Hydrophob-hydrophile Verbindungen zum Behandeln von metallischen Oberflächen
Die vorliegende Erfindung betrifft Verbindungen der allgemeinen Formel X-Y-L-(W-Z)π, bei denen ein hydrophober und ein hydrophiler Molekülteil miteinander verknüpft sind, und es sich bei X um eine Endgruppe, die starke chemische und/oder physikalische Wechselwirkungen zu Me- talloberflächen ausbilden kann, bei Y um eine aliphatische Kohlenwasserstoffgruppe, bei L um eine verknüpfende Gruppe, bei W um eine hydrophile Gruppe und bei Z um eine weitere Endgruppe handelt. Die Erfindung betrifft weiterhin Zubereitungen, die diese Verbindungen enthalten, sowie die Verwendung der Verbindungen zum Behandeln von Metalloberflächen.
Die Behandlung metallischer Oberflächen mit geeigneten Mitteln für verschiedenste Anwen- dungszwecke besitzt große wirtschaftliche Bedeutung. Typische Anwendungsbeispiele umfassen Behandlungen zur Verhinderung von Korrosion, zur Hydrophilierung oder Hydrophobierung von Oberflächen oder zur Verbesserung der Haftung mit weiteren Schichten wie beispielsweise Lackschichten.
Zur Verlangsamung oder Verhinderung der Korrosion werden Schutzfilme und/oder Korrosion- sinhibitoren eingesetzt. Während ein Schutzfilm permanent auf das Metall aufgebracht wird, wird ein Korrosionsinhibitor üblicherweise Stoffen, wie beispielsweise flüssigen Mischungen zugesetzt, die bei Kontakt mit dem Metall Korrosion verursachen oder beschleunigen würden. Technisch gut geeignete Systeme müssen neben der korrosionsinhibierenden Wirkung einer Reihe von weiteren Anforderungen genügen. Sie sollten beispielsweise gleichmäßig auf eine Metalloberfläche aufzubringen sein und eine gute Barrierewirkung gegenüber korrosionsstimu- lierenden Gasen und Flüssigkeiten haben. Des Weiteren sollen die Komponenten der Schutzfilme bzw. die Korrosionsinhibitoren leicht, in genügender Menge zugänglich und außerdem möglichst preiswert sein.
Korrosionsinhibierend wirkende Verbindungen müssen aber noch eine Reihe weiterer Anforde- rungen erfüllen. Zur Verhinderung von Korrosion aufgebrachte Schutzfilme bilden häufig nur eine Schicht in einem Schichtenverbund. Ein einfaches Beispiel bildet eine metallische Oberfläche, die zum Korrosionsschutz zunächst mit einem dazu geeigneten Mittel beschichtet wird, und auf diese Schicht anschließend eine weitere Beschichtung wie beispielsweise ein Lack aufgebracht wird. Zu diesem Zwecke eingesetzte Verbindungen müssen einerseits eine gute korrosionsschützende Wirkung aufweisen. Sie müssen aber weiterhin eine sehr gute Haftung sowohl bezüglich der metallischen Oberfläche wie bezüglich der zusätzlichen Schicht aufweisen, um dem Verbund eine ausreichende Festigkeit zu verleihen.
Moderne Automobil-Karosserien oder auch Materialien für Haushaltsgeräte mit einer hohen Beständigkeit gegen Durchrosten werden üblicherweise in vielstufigen Prozessen hergestellt und weisen viele verschiedene Schichten auf. Sie bestehen typischerweise aus einem Stahlblech welches zunächst elektrochemisch oder feuerverzinkt wird. Das verzinkte Blech wird zur Verbesserung des Korrosionsschutzes und zur Verbesserung der Haftung weiterer Schichten üblicherweise phosphatiert. Danach wird üblicherweise mit Cr(VI)-Lösungen oder anderen Lö-
sungen nachbehandelt. Schließlich wird eine Grundierschicht aus organischen Materialien aufgebracht. Das so behandelte Blech wird anschließend mit einer oder -üblicher- mehreren verschiedenen Lackschichten beschichtet. Es wäre überaus wünschenswert, diesen komplizierten Schichtaufbau durch einen einfacheren Schichtaufbau mit weniger Schichten, aber zumindest gleich guter oder bevorzugt besserer Korrosionsschutzwirkung zu ersetzen. Es wäre insbesondere wünschenswert, die Phosphatierung und die Nachbehandlung vermeiden zu können und statt dessen eine einzige Grundierschicht zu verwenden, die Funktionen dieser Schichten mit übernimmt.
Von WO 98/29580 ist vorgeschlagen worden, zur Behandlung von metallischen Oberflächen wässrige Lösungen von Verbindungen des Typs XYZ einzusetzen, wobei es sich bei Y um eine geradkettige, hydrophobe Gruppen, bei X um saure Gruppen wie Carboxylat oder Phosphat und bei Z um verschiedene saure, basische und/oder reaktive Gruppen handelt. X dient zur Anbindung an die metallische Oberfläche und Z zur Anbindung an das Lacksystem. Jedoch ist die Überlackierbarkeit von mit diesen Verbindungen beschichteten metallischen Oberflächen insbesondere bei Verwendung von Wasserbasislacken nicht immer gut. Weiterhin sollte zur optimalen Anbindung an das Lacksystem die Gruppe Z individuell an das jeweilige Lacksystem angepasst werden können. Jedoch lassen sich manche Kombinationen von X und Z chemisch nur ausgesprochen schwierig synthetisieren.
EP-A 441 765 und JP-A 06-136014 offenbaren lineare Verbindungen, bei denen ein hydropho- ber und ein hydrophiler Molekülteil unmittelbar miteinander verknüpft sind. Sie weisen am hydrophoben Ende eine COOH-Gruppe und am hydrophilen Ende eine R-O-Gruppe auf. Anwendungen dieser Verbindungen im Korrosionsschutz sowie andere Endgruppen sind nicht offenbart.
WO 99/52574 offenbart Biopolymere abweisende Beschichtungen, beispielsweise zur Be- Schichtung von Reaktionsgefäßen. Zur Beschichtung werden Verbindungen eingesetzt, bei denen ein hydrophober Molekülteil, beispielsweise ein Kohlenwasserstoffrest und ein hydrophiler Molekülteil, beispielsweise ein Polyoxyalkylenrest, direkt miteinander verknüpft sind. Der hydrophobe Rest weist eine Endgruppe wie beispielsweise -COOH, -PO(OH)2 oder -SiCI3 auf, während es sich bei der Endgruppe am hydrophilen Rest beispielsweise um eine kleine Al- kylgruppe oder um -OH handelt. Die Anwendung der Verbindungen zum Korrosionsschutz ist nicht erwähnt.
JP-A 60-226 117 offenbart Monoester aus aliphatischen Dicarbonsäuren mit Polyglykolen sowie ihre Verwendung zum Herstellen von Elektrolytlösungen für Kondensatoren.
