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Mittel zur Bekämpfung von Milben und Insekten
Das Stammpatent Nr. 255205 betrifft Schädlingsbekämpfungsmittel, dadurch gekennzeichnet, dass sie als Wirkstoff eine Verbindung der allgemeinen Formel
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enthalten, worin R ein Halogenatom, einen niederen Alkyl-, Alkoxy-, Halogenalkyl- oder einen gegebenenfalls durch mindestens ein Halogenatom, einen niederen Alkyl-, Alkoxy-, Halogenalkylrest substituierten Phenoxyrest oder die Gruppe-CF, NO,-SCN bedeutet, n fUr eine ganze Zahl im Wert von 1 bis 4 steht, R einen Alkylrest mit 1 bis 3 Kohlenstoffatomen bedeutet, R2 und R gleich oder verschieden sind und Wasserstoff oder eine niedere Alkylgruppe bedeuten, wobei die Reste R und
R2 auch zusammen mit dem N-Atom Bestandteile eines heterocyclischen Ringes sein können, bzw.
die Salze dieser Verbindungen, sowie gegebenenfalls noch mindestens einen der folgenden Zusätze : Verdünnungs-, Dispergier-, Netz-, Haft-, Düngemittel sowie andere Schädlingsbekämpfungsmittel.
Die deutsche Patentschrift Nr. 1172 081 beschreibt unter anderem die Verbindung der Formel
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als Akarizid. Die Erfindung betrifft nun ein Mittel, bei dem sich durch Kombination der Verbindung (I) mit Dimethyldichlor-vinylphosphat (DDVP) gegen Milben und schädliche Insekten, z. B. Blattläuse, ein synergistischer Effekt erzielen lässt.
Besonders behandelt die Erfindung aber auch ein Mittel zur gleichzeitigen Bekämpfung von Milben und Insekten, dadurch gekennzeichnet, dass man eine Gasphase der Verbindung (I) und DDVP auf die
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Milben und Insekten bzw. deren Eier einwirken lässt.
Der Erfindung kommt erhebliche praktische Bedeutung zu, z. B. bei der Bekämpfung der erwähnten Schädlinge in Gewächshäusern. Von besonderer Bedeutung ist, dass bei den geringen zum Einsatz benötigten Wirkstoffmengen keinerlei toxische Nebenerscheinungen gegenüber Warmblütern bzw. Nutzpflanzen auftreten.
Eines der schwierigsten Probleme bei allen Massnahmen des Pflanzenschutzes ist, den Krankheitserreger mit dem Bekämpfungsmittel in Kontakt zu bringen, d. h. das Mittel in irgendeiner Form für den Erreger verfügbar zu machen. Die gängigsten Methoden im Pflanzenschutz, die dieses Ziel verfolgen, sind Applikationen von Sprays oder Stäuben, die den Wirkstoff auf Pflanze und Schädling in feinverteilter Form aufbringen. Die Wirkung kann demgemäss eine primäre Kontaktwirkung auf den Schädling, eine sekundäre Kontaktwirkung durch seine Bewegung auf den behandelten Oberflächen, oder eine Frasswirkung durch Aufnahme vergifteter Pflanzenteile sein.
Da es schwierig ist, eine völlige Bedeckung der zu schützenden Oberfläche zu erzielen, hat man den Stofftransport innerhalb der Pflanze benutzt, um transportable Verbindungen auch an nicht oberflächlich erreichbare Pflanzenteile zu bringen und so an den saugenden Insekten den erwünschten Effekt zu erzielen.
Eine andere Möglichkeit, einen weitreichenden Effekt auch ohne völlige Bedeckung der Pflanzen- oberfläche zu erreichen, ist die Anwendung eines Wirkstoffes in der Gasphase. Dies gilt ganz besonders in solchen Fällen, wenn die Erreger oder ihre Entwicklungsstadien vor Kontakt mit dem Wirkstoff ge- schützt sind und sich weder bewegen noch Nahrung aufnehmen. In diesem Falle kann nur die Behand- lung in der Gasphase zum gewünschten Effekt führen, da selbst schwer bekämpfbare Eier eine diffusions- fähige Oberfläche besitzen und so das wirksame Prinzip in sich aufnehmen.
Es wurde nun gefunden, dass der Wirkstoff der Formel (1) in weitgehendem Masse über eine akarizid wirksame Gasphase verfügt, die sowohl auf Adulte als auch in stärkstem Masse auf Eier von Spinnmilben einwirkt. Es hat sich insbesondere gezeigt, dass eine Sättigung der Luft mit der Verbindung der Formel (I) nicht notwendig ist, da schon bei geringeren Konzentrationen eine vollständige Wirkung gegen alle
Stadien der zu bekämpfenden Milben eintritt.
Der Erfindung, das Formamidin der Verbindung (I) im Gemisch mit DDVP direkt oder in der Gasphase zu verwenden, kommt daher erhebliche praktische Bedeutung zu, z. B. bei der Bekämpfung der Schädlinge in Gewächshäusern. Man kann die aktiven Verbindungen in Form von Sprays oder von Lösun- gen auf die Heizung oder erhitzte Platten aufbringen ; dabei erhält man innerhalb kurzer Zeit eine Sättigung der Luft mit dem Aktivkörper in Gasform. Man kann so z. B. in einfacher Weise in Geflügelställen Tiermilben bekämpfen.
