Thermisch leitfähige und elektrisch isolierende thermoplastische Compounds
Die vorliegende Erfindung betrifft thermoplastische Formmassen auf Basis von Thermoplasten mit einem elektrisch isolierenden, thermisch leitfähigen Füllstoff und einem weiteren elektrisch und thermisch leitfähigen Füllstoff, deren Herstellung und deren Verwendungen.
Thermoplastische Polymere werden wegen ihrer guten elektrisch isolierenden Eigenschaften für zahlreiche Anwendungen in der Elektroindustrie eingesetzt. Sie wirken aufgrund ihrer geringen Wärmeleitfähigkeit aber auch thermisch isolierend, was beim Einsatz für elektrische Bauteile dann ein Problem darstellt, wenn relativ viel Wärme entsteht, die abgeführt werden muss. Die elektrische und thermische Leitfähigkeit von Thermoplasten lässt sich durch Additive über einen weiten Bereich modifizieren. So wird durch Zusatz von z.B. Graphit sowohl die elektrische als auch die thermische Leitfähigkeit erhöht. Für die Erhöhung der thermischen Leitfähigkeit unter Beibehaltung einer sehr geringen elektrischen Leitfähigkeit, wie sie für Anwendungen in der Elektroindustrie erforderlich ist, gibt es hingegen nur wenige Lösungen.
Mögliche Additive zur Erhöhung der Wärmeleitfähigkeit von Polymercompounds unter Beibehal- tung der elektrisch isolierenden Eigenschaften sind in der Dissertationsschrift von Wolfgang Übler (Universität Erlangen 2002) zum Thema „Erhöhung der thermischen Leitfähigkeit elektrisch isolierender Polymerwerkstoffe" beschrieben. Darin werden Zusammensetzungen aus Polymeren, Alummiumoxϊd und weiteren organischen Zusätzen sowie ihre thermischen und elektrischen Eigenschaften dargelegt.
Die Erhöhung der Wärmeleitfähigkeit von thermoplastischen Compounds durch Zusatz von Aluminiumoxid (0.-Al2O3) ist bekannt und in einer Reihe von Anmeldungen beschrieben.
DE10260098 Al führt aus, dass Polyester durch Zusatz von Aluminiumoxid elektrisch isolierend und wärmeleitfähig sind. Als weitere Zusatzstoffe werden niedermolekulare und polymere organische Verbindungen aufgeführt.
In WO 2003051971 A2 wird ein Compound aus Polyamid 6 sowie Polyamid 66 und 72,3% Aluminiumoxid mit einer thermischen Leitfähigkeit von < 0,5 W/mK zur Verwendung in Elektrogeräten, Fußböden und Wärmetauschern beschrieben.
JP2004059638 A2 beschreibt ebenfalls Formmassen zum Spritzgießen auf Basis von Polyamid 6 sowie Polyamid 66 mit Aluminiumoxid sowie die daraus resultierenden Formteile mit erhöhter Wärmeleitfähigkeit.
JP 03 079663 A2 erweitert die Gruppe von Aluminiumoxid-haltigen Compounds um Polyamid 46 und stellt die Kombination des Füllstoffes mit bis zu 30% Glasfasern zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften vor.
JP 2005 ϊ 12908 A2 lehrt den Einsatz von Aluminiumoxid-gefüiltem Polyamid als elektrischer Isolator bei guter thermischer Leitfähigkeit. Die erhaltenen Produkte werden insbesondere für die Verwendung von Kabelummantelungen beschrieben, die über 50 Stunden unter 2000 Volt funktionstüchtig bleiben.
JP-A 06 108400 beschreibt die Herstellung von elektrisch isolierenden und thermisch leitenden Poryamid-Aluminiumhydroxid-Compounds, die sich zum Pressen von Platten eignen. Die hergestellten Teile zeichnen sich durch eine besondere Corona-Beständigkeit aus.
Der Einsatz von Graphit in Polyamid-Compounds ist umfangreich beschrieben, wobei die elektrische Leitfähigkeit der resultierenden Formmassen im Vordergrund steht.
JP-A 03 091556 beschreibt Zusammensetzungen aus Polyamid, die 1,0 - 20 % Graphit enthalten und einen Widerstand von 5,0 - 7,0 Ω / cm aufweisen.
