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Verfahren zur Raffination von Fetten und Ölen.
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Raffination von Fetten und Ölen (Fettstoffen), durch das die höchstmögliche Ausnutzung der Hilfsmaterialien gewährleistet und somit der höchstmögliche Effekt gesichert erscheint.
Verunreinigungen roher pflanzlicher und tierischer Fettstoffe werden durch Teilraffinationen beseitigt, die dem Charakter der Verunreinigungen angepasst werden. Eine übliche Reihenfolge der Teilraffinationen ist : Entsehleimung, Entsäuerung, Bleichung und Desodorisierung. Die einzelnen Raffinationen werden entsprechend dem Zwecke, dem die raffinierten Fettstoffe dienen sollen, und entsprechend dem gewünschten Reinheitsgrade mehr oder weniger gründlich durchgeführt ; unter Umständen lässt man eine oder die andere der Einzelraffinationen ausfallen. Bisher bestanden die Einzelraffinationen in voneinander unabhängigen Massnahmen ; die bei jeder der Teilraffinationen verwendeten Hilfsmaterialien bzw. entstandenen Abfallprodukte wurden bis jetzt entfernt, ehe mit der nächsten Teilraffination begonnen wurde.
Die einmal gebrauchten Hilfsmaterialien bzw. die entstandenen Abfallprodukte (Umwandlung- produkte) gelangten bei den bekanntgewordenen Arbeitsweisen meistens nicht mehr zur Verwendung ; soweit sie verwendet wurden, erfolgt die Wiederverwendung der Hilfsmaterialien bzw. die Verwendung der Umwandlungsprodukte nur bei jener Teilraffination im Raffinationsgang einer andern Fettstoffpartie, die der Teilraffination entsprach, bei der die erstmalige Verwendung der Hilfsmaterialien erfolgte bzw. die Umwandlungsprodukte entstanden.
Im Gegensatz zu den bekanntgewordenen Verfahren besteht die Erfindung darin, dass bei einer und derselben Raffinationsoperation verschiedenartige Hilfsmaterialien bzw. Umwandlungsprodukte verwendet werden, von welchen Raffinationsmitteln mindestens eines aus der Raffination einer vorher raffinierten Fettstoffpartie herrührt. Während bei den älteren Arbeitsweisen die Raffination einer und derselben Fettstoffpartie in voneinander abgeschlossenen Teilraffinationen zerfiel, fliessen bei der neuen Arbeitsweise die einzelnen Raffinationsmassnahmen ineinander. Im Hinblick auf diese Neuerung wird in der Erfindungsbeschreibung nicht von Teilraffinationen, sondern von Raffninationsoperationen gesprochen. Im wesentlichen ist die Erfindung darin zu erblicken, dass die Raffination wenigstens zum Teil mit Hilfsmaterialien bzw.
Umwandlungsprodukten durchgeführt wird, die bei der Raffination bereits raffinierter Fettstoffpartien verwendet wurden bzw. entstanden, und dass bei dieser Verwendung gleichzeitig verschiedenartige Raffinationsmittel, wie z. B. Bleichmittel einerseits und Entsäuerungsmittel anderseits bzw. Bleichmittel einerseits und Entschleimungsmittel anderseits, gebraucht werden. Es wird beispielsweise die eine Bleichoperation verlassende Bleicherde bei der Raffination einer neuen Ol- partie gemeinsam entweder mit Lauge oder mit dem von einer Entsäuerungsoperation eines früheren Raffinationsganges stammenden Soapstoek verwendet ; Bleicherde und Soapstock mögen von der gleichen
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herrührende Raffinationsmittel verwendet, so können diese Mittel, auch wenn es sich um mehr als zwei handelt, von verschiedenen Fettstoffpartien stammen.
Unter Umständen werden gleichartige Raffinationsmittel, wie Bleich-oder etwa Entsäuerungsmittel, die aus verschiedenen Raffinationsoperationen eines und desselben Raffinationsganges oder verschiedener Raffinationsgänge herrühren, bei einer einzigen Operation, zusammen mit einem oder dem andern ungleichartigen Raffinationsmittel, verwendet.
