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Tonschriftträger
Die Erfindung bezieht sich auf einen Tonschriftträger für diffuse Schallwiedergabe.
Das Ziel vorliegender Erfindung besteht darin, einen Tonschriftträger bzw. eine Anordnung zu schaf- fen, mit dem bzw. mit der ein diffuser Schall erzeugt werden kann. Unter"diffusem Schall"ist hiebei ein Schall zu verstehen, der nahezu von allen Seiten den Zuhörer mit angenähert gleicher Intensität und angenähert gleichzeitig erreicht. Ein solcher Schall ist beispielsweise in Lichtspieltheatern manchmal er- wünscht, wenn ein Schall bestimmten Charakters, beispielsweise Musik, so wiedergegeben werden soll, dass der Zuhörer im Wiedergaberaum an jeder beliebigen Stelle nicht imstande ist, eine Schallquelle zu lokalisieren.
In diesem Zusammenhang wird an sogenannte Hintergrundmusik gedacht, die als Begleitung eines Bildfilmes dient, wobei kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der akustischen und der visuel- len Wahrnehmung vorliegt, so dass dann auch nicht das Bedürfnis empfunden wird, die Schallquelle zu lokalisieren. Es soll jedoch die Möglichkeit, im diffusen Schallfeld eine Lokalisierung des Schalles be- stimmter Lautsprecher zu erzeugen, gewahrt bleiben, was beispielsweise bei einem Solisten, der zusam- men mit einem Orchester auftritt, erforderlich sein kann. Hiezu ist es bekannt, dass der Schall von den Lautsprechern, die das diffuse Schallfeld erzeugen, verzögert, u. zw. um höchstens 50 ms gegenüber dem
Schall von den Lautsprechern in deren Richtung die Lokalisierung erfolgen soll, beim Zuhörer eintreffen muss.
Eine Anzahl hintereinander angeordneter Wiedergabeköpfe, die aber lediglich eine einzige Spur ab- tasten, anzuwenden, wurde bereits bei verschiedenen Nachhallvorrichtungen bekannt, wie sich aus den deutschen Patentschriften Nr. 836502 und Nr. 758309 ergibt, während die Massnahme, die Intensität des abgetasteten Signals, bevor es vom Lautsprecher abgestrahlt wird, zu regeln, u. a. in der deutschen Patentschrift Nr. 627557 und der USA-Patentschrift Nr. 2, 298, 618 angewendet wird. Aus keiner dieser Patentschriften ist jedoch zu entnehmen, dass es die Absicht war, diffusen Schall, gegebenenfalls mit einer Lokalisierung versehen, auf einem Schallträger so aufzuzeichnen, dass während der Wiedergabe des Trägers jede Regelung überflüssig geworden ist.
Ausserdem wird in den meisten Fällen'das Signal, einem einzigen Lautsprecher oder einer einzigen Lautsprechergruppe zugeführt, wodurch der beabsichtigte Effekt nahezu oder vollkommen zerstört wird. Zwar haftet dieser Mangel dem Verfahren nach der USA-Patentschrift nicht an, doch weist dieses den zumindest gleich erheblichen Nachteil auf, dass es während der Wiedergabe eines Hörspiels eine ausgebreitete Regelvorrichtung fordert, um z. B. ein Zwiegespräch zu bestimmten Zeiten mit Musik und akustischen Darbietungen zu versehen.
Gemäss der Erfindung sind bei einem Tonschriftträger für diffuse Schallwiedergabe ausser monauralen und bzw. oder stereophonischen Hauptspuren mindestens zwei zusätzliche Spuren vorgesehen, die untereinander gleichen Schallinhalt aufweisen, gegebenenfalls mit verschiedener Klangfarbe und/oder Intensität und/oder verschiedener Phasenlage des aufgezeichneten Schallinhaltes, z.
B. so, dass die Schallaufzeichnung in diesen zusätzlichen, für den diffusen Schall vorgesehenen Spuren, bereits bestimmten, im voraus gewählten Verhältnissen des Wiedergaberaumes, der Anordnung der Lautsprecher und der Abtastelemente entspricht, wodurch das beim Abtasten einer jeden Spur erhaltene Signal der Spur zugeordneten Lautsprechern oder Lautsprechergruppen in an sich bekannter Weise mit dem gewünschten Schallfeld entsprechender Intensität und/oder Klangfarbe und/oder Phasenlage zugeführt wird.
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Ein wesentlicher Vorteil der Erfindung besteht darin, dass die Massnahmen zur Herbeiführung eines diffusen Schalles schon bei der Herstellung des Tonschriftträgers berücksichtigt werden können und am Ort der Wiedergabe keinerlei Manipulationen des Vorführers erforderlich sind. Dieser Vorteil ist besonders wichtig, wenn nicht eine einzelne Aufzeichnung, sondern, wie üblich, Kopien dieser Aufzeichnung an einer Vielzahl von Stellen wiedergegeben werden müssen.
Für die Verwendung der Tonschriftträger ist es zweckmässig eine Anordnung zu schaffen, mit der es möglich ist, eine Anpassung an Wiedergaberäume vorzusehen, die die Erzielung von diffusem Schall auch unabhängig von der Art der erfolgten Schallaufzeichnung gewährleistet. Hiezu kann eine Wiedergabeanordnung für einen erfindungsgemässen Tonschriftträger vorgesehen sein, bei der zur Herbeiführung des ge- wünschten diffusen Schalleindruckes die Abtastelemente in Richtung der Spuren verstellbar sind und dadurch die für beliebige Wiedergaberäume und Lautsprecheranordnungen erforderliche gegenseitige Verzögerung einstellbar ist.