JP-A 62 227952 stellt ein Graphit und Glasfaser enthaltendes Material vor, dessen Oberflächenwiderstand bei nur 2,2 ■ 104 Ω liegt.
JP-A 60 108428 lehrt die in situ Herstellung eines Polyamides unter Zusatz von Graphit zum Monomeren, das resultierende Produkt nach der Polymerisation zeigt einen elektrischen Widerstand von 0,027 Ω / cm.
Wie JP-A 07 292245 beschreibt, führt der Zusatz von Graphit auch in Polyamid-Po lyimid- Compounds zu einer Erhöhung der elektrischen Leitfähigkeit.
JP-A 2003165904 behandelt ein graphithaltiges, elektrisch leitfähiges Polyamid-Compound mit besonders guter Schlagzähigkeit, die durch Zusatz von Kautschuk erzielt wird.
Mit Glasfasern verstärkte, graphithaltige, elektrisch leitfähige Formmassen werden in SU 1643568 vorgestellt.
Die in US-A 6228288 beschriebenen, auf Polyamid und Graphit basierenden Materialien sollen sich aufgrund ihrer elektrischen Leitfähigkeiten zum Einsatz für Sensoren eignen.
Auch nanoskaliger Graphit erzielt als Zusatz in Polyamidcompounds eine elektrische Leitfähigkeit, wie CN 1900162 A beschreibt. Die erhaltenen Materialien sollen sich besonders zur Herstellung von Abschirmungen gegen elektrostatische Felder eignen.
JP-A 57 193512 beschreibt die Herstellung elektrisch leitfähiger Polyamidfasern aus einer Graphit enthaltenden Zusammensetzung.
In JP 2007 016093 A2 wird eine Zusammensetzung aus thermoplastischen Polymeren und 1-50% Graphit mit verbesserter thermischer Leitfähigkeit von 1,6 W/mK beschrieben.
Aluminiumoxid als thermisch gut leitendes und preiswertes Mineral eignet sich wie oben beschrieben zur Herstellung von thermisch leitfähigen thermoplastischen Compounds. Graphit hingegen findet als Additiv zur Herstellung von elektrisch leitfähigen Formmassen Verwendung. Graphit wird ebenfalls zur Erhöhung der thermischen Leitfähigkeit von Formmassen eingesetzt, bislang aber wegen der elektrischen Leitfähigkeit nicht für thermisch leitfähige Compounds mit elektrisch isolierenden Eigenschaften eingesetzt.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung war aber die Bereitstellung thermoplastischer Formmassen auf Basis von Polyamid und/oder Polyester, die eine hohe thermische Leitfähigkeit aufweisen, jedoch gleichzeitig sich durch elektrisch isolierende Eigenschaften auszeichnen.
Überraschenderweise wurde gefunden, dass ein Zusatz von Graphit zu einer Aluminiumoxid enthaltenden thermoplastischen Formmasse nicht zu einer elektrisch leitfähigen, sondern zu einer elektrisch isolierenden Formmasse fuhrt. Dadurch kann die Erhöhung der thermischen Leitfähigkeit der erfmdungsgemäßen Formmassen durch Zusatz von Graphit genutzt werden unter Erhaltung der gewünschten elektrisch isolierenden Eigenschaften.
Gegenstand der Erfindung sind deshalb thermoplastische Formmassen auf Basis
A) 5 bis 95 Gew.-% eines thermoplastischen Polymeren, bevorzugt Polyamid oder Polyester,
B) 1 bis 95 Gew.-%, bevorzugt 20 bis 80 Gew.-%, besonders bevorzugt 40 bis 70 Gew.-% eines elektrisch isolierenden, thermisch leitföhigen Füllstoffes und
C) ] bis 30 Gew.-%, bevorzugt 5 bis 20 Gew.-%, besonders bevorzugt 10 bis 15 Gew.-% eines weiteren Füllstoffes, der thermisch und elektrisch leitfähig äst.
