
der Anzahl der Vertiefungen 86 mm breit und 128 mm lang.
Die Gefäßwandmatrix (1)
besteht vorzugsweise aus einem Kunststoffmaterial, besonders
bevorzugt aus einem solchen Kunststoffmaterial, welches eine
möglichst geringe unspezifische Adsorption für die zu
analysierende Substanz, wie z. B.. DNA bzw. Proteine aufweist.
Bevorzugte Materialien für die Gefäßwandmatrix schliessen
Polystyrol, Polycarbonat, Polyethylen und/oder Polypropylen
ein. Weiterhin können als Gefäßwandmatrix Kunststoffe
erfindungsgemäß verwendet werden, deren Oberflächen mit
Substanzen beschichtet sind, die einen Film auf dem
Gefäßwandmaterial bilden, der die Adsorption des Analyten an
der Gefäßwandmatrix vermindert. Geeignete Substanzen
diesbezüglich schliessen insbesondere Rinderserumalbumin,
fluorierte Kohlenwasserstoffe, Oligoethylenoxid-haltige
Polymere wie beispielsweise Polymere der Substanzklasse
Pluronics sowie Polysaccharide wie z. B. Cellulose- und
Dextran-Derivate ein. Weiterhin enthält der Kunststoff der
Gefäßwandmatrix (1) vorteilhafterweise eine optisch nicht
transparente Substanz wie Titandioxid oder Ruß, um so ein
optisches Übersprechen zwischen den einzelnen Vertiefungen zu
verhindern. Die Seite der Gefäßwandmatrix (1), die mit der
bzw. den Bodenplatten (2) verbunden wird, ist im Regelfall
planar, insbesondere bei einer großen Anzahl von
Vertiefungen. Bei einer geringeren Anzahl von Vertiefungen
und damit i. d. R. einer größeren Fläche einer jeden Vertiefung
kann auch jede Vertiefung bzw. eine Gruppe von Vertiefungen,
beispielsweise 4 oder 9 Vertiefungen, eine Aussparung in der
Größe der daran anzubringenden Bodenplatte aufweisen, d. h. in
diesem Fall wird pro Vertiefung bzw. pro Gruppe von
Vertiefungen eine Bodenplatte verwendet. Obwohl dies
bezüglich der Herstellung nicht bevorzugt ist, kann eine
solche Mehrgefäßanordnung bezüglich einer
weiteren Empfindlichkeitserhöhung bevorzugt sein, da so ein
optisches Übersprechen zwischen den einzelnen Vertiefungen
entlang des Bodens verhindert werden kann. Die Vertiefungen
der erfindungsgemäß verwendeten Gefäßwandmatrix können rund,
rechteckig oder quadratisch sein. Erfindungsgemäß bevorzugt
sind runde Vertiefungen, da diese bei gleichem Volumen
gegenüber den quadratischen Vertiefungen eine geringere
Oberfläche aufweisen und daher bei ansonsten gleichen
Eigenschaften zu einer geringeren Adsorption des Analyten
führen.
Die optisch transparente
Bodenplatte (2) der Mehrgefäßanordnung weist
vorteilhafterweise in dem Wellenlängenbereich, bei der der
Assay durchgeführt wird, eine besonders hohe Transmission
auf. Für eine Vielzahl von optischen Messungen ist
insbesondere Quarzglas oder Borosilikatglas bevorzugt, jedoch
können auch weitere Materialien wie z. B. das 4-Methyl-penten-
1-Polymer TPX® von Mitsui Petrochemical Industries, Japan
bzw. Polymethylmethacrylat verwendet werden. Die
Bodenplatte (2) weist vorzugsweise
eine geringe Dicke auf, besonders bevorzugt eine Dicke unter
200 µm, insbesondere 130 bis 170 µm, besonders bevorzugt 150 µm.