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Auf der beiliegenden Zeichnung erscheinen in den Fig. 1 bzw. 2 die Ausführungsbeispiele 1 bzw. 2 graphisch dargestellt. Die Kreise jeder Querreihe veranschaulichen die aufeinanderfolgenden Operationen der Raffination einer und derselben Fettstoffpartie. Die Kreise der jeweils nächsttiefer gelegenen Querreihe entsprechen den Operationen der nächstfolgenden Raffination. Es bedeuten die Zeichen S Salzlösung, L Lauge, W Wasser, E Bleicherde, Eg gebrauchte Bleicherde und SS Soapstock. Soweit die derart bezeichneten Materialien aus dem Prozess gezogen werden, ist um die Zeichen ein Viereck gezeichnet. Die Beispiele werden operationsweise geschildert.
Ausführungsbeispiel l :
I. Rohes Baumwollsaatöl wird zum Zwecke seiner Entschleimung mit konzentrierter Salzlösung bei etwa 100 C längere Zeit hindurch gerührt. Nach dem Absetzenlassen wird die Schleimstoffe suspendiert enthaltende Salzlösung abgezogen und aus dem Prozess genommen.
11. Das Öl wird mit so viel Lauge versetzt, dass die freien Fettsäuren vollkommen neutralisiert werden. Der Soapstock wird nach dessen Absetzen abgezogen ; er ist neutralölhaltig und kommt bei 11 zur Verwendung.
III. Das neutrale Öl wird gewaschen, getrocknet und mit Bleicherde gerührt. Das abgezogene Öl-Bleicherde-Gemisch wird in einer Filterpresse filtriert. Der ölhaltige Bleicherdekuchen wird bei II1 verwendet.
11, Die zweite Ölpartie wird bei 11 wie bei I mit konzentrierter Salzlösung gerührt. Nach halbstündigem Rühren wird der von II abgezogene neutralölhaltige Soapstock und zwecks Verdünnung der Salzlösung ausserdem Wasser zugesetzt. Nach kurzem Rühren und Absetzenlassen wird die Soapstock und Schleimstoffe suspendiert enthaltende Salzlösung abgezogen und aus dem Prozess genommen.
IL. Das Öl wird mit Hilfe von Lauge neutralisiert. Ohne dass das Rühren unterbrochen wird, wird der von III stammende Bleicherdekuchen eingebracht. Nach dem Rühren und Absetzenlassen wird das ölhaltige Soapstock-Bleicherde-Gemisch abgezogen und bei 12 verwendet.
III1. Raffinationsoperation analog III ; der. ölhaltige Bleicherdekuchen wird bei II1 verwendet. l,. Die dritte Ölpartie wird wie bei I mit konzentrierter Salzlösung behandelt. Nach halbstündigem Rühren wird das von II1 abgezogene ölhaltige Soapstock-Bleicherde-Gemisch und zwecks Verdünnung der Salzlösung ausserdem Wasser zugesetzt. Nach kurzem Rühren und nachfolgendem Absetzenlassen wird die Schleimstoffe, Soapstock und Bleicherde suspendiert enthaltende Salzlösung abgezogen und aus dem Prozess genommen.
II2. Analog II1 ; das abgezogene ölhaltige Soapstock-Bleicherde-Gemisch gelangt bei der ersten
Operation des nächsten Raffinationsvorganges zur Verwendung.
III2. Analog III1 ; der abgezogene ölhaltige Bleicherdekuchen gelangt bei der zweiten Operation des nächsten Raffinationsganges zur Verwendung.
Die. nächsten Raffinationsgänge analog 12- III2.
Ausführungsbeispiel 8 :
1. Rohes Baumwollsaatöl wird mit konzentrierter Salzlösung bei etwa 100 C längere Zeit hindurch gerührt. Nach dem Absetzenlassen wird die Schleimstoffe suspendiert enthaltene Salzlösung zum grösseren Teil abgezogen. Der abgezogene Teil wird später bei 11 verwendet.