Die erfindungsgemäße Formmasse ist trotz des Zusatzes eines weiteren Füllstoffes, der thermisch und elektrisch leitfähig ist, bevorzugt von Graphit, ein elektrischer Isolator. Dieser Befund war nicht vorherzusehen, da elektrisch leitfähige Füllstoffe als Zusatz zu thermoplastischen Formmassen üblicherweise zur Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit der resultierenden Formmasse eingesetzt werden. In der Kombination mit einem elektrisch isolierenden, thermisch leitfahigen Füllstoff, bevorzugt Aluminiumoxid im beschriebenen Konzentrationsbereich, tritt diese bekannte Wirkung des thermisch und elektrisch leitfähigen Füllstoffes, bevorzugt beim
Einsatz von Graphit, jedoch überraschenderweise nicht ein. Man erhält vielmehr eine elektrisch isolierende Formmasse.
Die Erfindung betrifft deshalb bevorzugt thermoplastische Formmassen, enthaltend
A) 5 bis 95 Gew.-% eines thermoplastischen Polymeren, bevorzugt Polyamid oder Polyester, besonders bevorzugt Polyamid,
B) 1 bis 95 Gew.-%, bevorzugt 20 bis 80 Gew.-%, besonders bevorzugt 40 bis 70 Gew.-% an Verbindungen der Elemente der 3. Hauptgruppe mit Elementen der 5. oder 6. Hauptgruppe des Periodensystems oder deren Gemische, bevorzugt Borverbindungen oder Aluminiumverbindungen, besonders bevorzugt Aluminiumoxid oder Bornitride,
C) 1 bis 30 Gew.-%, bevorzugt 5 bis 20 Gew.-%, besonders bevorzugt 10 bis 15 Gew.-% eines thermisch und elektrisch leitfähigen Füllstoffes, bevorzugt Erscheinungsformen des Kohlenstoffs, insbesondere bevorzugt Graphit.
Als Komponente A) enthalten die thermoplastischen Formmassen erfindungsgemäß mindestens ein thermoplastisches Polymer. Bevorzugt eignen sich Polyamid oder Polyester. Besonders bevorzugt eignen sich Polyamid 6 (PA 6) und Polyamid 66 ( PA 66) mit relativen Lösungsviskositäten in m- Kresol von 2,0 bis 4,0, insbesondere bevorzugt Polyamid 6 mit einer relativen Lösungsviskosität in m-Kresol von 2,3 - 2,6 aber auch Porybutylenterephthalat. Die erfindungsgemäßen Polymere können nach verschiedenen Verfahren hergestellt werden, aus unterschiedlichen Bausteinen synthetisiert werden und im speziellen Anwendungsfall allein oder in Kombination mit Verarbeitungshilfsmitteln, Stabilisatoren, polymeren Legierungspartnern (z.B. Elastomeren) oder auch Verstärkungsmaterialien (wie z.B. mineralischen Füllstoffen oder Glasfasern), zu Werkstoffen mit speziell eingestellten Eigenschaftskombinationen ausgerüstet werden. Geeignet sind auch Blends mit Anteilen von anderen Polymeren, bevorzugt von Polyethylen, Polypropylen, ABS, wobei gegebenenfalls ein oder mehrere Kompatibilisatoren eingesetzt werden können. Die Eigenschaften der Polyamide können nach Bedarf durch Zusatz von Elastomeren verbessert werden, beispielsweise im Hinblick auf die Schlagzähigkeit der Polymercompounds.
Zur Herstellung von Polyamiden sind eine Vielzahl von Verfahrensweisen bekannt geworden, wobei je nach gewünschtem Endprodukt unterschiedliche Monomerbausteine oder verschiedene Kettenregler zur Einstellung eines angestrebten Molekulargewichtes oder auch Monomere mit reaktiven Gruppen für später beabsichtigte Nachbehandlungen eingesetzt werden.
Die technisch relevanten Verfahren zur Herstellung von Polyamiden verlaufen meist über die Polykondensation in der Schmelze. In diesem Rahmen wird auch die hydrolytische Polymerisation von Lactamen als Polykondensation verstanden.
