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Vorrichtung zum Entnebeln von Färbereien und ähnlichen Textilveredlungsanlagen.
Färbereien und ähnliche Anlagen der Textilveredlungsindustrie, in denen z. B. Warmwaschmaschinen, Trockenmaschinen, Dämpfmaschinen u. dgl. verwendet werden, leiden ausserordentlich unter einer starken Wrasenbildung. Es liegt daher das Bestreben allgemein vor, diese Betriebe zu entnebeln.
Bestrebungen dahingehend, die gestellte Aufgabe dadurch zu lösen, dass jede einzelne Maschine mittels eines besonderen Auf-oder Umbaues eingekapselt wird, stellen sich nicht nur in Anschaffung und Unterhaltung ausserordentlich teuer, sondern beeinträchtigen auch sehr die Zugänglichkeit. Hiezu kommt noch, dass die Ware beim Übergang von der einen zur andern Maschine aus der einen Ummantelung herausgenommen, durch die wesentlich kühlere Atmosphäre des Fabrikraumes befördert und in die der ändern Maschine hineingebracht werden muss, worunter die Ware nicht nur rein mechanisch leidet, sondern auch unter Umständen chemischen Einflüssen, die sich ungünstig auswirken können, ausgesetzt ist.
Man hat daher bereits vorgeschlagen, die Färbereieinrichtungen nebst Antriebsvorrichtungen und Flüssigkeitszu-und-ableitungen mit einer Esse zu überdachen, die in einen oder mehrere, in das Freie gehende Kamine mündet. Wenn hiedurch auch die den weiter oben erwähnten Einrichtungen anhaftenden Mängel wenigstens teilweise beseitigt werden, so erfüllen diese Essen in der bekannten Anordnung die in wärmewirtschaftlicher Richtung gestellten Anforderungen keineswegs, denn irgendwelche Vorrichtungen zur gegenseitigen Regelung der Schwadenpolsterbildung oberhalb der Flotte, der abgeführten Schwadenmenge und der zu beobachtenden Temperaturen fehlen.
Es muss nämlich, will man in wärmewirtschaftlicher Weise arbeiten, auf folgendes Rücksicht genommen werden : Die Absaugung des Sehwadens aus dem zu entnebelnden Raum muss in einer Weise erfolgen, dass nicht ungesättigte Warmluft mit entweicht, d. h. es dürfen keine Kalorien nutzlos verschwendet werden. Es ist also notwendig, die Absaugung bei einer möglichst hohen Temperatur erfolgen zu lassen, weil die Warmluft um so mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, je höher ihre Temperatur liegt. Um die gleiche Wasserdampfmenge abzusaugen, muss um so weniger Luft abgesaugt werden, je höher deren Temperatur ist. Abgesehen hievon muss die Verdunstung der heissen Flotte, aus welcher der Schwaden aufsteigt, auf ein möglichst geringes Mass herabgedrückt werden.
Und schliesslich soll die im Schwaden und in der Warmluft gebundene Wärme möglichst noch innerhalb des Arbeitsraumes insofern nutzbar gemacht werden können, als sie zur Anwärmung der Raumluft dient.
Die Erfindung löst die somit gestellten Aufgaben dadurch, dass am unteren Ende jeder Esse eine in der Höhe einstellbare Abschirmung (Gummituch) vorgesehen ist, die entsprechend ihrer Einstellung ein verschieden tiefes Aufstauen des Schwaden gestattet, in Verbindung mit einem in jedem Kamin angeordneten regelbaren Absauglüfter und abhebbarer, den Kamin abschliessender Haube. Zur Unterstützung der Regelbarkeit kann auch noch zwischen Esse und Kamin eine einstellbare Drosselklappe geschaltet sein.
Mit Hilfe der erfindungsgemässen Vorrichtungen lässt sich die Absaugung des Schwaden derart regeln, dass nur voll gesättigte Warmluft abgesaugt wird, dadurch dass die Abschirmung, die Drehzahl des Absauglüfters und die Haube entsprechend eingestellt werden. Gleichzeitig kann man die Temperatur der Luft und des Schwaden bis zu einem optimalen Grade erhöhen. Es ist eine bekannte physikalische Tatsache, dass bei 100% ger Sättigung, Warmluft von 30 C beispielsweise 30 g Wasser auf 1 kg Luft aufzunehmen vermag, während Luft von 600 C 130 g Wasser per Kilogramm aufnimmt.