Im folgenden Beispiel 1 lässt sich zeigen, wie eine Kombination beider Typen von Wirkstoffen eine weit über das Ausmass eines additiven Bekämpfungseffektes hinausgehende Wirkung zeigt, was besonders auf eine wesentliche Abkürzung der Applikationszeit gegenüber der Anwendung von reinem I in der Praxis hinausläuft.
Beispiel l : Folgende Versuchsanordnung diente zum Nachweis der aktiven Gasphase der Verbindung der Formel (I) an der Spinnmilbe Tetranychus telarius : Eine gesättigte Wirkstoffatmosphäre wurde unter Laborbedingungen (200C) hergestellt, indem 0, 5 g Wirkstoff (9Wo techn.) in zirka 5mlAce- ton gelöst und die Lösungen auf Filterpapier in je eine Petrihalbschale pipettiert wurden. Nach Verdampfen des Lösungsmittels wurden die Schalen in 10 l Glasglocken gebracht, die mit ihrem unteren Schliffrand auf Glasplatten standen. Die obere Öffnung der Glocke von etwa 5 cm Durchmesser war durch einen Gummistopfen verschlossen.
Nach mindestens 24h Equilibrationszeit (Smp. Verbindung 1 = 35 C, Sättigungskonzentration zirka 5 ppm/m3) war die Gasphase in der Glocke für die Versuche bereit.
A) Für den Test wurden 36 adulte Weibchen von Tetranychus telarius unter dem Binokular auf beidseitig haftende Klebfolien auf einen Objektträger geklebt [Dittrich, V. [1962] - A comparative Study of Toxicological Test Methods on a Population of the Two-Spotted Spider Mite (Tetranychus telarius) J. Econ. Ent. 55, 5/644-648]. Dieser wurde durch kurzes Anheben des Stopfens an einem feinen Nylonfaden in die Glasglocke hineingleiten gelassen, und bei wieder geschlossenem Stopfen in der Mitte des verfügbaren Volumens in der Schwebe gehalten. Durch lebhafte Drehbewegung am Faden war ein guter Kontakt der Testobjekte mit der umgebenden Atmosphäre gewährleistet. Nach Ablauf der gestoppten Expositionszeit wurde der Objektträger am Faden aus der Glocke herausgenommen. Die zum Einhängen und Herausnehmen benötigten Öffnungszeiten betrugen weniger als 1 sec.
Mit einer Versuchsreihe von ansteigenden Expositionszeiten bei 2, 5, 3, 5, 4, 5, 6 und 7, 5 h liess sich in logarithmischer Darstellung
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durch Ermittlung der Abtötungsgeraden nach der Probit. Analyse (Finney, D. J. [1952] - Probit. Analysis. Cambridge University Press) ein Dosis-Mortalitätsverhältnis berechnen, aus dem sich eine entsprechende
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Regressionskoeffizient als Neigung der Geraden ist ein Mass fUr die Abtötungsgeschwindigkeit.) Nach weiteren 24 h unter konstanten Normalbedingungen (25 C, 851o relative Luftfeuchtigkeit) wurden die Abtötungsprozente durch Auszählen unter dem Binokular festgestellt.
Eine Berücksichtigung der Sterblich- keit in der unbehandelten Kontrolle war nicht erforderlich, da diese unter 2% lag. Dieser Test wurde je zweimal an 2 verschiedenen Tagen durchgeführt.
B) In folgender Weise wurden Eier von Tetranychus telarius exponiert. Zirka 2 cm breite Streifen von Buschbohnenblättern (Phaseolus vulgaris) wurden mit Klebefolien auf Objektträgern befestigt. Mit einem pneumatischen Kollektor wurden zirka 100 Weibchen aus einer Zucht auf die Streifen übergesetzt, nach etwa 3 h mit einem feinen Pressluftstrahl abgeblasen und ihre Eier 20,40, 60 bzw. 80 sec der gesättigten Atmosphäre von Verbindung (I), wie oben beschrieben, ausgesetzt. Die behandelten Eimuster blieben dann, jedes für sich, bis zum Schlupf der unbehandelten Kontrolle in einer Petrischale, die zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit einen wassergetränkten Wattebausch enthielt. Nach zirka 14 Tagen bei Gewächshausbedingungen (zirka 250C, 8rP/o relative Luftfeuchtigkeit) konnten die Abtötungsprozente festgestellt werden.
In die Berechnung der Mittelwerte und ihrer Streuung gingen je 10 Muster mit durchschnittlich 70 abgelegten Eiern ein, Grenzwerte der Eizahl nach oben und unten lagen bei 40 und 100.
Ein Dosis-Wirkungsverhältnis liess sich bei der gegebenen Versuchsanordnung mit Eiern nicht erzielen ; die bei verschiedenen Expositionszeiten erzielten mittleren Abtötungswerte und ihre Streuung sind in der folgenden Tabelle dargestellt.