Erfindungsgemäß bevorzugte Polyamide sind teilkristalline Polyamide, die ausgehend von Diaminen und Dicarbonsäuren und/oder Lactamen mit wenigstens 5 Ringgliedern oder entsprechenden Aminosäuren hergestellt werden können. Als Edukte kommen bevorzugt aliphatische und/oder aromatische Dicarbonsäuren, besonders bevorzugt Adipinsäure, 2,2,4- Trimethyladipinsäure, 2,4,4-Trimethyladipinsäure, Azelainsäure, Sebazinsäure, Isophthalsäure, Terephthalsäure, aliphatische und/oder aromatische Diamine, besonders bevorzugt Tetramethylendiamin, Hexamethylendiamin, 1,9-Nonandiamin, 2,2,4- und 2,4,4-Trimethyl- hexamethylendiamin, die Isomeren Diamino-dicyclohexylmethane, Diaminodicyclohexylpropane, Bis-aminotnethyl-cyclohexan, Phenylendiamine, Xylylendiamine, Aminocarbonsäuren, insbesondere Aminocapronsäure, oder die entsprechenden Lactame in Betracht. Copolyamide aus mehreren der genannten Monomeren sind eingeschlossen.
Besonders bevorzugt werden Caprolactame, ganz besonders bevorzugt wird ε-Caprolactam eingesetzt.
Insbesondere besonders bevorzugt sind erfindungsgemäß weiterhin die meisten auf PA6, PA66 und andere auf aliphatischen oder/und aromatischen Polyamiden bzw. Copolyamiden basierende Compounds, bei denen auf eine Polyamidgruppe in der Polymerkette 3 bis 11 Methylengruppen kommen.
Die erfindungsgemäß in einer weiteren bevorzugten Ausführungsform als Komponente A) einzusetzenden thermoplastischen Polymere sind ausgewählt aus der Gruppe der Polyester, bevorzugt Polyalkylenterephthalate, besonders bevorzugt der Polybutylenterephthalate und Polyethylenterephthalate, ganz besonders bevorzugt des Polybutylenterephthalats.
Bevorzugte Polyalkylenterephthalate lassen sich aus Terephthalsäure (oder ihren reaktionsfähigen Derivaten) und aliphatischen oder cycloaliphatischen Diolen mit 2 bis 10 C-Atomen nach bekannten Methoden herstellen (Kunststoff-Handbuch, Bd. VIII, S. 695 ff, Karl Hanser Verlag, München 1973).
Bevorzugte Polyalkylenterephthalate enthalten mindestens 80 Mol-%, vorzugsweise 90 Mol-%, bezogen auf die Dicarbonsäure, Terephthalsäurereste und mindestens 80 Mol-%, vorzugsweise mindestens 90 Mol-%, bezogen auf die Diolkomponente, Ethylenglykol- und/oder Propandiol-1,3- und/oder Butandiol- 1 ,4-reste.
Die bevorzugten Polyalkylenterephthalate können neben Terephthalsäureresten bis zu 20 Mol-% Reste anderer aromatischer Dicarbonsäuren mit 8 bis 14 C- Atomen oder Reste aliphatischer Dicarbonsäuren mit 4 bis 12 C-Atomen enthalten, wie Reste von Phthalsäure, Isophthalsäure, Naphthalin-2,6-dicarbonsäure, 4,4'-Diphenyldicarbonsäure, Bernsteinsäure, Adipinsäυre, Sebacinsäure, Azelainsäure, Cyclohexandiessigsäure, Cyclohexandicarbonsäure.
Die bevorzugten Polyalkylenterephthalate können neben Ethylen- bzw. Propaπdiol-1,3- bzw. Butandiol-l,4-glykolresten bis zu 20 Mol-% anderer aliphatischer Diole mit 3 bis 12 C-Atomen oder cycloaliphati scher Diole mit 6 bis 21 C-Atomen enthalten, z.B. Reste von PropandioI-1,3, 2- Ethylpropandiol-1,3, Neopentylglykol, Pentan-diol-1,5, Hexandiol-1.6, Cyclohexan-dimethanoi- 1,4, 3-Methylpentandiol-2,4, 2-Methylpentandiol-2,4, 2,234-Trimethy!pentandiol-l,3 und -1,6,2- Ethylhexandiol-1,3 2,2-Diethylpropandiol-l,3, Hexandiol-2,5, l,4-Di-(ß-hydroxyethoxy)-benzol, 2,2-Bis-(4-hydroxycyclohexyl)-propan, 2,4-Dihydroxy-l3l,3,3-tetramethyl-cyclobutan, 2,2-bis-(3- ß-hydroxyethoxyphenyl)-propan und 232-bis-(4-hydroxypropoxyphenyl)-propan.
