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Verfahren und Vorrichtung zur Prüfung der Echtheit von Woll. und Seidenstoffen.
Bekanntlich kommen Stoffe aus künstlicher Seide und Stoffe aus mit Baumwolle gemischter Wolle in den Handel, die das Aussehen echter Seide bzw. reiner Wolle haben.
Ebenso ist es bekannt, Stoffe einer besonderen Appretur zu unterziehen, um hnen ein schönes Aussehen zu verleihen. Diese Appretur wirkt aber schädlich auf die Stoffe, hauptsächlich wenn diese in übermässiger Weise angewendet wird, da dadurch im wesentlichen die Festigkeit und die Dauerhaftigkeit der Stoffe und die Erhaltung der Farben leiden.
Die Erfindung bezieht sich auf ein elektroskopisehes Verfahren und eine entsprechende Vorrichtung, um die Echtheit der Woll-und Seidenstoffe zu erkennen und das Vorhandensein von Pflanzenfasern oder künstlichen Fasern sowie die vorgenommene Appretur wahrzunehmen. Dieses Verfahren gründet sich auf den Umstand, dass die echte Seide und die reine Wolle vorzügliche Isolierstoffe sind, während künst- liche Seide und die allgemein zur Herstellung von Geweben aus gemischter Wolle verwendeten Fasern, sowie die für die Appretur benutzten Substanzen alle mehr oder weniger gute Leiter sind.
Es ist somit einleuchtend, dass der Reinheitsgrad der zu prüfenden Gewebe leicht vermittelst eines Elektroskopes festgestellt werden kann, denn, wenn man einen Stoff aus echter Seide oder reiner Wolle mit dem Knopf eines geladenen Elektroskops in Berührung bringt, so wird sich letzteres nur langsam entladen, während es sich mehr oder weniger schnell entladen wird, wenn die Stoffe aus künstlicher Seide oder gemischter Wolle hergestellt oder einer übermässigen Appretur unterzogen worden sind, u. zw. je nach den Mengenverhältnissen der im Gewebe vorhandenen fremden Stoffe.
Die Erfindung bezieht sich ferner auf eine Ausführungsform einer besonders für die Ausführung des obenerwähnten Verfahrens geeigneten elektroskopischen Vorrichtung, dadurch gekennzeichnet, dass die Gestalt des Gehäuses und die Anordnung seiner Bestandteile derart getroffen sind, dass die ganze Vorrichtung bequem in der Art einer Taschenuhr getragen, und zu jeder Zeit und überall mit Leichtigkeit benutzt werden kann.
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Die Goldblättchen 3, welche durch das Metallgehäuse 1, mit welchem sie elektrisch verbunden sind, sowie durch die Rand des Bedienenden geerdet sind, werden durch Influenz von der Platte 6 elektrisiert und von ihr angezogen, wobei sie sich bestreben, die in Fig. 2 angegebene wagrechte Lage einzunehmen.
Es sei noch bemerkt, dass bei den gewöhnlichen Elektroskopen die Blättchen mit dem elektrisierten Leiter leitend verbunden sind und durch die Wirkung der auf diesen verteilten gleichnamigen Ladungen von einander abstehen und bestrebt sind, sich den Glaswänden der Vorrichtung, gegen welche diese angezogen werden, zu nähern, so dass sie zuweilen an diesen haften bleiben.
Dieser. Übelstand w, ird vermieden, indem die Blättchen durch. Influenz elektrisiert werden und daher bestrebt sind, sich der influenzierenden Metallplatte'6, anstatt'den Glaswänden, zu nähern, auch selbst wenn diese so nahe zusammenstehen, dass die Blättchen kaum dazwischen Platz finden. Diese Eigentümlichkeit ermöglicht eben, den Umfang der Vorrichtung derart zu beschränken, dass sie in der Tasche getragen werden kann.
