<Desc/Clms Page number 1>
EMI1.1
Die Bestrebungen zur Vereinfachung der Bedienung kommerzieller Empfänger führen zu dem Problem, die Umschaltung von Telegraphieempfang auf Telephonieempfang selbsttätig zu gestalten. Es ist schon vorgeschlagen worden, die bei der Gleichrichtung der empfangenen Hochfrequenz entstehende Gleichstromkomponente zur Umsehaltung zu verwenden, indem man die vom Träger erzeugte Gleichspannung auf ein Verzögerungsrelais gibt, welches nur auf Impulse von langer Dauer anspricht. Da bei Telegraphie die Gleichstromkomponente im Takte der Zeichen zwischen Null und einem Maximalwert schwankt, während sie bei Telephonieempfang konstant ist, spricht das Relais nur bei Telephonieempfang an und unterbricht den zum Telegraphieempfang dienenden Überlagerer.
Dieses Verfahren hat jedoch unangenehme Nachteile. Die Umschaltung ist nämlich von der Telegraphiergeschwindigkeit abhängig. Bei langer Zeiehendauer kann der Fall eintreten, dass die Automatik den Fremdüberlagerer abschaltet, obwohl gar keine modulierten Zeichen (Telephonie) vorliegen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass man die Verzögerung des Steuerrelais nicht beliebig weit treiben kann. Ausserdem kann bei Sendern mit selbsttätiger Trägersperre zwischen den Worten die Zeitdauer eines Telephoniesignals leicht nur die Dauer eines längeren Telegraphiezeichens besitzen.
Es ist hieraus ersichtlich, dass man bei diesen Systemen mit einer gewissen Unsauberkeit der Umschaltung rechnen muss.
Bei Anwendung der Erfindung werden diese Nachteile bei einem Empfänger für wahlweisen Empfang von Telephonie oder tönender Telegraphie einerseits und nicht tönender Telegraphie durch Umwandlung in hörbare Signale anderseits und mit demselben Übertragungsweg (Niederfrequenzverstärker) für die bei beiden Betriebsarten im Empfangsgleichrichter entstandenen Niederfrequenzen beseitigt. Die Erfindung besteht darin, dass im Falle der Telephonie oder der tönenden Telegraphie eine selbsttätige Abschaltung des für den Tonempfang der nicht tönenden Telegraphie erforderlichen Oszillators mittels der gleichgerichteten Modulation der Telephonie oder tönenden Telegraphie bewirkt wird.
Hiebei ergibt sich noch der weitere Vorteil, dass man unter Umständen auf ein besonderes Relais verzichten kann, wenn man den Fremdiiberlagerer direkt durch die gleichgerichtete Niederfrequenzspannung zum Abreissen bringt, wie weiter unten an Hand der Fig. 2 gezeigt werden soll. Ferner ergibt sich der Vorteil, dass auch tönende Telegraphie ohne Überlagerer empfangen werden kann, so dass der Ton rein ist.
Die zur Abschaltung dienende Modulation muss dem Empfänger natürlich an einer Stelle entnommen werden, an der die für den Telegraphieempfang erforderliche Überlagerungsfrequenz noch nicht zugesetzt ist. Wenn der Telegraphieempfang durch eine tonfrequente Modulation des ersten Überlagerers eines Superhetempfängers vorgenommen wird, kann man jedoch diesen Ton aussieben, so dass die Umschalteinrichtung auf diese Modulationsfrequenz nicht anspricht.
An Hand der Zeichnung soll nun die Erfindung näher erklärt werden. Als Beispiel ist ein Überlagerungsempfänger gezeigt, u. zw. von der zweiten Zwisehenfrequenzröhre an.
Im Anodenkreis der Zwischenfrequenzverstärkerröhre Z in Fig. 1 befindet sich als Aussenwiderstand ein auf die Zwischenfrequenz abgestimmter Kreis 1 und weiter ein Nicderfrequenzüber- trager 2. Bei richtiger Bemessung der Gittervorspannung wirkt diese Stufe also als Zwischenfrequenzverstärker und Gleichrichter. Mit dem Abstimmkreis 1 ist der zweite Überlagerer Ü2 gekoppelt, der
<Desc/Clms Page number 2>
seine Anodenspannung über den Ruhekontakt des Relais 3 erhält. Die Mischung von Empfangsfrequenz und Hilfsfrequenz erfolgt in dem Gleichrichterkreis 4. Die in den Kreis transformierte Überlagererspannung ist so bemessen, dass sie keinen nennenswerten Beitrag zur Schwundregelspannung liefert. Die Regelspannung ist vielmehr von der Amplitude der Empfängereingangsspannung abhängig.