Eine möglichst dünne Bodenplatte ist insbesondere dann
erwünscht, wenn für den zu verwendenden Assay stark
fokussiertes Licht bzw. Objektive mit einer hohen numerischen
Apertur verwendet werden, wie beispielsweise bei der
Fluoreszenzkorrelationsspektroskopie. Besonders bevorzugt
sind Bodenplatten, die eine möglichst geringe Rauhigkeit
aufweisen. Die Abmessungen der Bodenplatte hängen bei
Verwendung einer Bodenplatte pro Vertiefung von der Anzahl
der Vertiefungen ab. Bei einer 24er Anordnung kann die Größe
ca. 17 mm . 17 mm betragen. Wird nur eine Bodenplatte für die
erfindungsgemäße Mehrgefäßanordnung verwendet, so beträgt die
Größe der Bodenplatte normalerweise 75 mm . 115 mm.
Der als Beschichtung der Bodenplatte(n) der
Mehrgefäßanordnung verwendete Film (3) mit zur kovalenten
Immobilisierung von Molekülen geeigneten funktionellen
Gruppen erlaubt eine gezielte Oberflächenmodifizierung der
Bodenoberfläche, d. h. der Oberfläche, die für die Analyse
relevant ist. Hierdurch kann die Empfindlichkeit von
optischen Messungen erhöht werden.
Die Art des Filmes (3) ist nicht beschränkt, sofern dieser
geeignete funktionelle Gruppen aufweist, und umfaßt
beispielsweise Silanfilme, Langmuir-Blodgett-Filme und
Hydrogel-Filme wie beispielsweise Dextran-Filme.
Die funktionellen Gruppen an diesem Film sind nicht
beschränkt und schliessen beispielsweis Hydroxy-, Amino-,
Aldehyd-, und Carboxy-Gruppen ein. Vorzugsweise liegen diese
Gruppen geschützt vor, d. h. daß vor der kovalenten
Immobilisierung von Molekülen an diese Gruppen eine
Schutzgruppe abgespalten werden muß. Geeignete Schutzgruppen
sind dem Fachmann bekannt.
Der Film ist vorzugsweise ein
Langmuir-Blodgett-Film, insbesondere ein zwei- oder
dreidimensional vernetzbarer Langmuir-Blodgett-Film,
besonders bevorzugt ein Langmuir-Blodgett-Film auf
Polysaccharid-, insbesondere Cellulosebasis.
Vorteilhafterweise ist der Film
photochemisch vernetzbar. Die
Langmuir-Blodgett-Filme weisen den Vorteil auf, daß sie nach
Immobilisierung von Rezeptoren eine hohe spezifische
Adsorption bei geringer unspezifischer Adsorption aufweisen,
lagerstabil sind und eine topologisch sehr definierte
Oberfläche bereitstellen.
Die bevorzugten Polysaccharid- oder Cellulose-Derivate für
den Langmuir-Blodgett-Film weisen vorzugsgwiese einen
Polymerisationsgrad von mehr als 5 und sind besonders
bevorzugt gemischte Celluloseether, die a) mindestens einen
hydrophoben und b) mindestens einen ein Stickstoff-Atom
enthaltenden Substituenten aufweisen.
In bevorzugten Ausführungsformen weisen die gemischten
Celluloseether als Substituenten a) eine Trialkylsilyl- und
als Substituenten b) eine Aminoalkylgruppe auf, wobei der
Alkylrest insbesondere im Substituenten a) 1 oder 2 C-Atome
und im Substituenten b) 2 bis 8 C-Atome hat. Zusätzlich kann
das Polysaccharidderivat noch c) mindestens einen weiteren
Substituenten enthalten, der eine photochemisch, radikalisch
oder thermisch vernetzbare Gruppe trägt.