Besonders bevorzugt sind Polyalkylenterephthalate, die allein aus Terephthalsäure und deren reaktionsfähigen Derivaten (z.B. deren Dialkylestern) und Ethylenglykoi und/oder Propandiol- 1 ,3 und/oder Butandiol-1,4 hergestellt werden, insbesondere bevorzugt Polyethylen- und Polybutylen- terephthalat und Mischungen dieser Polyalkylenterephthalate.
Bevorzugte Polyalkylenterephthalate sind auch Copolyester, die aus mindestens zwei der obengenannten Säurekomponenten und/oder aus mindestens zwei der obengenannten Alkoholkomponenten hergestellt werden, besonders bevorzugte Copolyester sind PoIy- (ethylenglykol/butandiol-l,4)-terephthalate.
Die Polyalkylenterephthalate besitzen im allgemeinen eine intrinsische Viskosität von ca. 0,3 cmVg bis 1,5 cm3/g, vorzugsweise 0,4 cmVg bis 1,3 cm3/g, besonders bevorzugt 0,5 cmVg bis 1,0 cm7g jeweils gemessen in Phenol/o-Dichlorbenzol (1 : 3 Gew.-Teile) bei 25°C.
Die erfϊndungsgemäß einzusetzenden thermoplastischen Polyester können auch im Gemisch mit anderen Polyestern und/oder weiteren Polymeren eingesetzt werden.
Die Komponente B) wird in einer bevorzugten Ausfuhrungsform der vorliegenden Erfindung in Form feiner Nadeln, Plättchen, Kugeln oder unregelmäßig geformter Partikel eingesetzt. Bevorzugte TeÜchengrößen der Komponente B) liegen bei 0,1 - 100 μm, bevorzugt bei 1- 8 μm. Die thermische Leitfähigkeit dieser Komponente B) liegt bei 10 - 400 W/mK, bevorzugt bei 30 - 250 W/mK. Als Komponente B) wird insbesondere bevorzugt Aluminiumoxid eingesetzt.
Die Komponente C) wird bevorzugt in Form von Pulver, Flocken, Granulaten, Pasten, Kompaktaten, Extrudaten oder Aggiomeraten eingesetzt. Die Teilchengröße der Komponente C) liegt bevorzugt bei 5 - 100 μm, besonders bevorzugt bei 10 - 30 μm.
Als Komponente C) wird insbesondere bevorzugt Graphit eingesetzt.
In einer bevorzugten Ausführungsform können die erfindungsgemäßen Formmassen zusätzlich zu den Komponenten A), B) und C) noch
• D) 0,01 bis 10,0 Gew.%, bevorzugt 0,1 bis 5,0 Gew.% weitere Additive enthalten.
Weitere Additive der Komponente D) sind bevorzugt Stabilisatoren, besonders bevorzugt UV-Stabilisatoren, Thermostabilisatoren, Gammastrahlenstabilisatoren, Hydrolyse- Stabilisatoren, sowie Antistatika, Emulgatoren, Nukleierungsmittel, Weichmacher,
Verarbeitungshilfsmittel, Schlagzähmodifϊkatoren, Farbstoffe oder Pigmente. Die genannten und weitere geeignete Additive sind zum Beispiel beschrieben im Plastics Additives Handbook, 5th Edition, Hanser-Verlag, München, 2001, Seiten 80-84, 546-547, 688, 872-874, 938, 966. Die Additive können alleine oder in Mischung bzw. in Form von Masterbatchen eingesetzt werden.
Erfindungsgemäß bevorzugte Stabilisatoren sind sterisch gehinderte Phenole und/oder Phosphite, Hydrochinone, aromatische sekundäre Amine wie Diphenylamine, substituierte Resorcine, Salicylate, Benzotriazole und Benzophenone, sowie verschieden substituierte Vertreter dieser Gruppen und/oder deren Mischungen.
Als UV-Stabilisatoren werden bevorzugt verschiedene substituierte Resorcine, Salicylate, Benzotriazole oder Benzophenone eingesetzt.
Im Falle von Schlagzähmodifikatoren (Elastomermodifϊkatoren) handelt es sich ganz allgemein um Copolymerisate, die bevorzugt aus mindestens zwei der folgenden Monomeren aufgebaut sind: Ethylen, Propylen, Butadien, Isobuten, Isopren, Chloropren, Vinylacetat, Styrol, Acrylnitril und Acryl- bzw. Methacrylsaeureester mit 1 bis 18 C-Atomen in der Alkoholkomponente. Die Copolymerisate können kompatibilisierende Gruppen wie z.B. Maleinsaeureanhydrid oder Epoxid enthalten.