Um eine bestimmte Menge Wasser abzusaugen, bedarf es also bei höher temperierter Luft einer geringeren Leistung der Ventilatoren für Absaugung und für Frischluftzuführung und demgemäss auch einer geringeren Leistung bei der Vorwärmung der Frischluft.
Der Schwaden von solch hoher Temperatur bildet über der heissen Flotte einen Wärmepolster, welcher die Verdunstung und somit den unwirtschaftlichen Wärmeverlust möglichst weit herunterdrückt. Dies ergibt sich daraus, dass das Temperaturgefälle zwischen der heissen Flotte und der darüberliegenden Luft verhältnismässig gering bleibt. Die einstellbare Abschirmung lässt sogar zu, dass das Wärmepolster fast bis unmittelbar an die Oberfläche der Flotte heruntergedrückt wird.
Schliesslich kann sogar dadurch, dass die Esse ziemlich stark erwärmt wird, von dieser ein Teil der Raumheizung erzeugt werden.
Auf der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel des Erfindungsgegenstandes senkrecht geschnitten, beispielsweise in Verbindung mit Färbereimaschinen, dargestellt, wobei einerseits Jigger 1, anderseits Kufen 2 gewählt sind. Selbstverständlich kann die gesamte Färberei mit Jiggern oder aber mit Kufen ausgerüstet sein. Auch können andere Färbemaschinen oder sonstige Textilveredlungsmaschinen, bei denen sich Wasserdampf bildet und abgezogen werden muss, in derselben Weise mit Entnebelungsanlagen versehen sein.
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Die Entnebelungsanlage besteht nun aus einer als Glasdach. 3 ausgebildeten Esse, die bei einer
Reihe Maschinen als Pultdach, bei zwei Reihen Maschinen als Satteldach ausgebildet ist. Die Glas- platten sind nach dem kittlosen Prinzip in verbleiten Stahlkonstruktionen verlegt und besitzen eine
Neigung, die das sich an der Innenseite niederschlagende Wasser nicht abtropfen lässt, sondern in Rinnen 4 aus Eternit oder einem andern säurebeständigen Material leitet. Die Rinnen 4 sind hiebei so angeordnet, dass auch das sich auf der Aussenseite niederschlagende Schwitzwasser in diese Rinnen läuft.
Wie aus der Zeichnung ersichtlich, sind nicht nur die Maschinen 1 oder 2, sondern auch die
Transmissionen 5, 6 sowie die Rohrleitungen 7 und 8, unterhalb der Essen angebracht. Am unteren
Rand jeder Esse 3 ist eine in der Höhe einstellbare Abschirmung, beispielsweise ein Gummituch 9 angebracht, die entsprechend ihrer Einstellung ein verschieden tiefes Aufstauen des Schwaden gestattet. Der von den Essen 3 abgeschlossene Raum steht nun mit einem oder mehreren Kaminen 10 in Verbindung, die mit Eternit ausgekleidet über das Dach der Färberei hinausragen und im oberen
Teil mit einem Absauglüfter 11 versehen sind. Eine verstellbare Haube 12 bietet die Möglichkeit, das
Ausmass der Absaugung zu bestimmen.
Zwischen der Esse 3 und dem Kamin 10 ist eine einstellbare
Klappe 13 angeordnet, durch die der Durchgangsquerschnitt verändert werden kann. Sowohl die
Hauben 12 als auch die Drosselklappen 13 werden durch Zugvorrichtungen, die bis in den Raum unterhalb der Essen 3 gehen, gesteuert.
Für die Frostzeit ist noch eine zusätzliche Luftheizung 14 beliebiger Art vorgesehen.
