DE18513C - Verfahren und Apparate zur Gewinnung der Gespinnstfasern aus Pflanzenbasten - Google Patents
Verfahren und Apparate zur Gewinnung der Gespinnstfasern aus PflanzenbastenInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 29: Gespinnstfasern.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 13. December 1881 ab.
Das Verfahren ist anwendbar für frische Bastfasern und auch mit einigen Vorarbeiten für
trockene. Diese letzteren Vorarbeiten bestehen darin, die trockenen Stengel unter Vacuum mit
Dampf zu behandeln und aufzuquellen bezw. die Rinden- und Bastschicht wieder von den
Holztheilen, an welche sie angetrocknet sind, loszulösen und geschmeidig zu machen. Dies
kann man auch erreichen durch Behandlung mit kochenden^jSo ° Alkohol unter Vacuum.
Die frischen oder die wiecTeFaufgefrischten Bastfaserstengel
(Nessel, Rhea etc., Hanf, Sunn, Apocynum, Jute, Flachs, Gambo, Sida u. a.)
werden auf eine Maschine, Fig. 1 und 2, gebracht, welche aus einem länglichen, oben
offenen Zuleitungskanal A von viereckigem Querschnitt besteht, in dessen Seitenwänden die
glatten oder cannelirten Gummiwalzen B B gelagert sind, welche durch Gewicht- oder Federdruck
gegen einander geprefst werden.
Die Bastfaserstengel gehen zwischen diesen Walzen hindurch, werden dabei vorgeschoben
und durch die Gitter C C1 geleitet. Vor dem Gitter C1 ist ein Messergatter D aufgestellt,
welches entweder festgestellt werden kann oder welchem man eine auf- und abgehende Bewegung
ertheilt. Die Stengel, welche gegen die Messerschneiden getrieben sind, werden von
den Messern eingeschnitten und gespalten. Hinter dem Gatter folgt ein Walzenpaar E
(glatt oder cannelirt), erfafst die Stengel und zieht sie weiter, so dafs die Stengel auf der
ganzen Länge gespalten und in den Walzen glattgeprefst werden.
Die so behandelten o Stengel kommen nun iffftfie" zweite Maschine"vfig. [$gffnf{4/ welche
aus einer senkrecht oder schwach geneigt aufgestellten Platte und einem Hammerwerk besteht.
Die Fasern werden an einen beweglichen Rahmen G, der sich langsam sammt den Fasern
vor der Klopftafel auf- und abbewegt, angehängt und somit nach und nach der ganzen Länge
nach der Wirkung der Hämmer IT ausgesetzt. Bei dieser Bearbeitung werden die Stengel breitgeschlagen, das Mark und viele Holztheile werden
dabei abgelöst und fallen herunter.
Die so bearbeiteten Stengel und Baste werden in einen Bottich /, Fig. 5 und 6, mit
doppeltem Boden gepackt und mit einem im Bottich dicht an die Wände anschliefsenden
Kolben K bedeckt. Der Bottich wird sodann durch einen an den Rändern übergreifenden
Deckel M fest geschlossen; durch vier Schrauben L, welche durch Muttern im Deckel M
hindurchgehen, kann der Kolben K niedergedrückt werden. Sobald der Bottich / geschlossen
ist, läfst man 950 Alkohol, dem man ι pCt. Ammoniak und Y10 pCt. frisch bereitetes
Chlorwasser zusetzen kann, in den Bottich treten, so dafs das ganze Fasermaterial damit
bedeckt ist und alle Theile desselben vom Alkohol durchdrungen werden. Nach 2 Stunden
läfst man den Alkohol ab, und zwar in ein Gefäfs N, welches mit einem (Heckmann'sehen)
Apparat zur Wiedergewinnung des Alkohols verbunden ist. Man läfst dann von neuem Alkohol in den Bottich treten und
Y2 bis ι Stunde wirken. Darauf läfst man
denselben wieder nach N ablaufen. Man dreht dann die Schrauben L so, dafs sie allmälig
den Deckel K nach unten pressen und den noch in der Masse vorhandenen Alkohol heraus-
drücken; auch bringt man wohl den Bottich mit einem Exhaustor in Verbindung, um die
letzten Reste Alkohol abzusaugen, oder man nimmt die Fasern gleich heraus und bringt sie
auf eine Klopfmaschine, ähnlich construirt wie die für Tuchfabrikation gebräuchlichen Klopfmaschinen,
nur mit dichter gestellten Klopfstöcken. Durch dieses Klopfen wird sowohl der Alkohol entfernt als auch die übrigen, den
Fasern anhängenden Holz- und Rindentheile, welche bei dem Verfahren der Extraction durch
Alkohol von den Fasern abgelöst sind, unter Wegnahme des Pflanzengummis. Es folgen sodann
die weiteren mechanischen Arbeiten mit Messerhecheln, Kämmen etc.
Bei der Ausführung dieser Reihe von Proceduren ist die Faser vor jeder Berührung
mit Wasser oder wässerigen Lösungen zu bewahren.
Die bei dem Wiedergewinnungsprocefs des Alkohols zurückbleibenden Extractivstoffe können
weiter verarbeitet werden. Sie enthalten das Chlorophyll, Fette, Gummi, Bitterstoffe und
Narcotica.
Claims (2)
1. Das Verfahren der Isolirung der Gespinnstfasern aus den Basten, unter Extraction mit
hochgradigem Alkohol, mit Ausschlufs von Wassei, nach vorheriger Bearbeitung durch
Spalten, Quetschen und Schlagen und nachherigem Klopfen und Verfeinern, unter Wiedergewinnung des Alkohols und Gewinnung
von Pflanzenleim, Chlorophyll und anderen Extractivstoffen.
2. Die für dieses Verfahren benutzten Maschinen und Apparate: die Spaltmaschine,
die Schlag- oder Hämmermaschine, der Extractionsbottich.
Hierzu i Blatt Zeichnungen.
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