Bevorzugt einzusetzende Farbstoffe oder Pigmente können anorganische Pigmente, besonders bevorzugt Titandioxid, Ultramarinblau, Eisenoxid, Zinksulfid oder Russ, sowie organische Pigmente, besonders bevorzugt Phthalocyanäne, Chinacridone, Perylene sowie Farbstoffe, wie Nigrosin und Anthrachinone als Farbmittel sowie andere Farbmittel sein.
Als Nukleierungsmittel werden bevorzugt Natrium- oder Calciumphenylphosphinat, Aluminiumoxid oder Siliziumdioxid oder Talkum, insbesondere bevorzugt Talkum eingesetzt.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform können die erfmdungsgemäßen Formmassen zusätzlich zu den Komponenten A), B), C) und D) oder anstelle der Komponente D) noch
E) 0,01 bis 5,0 Gew.%, bevorzugt 0,05 bis 1,0 Gew.% Gleit- und/oder Entformungsmittel enthalten. Bevorzugte Gleit und/oder Entformungsmittel sind langkettige Fettsäuren (z.B. Stearinsäure), deren Salze (z.B. Ca- oder Zn-Stearat) sowie deren Esterderivate oder Amidderivate (z.B. Ethylen-bis-stearylamid), Montanwachse (z.B. Ester von Montansäuren mit Ethylenglycol) sowie niedermolekulare Polyethylen- bzw. Polypropylenwachse. Erfind ungsgemäß besonders bevorzugte Gleit- und/oder
Entformungsmittel sind aus der Gruppe der Ester oder Amide gesättigter oder ungesättigter aliphatischer Carbonsäuren mit 8 bis 40 C-Atomen mit aliphatischen gesättigten Alkoholen oder Aminen mit 2 bis 40 C-Atomen enthalten.
In einer weiteren bevorzugten Ausfuhrungsform können die erfindungsgemäßen Formmassen zusätzlich zu den Komponenten A), B), C), D) und E) oder anstelle von D) oder anstelle von E) oder anstelle von D) und E) noch
F) 1-60 Gew.%, bevorzugt 5 - 40 Gew. %, besonders bevorzugt 10 - 30 Gew.% Füll- bzw. Verstärkungsstoffe, bevorzugt Glasfasern enthalten.
Eine besonders bevorzugte Ausführungsform der vorliegenden Erfindung enthält
A) Polyamid oder Polyester
B) Aluminiumoxid oder Bornitrid
C) Graphit
sowie gegebenenfalls F) Glasfasern.
Insbesondere bevorzugt ist eine Kombination aus
A) Polyamid oder Polybutylenterephthalat
B) Aluminiumoxid
C) Graphit
sowie gegebenenfalls F) Glasfasern.
Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zur Herstellung elektrisch isolierender Graphit enthaltender Formmassen mit gleichzeitig hoher thermischer Leitfähigkeit, dadurch gekennzeichnet, dass diese
A) 5 bis 95 Gew.-% eines thermoplastischen Polymers, bevorzugt Polyamid oder Polyester,
B) 1 bis 95 Gew.-%, bevorzugt 20 bis 80 Gew.-%, besonders bevorzugt 40 bis 70 Gew.-% eines elektrisch isolierenden, thermisch leitfähigen Füllstoffes und
C) 1 bis 30 Gew.-%, bevorzugt 5 bis 20 Gew.-%, besonders bevorzugt 10 bis 15 Gew.-% Graphit enthalten.
Die Erfindung betrifft ferner die Verwendung von Graphit in Kombination mit einer Verbindung der Elemente der 3. Hauptgruppe mit Elementen der 5, oder 6. Hauptgruppe des Periodensystems zur Herstellung thermisch leitender und gleichzeitig elektrisch isolierender thermoplastischer Formmassen, bevorzugt auf Basis von Polyamid oder Polyester, besonders bevorzugt Polyamid. Bevorzugt werden Aluminiumoxid oder Bornitrid, besonders bevorzugt Aluminiumoxid eingesetzt.