Aufgabe der Erfindung war es, verbesserte Verbindungen zur Behandlung von Metalloberflä- chen, insbesondere zum Korrosionsschutz, bereitzustellen, die neben einer sehr guten Korrosionsschutzwirkung eine verbesserte Überlackierbarkeit insbesondere mit Wasserbasislacken aufweisen. Die Verbindungen sollten weiterhin insbesondere für den Einsatz in Verbundsyste-
men geeignet sein und gute Haftung zwischen verschiedenen Schichten vermitteln können. Sie sollten weiterhin auf möglichst einfache Art uns Weise an verschiedene Anwendungszwecke angepasst werden können.
Dementsprechend wurden Verbindungen der allgemeinen Formel X-Y-L-(W-Z)n gefunden, wo- bei n für 1 , 2 oder 3 steht und X,Y,L,W und Z die folgende Bedeutung haben:
X: eine Endgruppe, die starke chemische und/oder physikalische Wechselwirkungen zu Metalloberflächen ausbilden kann, umfassend mindestens eine saure Gruppe X1 oder Salze davon oder mindestens eine hydrolysierbare, Si-haltige Gruppe X2,
Y: eine Kohlenwasserstoffgruppe mit 5 bis 60 C-Atomen, welche im wesentlichen gleichar- tige, linear miteinander verknüpfte Einheiten umfasst,
L: eine verknüpfende Gruppe, wobei es sich bei n=1 um L1, bei n=2 um L2 und bei n=3 um L3 handelt, und L1, L2 und L3 die folgende Bedeutung haben:
L1: eine linear verknüpfende Gruppe, die eine hydrophobe Gruppe Y mit einer hydrophilen Gruppe W verbindet, ausgewählt aus der Gruppe von S, -S-S-, -CO- O-, -O-CO-, -CO-NR1-, -NR1-CO-, -O-CO-NR1-, -NR1-CO-0-, -NR1-CO-NR1- oder -
NR1-,
L2 : eine verzweigende Gruppe, die eine hydrophobe Gruppe Y mit zwei hydrophilen Gruppen W verbindet, ausgewählt aus der Gruppe von -N<, -NR1-CR1 <, -CO- N<, -NR1-CO-N<, -CO-NR1 -CR <,
L3: eine verzweigende Gruppe, die eine hydrophobe Gruppe Y mit drei hydrophilen
Gruppen W verbindet, ausgewählt aus der Gruppe von -NR1-Cs, -NR1-CH2-Cs, -0-C--, -O-CHz-C≡, -CO-NR1 -CH2-C--, -CO-NR1 -C≡, -CO-NR1-CH2-Cs, -CO-O-C≡ oder -CO-O-CH2-C--,
wobei R1 und R1' unabhängig voneinander jeweils für H oder C1 bis C4-Alkyl stehen,
W: eine hydrophile Gruppe, sowie
Z: eine Endgruppe, bei der es sich um eine reaktive Endgruppe Z1 oder um eine nicht reaktive Endgruppe Z2 handelt,
wobei für den Fall, dass es sich bei L1 um -CO-O- handelt, -COOH als erste Endgruppe X ausgeschlossen ist.
Weiterhin wurden Zubereitungen zum Behandeln von Metalloberflächen gefunden, die mindestens eine derartige Verbindung enthalten, sowie die Verwendung derartiger Verbindungen zum Behandeln von metallischen Oberflächen, insbesondere zum Korrosionsschutz.
Zu der Erfindung ist im Einzelnen das Folgende auszuführen: Bei den erfindungsgemäßen Verbindungen der allgemeinen Formel X-Y-L-(W-Z)n verbindet die verknüpfende Gruppe L eine hydrophobe Gruppe Y mit n hydrophilen Gruppen W, wobei n 1, 2 oder 3 sein kann. Y ist mit der Endgruppe X verbunden und W mit der Endgruppe Z.
Bei der Gruppe X handelt es sich um eine Endgruppe, die starke chemische und/oder physikalische Wechselwirkungen zu Metalloberflächen ausbilden kann. Die Gruppe umfasst mindestens eine saure Gruppe X1 oder Salze davon oder mindestens eine hydrolysierbare, Si-haltige Gruppe X2.
Bei der sauren Gruppe X1 handelt es sich bevorzugt um eine Gruppe ausgewählt aus der Gruppe von -COOH, -S03H, -OSO3H, -PO(OH)2, -PO(OH)(OR2), -OPO(OH)2, -OPO(OH)(OR2) oder -CR3(NH2)(COOH). Besonders bevorzugt handelt es sich bei der sauren Gruppe X1 um - COOH, -PO(OH)2 oder -OPO(OH)2. Ganz besonders bevorzugt sind PO(OH)2 oder -OPO(OH)2.
Bei dem Rest R2 handelt es sich um eine beliebige Gruppe, die als Estergruppe in Phosphoroder Phosphonsäureestern geeignet ist. Bevorzugt handelt es sich um eine unverzweigte oder verzweigte C-i bis C8-Alkyl-Gruppe, die auch noch weitere Substituenten, insbesondere OH- Gruppen, aufweisen kann. Beispiele geeigneter Reste R2 umfassen Ethyl-, Butyl-, Hexyl-, Octyl- , 2-Ethylhexyl- oder2-Hydroxyethylgruppen.
Bei R3 handelt es sich bevorzugt um H oder C1 bis C6-Alkyl, besonders bevorzugt um H oder eine Methylgruppe. Es kann sich weiterhin auch um die Reste handeln, die für natürlich vorkommende α-Aminosäuren typisch sind. Beispiele umfassen die für Lysin (-(CH2)4-NH2), Serin (-CH2-OH), Cystein (-CH2-SH) oder Tyrosin (-CH2-C6H4-OH) charakteristischen Reste. Die saure Gruppe X1 kann als Säuregruppe vorliegen. Sie kann jedoch auch ganz oder teilweise neutralisiert sein und dementsprechend als Salz vorliegen. Als Gegenionen kommen insbesondere Alkalimetallionen, Erdalkalimetallionen, Ammonium- oder Tetraalkylammoniumionen in Frage, ohne dass die Erfindung darauf beschränkt sein soll.
Die Si-haltigen Gruppen X2 weisen hydrolysierbare Bindungen auf, die mit OH-Gruppen an der Oberfläche von Metallen reagieren können. Hierbei können die Gruppen X2 zunächst mit Wasser ganz oder teilweise zu -Si(OH)3-Gruppen hydrolysieren, welche dann mit der Oberfläche reagieren. Die Reaktion mit der Oberfläche kann selbstverständlich auch ohne eine solche Zwischenstufe oder über andere Zwischenstufen ablaufen. Insbesondere handelt es sich bei der Silicium-haltigen Gruppe X2 um eine -SiR 3-Gruppe, die durch Wasser spaltbare Si-R4- Bindungen aufweist. Bei R4 kann es sich insbesondere um Halogen-Reste oder um Alkoxyreste
handeln. Bevorzugt handelt es sich bei R4 um Cl oder einen -OR5-Rest, wobei es sich bei R5 bevorzugt um einen unverzweigten oder verzweigten Ci bis C6-Alkylrest handelt.
