Geschützrohr. Die zur Zeit für Geschützrohre geltenden Konstruktionsgrundsätze ergeben für solche von hoher Leistung das heisst Geschützrohre, aus denen die Geschosse mit einer grossen Anfangsgeschwindigkeit verschossen werden sollen, sowohl in ballistischer Beziehung als auch hinsichtlich der Lafetierung mancherlei Nachteile.
Danach läuft eine Steigerung der Leistung vor allem auf eine Vergrösserung der Rohrlänge hinaus, was wiederum die Feuerhöhe, das Geschützgewicht und die Rohrdurchbiegungen vergrössert, hohe Her stellungskosten verursacht und lange Liefer zeiten bedingt, endlich auch eine grosse Pulverladung in langen Kartuschen oder Patronen erfordert und damit Schwierigkeiten beim Laden, eine starke Rohrerwärmung und eine geringe Lebensdauer des Rohres zur Folge hat. Diese Mängel setzen praktisch einer Steigerung der Leistung bald eine Grenze. Ein Rohrstahl, der von den Treib gasen weniger angegriffen wird, sowie ein Pulver, das die Rohre weniger angreift, konnten bislang zur Abhilfe ebenfalls nicht gefunden werden.
Die Erfindung ermöglicht eine Steigerung der Rohrleistung auf dem Wege einer besse ren Ausnutzung der vorhandenen rauch schwachen Pulver, indem diese mit höheren Gasdrücken verschossen werden als bisher und wobei insbesondere für Hochleistungsrohre über die traditionell gewordene Maximalgrenze von 3000 kg/cm' hinausgegangen wird.
Die für .den Höchstgasdruck, wie über haupt für den Gasspannungsverlauf beim Schuss massgebenden Werte eines Geschütz rohres, beispielsweise die Ladedichte (das ist das Verhältnis des Gewichtes der Ladung zum Verbrennungsraum) und andere Grössen, ergeben zwischen dem Höchstgasdruck, nach stehend mit pmax bezeichnet, und dem mittle ren Gasdruck pm für jedes Rohr ein ganz bestimmtes Verhältnis.
Werden diese Druck verhältnisse der bekannten, nach den bisheri gen Grundsätzen errechneten Geschützrohre als Punkte in einem rechtwinkligen Koordi- natensystem mit pmax und p. als Koordinaten eingetragen, so bedecken sie ein Feld, das durch die Linienzüge nach den Gleichungen pm,Y = 0 und
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begrenzt ist.
Nach der Erfindung werden nun die für den Gasspannungsverlauf beim Schuss mass gebenden Rohrdaten so bemessen, dass das Verhältnis zwischen dem jeweiligen Höchst gasdruck pmag und dem zugehörigen mittle ren Gasdruck p. Werte annimmt, die bei der vorerwähnten graphischen Darstellung in dem durch Linienzüge nach den Glei chungen
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und pm - 0 begrenzten Feldteil des Koordi natensystems liegen, oder anders ausge drückt, dass
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grösser ist als Null. Das bedeutet eine ver hältnismässig beträchtliche Steigerung des Höchstgasdruckes und läuft auf einen gegen über dem mittleren Gasdruck weit grösseren Höchstgasdruck als bisher hinaus.
Die Gas spannungskurve von Rohren nach der Erfin dung steigt also zu Beginn weit höher an, um gegen das Ende hin gegebenenfalls noch tiefer zu fallen, als dies bei den entsprechen den bekannten Oreschützen der Fall ist.
Das bedeutet auch ein Abgehen von dem bisherigen Grundsatz, dass vorteilhaft der Gasdruck über den ganzen Geschossweg durch das Rohr konstant bleiben solle, was so lange Geltung hatte, als man auf einen niedrigen Maximalgasdruck Wert legen zu müssen glaubte.
Das Bedenken, dass die Verbrennungs temperatur mit der Höhe des entwickelten Maximalgasdruckes steigen müsse, hat durch Versuche keine Stützung erfahren, vielmehr geht dabei die Einflussdauer der hohen Tempe raturen auf das Rohr herunter, weil die hoben Gasdrücke nur verhältnismässig kurze Zeit an dauern und auch die Gesamtdurchlaufzeit durch das Rohr'--verhältnismässig viel kleiner wird als bisher.
Mit dem Grundsatz nach der Erfindung ist eine Leistungssteigerung der Geschützrohre ermöglicht, ohne dass diesen eine grössere Länge gegeben werden müsste; anderseits fällt aber auch ein danach errech netes Geschützrohr wesentlich kürzer aus als das bekannte von gleicher Leistung, so dass eine kleinere Feuerhöhe und ein wesentlich geringeres Geschützgewicht erreicht ist. Auch wirkt sich die Erfindung bei Rohren gleicher Leistung in einer bis zu 30'/o gehenden Er sparnis an Treibmitteln aus und gestattet infolge der kürzeren und leichteren Patronen eine raschere Schussfolge und die Mitnahme grösserer Munitionsmengen.
Die Einflussdauer der Verbrennungstempe ratur ist bei einem Rohr nach der Erfindung infolge der um wenigstens ein Drittel ver ringerten Durchlaufzeit des Geschosses erheb lich kürzer. Da zudem die Treibgase das Rohr mit geringerer Spannung, wie überhaupt nach einer stärkerer Expansion verlassen, erhellt ferner die grössere Ausnutzung der Pulverenergie und daher geringere Wärme abgabe an das Rohr, vor allem an der Mün dung, als bei normalen Rohren. Das steigert auch die Betriebsdauer einer solchen Waffe gegenüber den bekannten, deren Betrieb infolge übergrosser Erwärmung recht frühzeitig ein gestellt werden muss.
Auch ist zu erwarten, dass durch die höhere Ausnutzung der Pulver gase die Streuungen in der Geschossanfangs- geschwindigkeit verringert werden, wie auch das Geschoss einen ruhigeren Flug erhält.