Die Wirkungsweise der Entnebelungseinrichtung ist folgende :
Der beim Färben in kochender Farbflotte entstehende Dampfschwaden steigt in der Glasesse 3 hoch und staut sich dort bei noch stehendem Ventilator bis zur Unterkante des Gummituches 9. Um bei weiterer Schwadenentwicklung das Übertreten aus der Esse 3 zu verhindern, wird nunmehr die Drosselklappe 13 im Kamin 10 geöffnet, die Haube 12 vom Lüfter 11 abgehoben und der Lüfter 11 in Betrieb gesetzt. Die Absaugeleistung des Lüfters lässt sich durch Veränderung des Abstandes der Haube vom Lüfter durch den sich daraus ergebenden kleineren oder grösseren Widerstand auf die Lüfterschraube weitgehendst regeln. Die Leistung des Absaugeventilators wird in der Folgezeit so eingestellt, dass der in der Esse aufgestaute Dampfschwaden immer in der Höhe des Gummituches steht.
Der Absaugeventilator saugt nunmehr den mit 40-55 C heissen Dampf Schwaden mit einer relativen
Sättigung von 90 bis 95% ab. Durch den Umstand, dass einmal der Lüfter immer aus dem aufgestauten
Sehwadenraum den Schwaden mit hoher Feuchtigkeitsaufladung abzieht, anderseits der Schwadenraum selbst zum Rauminhalt der Färberei in einem Verhältnis von etwa 1 : 6 steht, ergibt sich die Wirtschaftlichkeit der Entnebelungsanlage. Bei einem acht-bis zwölffachen Luftwechsel unter der
Glasesse 3 ist es möglich, mit einem Wärmeaufwand von 60 kg Dampf pro Esse und bei gleichzeitigem Kochen von zehn Kufen die Entnebelung einwandfrei zu betreiben. Versuche haben ergeben, dass zirka 2-2Y2% der als Nutzdampf beim Färben verbrauchten Wärme genügen, um einwandfrei zu entnebeln.
Die im Totraum zwischen den Essen und dem Dach gemessene Feuchtigkeit schwankt bei 20-25 C Raumtemperatur zwischen 40 und 80% relativ. Die Zusatzluft wird bei Frostzeit mit Aussentemperaturen unter 0'durch das Luftheizaggregat 14 in den Raum gedrückt. Bei Temperaturen über 100 der Aussenluft fällt die Aufheizung der Zusatzluft vollständig weg. Der unter der Esse 3 gestaute heisse Schwaden bewirkt eine Aufheizung der Glasflächen der Esse in dem Masse, dass die Frischluft sich daran genügend erwärmen und auf die Aufheizung durch die Luftheizer verzichtet werden kann.
Der heisse Schwaden unter der Esse, also unmittelbar über den Färbekufen, wirkt auf die Oberflächen der Färbemaschinen wie ein warmer Hut und vermindert dadurch die Verluste durch die freiwerdende Verdunstungswärme einerseits, anderseits werden die umlaufenden Gewebestränge wenig abgekühlt, so dass auch der Dampfverbrauch zum Konstanthalten der Flottentemperatur ein geringerer ist. Durch Vorhänge oder Schutzanstrich 15 können die Essen die zu behandelnden Waren gegen die Einwirkung des Sonnenlichtes schützen.
An Stelle der beispielsweise gewählten Färbereimaschinen können auch andere Textilveredlungsmaschinen, wie z. B. Warmwaschmaschinen, Trockenmaschinen, Dämpfmaschinen u. dgl. treten, ohne dadurch ausserhalb des Rahmens der Erfindung zu fallen.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Vorrichtung zum Entnebeln von Färberei-und ähnlichen Textilveredlungsanlagen, wobei die Färbereieinriehtungen nebst Antriebsvorrichtungen und Flüssigkeitszu-und-ableitungen von einer Esse überdacht sind, die in einen oder mehrere, in das Freie gehende Kamine mündet, dadurch gekennzeichnet, dass am unteren Ende jeder Esse eine in der Höhe einstellbare Abschirmung (Gummituch) vorgesehen ist, die entsprechend ihrer Einstellung ein verschieden tiefes Aufstauen des Schwaden gestattet, in Verbindung mit einem in jedem Kamin angeordneten regelbaren Absauglüfter und abhebbarer, den Kamin abschliessender Haube.