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Gasdrucklader.
Sowohl bei den mit Handladung arbeitenden, als auch bei den selbsttätigen Feuerwaffen bleibt nach jedem Schuss immer etwas Pulverraueh im Lauf zurück. Während nun dieser Pulverrauch für die Feuerwaffen mit Handladung, bei welchen die Ladung verhältnismässig lange Zeit in Anspruch nimmt, ganz unschädlich ist, kann er bei den ganz-oder halbautomatischen Feuerwaffen, bei denen
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er sieh als Russ in der Patrone, in der Kammer und teilweise auch im Mechanismus absetzt.
Die Erfindung bezweckt, diesem t'belstand fiir die ganz-und halbautomatischen Feuerwaffen des Gasdruckladertyps abzuhelfen, bei welchen ein Teil des Pulvergases durch einen im Lauf vor- gesehenen Kanal (Anbohrung) hindurch aus diesem Lauf in einen Gaszylinder geleitet wird, indem es gegen einen Kolben drückt und diesen und somit auch den Mechanismus in Bewegung setzt und in dieser Weise die Ladung nach jedem Schuss bewirkt. Es wird vorausgesetzt, dass der Gaszylinder bei geschlossenem Mechanismus in bekannter Weise ein verhältnismässig grosses Volumen hat.
Die
Erfindung besteht darin, dass dieses s n sie, h bekannte Merkmal mit einem andern Merkmal kombiniert ist, u. zw., dass die Richtung der Anbohrung, jedenfalls wo sie in den Lauf mündet, einen spitzen Winkel mit dem hinter der Anbohrung liegenden Teil der Achse des Laufes bildet. Dieses zweite Merkmal ist zwar an sieh gleichfalls bekannt, aber es war nur bei Feuerwaffen angewendet, bei denen das Volumen des Gaszylinders ganz klein war im Verhältnis zum Volumen des Laufes. In diesem Falle wurde mit der genannten Schrägstellung der Anbohrung jene Wirkung, die durch die Erfindung erzielt werden soll, weder beabsichtigt noch erreicht.
Durch die Kombination erreicht man eine Ejektorwirkung, die eine Absaugung des Pulverrauches nach jedem Schuss herbeiführt. Ein schrägliegender Kanal allein ohne genügend grosses Zylindervolumen wird dagegen keine Ejektorwirkung bewirken können. Dies sei im folgenden näher erläutert :
Es sei angenommen, dass der Abstand zwischen dem Schrägkanal und der Mündung 170 mm und dass die Geschwindigkeit des Geschosses 800 Meter je Sekunde betrage, was bedeutet, dass das
Geschoss 1/4700 Sekunde braucht, um diesen Abstand zurückzulegen und dass die Treibkraft-der
Druck des Pulvergases-nur 1/4700 Sekunde wirkt, also wie ein Hammerschlag.
Wird nun weiter angenommen, dass das Öffnen des Mechanismus 1/20 Sekunde in Anspruch nimmt und dass der Hub des Gaskolbens 126 mm beträgt, so erhält man die Bewegungsgeschwindigkeit des Kolbens gleich 2520 mm je Sekunde, woraus folgt, dass der Kolben sich um zirka 535 mm in der 1/4700 Sekunde bewegt hat, während der die Treibkraft wirkt.
Hieraus geht hervor, dass das Volumen, das bei der Beurteilung der Ejektorwirkung in Frage kommt, das Volumen des Zylinders bei geschlossenem Mechanismus ist.
Eine Vergrösserung des Volumens zufolge der Bewegung des Kolbens und damit der Gasmenge, die die Ejektorwirkung hervorruft, ist ganz ausgeschlossen während der kurzen Zeit, während der Druck des Pulvergases gegen den Kolben wirkt. Die beabsichtigte Ejektorwirkung erreicht man deshalb nur, wenn der Schrägkanal erfindungsgemäss mit einem grossen Gaszylindervolumen kombiniert ist.