Bei der Endgruppe X handelt es sich bevorzugt nur um eine Gruppe X1 oder um eine Gruppe X2, die jeweils direkt mit der aiiphatischen Kohlenwasserstoffgruppe Y verbunden ist. Es kann sich jedoch um auch um eine größere Endgruppe handeln, die eine oder mehrere Gruppen X1 bzw. X2 umfasst. Falls mehrere Gruppen X1 oder X2 vorhanden sind, umfasst die Endgruppe X bevorzugt entweder nur X1 oder nur X2-Gruppen. Es ist jedoch für Spezialanwendungen auch nicht ausgeschlossen, dass sowohl X1 als auch X2 in einer Endgruppe vorhanden sind. Bevorzugt sind in einer Endgruppe 1 bis 3 Gruppen X1 bzw. X2 vorhanden. Beispiele geeigneter Endgruppen X, die mehrere Gruppen X1 bzw. X2 aufweisen, umfassen insbesondere Gruppen, die sich von mehrwertigen Carbonsäuren oder mehrwertigen Alkoholen ableiten. Beispielsweise kann es sich um von Malonsäure, Citronensäure, Apfelsäure, Maleinsäure oder Fumarsäure abgeleitete Reste handeln. Beispiele mehrwertiger Alkohole umfassen Glykol, Glycerin oder Pentaerythrol. Die Alkohole können auch phosphatiert werden und somit Gruppen X mit mehreren Phosphorsäure- oder Phosphonsäureresten erhalten werden.
Die Endgruppe X ist mit der hydrophoben Gruppe Y verbunden. Bei Y handelt es sich um eine Kohlenwasserstoffgruppe mit 5 bis 60 C-Atomen, welche im wesentlichen gleichartige, linear miteinander verknüpfte Einheiten umfasst. Die Gruppe Y ist bevorzugt aliphatisch und gesättigt, sie kann jedoch auch aromatische Einheiten umfassen. Im wesentlichen gleichartig soll bedeu- ten, dass zum Aufbau der Gruppe im Regelfalle mindestens 90% gleichartiger Einheiten verwendet werden. Bevorzugt wird die Gruppe aus ausschließlich gleichartigen Einheiten gebildet. Die Einheiten können unverzweigt sei oder Verzweigungen aufweisen. Falls Verzweigungen vorhanden sind, handelt es sich bevorzugt um CH3-Gruppen. Bevorzugt handelt es sich bei den linear verknüpften Einheiten, die die Gruppe Y bilden, um Methylen-Einheiten -CH2-, Propylen- Einheiten -CH2-CH(CH3)- oder Isobutylen-Einheiten -CH2-C(CH3)2-.
Besonders bevorzugt handelt es sich bei Y um eine lineare Alkylkette mit 8 bis 20 C-Atomen, ganz besonders bevorzugt mit 9 bis 15 C-Atomen.
Falls es sich bei der Gruppe Y um eine Polyisobutylen-Gruppe handelt, weist diese bevorzugt eine mittlere molare Masse Mn von 150 bis 750 g/mol, besonders bevorzugt von 400 bis 600 g/mol auf. Polyisobutylen-Einheiten können insbesondere auch noch eine aromatische Einheit umfassen.
Die verknüpfende Gruppe L verbindet die hydrophobe Gruppe Y mit der oder den hydrophilen Gruppen W. Für den Fall, dass n=1 ist, handelt es sich bei der verknüpfenden Gruppe um L1, bei n=2 um L2 und bei n=3 um L3. Bei L1 handelt es sich um eine linear verknüpfende Gruppe, ausgewählt aus der Gruppe von S, -S-S-, -CO-O-, -O-CO-, -CO-NR1-, -NR1-CO-, -O-CO-NR1-, -NR1-CO-0-, -NR1-CO-NR1- oder -
NR1-. Bevorzugt handelt es sich bei der verknüpfenden Gruppe um -CO-O-, -O-CO-, -CO-NR1-, -NR1-CO-, -O-CO-NR1-, -NR1-CO-0- oder -NR1-CO-NR1'- und ganz besonders bevorzugt um - CO-NR1-. Für den Fall, dass es sich bei L1 um -CO-O- handelt, ist -COOH als Endgruppe X ausgeschlossen. Bei R1 und R1' handelt es sich unabhängig voneinander um H oder eine geradkettige oder verzweigte Alkylgruppe, die optional auch noch weitere Substituenten umfassen kann. Bevorzugt handelt es sich bei R1 um H oder Ci bis C -Alkyl und. ganz besonders bevorzugt um H oder Methyl.
Die Gruppe L2 weist eine Verzweigung auf. Mit ihr wird eine hydrophobe Gruppe Y mit zwei hydrophilen Gruppen W verknüpft. Bei eigentlichen Verzweigung handelt es sich bevorzugt um ein N-Atom, welches 2 hydrophile Gruppen W bindet, während die dritte Bindung direkt oder indirekt mit Y verbunden ist. Bei der verzweigenden Gruppe L2 handelt es sich bevorzugt um eine Gruppe ausgewählt aus der Gruppe von -N<, -NR1-CR1 <, -CO-N<, -NR1-CO-N< oder - CO-NR1-CR1'<, wobei R und R1' die oben angegebene Bedeutung haben. Besonders bevor- zugt handelt es sich bei L2 um -CO-N< oder CO-NR1 -CR1'<.
Die Gruppe L3 ist ebenfalls verzweigend. Mit ihr wird eine hydrophobe Gruppe Y mit drei hydrophilen Gruppen W verknüpft. Bei der eigentlichen Verzweigung handelt es sich bevorzugt um ein C-Atom, welches 3 hydrophile Gruppe W bindet, während die vierte Bindung direkt oder indirekt mit einem Heteroatom, insbesondere O oder N verbunden ist, welches seinerseits mit Y verbunden ist. Bei der verzweigenden Gruppe L3 handelt es sich bevorzugt um eine Gruppe ausgewählt aus der Gruppe von -NR -C--, -NR1-CH2-C≡, -O-C≡, -0-CH2-C≡, -CO-NR1 -CH2-C--, -CO-NR1 -C≡, -CO-NR1 -CH2-C--, -CO-O-C≡ oder -CO-0-CH2-C≡. Besonders bevorzugt handelt es sich bei L3 um -CO-NR1-Ca, -CO-NR1-CH2-C≡, -CO-0-C= oder -CO-0-CH2-G≡ und ganz besonders bevorzugt um -CO-NR1 -C≡ (Anm.: Das Zeichen „≡" steht hier für 3 Einfachbindun- gen).