Die vorliegende Erfindung betrifft aber auch die Verwendung von Graphit zur Steigerung der thermischen Wärmeleitfähigkeit unter Beibehaltung der elektrisch isolierenden Eigenschaften von thermoplastischen Formmassen, die Verbindungen der Elemente der 3. Hauptgruppen mit Elementen der 5. oder 6. Hauptgruppe des Periodensystems enthalten, bevorzugt mit verringertem Anteil dieser Komponente in den thermoplastischen Formmassen.
Die Herstellung der erfindungsgemäßen Formmassen erfolgt nach bekannten Verfahren durch Mischen der Komponenten in der Polymerschmelze. Das Mischen der Komponenten erfolgt in den entsprechenden Gewichtsanteilen. Vorzugsweise geschieht das Mischen (Compoundieren) der Komponenten bei Temperaturen von 220 bis 3600C durch gemeinsames Vermengen, Vermischen, Kneten, Extrudieren oder Verwalzen der Komponenten, besonders bevorzugt durch Compoundieren auf einem gegenläufigen Zweiwellenextruder oder Buss-Kneter. Es kann vorteilhaft sein, einzelne Komponenten vorzumischen. Es kann weiterhin vorteilhaft sein, Formteile oder Halbzeuge aus einer bei Raumtemperatur (bevorzugt 0 bis 400C) hergestellten physikalischen Mischung (Dryblend) vorgemischter Komponenten und/oder einzelner Komponenten direkt herzustellen. Die so hergestellten Formmassen können durch Extrudieren oder Spritzgießen verarbeitet werden.
Die erfindungsgemäß aus den Formmassen herzustellenden Formteile können beispielsweise in der Kraftfahrzeug-, Elektro-, Elektronik-, Telekommunikations-, Informationstechnologie-, Computerindustrie, im Haushalt, Sport, in der Medizin oder der Unterhaltungsindustrie angewandt
werden. Insbesondere können erfindungsgemäße Formmassen für Anwendungen eingesetzt werden, für die eine hohe Wärmeleitfähigkeit erforderlich ist. Beispiele für derartige Anwendungen sind die Verwendung für Bauteile in der Elektronik oder Displaytechnik {Leuchtdioden).
Beispiele
Zum Nachweis der erfindungemäß beschriebenen Verbesserungen wurden zunächst durch Compoundierung entsprechende Kunststoff-Formmassen angefertigt. Die einzelnen Komponenten wurden in einem Zweiwellenextruder des Typs ZSK 32 Compounder der Firma Coperion Werner & Pfleiderer (Stuttgart, Deutschland) bei Temperaturen zwischen 260 und 290°C gemischt, als Strang in ein Wasserbad ausgetragen, bis zur Granulierfähigkeit abgekühlt und granuliert. Nach dem Trocknen (in der Regel zwei Tage bei 7O0C im Vakuumtrockenschrank) erfolgte die Verarbeitung des Granulates auf einer Spritzgieß-Maschine vom Typ Arburg SG370-173732 bei Temperaturen zwischen 270 und 3000C zu Prüfkörpern von 60x40x4 mmJ und 60x60x2 mm3.
Die Wärmeleitfähigkeiten und Temperaturleitfähigkeiten wurden an Prüfkörpern der Maße 60x60x2 mm3 nach der Nanoflash-Methode senkrecht zur Fließrichtung der Schmelze in Anlehnung an ASTM E 1461 mit einem Instrument des Typs Laser Nanofiash LFA 447 von Netzsch Gerätebau GmbH gemessen.
Elektrische Leitfähigkeiten wurden nach der Methode IEC 60093 an Prüfkörpern von 60x40x4 mm Abmessung gemessen. Die Elektroden aus Silber-Leitlack wurden in 50 mm Abstand aufgebracht.
Die folgenden Zusammensetzungen werden nach der oben beschriebenen Weise verarbeitet.
Tabelle 1: Ausführungsbeispiele der erfindungsgemäßen Formmassen
Verwendete Materialien:
Thermoplast, z.B. Polyamid 6, linear, mit einer relativen Lösungsviskösität einer l%igen Lösung in m-Kresol von 2,4
Aluminiumoxid, z.B. Martoxid MPS2 von Martinswerk GmbH Graphit, z.B. EG31 von SGL Carbon GmbH Wachs, z.B. Licowax® E Flakes von Clariant GmbH Glasfasern, z.B. CS7928 von Lanxess Deutschland GmbH.