Eine beispielsweise Ausführungsform der Erfindung ist in der Zeichnung gezeigt, die den vordersten Teil eines Gewehrlaufes darstellt. Der Lauf 1 ist ein wenig hinter der Mündung bei 2, wie an sich bekannt, angebohrt, aber in diesem Falle liegt die Anbohrung schräg, so dass ihre Achse einen spitzen Winkel mit der Achse des Laufes bildet. Die Anbohrung 2 setzt sich in einem entsprechenden sehrägliegenden Kanal 3 nach hinten bis zum Vorderende des Gaszylinders 4 fort, der an seinem hinteren Ende von einem hohlzylinderförmigen Kolben 5 mit Boden 6 und einer nach hinten gehenden Stange 7 umschlossen wird. Diese Stange steht in irgendeiner passenden Weise in Verbindung mit dem Mechanismus, der die Ladung bewirkt und dessen Ausbildung nicht Gegenstand der Erfindung ist.
Die Zeichnung zeigt die Stellung bei geschlossenem Mechanismus während des Abfeuerns des Schusses, u. zw. in dem Augenblick, in dem das Geschoss den Lauf verlässt.
Der Kolben 5, 6 kann auch im Zylinder 4 gleiten. In geschlossener Stellung hat der Zylinder 4 ein grosses Volumen, zweckmässig die Hälfte des Volumens des Laufes, aber es kann, je nach dem Kaliber der Waffe, dieses Verhältnis zum Laufvolumen auch grösser oder kleiner sein, jedoch nicht kleiner als etwa ein Drittel. Die Wirkungsweise ist wie folgt :
Wenn der Schuss abgefeuert wird, strömt das Pulvergas, nachdem das Geschoss den Gaskanal 2, 3 überfahren hat, durch diesen in den Zylinder 4 hinein, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat.
Das Geschoss braucht weniger als 1/3000 Sekunde von der Anbohrung 2 zur Mündung, aber diese Zeit genügt dafür, dass der Zylinder 4 mit so viel Gas gefüllt wird, als für die Bewegung des Kolbens und des Mechanismus während der Ladung erforderlich ist,
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Da das Geschoss, wie früher erwähnt, für seine Bewegung vom Gaskanal bis zur Mündung nur eine ganz ausserordentlich kurze Zeit benötigt, kann sich der Kolben während dieser kurzen Zeit um nicht mehr als um nur wenige Millimeter, d. i. nur einem Bruchteil seines Weges bewegen, ehe er den Mechanismus öffnet.
Der Zylinder 4 ist nun mit Pulvergas unter einem gewissen Druck gefüllt. Dieses Gas drückt gegen den Kolben 6 an dem einen Ende des Zylinders, während es an dessen anderm Ende durch den Gaskanal 3, 2 hindurch und wegen dessen Schrägstellung weiter durch die Gewehrmündung hindurch ausströmt. Diese Gasausströmung findet während der Bewegung des Kolbens nach hinten statt, bis die Hülse 5 den Zylinder 4 verlassen hat und der Kolben und der Zylinder in Verbindung mit der frischen Luft gelangt sind.
Man erreicht wegen der Schrägstellung des Kanals 2 eine Ejektorwirkung, indem das vom Zylinder 4 hinausströmende Gas jenen Pulverrauch mit sieh reisst, der weiter innen im Lauf 1 sitzt. Die Voraussetzung für eine gute Wirkung ist offenbar, dass der Zylinder 4 einen grossen Rauminhalt hat und dass der Weg des Kolbens verhältnismässig gross ist. Falls die leere Patronenhülse gelockert und etwas aus der Kammer herausgezogen ist, ehe der Kolben den Zylinder verlässt, so wird wegen der Ejektorwirkung frische Luft durch die Kammer und in den Lauf hineingesaugt werden. Hiedureh wird der Lauf in noch höherem Grad gereinigt, wobei gleichzeitig die frische Luft zwischen jedem Schuss auf den Lauf kühlend wirkt.
Vorgenommene Proben haben hervorragende Ergebnisse insofern ergeben, als jede Russbildung auf der Hülse, in der Kammer und im Mechanismus völlig vermieden ist. Ferner gestaltet sich das Hinausziehen der leeren Hülse gleiehmässiger und leichter als sonst.