Bringt man einen Streifen des zu prüfenden Stoffes, welcher trocken und staubfrei sein muss, in Berührung mit dem bereits elektrisierten Kopf 7, so bleiben die Blättchen 3 unbeweglich bzw. beinahe in wagrechter Lage, wenn der Stoff aus echter Seide oder reiner Wolle besteht, während hingegen diese Blättchen auf die Scheidewand zurückfallen, wenn es sich um künstliche, stark getränkte Seide oder gemischte Wolfe handelt.
Einen Anhaltspunkt, um wenigstens annähernd die Menge der im Gewebe enthaltenen, fremden Materien beurteilen zu können, liefert die Schnelligkeit, mit welcher die Goldblättchen auf die Seheidewand zurückfallen und zum Zwecke, diese Beurteilung noch zu erleichtern, ist es zweckmässig, mehr als zwei Blättchen anzuwenden u. zw. von verschiedener Grösse.
Bringt man in die Nähe des Kopfes 7 ein Gewebe aus künstlicher Seide, welche ein guter Leiter ist, so werden die Blättchen alle zusammen und äusserst rasch auf die Scheidewand 4 zurückfallen. Wird
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je weniger fremde, leitende Materien im Stoffe enthalten sind.
Anstatt des obenerwähnten Verfahrens kann die Prüfung von Geweben in einer andern Weise unter Anwendung der gleichen Vorrichtung erfolgen, nämlich, statt zuerst das Efektroskop zu elektrisieren, reibt man den zu untersuchenden Stoff mit dem Stäbchen aus Hartgummi stark ab und bringt dann den so geriebenen Stoff so nahe an den Kopf 7, bis er ihn berührt. Wenn nun infolge dieser Annäherung die Blättchen 3 sich erheben, so will das bedeuten, dass der Stoff aus echter Seide oder aus reiner Wolle besteht.
Wenn hingegen trotz des starken Reibens des Stäbchens auf dem Gewebe, dieses bei Annäherung an den Kopf die Blättchen nicht zum Heben bringt so ist daraus zu schliessen, dass der Stoff aus Baumwolle oder einer Mischung besteht.
Diese Methode kann auch als Kontrolle des vorhergehenden Verfahrens dienen.
Das Elektroskop kann verschieden gestaltet sein je nach Bedarf, jedoch bleibt die Wirkungsweise wie bei der in Fig. 1 und 2'dargestellten Form.
Eine Abänderung ist z. B. in Fig. 4 dargestellt, bei welcher die betreffenden Teile mit den gleichen Nummern wie in den vorhergehenden Figuren bezeichnet sind. Wie daraus ersichtlich ist, sitzt der Kopf 7 fest und ist mit der im Mittel des Elektroskops gelegenen Metallplatte 6 verbunden. An Stelle einer Scheidewand 4 sind deren zwei 41 und 411 an den beiden Seiten der Platte 5 vorgesehen, wovon jede zwei Goldblättchen 31 und 311 trägt. Im Ruhezustand liegen die Blättchen fest und die Scheidewände 4'und 4" stossen gegen die Mittelplatte 5.
Um die Vorrichtung zu verwenden, werden die Scheidewände durch
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Hartgummistäbchen berührt wird, zum Zwecke das Elektroskop zu laden und die Blättchen zu heben, oder man berührt den Kopf mit dem mit dem Stäbchen geriebenen Stoff, um festzustellen, ob sich die Goldblättchen heben. Ist die Vorrichtung vermittelst des Hartgummistäbchens geladen worden, so bringt man den in der Rand festgehaltenen Stoff in Berührung mit dem Kopf 7, um festzustellen ob die Blättchen zurückfallen oder nicht.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Prüfung der Echtheit von Seiden- und Wollstoffen dadurch gekennzeichnet, dass die zu prüfenden Stoffe mit einem geladenen Elektroskop in Berührung gebracht werden, zu dem Zwecke um ihre elektrische Leitfähigkeit zu bestimmen, auf Grund welcher die Beurteilung des Stoffes möglich ist.