Die hydrophile Gruppe W wird vom Fachmann je nach dem Grad der gewünschten Hydrophilie ausgewählt. Es handelt sich insbesondere um Gruppen, die neben C-Atomen O- und/oder N- Atome umfassen, beispielsweise als Alkohol-, Ether oder Aminogruppen. Bevorzugt handelt es sich bei der Gruppe W um eine C2- bis C -Alkoxylateinheiten umfassende Gruppe. Durch die Auswahl von Art und Anzahl der Alkoxylateinheiten können vom Fachmann die je nach der vorgesehenen Verwendung jeweils gewünschten Eigenschaften der Gruppe W bestimmt werden.
Bevorzugt umfassen die erfindungsgemäßen Verbindungen 1 bis 10 Alkoxylateinheiten, besonders bevorzugt 1 bis 5 Alkoxylateinheiten. Es ist dem Fachmann bekannt, dass derartige Alko- xygruppen beispielsweise durch Oxalkylierung oder ausgehend von technischen Polyglykolen erhältlich sind. Die genannten Werte stehen somit für die durchschnittliche Anzahl von Einhei-
ten, wobei der Durchschnittswert selbstverständlich nicht eine natürliche Zahl sein muss, sondern auch eine beliebige rationale Zahl sein kann.
Bevorzugt handelt es sich bei den hydrophilen Gruppen W um überwiegend Ethoxylateinheiten umfassende Gruppen. Es ist dem Fachmann bekannt, dass man zur Feinsteue ng der Eigen- schatten derartiger Gruppen geringe Mengen von Propoxylat- oder Butoxylateinheiten einsetzen kann.
Bei der mit W verbundenen Endgruppe Z kann es sich um eine reaktive Endgruppe Z1 oder um eine nicht reaktive Endgruppe Z2 handelt. Reaktiv im Sinne dieser Erfindung bedeutet, dass die Gruppe Z1 Bindungen mit solchen Reaktionspartnern bilden kann, die typischerweise in Be- Schichtungen oder Lacken verwendet werden. Bei der reaktiven Gruppe Z1 handelt es sich insbesondere um eine Gruppe, ausgewählt aus der Gruppe von -OH, -SH, -NH2, -NHR6, -CN, - NCO, Epoxy, -CH=CH2, -0-CO-CR7=CH2, -NRβ-CO-CR7=CH2 oder -COOH. Eine Gruppe Z1 kann optional auch mehrere dieser Gruppen umfassen. Bei R6 handelt es sich üblicherweise um H oder eine geradkettige oder verzweigte Ci bis C6-Alkylgruppe und bei R7 um H oder CH3. Bevorzugt handelt es sich bei sich bei Z1 um OH, -SH, -NH2, -NHR6 oder -COOH und ganz besonders bevorzugt um -OH oder -CH=CH2.
Bei nicht reaktiven Gruppen Z2 handelt es sich insbesondere um Gruppen, die weder acide H- Atome noch ethylenisch ungesättigte Gruppen oder additionsfähige Gruppen aufweisen. Bei nicht reaktiven Gruppen handelt es sich insbesondere um H-Atome, Alkylgruppen oder Grup- pen, bei denen acide H-Atome durch Alkylgruppen substituiert sind, wie beispielsweise Ether- gruppen, Carbonsäureestergruppen, tertiäre Aminogruppen oder alkylierte Carbonsäureamide. Bevorzugt handelt es sich bei der nicht reaktiven Gruppe Z2 um eine Gruppe ausgewählt aus der Gruppe von -H, -OR8, -NR8R9, -COOR8 oder -CONR8R9. Bei R8 und R9 handelt es sich unabhängig voneinander um geradkettige oder verzweigte C-ι bis C6-Alkylreste, bevorzugt um Methyl- oder Ethylgruppen.
Besonders gut zur Behandlung von Metalloberflächen geeignete Verbindungen weisen Phosphat- oder Phosphonatgruppen als Endgruppe X1, eine lineare C8- bis C2o-Alkylgruppe als Gruppe Y, eine Carbonsäureamidgruppe -CO-NH- oder eine Carbonsäureestergruppe -CO-O- als verknüpfende Gruppe L1, eine 1 bis 5 Ethoxygruppen umfassende hydrophile Gruppe W sowie H oder OCH3 als Endgruppe Z2 auf.
Für die erfindungsgemäßen Verbindungen stehen je nach Art der gewünschten Endgruppen und der verknüpfenden Gruppe mehrere Synthesewege zur Verfügung.
Geeignete Ausgangsmaterialien für die erfindungsgemäßen Verbindungen sind α,ω- bifunktionelle Verbindungen der allgemeinen Formel α-Y-ω. Die beiden funktionellen Gruppen sind durch die Kohlenwasserstoff Gruppe Y verbunden, wobei Y die oben
definierte Bedeutung hat. Die beiden funktioneilen Gruppen können gleich oder verschieden sein. Eine der beiden funktionellen Gruppen bildet die Endgruppe X oder kann zur Bildung der Endgruppe verwendet werden. Die andere funktionelle Gruppe bildet die verknüpfende Gruppe L oder kann zur Bildung der verknüpfenden Gruppe verwendet werden. Bei den bifunktionellen Verbindungen kann es sich beispielsweise um co-Carboxyalkyl-1-ene, ω-Hydroxyalkyl-1-ene oder ω-Hydroxycarbonsäuren bzw. deren cyclische Ester handeln. Beispiele geeigneter Ausgangsverbindungen umfassen ω-Dec-1-ensäure oder ω-Undec-1-ensäure, 9-Hydroxynonansäure oder ε-Caprolacton. ω-Hydroxycarbonsäuren (1 ) oder deren cyclische Ester (1 ') können beispielsweise mit Methyl-poly-ethylenglykolaminen (2) gemäß dem folgenden Schema umgesetzt werden.
(D d') (3) (5)
Durch Umsetzung der Hydroxycarbonsäure (1) mit Methyl-poly-ethylenglykolaminen (2) entsteht ein Carbonsäureamid (3). Die Hydroxygruppe des Carbonsäureamids kann beispielsweise mit Polyphosphorsäure (4) umgesetzt werden. Hierdurch entsteht die erfindungsgemäße Verbindung (5), welche eine Phosphorsäuregruppe als Gruppe X1 aufweist und eine Carbonsäurea- midgruppe als verknüpfende Gruppe L1. Die OH-Gruppe kann auch zur Anbindung von anderen sauren Gruppen X1 oder Si-haltigen Gruppen X2 genutzt werden.
