DE193449C - - Google Patents

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DE193449C
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KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
- Me 193449 KLASSE Mq. GRUPPE
Patentiert im Deutschen. Reiche vom 22. Dezember 1906 ab.
Das Interesse, welches man neuerdings in physiologischen Kreisen dem Cholin entgegenbringt, gab Veranlassung, eine Methode auszuarbeiten, die es ermöglichen soll, das Cholin in einfacher und leichter Weise aus seiner Muttersubstanz, dem Lecithin, zu isolieren. Aus lecithinhaltigen Stoffen ist das Cholin des öfteren schon hergestellt worden, so z.B. aus Eidotter und aus Gehirn.
ίο Das übliche Verfahren bestand darin, daß man die alkoholischen Auszüge dieser Stoffe mit gesättigter. Barytlösung verkochte, wodurch die extrahierten Lecithine gespalten und das Cholin in Freiheit gesetzt wurde
(s. Hoppe-Seyler, Thierfelder, Handbuch der chem.-physiolog. und patholog. Analyse 1903, S. 161). Aus dem durch Kohlensäure vom Baryt befreiten Filtrat wurde das Cholin über das Platindoppelsalz gereinigt und isoliert. Diese Herstellungsweise ist mühsam und auch kostspielig. Die Ausbeute an Cholin wird noch durch den Umstand beeinträchtigt, daß durch die heiße Barytlösung das Cholin in der Wärme selbst eine Zersetzung erleidet, was sich ja auch an dem intensiven Trimethylamingeruch zu erkennen gibt (s. a. Hoppe-Seyler, Thierfelder, S. 163).
Wohl um diesem Umstände zu begegnen, wen-
det Brieger (s. Brieger: »Über Ptomaine«, I, Berlin 1885 sowie auch Guareschi: »Einführung in das Studium der Alkaloide« [1896/97], S. 147) ein anderes Verfahren zur Herstellung des Cholins aus lecithinhaltigen Stoffen an. Nach dieser Methode werden an Lecithin reiche Substanzen, wie Eigelb oder Gehirn, mit konzentrierter Salzsäure zum Sieden erhitzt, wodurch das Lecithin gespalten und das Cholin in Freiheit gesetzt wird. Man trennt hierauf das ungelöst Gebliebene durch Filtration, übersättigt das Filtrat mit Salzsäure und verdampft im Wasserbade zur Trockene. Der trockene Verdampfungsrückstand wird mit Alkohol extrahiert und aus der filtrierten alkoholischen Lösung des Cholin mit alkoholischer Mercurichloridlösung ausgefällt. Der entstandene Niederschlag wird nach mehrmaligem Umkristallisieren durch Schwefelwasserstoff zerlegt. Lecithin selbst hat Brieger nach diesem Verfahren nicht gespalten. Um nun nach seiner Vorschrift eine Spaltung durchzuführen, wurde 1 Teil Lecithin mit 5 Teilen konzentrierter Salzsäure Übergossen, gut durchgeschüttelt und alsdann erwärmt. Alsbald quillt das Lecithin auf, die Masse beginnt zu schäumen, und zwar so stark, daß das Erwärmen unterbrochen werden mußte. Daraufhin wurde das Erwärmen auf dem Wasserbade vorgenommen, aber auch hier setzte das lästige, durch Entweichen von Salzsäure-, strömen verursachte Schäumen alsbald wieder ein. Zum Teil wurde letzteres dadurch vermieden , daß man den Kolben von Zeit zu Zeit zukorkte und gründlich durchschüttelte. Es tritt hierbei der Zeitpunkt ein, · wo die ganze Masse durch die ausgeschiedenen Fettsäuren zusammenbackt und einen großen schmierigen Klumpen bildet. Erwärmt man nun unter andauerndem Schütteln die Masse weiter,' so löst sich diese schließlich zu einer dunkelschwarzen Flüssigkeit, auf welcher sich beim Erkalten die ausgeschiedenen Fettsäuren ansammeln. Nach ihrer Abtrennung wird
die schwarze Mutterlauge, die das Cholin enthalten soll, nach der Vorschrift zur Trockene eingedampft und mit Alkohol ausgezogen. Beim Eindampfen der stark sauren, dunkel gefärbten Flüssigkeit scheiden sich in großen Mengen ölige Schmieren aus, die wenigstens zum Teil durch Zersetzung (aus den in dem Lecithin vorhandenen Eierfarbstoffen) entstanden waren. Beim Extrahieren mit Alkohol gehen diese Schmieren ebenfalls in Lösung und erschweren das weitere Arbeiten sehr.