Bei der Wahl der gegenseitigen Verzögerungszeiten soll von der Erwägung ausgegangen werden, dass es vermieden werden muss, dass ein sich an einer beliebigen Stelle im Wiedergaberaum aufhaltender Zuschauer den Schall des zunächst befindlichen Lautsprechers empfängt, dessen Laufzeit am geringsten und
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wähnten Lautsprechers vermieden.
Die Erfindung wird nachstehend an Hand eines Ausführungsbeispieles näher erläutert.
Fig. l stellt einen abgeschlossenen Raum dar, an dessen Wänden Lautsprecher verteilt sind, während Fig. 2 einen Teil eines Tonschriftträgers zusammen mit einigen magnetischen Tenköpfen darstellt.
In Fig. 1 bezeichnet 1 einen abgeschlossenen Raum, der auf einer Seite mit drei Lautsprechern 2,3 und 4 versehen ist. Diese besorgen die Aussendung dreier stereophonisch zusammengehöriger Signale. Auf den andern Wänden des abgeschlossenen Raumes sind die Lautsprecher 5, 6 und 7 angeordnet, die gegebe- nenfalls zusammen mit den Lautsprechern 2,3 und 4 den diffusen Schall liefern sollen.
Fig. 2 zeigt einen Teil eines Tonschriftträgers 8 mit sechs magnetischen Schallspuren 9, 10, 11, 12, 13 und 14, von denen die drei ersteren Spuren 9, 10, 11 stereophonisch zusammengehörige Signale enthalten und über die Tonköpfe 2, 3 und 4 die Lautsprecher 2,3 und 4 versorgen, während die drei letzteren Spuren 12, 13 und 14 die zusätzlichen Spuren darstellen und über die Tonköpfe 5, 6 und 7 die Lauterechergrup- pen 5,6 und 7 versorgen. In den zusätzlichen Spuren ist im wesentlichen das gleiche Signal mit verschiedener Klangfarbe und Intensität aufgezeichnet.
Ein Zuhörer, der sich an der Stelle A im Raum befindet, wird infolge der Längenabmessung des Rau- mes 1 den von den Lautsprechern 2,3 und 4 gelieferten Schall nach beispielsweise etwa 70 ms empfangen.
Dies entspricht einem Abstand von etwa 24 m. Sendet der Lautsprecher 7 den gleichen Schall aus wie die Lautsprecher 2,3 und 4, dann muss zur Verhütung, dass die Schallquelle an der Stelle des dem Zuhörer nächstgelegenen Lautsprechers 7 lokalisiert wird, der vom Lautsprecher 7 ausgesendete Schall um wenigstens 70 ms gegenüber dem Schall der Lautsprecher 2,3 und 4 verzögert werden.
Es ist ersichtlich, dass auch für die Versorgung der Lautsprecher 5 und 6 zur Erzielung eines diffusen Schallbildes solche Verzögerungen vorgesehen sein müssen, dass der an der Stelle A befindliche Zuhörer praktisch keine Richtung feststellen kann.
Analoges gilt für einen Zuhörer an der Stelle B. Würde die Lautsprechergruppe 5 mit derselben Ver- zögerung von 70 ms versorgt wie der Lautsprecher 7, so würde der Zuhörer an der Stelle B den Schall der Lautsprecher 2,3 und 4 um 70 ms früher hören als den Schall der Lautsprechergruppe 5 und er würde somit ein deutliches Echo wahrnehmen. Um dies zu vermeiden, müssen die Lautsprecher der Gruppe 5 gegenüber den Lautsprechern 2,3 und 4 praktisch ohne Verzögerung versorgt werden, weil die Entfernung des Beobachters an der Stelle 3 von allen Lautsprechern angenähert gleich ist.
Durch entsprechende Anordnung der Lautsprecher und Verteilung der Intensitäten und Verzögerungen kann erreicht werden, dass an allen Orten des Wiedergaberaumes praktisch ein angenähert diffuses Schallbild entsteht. Es ist ersichtlich, dass die richtige Einstellung der Verzögerungen und Intensitäten besondere Geschicklichkeit erfordert. Dadurch, dass der Vorführer bereits einen Tonschriftträger erhält, in dem all dies berücksichtigt ist, ist er allen Schwierigkeiten enthoben.
Sind die erforderlichen Verzögerungen im Hinblick auf eine bestimmte Raumfiguration bereits bei der Aufzeichnung der zusätzlichen Spuren vorgesehen, dann ist es möglich, bei der Wiedergabe in einem Raum, der der vorausgesetzten Figuration entspricht, die Tonköpfe zum Abtasten der Spuren auf dem Aufzeichnungsträger 8, da diese schmal ausgeführt werden können, unmittelbar nebeneinander auf einer geraden Linie anzuordnen, die senkrecht zur Bewegungsrichtung des Trägers liegt. Bei andern Raumfigu-
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Trägers 8 Unterschiede in die Verzögerungszeiten einzuführen bzw. die Linie der Tonköpfe je nach Raumgrösse gegenüber den Spuren mehr oder weniger zu neigen.
Durch richtige Bemessung der in die Aufzeichnung eingearbeiteten Verzögerungszeiträume und eine bestimmte Anordnung der Tonköpfe können sowohl alle Lautsprecher derart gespeist werden, dass praktisch nicht nur jede beliebigestelle imRaum 1 frei von Echowirkung ist, sondern auch einem Schall ausgesetzt werden kann, der beliebig diffus oder in einer bestimmten Richtung lokalisiert sein kann.