Tabelle I
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<tb>
<tb> Expositionszeit
<tb> in <SEP> sec <SEP> 20 <SEP> 40 <SEP> 60 <SEP> 80
<tb> Mittelwert <SEP> und
<tb> Streuung <SEP> der
<tb> Abtötungsprozente, <SEP> C.i. <SEP> 95% <SEP> 81,5 <SEP> ¯ <SEP> 14,56 <SEP> 72,30 <SEP> ¯ <SEP> 17,04 <SEP> 77,90 <SEP> ¯ <SEP> 14,83 <SEP> 93,60 <SEP> ¯ <SEP> 5,06
<tb>
Mittelwert und Streuung der an Eiern von Tetranychus telarius mit der Gasphase von Verbindung I erzielten Abtötungsprozente (C. i. = Confidence interval).
C) Um die synergistische Wirkung von Verbindung I mit DDVP in gasförmiger Form an adulten Weibchen von Tetranychus telarius festzustellen, wurden analog zu den beschriebenen Tests auch Versuche mit dem Wirkstoff DDVP unternommen, um ein entsprechendes Dosis-Mortalitätsverhältnis aufzustellen. Der DDVP-Wirkstoff, ebenfalls 0. 5 g, wurde hier ohne Lösungsmittel in den Petrischalen aufgetragen und zur Erzeugung einer gesättigten Atmosphäre in den Glocken benutzt.
Die Expositionszeiten betrugen bei Durchführung des Versuches nur Sekunden. In Zahl und Umfang
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L T 50 (DDVP)Kurven-Blatt : Prozentuale Abtötung an adulten Weibchen von Tetranychus telarius, die bei abgestuften Expositionszeiten in einer gesättigten DDVP-Atmosphäre erzielt wurden. Ordinate : % Abtötung, Abszisse : Expositionsdauer in sec.
Den mit Verbindung I und DDVP erzielten Abtötungsgraden wurden als Eichgeraden Zeitwerte entnommen, die einer zirka 15%eigen Abtötung entsprachen. In jedem der Synergismusversuche wurden nun je 2 Proben (2 X 36 Individuen) der Verbindung 1-Atmosphäre und der DDVP-Atmosphäre, weitere je 4 Proben erst der einen und anschliessend der andern ausgesetzt. Dieser Versuchskomplex wurde an 3 verschiedenen Tagen wiederholt, und von den erzielten prozentualen Abtötungswerten wurden der Mittelwert und die Streuung bestimmt. In die Rechnung gingen je 8 Werte für den DDVP-Versuch und den Versuch mit Verbindung I ein, je 15 für den kombinierten DDVP/Verbindung I-Versuch. Bei der Dop-
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pelexposition wurde der Objektträger mit den 36 Individuen zuerst in DDVP, anschliessend in Verbindung I exponiert.
Tabelle 2
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<tb>
<tb> ExpositionsGasphase <SEP> zeit <SEP> % <SEP> Abtötung <SEP> 9fJ1/0 <SEP> C. <SEP> i.
<tb>
DDVP <SEP> 20 <SEP> sec <SEP> 15 <SEP> 4, <SEP> 24 <SEP>
<tb> Verbindung <SEP> I <SEP> 2h <SEP> 31 <SEP> : <SEP> 3, <SEP> 29 <SEP>
<tb> 1. <SEP> DDVP <SEP> 20 <SEP> seC <SEP> 96 <SEP> ¯ <SEP> 2,58
<tb> 2. <SEP> Verbindung <SEP> I <SEP> 2h <SEP>
<tb>
Prozentuale Abtötung an adulten Weibchen von Tetranychus telarius, die der Gasphase von Verbindung I, DDVP, und der beider Mittel ausgesetzt waren.
Bei einem additiven Effekt beider Mittel hätte ein Abtötungswert um 4fJ1/o erzielt werden müssen.
Da jedoch über das Doppelte dieses Wertes erzielt wurde, liegt ein synergistisches Verhältnis zwischen beiden Mitteln vor.
Beispiel 2 : Analog zum Beispiel 1 wurde eine Kurzzeitexposition von Aphis fabae in einer ge- sättigten Atmosphäre von DDVP durchgeführt. Im Unterschied zu Beispiel 1 wurde hier jedoch nicht ein Objektträger als Träger der zu prüfenden Tiere benutzt, sondern ein dicht mit Läusen besetzter Trieb von Vicia faba. Expositionszeiten, die denen auf Blatt 2 entsprachen, ergaben eine 100%ige Abtötung der exponierten Blattläuse.
Tabelle 3
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<tb>
<tb> Expositionszeit
<tb> in <SEP> sec <SEP> Abtötung <SEP> in <SEP> je
<tb> 48 <SEP> 100
<tb> 40 <SEP> 100
<tb> 30 <SEP> 100
<tb> 25 <SEP> 100
<tb> 20 <SEP> 100
<tb>
Abtötung von Aphis fabae nach Kurzzeitexposition in einer gesättigten DDVP-Atmosphäre.