Entgegen diesen unangenehmen Erfahrungen wurde nun gefunden, daß bei Anwendung von Schwefelsäure beliebiger Konzentration an Stelle von Salzsäure die Spaltung beim Erwärmen überraschend einfach und glatt verläuft, ohne jene unangenehmen Begleiterscheinungen aufzuweisen, welche das Arbeiten mit Salzsäure so sehr erschweren.
Nun hat schon E. Gilson (s. Zeitschrift für physiologische Chemie, 12 [1888], S. 589, 592 und 593) die Einwirkung von Schwefelsäure verschiedener Konzentration auf eine ätherische Lecithinlösung in der Kälte untersucht; er kommt aber zu dem Ergebnis (s. S. 595), daß die Einwirkung der Schwefelsäure erst nach und nach und sehr langsam vor sich geht. Bei Anwendung einer 5Oprozentigen Schwefelsäure konnte die Spaltung erst nach 4 Tagen als beendet betrachtet werden, während bei Anwendung einer ioprozentigen Säure erst nach 20 Tagen in der ätherischen Lösung kein Cholin mehr nachzuweisen war. Demgegenüber bietet das vorliegende Verfahren — wie aus dem weiter unten angeführten Beispiel ersichtlich ist —-wesentliche technische Vorteile, die, nach der Gilson sehen Arbeit zu schließen, nicht vorauszusehen waren. Dauert die Spaltung des Lecithins nach dem Gilsonschen Verfahren bei Anwendung einer 50 prozentigen Schwefelsäure in der Kälte 4 Tage, so ist dieselbe nach dem vorliegenden Verfahren binnen einigen Stunden ohne jegliche Schwierigkeit durchzuführen. Selbst wenn die Spaltung des Lecithins nach dem Gilsonschen Verfahren rascher gehen sollte, würde es dennoch ■ vom technischen Standpunkte aus nicht in Betracht kommen.
Beispiel. '.
Beliebige Mengen Lecithin werden in einem entsprechend großen Rundkolben mit der doppelten Menge etwa 40 prozentiger Schwefelsäure übergössen und das Ganze unter öfterem, tüchtigem Schütteln so lange im Dampfbade erwärmt, bis vollkommene Lösung erfolgt ist und in der braunen Flüssigkeit auch beim Umschütteln keine Lecithinbrocken mehr wahrgenommen werden können. In einem gut heizenden Dampfbade ist dieser Zeitpunkt nach 5 bis 6 Stunden erreicht. Die Fettsäuren scheiden sich nun als dicke ölige Schicht auf der schwefelsauren Lösung ab und erstarren beim Erkalten zu einer harten Kruste, die der Lösung so fest aufliegt, daß man den Kolben ruhig umkehren kann. Diese Fettsäureschicht wird nun durchgestoßen, worauf man die Flüssigkeit abgießt und die Fettsäuren nach gründlichem Waschen mit Wasser auf Ton streicht, wo sie nach vollkommenem Trocknen als fast weiße Masse zurückbleiben.
Die Waschwässer werden mit der Ursprungliehen schwefelsauren Lösung vereinigt und die Schwefelsäure mit Baryt bis zur ganz schwach sauren Reaktion abgestumpft. Der schwefelsaure Baryt reißt beim Absetzen auch gegebenenfalls vorhandene Stoffe mit nieder, so daß das Filtrat nur noch schwach gelb gefärbt ist. Man dampft dieses auf ein kleines Volumen ein, filtriert und fällt das Cholin mit Quecksilberchloridlösung aus. Der schwach grau gefärbte Niederschlag (besteht aus der Doppelverbindung des Cholins mit Quecksilberchlorid) wird in Wasser suspendiert und mit Schwefelwasserstoff zerlegt. Das Quecksilbersulfid geht in den Betrieb zurück, während das wasserhelle Filtrat, das nunmehr reines Cholin enthält, eingedampft wird. Es hinterbleibt nach dem Eindampfen als schwach gelbliche Masse, die beim Anreiben kristallinisch erstarrt. Zur Identifizierung wurde es in das Gold- und Platindoppelsalz übergeführt.
Ersteres schmilzt in Übereinstimmung mit den Br i eg ersehen Angaben bei 263 bis 2640, während letzteres den von Schmidt angegebenen Schmelzpunkt von 230 bis 231° aufweist. Für das Ergebnis des Verfahrens ist die Anwendung einer 40 prozentigen Schwefelsäure nicht wesentlich; man kann verdünntere bzw. konzentriertem Säuren anwenden; lediglich die Reaktionsdauer wird sich hierbei etwas verschieben. Das Präparat soll therapeutische Verwendung finden.

Claims (1)

  1. Patent-Anspruch :
    Verfahren zur Herstellung von Cholin aus Lecithin, darin bestehend, daß man Lecithin mit Schwefelsäure erwärmt.
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