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Verfahren zur Herstellung von Kerzendochten.
Für das ruhige und ungestörte Abbrennen einer Kerze ist es bekanntlich notwendig, dass der Docht in dem Masse abbrennt, als die Kerze durch den Materialverbrauch sich verkürzt. Dieses Abbrennen dos Dochtes wird nun bei den gewöhnlichen Kerzen dadurch erreicht, dass man geflochtene Dochte wählt, die sich in der Kerzenflamme krümmen und so in den heissen Flammenmantel hineinragen, wo sie verglimmen. Ausserdem erleichtert mn noch das Verglimmen durch Imprägnieren des Dochtes mit oxydierenden Substanzen und verhindert die Bildung eines Aschenskelettes durch Zusatz leicht schmelzbarer Salze (z. U. Ammonphosphat), welche die Asche einhüllt.
Das bei gebräuchlichen Korzenmassen, wie Paraffin, Stearin, Zeresin, auf die eben beschriebene Weise leicht erzielbare gleichmässige Abbrennen des Dochtes ist nun bei gewissen Kerzonmassen nur unvollkommen oder gar nicht erreichbar, insbesondere bei den
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von Kerzen dienen, die mit schwach leuchtender oder farbiger Flamme brennen. Diese Kerzenmassen machen nämlich die üblichen Baumwolldochte so hart und steif, dass sie sich nur unvollkommen krümmen ; manche Massen, wie z. l !, die nitrathaltigen, zerstören den Baumwolldocht gänzlich, so dass er zerfliesst und die zum ruhigen Brennen der Kerze erforderliche Länge nicht erreicht. Letztcrem Übelstande wäre wohl durch die bereits für gewöhnliche Kerzen vorgeschlagenen Asbestdochte (Ö. P.
Nr. 747) abzuhelfen, doch brennen diese Dochte natürlich überhaupt nicht ab, weshalb in der genannten Patentschrift sehr komplizierte Vorrichtungen empfohlen werden mussten, damit sich das freie Dochtende beim Herabbrennen der Kerze nicht verlängert. Diese Vorrichtungen sind schon bei den gewöhn- lichen Kerzen äusserst umständlich und sind bei den mit schwach leuchtender oder farbiger Flamme brennenden Kerzen vollends unbrauchbar. Es ist auch bereits vorgeschlagen worden, Dochte aus Glaswolle einheitlich herzustellen. Diese Dochte entsprechen jedoch den gestellten Anforderungen nicht, da sich dieselben in der Flamme nicht krümmen und daher entsprechend dem Abbrennen der Kerze nicht anschmelzen.
Nach der im folgenden beschriebenen Erfindung nun ist es möglich, Dochte herzustellen, die gegen selbst stark ätzen wirkende und Baumwolle völlig zerstörende Massen unempfindlich sind und die sich präzise und gleichmässig in dem Masse verkürzen, als sie in den Flammenmantel hineinragen. Zu diesem Behufe wählt man entweder zwei aus ver- 8chiedenen Glassorten hergestellte Dochte oder einen Glasdocht und einen Docht aus feinsten Metallfiiden oder endlich (wo die Masse dies erlaubt) einen Glaswolldocht und einen Docht aus Zellulose (Baumwolle, Kunstseide oder dgl. ) und vereinigt derlei Dochte der Länge nach durch Aufeinandernähen oder in sonst geeigneter Art miteinander.
Da die Längenänderung. welche jede Dochthälfte durch die Erwärmung und durch die chemische Beeinflussung erfährt, bei den verschiedenartigen Dochthälften @aturgemäss verschieden ist, so krümmen sich derartige liombinierte Dochte in verliissiicher Weise und das in den heissen Flammenmantel ragende Ende brennt bzw. schmilzt gleichmässig ab. In den Fällen, wo es sich nicht um Kerzenmasson handelt, welche die Dochte ans Baumwolle oder dgl. angreifen, kann man nach der vorliegenden Erfindung auch von der Verwendung von Glas wolle ganz ahsehen und Dochte verwenden, deren eine Hälfte aus Baumwolle und dgl.
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und deren andere aus einem der Länge nach damit vereinigten Metallgespinst besteht.
Auch solche Dochte krümmen sich verlässlich und verkürzen sich regelmässig in dem Masse, wie sie in den Flammenmantel hineinragen.
Die Dochte gemäss vorliegender Erfindung sind vollständig verschieden von den bereits bekannten Dochten, die durch Verwirken von gewöhnlichen Dochtfasern mit Metall- faden hergestellt sind. Letztere Dochte erleichtern nur das Schmelzen des Kerzenmaterials und krümmen sich nicht im mindesten leichter als gewöhnliche Dochte, während die nach der vorliegenden Erfindung hergestellten Dochte infolge der ungleichen Ausdehnung der ungleichartigen, der Länge nach ohne gegenseitige Durchdringung der Fasern in einer einzigen Berührungsfläche aneinander befestigten Hälften sich ebenso krümmen wie die Metallstreifen der Metallthermometer.
PATENT-ANSPRÜCHE"
1. Verfahren zur Herstellung eines Kerzendochtes, der sich gleichmässig krümmt und in dem Masse, als die Kerze abbrennt, verkürzt, unter Verwendung zweier Dochte aus ungleichartigen, d. b. durch die Hitze oder durch die chemische Veränderung infolge der Hitze eine verschiedene Länge annehmenden Stoffen (aus organischen Fasern einerseits und Gläsfäden oder Metallfäden andererseits oder aus Glasfäden einerseits und Metallfäden andererseits), dadurch gekennzeichnet, dass man die beiden Dochte durch Aufnähen oder auf ähnliche Weise der Länge nach aneinander befestigt, so dass sie ohne gegenseitige Durchdringung der Faser sich nur in einer Fläche berühren.