II. Das Öl, in dem ein Teil der Salzlosung zurückgeblieben ist, wird mit so viel Lauge versetzt, dass ein Teil der freien Fettsäuren neutralisiert wird. Ausserdem wird zur Verdünnung der Salzlösung Wasser zugegeben. Nach dem Absetzenlassen wird die Soapstock suspendiert enthaltende Salzlösung abgezogen und später bei 11 verwendet.
III. Das Öl, welches noch freie Fettsäuren enthält, wird durch Zusatz von Lauge zu Ende neutralisiert. Nach dem Absetzenlassen wird der neutrales Öl enthaltende Soapstock abgezogen und später bei IIi verwendet.
IV. Das nunmehr neutrale Öl wird gewaschen, getrocknet und mit Bleicherde gerührt. Nach dem Absetzenlassen wird die ölhaltige Bleicherde abgezogen und später bei III verwendet.
V. Das vorgebleichte Neutralöl wird mit frischer Bleicherde gerührt. Das Öl-Bleicherde-Gemisch wird durch eine Filterpresse abfiltriert. Der. ölhaltige Bleicherdekuchen wird bei IV, verwendet.
Ii. Die zweite Olpartie wird mit der von I abgezogenen Salzlösung behandelt. Nach halbstündigem Rühren wird die von II abgezogene soapstockhaltige Salzlösung eingerührt. Nach dem Absetzenlassen wird die Schleimstoffe und Soapstock enthaltende Salzlösung abgezogen und aus dem Prozess genommen.
IIi. In das Öl wird der ölhaltige Soapstock von III eingerührt, durch den ein Teil der freien Fettsäuren adsorbiert wird. Nach dem Absetzenlassen wird der freie Fettsäuren und neutrales Öl (also stark saures Öl) enthaltende Soapstock abgezogen, der bei 12 verwendet wird.
. Das 01, das noch freie Fettsäuren enthält, "Wird durch Zusatz von Lauge zu Ende neutralisiert, worauf die von IV abgezogene ölhaltige Bleicherde eingerührt wird. Nach dem Absetzenlassen wird das Sapstock-Bleicherde-Gemisch1 das auch Neutralöl enthält, abgezogen. Es wird später bei II2 verwendet.
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IVi. Das neutrale Öl wird gewaschen, getrocknet und mit dem von Vabgezogenen ölLaltigen Bleicherdekuchen verrührt. Nach dem Absetzenlassen wird die ölhaltige Bleicherde abgezogen und später bei III, verwendet.
Vi. Analog V. Der ölhaltige Bleicherdekucl. en wird bei IVs verwendet.
I,. Die dritte Ölpartie wird mit konzentrierter Salzlösung wie bei I behandelt. Dann wird der von IIi abgezogene freie Fettsäuren und neutrales Öl enthaltende Soapstock eingerührt und zur Verdünnung der Salzlösung Wasser zugegeben. Nach dem Absetzenlassen wird die Schleimstoffe und Soapstock enthaltende Salzlösung abgezogen und aus dem Prozess genommen.
Il,. In das Öl wird das Soapstoek-Bleicherde-Gemisch von 111"eingerührt. Ein Teil der freien Fettsäuren wird adsorbiert. Nach dem Absetzenlassen wird das freie Fettsäuren und neutrales Öl enthaltende Soapstock-Bleicherde-Gemisch abgezogen. Es wird bei 13 verwendet.
Ils,. Analog III ; das abgezogene Soapstock-Bleicherde-Gemisch wird bei H3 verwendet.
IV.. Analog IVi.
Vs. Analog Vi.