Durch Umsetzung von ω-Phosphatoalkylaminen mit Ethylencarbonat lassen sich Verbindungen erhalten, welche eine Phosphorsäuregruppe als Gruppe X1 und eine Urethangruppe als verknüpfende Gruppe L1 aufweisen, wie im folgenden Schema gezeigt
Verbindungen mit verzweigenden Gruppen L2 oder L3 können erhalten werden, indem man im obigen Syntheseschema anstelle Methyl-poly-ethylenglykolaminen (2) andere Verbindungen (2') einsetzt, die Verzweigungen aufweisen. Beispiele umfassen Amine der allgemeinen Formel HN[(CH2-CH2-0-)kR8]2 oder H2N-C-[CH20-( CH2-CH2-0-)kR8]3, wobei R8 die eingangs erwähnte Bedeutung hat. Die Arme der genannten Verbindungen können gleich oder verschieden sein.
Setzt man anstelle der Polyethylenglykolamine (2) Alkohole (2") ein, erhält man Verbindungen, die eine Estergruppe als verknüpfende Gruppe aufweisen. Geeignete Alkohole sind insbesondere Oligo- oder Polyethylenglykol bzw. Derivate davon, wie Monoether, oder Verbindungen die mehr als eine Oligo- oder Polyethylenglykolgruppe oder Derivate aufweisen. Als Beispiele seien Verbindungen der allgemeinen Formel HO-CH-[CH20-( CH2-CH2-0-)kR8]2 oder HO-C-[CH20-( CH2-CH2-0-)kR8]3 genannt.
Zur Synthese von Verbindungen mit Phosphonsäureendgruppen können bevorzugt bifunktionel- le Verbindungen α-Y-ω eingesetzt werden, die eine olefinische Gruppe aufweisen. Beispiele umfassen ω-Carboxyalkyl-1-ene oder ω-Hydroxyalkyl-1-ene. An derartige olefinische Gruppen lassen sich nach einem radikalischen Mechanismus Dialkylphosphite anknüpfen, wie beispielsweise von Nifant'ev et al. Russian Journal of General Chemistry, 63, 8, Part 1, 1993, 1201 - 1205 beschrieben. Die Phosphonsäureestergruppe lässt sich anschließend mit geeigneten Säuren hydrolysieren. Dies ist im folgenden Syntheseschema beispielhaft erläutert:
U 1^. YEOEt 'BuOOH II r . OEt HBr, Dioxan ff OH u m>1 O 85-96% o 26-50% Q
(6) (7) (8) (9)
+ Amine
TrVfcP"
(10) (9) (11)
Ein ω-Carboxyalkyl-1-en (6) wird zunächst mit einem Dialkyphosphonsäureester (7) zu dem ω- Carboxyalkyl-1-phosphonsäureester (8) umgesetzt, welcher zu der ω-Carboxyalkyl-1- phosphonsäure (9) hydrolysiert wird. An die Carbonsäurefunktion können anschließend die hydrophile Gruppe W und die Endgruppe Z angehängt werden, beispielsweise durch Umsetzung mit Ehylenglykol, Diethylenglykol, Oligo-/Polyethylenglykolen, Alkyl-poly-ethylenglykolen, Polyethylenglykolaminen oder Alkyl-poly-ethylenglykolaminen, sowie der oben erwähnten ver- zweigenden Alkoholen und Aminen. Je nach Art der eingesetzten Verbindung entstehen Verbindungen mit einer Carbonsäureamidgruppe (10) oder einer Carbonsäureestergruppe (11) als verknüpfender Gruppe.
Weitere Synthesevarianten für erfindungsgemäßen Verbindungen sind im Folgenden schematisch zusammengestellt:
x^rtr NH
Die erfindungsgemäßen Verbindungen eignen sich insbesondere zur Verwendung als Korrosi- onsinhibitoren. Sie können zu diesem Zwecke Produkten, wie beispielsweise flüssigen Mischungen zugesetzt werden, die im Kontakt mit Metallen Korrosion verursachen oder beschleu-
nigen würden. Als Beispiele seien Farben, Lacke oder Reinigungsmittel genannt. Sie können aber auch in speziellen Korrosionsschutzformulierungen eingesetzt werden.
Sie eignen sich weiterhin zur Beschichtung oder als Hilfsmittel zur Beschichtung von Substraten aller Art, wie beispielsweise Metallen, Kunststoffen, keramischen Werkstoffen, Glas oder deren Verbundwerkstoffen.
Sie können auch als Haftvermittler eingesetzt werden. Sie eignen sich hier insbesondere zum Zusammenfügen verschiedenartiger Materialien zu Verbunden. Hierzu können die beiden Endgruppen X und Z zur guten Haftung mit jeweils einem der Materialien angepasst werden, um einen guten Verbund zu erhalten. Beispielsweise können Verbünde aus Metallfolien und Kunst- stofffolien erhalten werden. Derartige Verbünde werden insbesondere zur Herstellung von Verpackungsmaterialien verwendet.
Die erfindungsgemäßen Verbindungen können weiterhin ganz besonders vorteilhaft zur Herstellung von monomolekularen Schichten auf metallischen Oberflächen verwendet werden. Hierzu werden bevorzugt Verbindungen eingesetzt, die eine linear verknüpfende Gruppe L aufweisen.
Die erfindungsgemäßen Verbindungen können insbesondere zum Behandeln von Metallen oder Metalloberflächen verwendet werden. Unter Behandlung sind sowohl solche Operationen zu verstehen, nach deren Durchführung die erfindungsgemäßen Verbindungen temporär oder permanent auf der Oberfläche verbleiben sowie solche, bei denen keine Verbindungen auf der Oberfläche verbleiben. Beispiele umfassen die Verwendung als Haftvermittler, Korrosionsinhibitor, Grundiermittel, Passivierungsmittel oder Konversionsschichtbildner.
Die erfindungsgemäßen Verbindungen können zur Behandlung von Metallen als solche in Substanz eingesetzt werden. Beispielsweise können sie auf eine metallische Oberfläche gesprüht oder gegossen werden. Bevorzugt werden zur Behandlung von Metälloberflächen aber Zubereitungen eingesetzt, die mindestens eine der erfindungsgemäßen Verbindungen umfassen. Im Regelfalle umfassen die erfindungsgemäßen Zubereitungen eine oder mehrere der erfindungsgemäßen Verbindungen, ein geeignetes Lösemittel sowie optional weitere Komponenten.
Geeignete Lösemittel sind solche Lösemittel oder Lösemittelgemische, welche in der Lage sind, die erfindungsgemäßen Verbindungen zu lösen, zu dispergieren, zu suspendieren oder zu e- mulgieren. Es kann sich dabei um organische Lösemittel oder um Wasser handeln. Selbstverständlich können auch Gemische verschiedener organischer Lösemittel oder Gemische organischer Lösemittel mit Wasser eingesetzt werden. Der Fachmann trifft unter den prinzipiell möglichen Lösemitteln je nach dem gewünschten Verwendungszweck und nach der Art der einge- setzten erfindungsgemäßen Verbindung eine geeignete Auswahl. Es ist für den Fachmann
selbstverständlich, bei Verbindungen, die eine Endgruppe X2 aufweisen, nur solche Lösemittelgemische einzusetzen, die keine vorzeitige Hydrolyse der Endgruppe bewirken.