Unter den bevorzugten gemischten Celluloseethern sind
vorwiegend solche Verbindungen zu verstehen, bei denen
einzelne der OH-Gruppen des Cellulosegrundgerüstes am H durch
organische oder Organosilylgruppen ersetzt sind, d. h. das
direkt dem O benachbarte Atom ein C oder Si ist. Darüber
hinaus können unter dieser Bezeichnung aber auch noch
Derivate verstanden werden, die zusätzlich weitere
Substituenten (insbesondere am O der OH-Gruppe) tragen,
beispielsweise ist der Substituent c) ein solcher. In den
konkreten Molekülen (siehe dazu Lothar Brandt in Ullmann's
Encyclopedia of Industrial Chemistry, Vol. A5, 2. Auflage,
Stichwort "Cellulose Ethers", S. 461 ff.) muß nicht jede
einzelne Moleküleinheit (Anhydroglucose-Einheit) im
Celluloseethermolekül an einer oder mehreren OH-Gruppen
substituert sein, sondern die Verbindungsbezeichnung bezieht
sich auf die Gesamtheit der Moleküle bzw. Moleküleinheiten,
stellt also eine Mittelwertbezeichnung dar; im allgemeinen
sind maximal 3 OH-Gruppen pro Moleküleinheit substituierbar.
Zur Herstellung bzw. zum Verhalten von die Substituenten a)
oder c) (jedoch nicht b)) enthaltenden Cellulosederivaten
wird auf Frank Löscher et al., Proc. SPIE Vol. 2928, 1996,
S. 209 bis 219 und auf Dieter Klemm et al., Z. Chem., 24. Jg.
(1984), Heft 2, S. 62 in "4-Dimethylamino-pyridin-
katalysierte Synthese von Celluloseestern über organlösliche
Synthese von Celluloseestern über organolösliche
Trimethylcellulose" verwiesen.
Zur Beschichtung der Bodenplatte wird mindestens eine
monomolekulare Schicht, vorzugsweise 2 bis 10 monomolekulare
Schichten des Polysaccharidderivates auf die Bodenplatte
aufgebracht, wobei dieses als Substituenten a) bevorzugt
einen hydrophoben Substituenten mit Alkyl-, Alkenyl-, Aryl-,
Alkylsilyl-, Alkensilyl- und/oder Arylsilyl-Resten, aber auch
andere Substituenten, die den Übertrag auf Oberflächen mit
der Langmuir-Blodgett-(LB) und/oder Langmuir-Blodgett-
Schäfer-(LBS)-Technik ermöglichen, aufweist.
Die Aufbringung dieser Schicht kann durch Inkubation in
einer Lösung, durch einen Self-Assembly-(SA)-Prozeß oder
vorzugsweise mit der Langmuir-Blodgett- oder Langmuir-
Blodgett-Schäfer-Technik erfolgen. Die Polysaccharidderivate
sind geeignet, sowohl auf hydrophilen wie auf hydrophoben
Oberflächen zu haften. Somit kann diese Substanzklasse als
oberflächenmodifizierender Film aufgetragen und verwendet
werden.
Eine zusätzliche Stabilisierung erfahren diese Schichten,
wenn photopolymerisierbare oder thermisch polymerisierbare
Gruppen in das/die Molekül(e) eingebaut werden, z. B.
Cinnamoylgruppen, aber auch alle anderen in der Chemie
bekannten Gruppen, da diese durch die Polymerisation vor,
während und nach der Übertragung die Schicht vernetzend
stabilisieren.
Hierbei können die polymerisierbaren Gruppen entweder am
obengenannten Polysaccharidderivat angebracht sein oder aber
in Form eines weiteren Moleküls, das vermischt mit dem
Polysaccharidderivat auf oder in die Schicht aufgebracht
wird, vorliegen. Die Polymerisation kann innerhalb einer
Monolage stattfinden; sind jedoch mehrere Monolagen
übereinander vorhanden, kann die Polymerisation auch zwischen
Molekülen der einzelnen Schichten stattfinden.