Einfallende Telegraphiezeichen erzeugen mit der Frequenz des zweiten Überlagerers Sehwebungen, die über den Niederfrequenzverstärker NI dem Hörer zugeführt werden. Im Gegensatz dazu liegt an den Ausgangsklemmen des Niederfrequenzübertragers 2 nur im Telephoniefall Wechselspannung. Diese Spannung wird dann durch den Niederfrequenzverstärker N2 verstärkt, durch den Doppelweggleichrichter 5 gleichgerichtet und dem Relais zugeführt. Es ist klar ersichtlich, dass der zweite Überlagerer Ü2 nur im Telephoniefall durch das Relais abgeschaltet werden kann. Der Empfänger ist dauernd in Telegraphieempfangsbereitschaft und wird nur beim Eintreffen modulierter Zeichen umgeschaltet.
Ein weiterer Schritt entsprechend Fig. 2 führt zur Vermeidung des Relais. In dieser Anordnung wird die vom Niederfrequenzverstärker N2 gelieferte Wechselspannung gleichgerichtet und als Gegenspannung für eine Glimmlampe 8 benutzt. Der Glimmlampenstromkreis ist gleichzeitig Spannungsteiler für die Schirmgitterspannung (nicht dargestellt) des zweiten Überlagerers Ü,. Wenn die Niederfrequenzspannung eine gewisse Grösse erreicht, so erlischt die Glimmlampe und der zweite Überlagerer Ü2 bekommt keine Schirmgitter-bzw. Anodenspannung. Durch diese Massnahme soll ein sauberes momentanes Schalten erreicht werden.
Es mag erwähnt werden, dass die Niederfrequenzverstärkerstufe N2 in Reflexschaltung mit einer der vorausgehenden Stufen des Empfängers vereinigt werden kann. Es besteht nur die Bedingung, dass diese Röhre nicht durch die automatische Regelung erfasst wird.
Eine weitere Schaltung zeigt Fig. 3 ; hiebei wird die im Telephoniefall am Übertrager 2 auftretende Spannung gleichgerichtet und als negative Gittervorspannung für die Endröhre des Niederfrequenzverstärkers NI verwendet. Im Anodenkreis der Endröhre liegt ausser dem Ausgangsübertrager 6 das Relais 3, das auf eine Änderung des Anodenstroms von etwa 2 mA anspricht. Im Telegraphiefall arbeitet die Endröhre mit nur sehr geringer negativer Vorspannung. Das kann unbedenklich geschehen, da Verzerrungen keine Bedeutung haben. Bei modulierten Signalen wird die Endröhre stärker negativ vorgespannt und die eintretende Änderung des Anodenstromes schaltet durch das Relais 3 den zweiten Überlagerer Ü2 ab.
Zum Schluss sollen Erscheinungen besprochen werden, die eine einwandfreie Funktion gefährden können. Da ist zunächst das bei hochempfindlichen Empfängern auftretende Eigenrauschen, das in seiner Wirkung der Modulation eines Signals entspricht und ohne Vorsichtsmassregeln die Automatik zum Ansprechen bringen kann. Es wird vorgeschlagen, den Niederfrequenzübertrager 2 auf etwa 1000 Hertz anzustimmen ; hiedurch werden die hohen Frequenzen unterdrückt.
Die ankommenden Signale müssen ferner eine gewisse Amplitude haben, damit die Automatik ansprechen kann. Es ist leicht einzusehen, dass zu schwache Signale um so seltener zum Versagen der Automatik führen, je steiler die Regelkurve der Schwundregelung ansteigt.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Empfänger für wahlweisen Empfang von Telephonie und tönender Telegraphie einerseits und nicht tönender Telegraphie durch Umwandlung in hörbare Signale anderseits und mit demselben Übertragungsweg (Niederfrequenzverstärker) für die bei beiden Betriebsarten im Empfangsgleichrichter entstandenen Niederfrequenzen, dadurch gekennzeichnet, dass eine selbsttätige Abschaltung des Oszillators für den Tonempfang der nicht tönenden Telegraphie mittels der gleichgerichteten Modulation der Telephonie oder tönenden Telegraphie bewirkt wird.