Beispiele organischer Lösemittel umfassen Kohlenwasserstoffe wie Toluol, Xylol oder Gemische, wie sie z.B. bei der Raffination von Rohöl erhalten werden und z.B. als Petroleumbenzin, Kerosin, Solvesso® oder Risella® kommerziell erhältlich sind, Ether wie THF oder Polyether wie Polyethylenglykol, Etheralkohole wie Butylglykol, Hexylglykol, Etherglykolacetate wie Bu- tylglykolacetat, Ketone wie Aceton, Alkohole wie Methanol, Ethanol oder Propanol. Es können auch ethoxylierte ein- oder mehrwertige Alkohole eingesetzt werden, insbesondere von C bis C8-Alkoholen abgeleitete Produkte. Bevorzugt sind Zubereitungen, die Wasser oder ein überwiegend wässriges Lösemittelgemisch umfassen. Darunter sollen solche Gemische verstanden werden, die zumindest 50 Gew. %, bevorzugt mindestens 65 Gew. % und besonders bevorzugt mindestens 80 Gew. % Wasser umfassen. Weitere Komponenten sind mit Wasser mischbare Lösemittel. Beispiele umfassen Monoalkohole wie Methanol, Ethanol oder Propanol, höhere Alkohole wie Ethylenglykol oder Polyetherpolyole und Etheralkohole wie Butylglykol oder Methoxypropanol oder ethoxylierte C4 - Cts-Alkohole.
Besonders bevorzugt sind Zubereitungen, die Wasser als Lösemittel umfassen. Der pH-Wert einer wässrigen Lösung wird vom Fachmann je nach der Art der gewünschten Anmeldung bestimmt. Es können selbstverständlich auch Puffersysteme eingesetzt werden, um den pH- Wert auf einen bestimmten Wert zu fixieren.
Die Menge der im Lösemittel gelösten, dispergierten, suspendierten oder emulgierten erfindungsgemäßen Verbindungen wird vom Fachmann je nach der Art des Derivates und nach der gewünschten Anwendung bestimmt. Im Regelfalle beträgt die Menge aber zwischen 0,1 bis 100 g/l, bevorzugt 0,5 bis 50 g/l und besonders bevorzugt 1 bis 20 g/l, ohne dass die Erfindung darauf beschränkt sein soll. Diese Angaben beziehen sich auf eine einsatzfertige Zubereitung. Selbstverständlich können auch Konzentrate gefertigt werden, die erst vor dem eigentlichen Einsatz vor Ort auf die gewünschte Konzentration verdünnt werden.
Die erfindungsgemäßen Zubereitungen können darüber hinaus noch weitere Komponenten umfassen. Art und Menge der erfindungsgemäßen Verbindungen X-Y-L-(W-Z)n in der Zubereitung werden vom Fachmann je nach der gewünschten Anwendung gewählt. Es kann nur eine einzige der Verbindungen gewählt werden oder es können zwei oder mehrere voneinander verschiedene Verbindungen ausgewählt werden.
Die für die gewünschte Anwendung gewünschten Eigenschaften können insbesondere durch die Art der Endgruppen X und Z, Art und Länge der Kohlenwasserstoffgruppe Y sowie Art und
Länge der hydrophilen Gruppe W bestimmt werden. Gewünschte Eigenschaften lassen sich auf
diese Art und Weise nahezu stufenlos einstellen. Weiterhin können die Eigenschaften selbstverständlich durch Verwendung einer Mischung mehrerer erfindungsgemäßer Verbindungen sowie weiterer Komponenten gesteuert werden.
Bei weiteren Komponenten kann es sich um geeignete polymere Bindemittel handeln. Die Art und Menge des Bindemittels richten sich nach der gewünschten Anwendung.
Polymere enthaltende Formulierungen eignen sich insbesondere zum Überlackieren.
Weiterhin können Dispergierhilfsmittel, Emulgiermittel oder oberflächenaktive Verbindungen eingesetzt werden. Beispiele umfassen kationische, anionische, zwitterionische oder nichtionische Tenside, wie beispielsweise Alkylalkoxylate mit Ethylen- und/oder Propylenoxideinhei- ten. Die Zubereitungen können auch noch weitere Korrosionsinhibitoren umfassen, wie beispielsweise1 Butindiol, Benztriazol, Aldehyde, Amincarboxylate oder geeignete Phosphorsäureester.
Es können auch feine Metallpartikel in Zubereitungen eingesetzt werden. Bevorzugt als Metallpartikel sind insbesondere Lamellen aus AI und / oder Zn. Derartige Lamellen enthaltende Zu- bereitungen können auch als korrosionsverhindemde Überzüge verwendet werden.
Zur Illustration der Feineinstellung von Anwendungseigenschaften seien folgende Ausführungsformen der Erfindung beispielhaft genannt, ohne dass die Erfindung darauf beschränkt sein soll.
Eine Verbindung, die nur eine einzige Ethoxygruppe als hydrophile Gruppe W sowie eine - OCH3-Gruppe als Endgruppe Z2 aufweist, kann beispielsweise noch zur Hydrophobierung einer Aluminium-Oberfläche verwendet werden. Verlängert man die hydrophile Gruppe W durch weitere Ethoxygruppen, so nimmt der hydrophile Charakter der Oberfläche immer mehr zu. Eine Verbindung, die sich von der genannten nur dadurch unterscheidet, das sie drei Ethoxygruppen aufweist anstelle von einer, kann bereits zur Hydrophilierung von Aluminiumoberflächen verwendet werden. Von besonderem Vorteil können Zubereitungen eingesetzt werden, die mindestens eine Verbindung mit reaktiver Endgruppe Z1 im Gemisch mit mindestens einer Verbindung mit nicht reaktiver Endgruppe Z2 umfassen. Je nach dem Verhältnis von Z1 und Z2 läßt sich beispielsweise die Haftfestigkeit von Verbunden gezielt einstellen.
Es können auch vorteilhaft Zubereitungen eingesetzt werden, die sowohl erfindungsgemäße Verbindungen wie die in WO 98/29580 beschriebenen Verbindungen XYZ, bei der zwei Endgruppen X und Z die durch eine einzige hydrophobe Gruppe Y voneinander getrennt sind, als zusätzliche Komponenten umfassen. Durch Mischung mit den erfindungsgemäßen Verbindungen können besonders elegant die Eigenschaften der Beschichtung variiert werden. Beispielsweise können die erfindungsgemäßen Verbindungen für eine gewünschte Hydrophilierung der Oberfläche sorgen, während die Verbindungen XYZ für die Anbindung einer zweiten Lackschicht sorgen.