Die Mehrgefäßanordnung kann wie folgt
hergestellt werden:
Die Bodenplatte wird mit dem Film beschichtet, beispielsweise mit dem oben beschriebenen Langmuir-Blodgett-Film. Eine vorgeformte Gefäßwandmatrix, beispielsweise eine durch Spritzguß von Polystyrol hergestellte Gefäßwandmatrix, wird in einem getrennten Arbeitsgang zunächst gereinigt, beispielsweise durch Ultraschallbehandlung. Anschließend wird die Gefäßwandmatrix vorzugsweise in eine Lösung enthaltend eine Substanz, die die Adsorption von Analyten wie Protein bzw. DNA an der Wand der Gefäßwandmatrix herabsetzt, wie beispielsweise in das Rinderserumalbumin, getaucht.
Die Bodenplatte wird mit dem Film beschichtet, beispielsweise mit dem oben beschriebenen Langmuir-Blodgett-Film. Eine vorgeformte Gefäßwandmatrix, beispielsweise eine durch Spritzguß von Polystyrol hergestellte Gefäßwandmatrix, wird in einem getrennten Arbeitsgang zunächst gereinigt, beispielsweise durch Ultraschallbehandlung. Anschließend wird die Gefäßwandmatrix vorzugsweise in eine Lösung enthaltend eine Substanz, die die Adsorption von Analyten wie Protein bzw. DNA an der Wand der Gefäßwandmatrix herabsetzt, wie beispielsweise in das Rinderserumalbumin, getaucht.
Anschließend erfolgt eine Trocknung der Gefäßwandmatrix.
An den Kanten der Gefäßwandmatrix, die die Kontaktfläche mit
der aufzubringenden Bodenplatte bilden sollen, wird dann ein
Kleber, beispielsweise mit Hilfe einer Rolle, angebracht,
beispielsweise ein Silikonkautschukkleber, ein
Epoxidharzklebstoff oder ein Acrylatkleber (z. B. Loctite).
Besonders bevorzugt sind lichtaktivierbare
Einkomponentenkleber. Die so vorbehandelte Gefäßwandmatrix
wird vorsichtig auf die mit dem Langmuir-Blodgett-Film
beschichtete Bodenplatte gedrückt. Alternativ kann der Kleber
auch direkt auf die Bodenplatte mit Hilfe der
Siebdrucktechnik in einem Muster aufgetragen werden, welches
der Kontaktfläche mit der Gefäßwandmatrix entspricht. So wird
die erfindungsgemäße Mehrgefäßanordnung erhalten. Die
aufgeklebte Bodenplatte weist vorzugsweise nur einen
minimalen Niveauunterschied von ca. 1 mm zur äußeren Kante
des Kunststoffkörpers auf. Somit wird gewährleistet, daß
sämtliche Vertiefungen der erfindungsgemäßen
Mehrgefäßanordnung optisch von der Bodenseite vermessen
werden können und es zu keiner sterischen Behinderung der
Meßoptik durch den Rand der Gefäßwandmatrix kommt.
Nach erfolgter Herstellung der
Mehrgefäßanordnung wird die Oberfläche vorzugsweise mit einem
Deckel und/oder einer Folie geschützt. Der Deckel ist
vorzugsweise so konstruiert, daß er auf der Oberseite einer
erfindungsgemäßen Mehrgefäßanordnung zwangspositioniert ist.
Desweiteren ermöglicht er auch das zwangspositionierte
Stapeln der Mehrgefäßanordnungen. Die Größe des Deckels
beträgt vorzugsweise etwa 86 mm . 128 mm . 8 mm. Die Verwendung
einer Folie weist den Vorteil auf, daß die Oberfläche der
Bodenplatte auch dann geschützt bleibt, wenn beispielsweise
in eine Vertiefung mittels einer Spritze mit Nadel, die durch
die Folie hindurchgestochen wird, Flüssigkeit eingegeben
wird.
An den Boden der Mehrgefäßanordnung
können dann für die Durchführung von optischen Assays
Moleküle kovalent angekoppelt werden, die abhängig von der
Art des Analyseverfahrens bzw. Assays die
Oberflächeneigenschaften bestimmen. Hierbei ist zwischen
homogenen und heterogenen Assays zu unterscheiden, d. h.