Ig. Die vierte Olpartie wird mit konzentrierter Salzlösung wie bei I behandelt. Dann wird das von 11s abgezogene Soapstock-Bleicherde-Gemisch eingerührt und zur Verdünnung der Salzlösung Wasser zugegeben. Nach dem Absetzenlassen wird die Scleimstoffe, Soapstock und Bleicherde enthaltende Salzlösung abgezogen und aus dem Prozess genommen.
II,-V,. Analog II,-V..
Es ist selbstverständlich auch möglich, dass anfallende Raffinationsmittel nicht im unmittelbar nächsten Raffinationsgang, sondern in unterbrochener Reihe verwendet werden.
Die Beispiele zeigen, dass die Wiederverwendung der Hilfsmaterialien bzw. die Verwendung und Wiederverwendung der Umwandlungsprodukte in der Regel derart erfolgen, dass die Raffinationsmittel den Operationen bei der Raffination der nächsten Fettstoffpartien entgegenwandern. Es wird etwa die bei einer Bleichoperation anfallende Bleicherde nicht nur zur Vorbleichung der nächsten ungebleichten Partie verwendet, während das Zuendebleichen des vorgebleichten Öles mit Hilfe frischer Bleicherde vorgenommen wird, die ihrerseits, nach dem Gebrauche, wieder nur zum Vorbleichen der nunmehr folgenden Ölpartie dient ; das Bleichmittel, das bei einer Ölpartie zum Fertigbleichen, bei der nächsten zum Vorbleichen diente, kommt erfindungsgemäss bei der zweitnächsten Ölpartie z. B. zusammen mit dem Entsäuerungsmittel zur Verwendung.
Bei dieser Arbeitsweise wird noch der Rest der Entfärbungskraft des Bleichmittels ausgewertet und überdies dem Soapstock ein Teil seiner Aufgabe, d. i. die durch Adsorption zu bewirkende Entfernung anderer als färbender Verunreinigungen, abgenommen. Auf ähnliche Weise kann der Soapstock zur Entfernung freier Fettsäuren und von Schleimstoffen benutzt werden.
Als vorteilhaft erweist es sich, die Raffinationsmittel bei einer nachfolgenden Raffination zunächst auf an sich bekannte Weise für sich allein und erst in weiterer Folge zusammen mit andersartigen Raffinationsmitteln zu verwenden.
Charakteristisch für das neue Verfahren ist, dass eine scharfe Trennung der einzelnen Operationen absichtlich vermieden und damit an Arbeit und an Material gespart wird. Es ist als Vorzug des neuen Verfahrens zu werten, dass die zwischen den Teilraffinationen üblichen zeitraubenden und umständlichen Massnahmen zur Abtrennung des Öles von den Raffinationsmitteln deshalb zum Teil entfallen können, weil erfindungsgemässdie Abtrennung nicht einzeln von den Raffinationsmitteln, sondern von deren Gemisch erfolgt.
Ein weiterer besonderer Vorzug des neuen Verfahrens ist darin zu erblicken, dass eine Verminderung des Verlustes an neutralem Fettstoff bzw. eine Vermehrung der Ausbeute ohne alle Mehrkosten dadurch erreicht werden kann, dass nicht nur der Soapstock, sondern auch die gebrauchten Bleichmittel (Bleicherde, Bleichkohle) mit dem Entschleimungsmittel, wie z. B. einer verdünnten Salzlösung, zusammengeführt werden. Sowohl die dem Soapstock als auch die den Bleichmitteln anhaftenden ÖlmengenSoapstock und Bleichmittel sinken in der Salzlösung nieder-steigen an die Oberfläche der Lösung und vereinigen sich mit der über ihr befindlichen Hauptmasse des Öles.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Raffination von Fetten und Ölen (Fettstoffen), dadurch gekennzeichnet, dass bei einer und derselben Raffinationsoperation verschiedenartige Hilfsmaterialien bzw. Umwandlung- produkte (Entschleimungs-, Entsäuerungs-, Bleichmittel) verwendet werden, von welchen Raffinationsmitteln mindestens eines aus der Raffination einer vorher raffinierten Fettstoffpartie herrührt.