Erfindungsgemäß können die Verbindungen und/oder die Zubereitungen der Verbindungen zur oberflächlichen Behandlung von Metallen aller Art eingesetzt werden. Selbstverständlich kann es sich dabei auch um Legierungen verschiedener Metalle handeln. Bei der Oberfläche kann es sich um weitgehend ebene Oberflächen, also beispielsweise die Oberfläche von Blechen, Fo- lien, Coils und dergleichen handeln. Es kann sich aber auch um die Oberfläche beliebig geformter Körper handeln. Dies beinhaltet auch die Oberflächen sehr feiner Partikel, beispielsweise von Metallpulvern, Metallplättchen oder Metallpigmenten. Es kann sich auch um die Oberfläche von mit metallischen Schichten beschichteten Materialien handeln.
Die erfindungsgemäßen Verbindungen und/oder Zubereitungen können selbstverständlich auch zur Behandlung der Innenflächen von Hohlkörpern verwendet werden. Beispiele umfassen die Verwendung als Kühlerschutzmittel, in Wärmetauscherkreisläufen oder in Heizungen.
Bevorzugt handelt es sich bei dem zu behandelnden Metall um eines oder mehrere ausgewählt aus der Gruppe von Zink, Aluminium, Magnesium, Chrom, Eisen, Nickel, Zinn oder Legierungen dieser Metalle untereinander oder mit anderen Metallen. Besonders geeignet sind die erfin- dungsgemäßen Verbindungen bzw. Formulierungen zu Behandlung von Zn und/oder Aluminium sowie von Stählen bzw. Edelstahlen.
Bei der erfindungsgemäßen Verwendung zur Behandlung von Metälloberflächen wird eine Me- talloberfläche mit der erfindungsgemäßen Zubereitung in Kontakt gebracht, beispielsweise durch Sprühen, Tauchen, Lackieren oder Aufwalzen. Nach einem Tauchprozess kann man zum Entfernen überschüssiger Behandlungslösung das Werkstück abtropfen lassen; bei Blechen, Metallfolien oder dergleichen lässt sich überschüssige Behandlungslösung aber beispielsweise auch abquetschen.
Sofern eine temporäre oder dauerhafte Beschichtung erwünscht ist, wird anschließend das Lösemittel entfernt, beispielsweise durch Erhöhung der Temperatur. Es kann sich dabei um sogenannte „No-rinse" Prozesse handeln, bei der die Behandlungslösung unmittelbar nach dem Aufbringen ohne Abspülen direkt in einem Trockenofen eingetrocknet wird. Selbstverständlich kann die Behandlung aber auch Spülschritte vor dem Entfernen des Lösemittels, Spülschritte danach sowie weitere Nachbehandlungsschritte umfassen.
Die erfindungsgemäßen Verbindungen eignen sich weiterhin ganz besonders zum Herstellen von Verbunden, welche mindestens eine metallische Schicht, eine Schicht (A), die mindestens eine der erfindungsgemäßen Verbindungen umfasst sowie mindestens eine zweite Schicht (B) umfassen. Bevorzugt werden Verbindungen eingesetzt, die über eine reaktive Gruppe Z1 verfügen, so dass weitere Schichten auch reaktiv angekoppelt werden können. Schicht (A) ist zwischen der Metallschicht und Schicht (B) angeordnet. In einer besonderen Ausführungsform handelt es sich bei Schicht (A) um eine monomolekulare Schicht. Bei der zweiten Schicht (B) kann es sich beispielsweise um eine Lackschicht handeln. Der Verbund kann selbstverständlich noch weitere Schichten umfassen. Beispielsweise kann die Metallschicht noch mit einer Vorbe-
handlungsschicht versehen sein. Selbstverständlich kann die metallische Schicht auch auf beiden Seiten mit einer Schicht (A) beschichtet werden. Die erfindungsgemäßen Verbünde weisen eine ausgezeichnete Haftung zwischen der Metallschicht und Schicht (B) auf.
Die folgenden Beispiele sollen die Erfindung näher illustrieren:
Herstellung der Ausgangsmaterialien:
9-Hydroxynonansäure
9-Hydroxynonansäure wurde wie von W. Youchu, L. Fuchu, Synthetic Communications 1994, 24(9), 1265-1269 beschrieben durch Ozonierung von ungesättigten Fettsäuren und Aufarbei- tung des Reaktionsgemisches erhalten. Da die Zusammensetzung eines Naturproduktes wie Ölsäure nicht einheitlich ist, erhält man häufig (je nach eingesetztem Edukt) Gemische als Produkt.
Methyldiglykolamin 200 g Diethylenglykolmonomethylether (Fluka) wurden mit 700 ml THF und 100 g Katalysator H1/88 (BASF) in einem 2.5 I Rührautoklaven vorgelegt. Danach wird zweimal mit 5 bar Stickstoff inertisiert und anschließend 500 ml Ammoniak bei Raumtemperatur zugegeben. Man gibt anschließend Wasserstoff weiterhin bei Raumtemperatur bis zu einem Druck von 50 bar zu und heizt unter Rühren auf 200 CC. Beim Erreichen von 200 °C wird der Druck durch Wasserstoff- zugäbe auf 270 bar erhöht.
Anschließend rührte man bei 200 °C für 12 Stunden und ließ dann auf 30 °C abkühlen. Nach erneutem Aufheizen auf 40 °C rührte man bei offenem Autoklaven noch 1 h, spülte dann zweimal mit 10 bar Stickstoff und ließ wieder auf Raumtemperatur abkühlen. Der Reaktionsaustrag wird über einen Faltenfilter filtriert, dann gibt man einen Esslöffel Kieselgel und wenig Hyflow hinzu. Es wird einmal geschüttelt und nach 5 min erneut abfiltriert. Die klare farblose Lösung engt man am Rotationsverdampfer im Vakuum bis 50 °C ein. Das Produkt kann ohne weitere Aufreinigung in die folgenden Stufen eingesetzt werden.
MethyltriglykolamJn
Es wurde wie beschrieben vorgegangen, nur wurden 200 g Triethylenglykolmono- methylether (Fluka) anstelle von Diethylenglykolmonomethylether eingesetzt.
Synthese der erfindungsgemäßen Verbindungen
I Verknüpfung des hydrophoben und des hydrophilen Molekülteiles
Beispiel 1 : Amidierung von 9-Hydroxynonansäure mit Methylmonoglykolamin
24.1 g (0.1 mol) 9-Hydroxynonansäure (OH-Zahl: 79, Säurezahl: 233 mg KOH/g, Ein- satz nach Säurezahl) und 0.5 g ortho-Phosphorsäure (85%) wurden vermischt und unter Stickstoff-Atmosphäre auf 100 °C erwärmt. 7.5 g (0.1 mol) Methylmonoglykolamin (Merck) wurden innerhalb von 15 min zugetropft und anschließend wurde auf 150 °C erwärmt. Entstehendes Reaktionswasser wurde unter Durchleiten von Stickstoff über eine Destillationsbrücke abgetrennt. Nach 36 h Reaktionszeit wurde auf Zimmer- temperatur abkühlen lassen und der Reaktionsaustrag ohne weitere Aufarbeitung in der nächsten Stufe verwendet.