Assays, bei denen der Analyt in Lösung vorliegt, und Assays,
bei denen der Analyt, wie z. B. ein Rezeptor oder Ligand, an
einem an einer Oberfläche befindlichen Liganden oder Rezeptor
bindet. Zu den homogenen Assays, bei denen die
Mehrgefäßanordnung besonders vorteilhaft zu
verwenden ist, gehören die Fluoreszenzkorrelations-Assays,
Fluoreszenzpolarisations-Immunosorbent-Assay und Förster-
Energietransfer-Assays. Zu den heterogenen Assays, bei denen
die erfindungsgemäße Mehrgefäßanordnung besonders vorteilhaft
zu verwenden ist, gehören alle optischen Assays, bei denen
eine Aufkonzentrierung des Analyten an der Bodenoberfläche
vorteilhaft ist, wie z. B. Evaneszenzassays oder Assays, bei
denen zur Anregung von Fluoreszenz mit einem stark
fokussierten Laserstrahl die Oberfläche abgerastert wird.
Abhängig von der Art des Assays wird die Oberflächenfilm auf
der Bodenplatte mit Molekülen derivatisiert. Während bei
homogenen Assays durch die Immobilisierung von Molekülen auf
eine möglichst geringe Adsorption des Analyten abgezielt
wird, um so eine hohe Beweglichkeit des Analyten an der
Oberfläche sicherzustellen, wird bei heterogenen Assays auf
die Immobilisierung des Analyten abgezielt. Bei homogenen
Assays wird daher der Film vorzugsweise mit beispielsweise
Rinderserumalbumin, Oligoethylenoxidketten-haltigen
Substanzen, fluorierten Kohlenwasserstoffen oder
Polysacchariden wie Cellulose- oder Dextran-Derivaten
modifiziert. Bei heterogenen Assays werden hingegen an den
Film Substanzen gekoppelt, die den Analyten zu binden
vermögen. Abhängig von der Art des Analyten weiß der
Fachmann, wie geeignete Substanzen auszuwählen sind, die den
Analyten zu binden vermögen, beispielsweise, DNA, Proteine
wie z. B. Antikörper oder Peptide.
Eine kovalente Immobilisierung der Moleküle kann direkt an
die reaktiven Gruppen des Oberflächenfilms oder nach
vorheriger Abspaltung von Schutzgruppen erfolgen. Im Falle
der oben beschriebenen Langmuir-Blodgett-Filme eignen sich
beispielsweise zur direkten Ankopplung von Molekülen die
vorhandenen Aminoalkylgruppen. Die Aminoalkylgruppen dienen
als nukleophiles Agens und bilden kovalente Bindungen mit
elektrophile Gruppen tragenden Molekülen. Andererseits
können, sofern die Filme Silylgruppen, z. B. Trialkyl-,
Triaryl- oder Trialkenylsilylgruppen, aufweisen, die
Oberflächeneigenschaften in der Weise verändert werden, daß
die Silylgruppen nach der Beschichtung abgespalten werden, so
daß Hydroxygruppen verbleiben. Dies kann z. B. durch die
Einwirkung von Säure erreicht werden. Diese Hydroxygruppen
können dann als funktionelle Gruppen für die kovalente
Immobilisierung dienen.
Nach der Immobilisierung der Moleküle können die Assays in
dem Fachmann geläufiger Art und Weise durchgeführt werden.
Claims (12)
1. Mehrgefäßanordnung, umfassend eine Gefäßwandmatrix (1)
mit durchgehenden Vertiefungen und eine oder mehrere daran
angebrachte optisch transparente Bodenplatte(n) (2), dadurch
gekennzeichnet, dass ausschließlich die Bodenplatte(n) mit
mindestens einer monomolekularen Schicht eines
Polysaccharidderivates (3) beschichtet ist (sind).
2. Mehrgefäßanordnung gemäß Anspruch 1, dadurch
gekennzeichnet, dass die Gefäßwandmatrix (1) aus Kunststoff
besteht.
3. Mehrgefäßanordnung gemäß einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Gefäßwandmatrix
(1) aus einem lichtundurchlässigen Material besteht.
4. Mehrgefäßanordnung gemäß einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bodenplatte(n)
(2) aus Quarzglas besteht (bestehen).
5. Mehrgefäßanordnung gemäß einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine
monomolekulare Schicht eines Polysaccharidderivates (3) durch
einen Self-Assembly-Prozess oder durch die Langmuir-Blodgett-
Technik aufgebracht wurde.
6. Mehrgefäßanordnung gemäß einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine
monomolekulare Schicht eines Polysaccharidderivates (3) ein
Langmuir-Blodgett-Film auf Cellulose-Basis ist.
7. Mehrgefäßanordnung gemäß einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bodenplatte(n)
(2) mit Hilfe eines Klebers an der Gefäßwandmatrix angebracht
ist (sind).
8. Mehrgefäßanordnung gemäß Anspruch 7, dadurch
gekennzeichnet, dass der Kleber ein mit Licht härtbarer
Kleber ist.
9. Mehrgefäßanordnung umfassend eine Gefäßwandmatrix mit
durchgehenden Vertiefungen und eine oder mehrere daran
angebrachte optisch transparente Bodenplatte(n), die dadurch
gekennzeichnet ist, dass ausschließlich die Bodenplatte(n)
mit einem Film beschichtet ist (sind), der mit
Rezeptormolekülen derivatisiert ist.
10. Mehrgefäßanordnung umfassend eine Gefäßwandmatrix mit
durchgehenden Vertiefungen und eine oder mehrere daran
angebrachte optisch transparente Bodenplatte(n), die dadurch
gekennzeichnet ist, dass ausschließlich die Bodenplatte(n)
mit einem Film beschichtet ist (sind), der
Rinderserumalbumin, Oligoethylenoxidketten-haltige
Substanzen, fluorierte Kohlenwasserstoffe oder Polysaccharide
umfasst.
11. Verwendung einer Mehrgefäßanordnung gemäß einem der
vorhergehenden Ansprüche für optische Analyseverfahren.
12. Verfahren zur Herstellung einer Mehrgefäßanordnung gemäß
einer der Ansprüche 1 bis 8, umfassend die folgenden
Schritte:
- a) Aufbringen mindestens einer monomolekularen Schicht eines Polysaccharidderivates auf die Bodenplatte(n);
- b) Auftragen eines Klebers auf die Kanten der Gefäßwandmatrix, die die Kontaktfläche mit der aufzubringenden Bodenplatte bilden sollen;
- c) Drücken der so behandelten Gefäßwandmatrix an die beschichtete Bodenplatte(n).
Priority Applications (8)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19853640A DE19853640C2 (de) | 1998-11-20 | 1998-11-20 | Mehrgefäßanordnung mit verbesserter Empfindlichkeit für die optische Analytik, Verfahren zu ihrer Herstellung sowie ihre Verwendung in optischen Analyseverfahren |
| JP2000583628A JP2002530661A (ja) | 1998-11-20 | 1999-11-19 | 光学分析用の改善された感度を有するマルチウェルアセンブリ |
| PCT/EP1999/008891 WO2000030752A1 (de) | 1998-11-20 | 1999-11-19 | Mehrgefässanordnungen mit verbesserter empfindlichkeit für die optische analytik |
| AU12724/00A AU1272400A (en) | 1998-11-20 | 1999-11-19 | Multiple-container systems with improved sensitivity for optical analyses |
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| EP99956018A EP1131158A1 (de) | 1998-11-20 | 1999-11-19 | Mehrgefässanordnungen mit verbesserter empfindlichkeit für die optische analytik |
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| US09/860,439 US20020031449A1 (en) | 1998-11-20 | 2001-05-21 | Multiple-container systems with improved sensitivity for optical analysis |
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