Beispiel 2: Amidierung von 9-Hydroxynonansäure mit Methyldiglykolamin
Es wurde wie in Beispiel 1 vorgegangen, nur wurden 13,6 g (0,1 mol) Methyldiglykolamin anstelle von Methylmonoglykolamin als Ausgangsmaterial eingesetzt.
Beispiel 3: Amidierung von 9-Hydroxynonansäure mit Methyltriglykolamin Es wurde wie in Beispiel 1 vorgegangen, nur wurden 16,2g (0,1 mol) Methyltriglykolamin anstelle von Methylmonoglykolamin als Ausgangsmaterial eingesetzt.
Beispiel 4: Amidierung von ε-Caprolacton mit Methylmonoglykolamin
22.8 g (0.2 mol) ε-Caprolacton (Fluka) und 0.5 g ortho-Phosphorsäure (85%) wurden vermischt und unter Rühren auf 100 °C erwärmt (Stickstoffatmosphäre). Dazu gab man
15.0 g (0.2 mol) Methylmonoglykolamin (Merck) innerhalb von 15 min. Man ließ noch 48 h bei 105 °C reagieren, dann auf Zimmertemperatur abkühlen und und der Reaktionsaustrag ohne weitere Aufarbeitung in der nächsten Stufe verwendet.
Beispiel 5: Amidierung von ε-Caprolacton mit Methyldiglykolamin
Es wurde wie in Beispiel 4 vorgegangen, nur wurden 27,2g (0,2 mol) Methyldiglykolamin anstelle von Methylmonoglykolamin als Ausgangsmaterial eingesetzt.
Beispiel 6: Amidierung von ε-Caprolacton mit Methyltriglykolamin Es wurde wie in Beispiel 4 vorgegangen, nur wurden 32,5 g (0,2 mol) Methyltriglykolamin anstelle von Methylmonoglykolamin als Ausgangsmaterial eingesetzt.
II Anbindung der sauren Endgruppen X
Beispiel 7: Phosphatierung des Amids aus 9-Hydroxynonansäure und Methylmonoglykolamin Das Produkt aus Beispiel 1 (20 g, 0.0671 mol) und 0.1 g Hypophosphorige Säure (50%) wurden unter Stickstoffatmosphäre im Reaktionskolben vorgelegt. Dazu gab man innerhalb von 15 min 9.7 g (0.0839 mol) Polyphosphorsäure (85%). Die Reaktionsmischung erwärmte sich während der Zugabe auf 50 °C. Nach Ende der Zugabe erwärmte man weiter auf 75 °C und rührte 20 h bei dieser Temperatur. Die Umsetzung wurde durch 1P-NMR-Analytik verfolgt
Beispiel 8: Phosphatierung des Amids aus 9-Hydroxynonansäure und Methyldiglykolamin
Es wurde wie in Beispiel 7 vorgegangen, nur wurden das Produkt aus Beispiel 2 (30 g, 0.0836 mol) sowie 12.0 g (0.1045 mol) Polyphosphorsäure (85%) eingesetzt.
Beispiel 9: Phosphatierung des Amids aus 9-Hydroxynonansäure und Methyltriglykolamin
Es wurde wie in Beispiel 7 vorgegangen, nur wurden das Produkt aus Beispiel 3 (30 g, 0.078 mol) sowie 11.2 g (0.1045 mol) Polyphosphorsäure (85%) eingesetzt.
Beispiel 10: Phosphatierung des Amids aus ε-Caprolacton und Methylmonoglykolamin
Es wurde wie in Beispiel 7 vorgegangen, nur wurden das Produkt aus Beispiel 4 (30 g, 0.1586 mol) sowie 22.9 g (0.1983 mol) Polyphosphorsäure (85%) eingesetzt.
Beispiel 11 : Phosphatierung des Amids aus ε-Caprolacton und Methyldiglykolamin Es wurde wie in Beispiel 7 vorgegangen, nur wurden das Produkt aus Beispiel 5 (30 g, 0.1085 mol) sowie 15.6 g (0.1983 mol) Polyphosphorsäure (85%) eingesetzt.
Beispiel 12: Phosphatierung des Amids aus ε-Caprolacton und Methyltriglykolamin
Es wurde wie in Beispiel 7 vorgegangen, nur wurde das Produkt aus Beispiel 6 (30 g, 0.12 mol) sowie 17.3 g (0.15 mol) Polyphosphorsäure (85%) eingesetzt.
Anwendungsbeispiele
Beispiel 13: Hydrophobierung von Aluminium Ein gestanztes, nicht weiter oberflächenbehandeltes Aluminiumplättchen wird in eine wässrige Lösung getaucht, die 0,1% eines 9-Methylmonoglykolamido-nonylphosphats und 5% Cumolsulfonat enthält. Nach 20 h wird das Plättchen herausgenommen und der Randwinkel von Wasser nach literaturbekannten Methoden bestimmt. Man findet einen Randwinkel von 75°. Eine unbehandelte Metalloberfläche hat einen Randwinkel von ca. 60°.
Beispiel 14: Hydrophilierung von Aluminium
Ein gestanztes, nicht weiter oberflächenbehandeltes Aluminiumplättchen wird in eine wäßrige Lösung getaucht, die 0,1% eines 9-Methyltriglykolamido-nonylphosphats und 5% Emulan® HE50 (Solubilisator, BASF AG, Ludwigshafen) enthält. Nach 20 h wird das Plättchen herausgenommen und der Randwinkel von Wasser nach literaturbekannten Methoden bestimmt. Man findet einen Randwinkel von 10°. Eine unbehandelte Metalloberfläche hat einen Randwinkel von ca. 60°.
Beispiel 15: Verwendung zum Korrosionsschutz
Ein elektrochemisch verzinktes Stahlblech wurde gemäß der Vorgehensweise von Beispiel 13 mit 6-Methyldiglykolamido-hexylphosphat (ohne Cumolsulfonat) behandelt (Randwinkel < 20°) und wurde elektrochemisch charakterisiert. Es wurde ein statische und cyclische Elektrovol- tammetrie durchgeführt. Eine Auswahl der gemessenen Kenndaten ist in Tabelle 1 dargestellt.
Das Stahlblech wurde weiterhin mittels einem Salzsprühtest gemäß DIN 10289 auf Korrosionsbeständigkeit untersucht.
Die Prüfung erfolgte jeweils an drei Mustern und zwei unbehandelten Blechen zum Vergleich. Die Korrosionsbeständigkeit wurde mittels einer Skala von 10 (keine Korrosion) bis 1 (starke Korrosion) bewertet. Die Bewertungen erfolgten jeweils nach einer Testdauer von minimal 1 h bis zu 6 h und sind in Tabelle 2 zusammengestellt.
Tabelle 2: Ergebnisse der Salzsprühtests