DE954476C - Photographischer Film mit erhoehter Empfindlichkeit gegen den Hersol-Effekt - Google Patents

Photographischer Film mit erhoehter Empfindlichkeit gegen den Hersol-Effekt

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DE954476C
DE954476C DEG6595A DEG0006595A DE954476C DE 954476 C DE954476 C DE 954476C DE G6595 A DEG6595 A DE G6595A DE G0006595 A DEG0006595 A DE G0006595A DE 954476 C DE954476 C DE 954476C
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Description

(WiGBl. S. 175)
AUSGEGEBEN AM 20. DEZEMBER 1956
G 6595IV a J 57b
Die Erfindung befaßt sich mit photographischen Filmen und insbesondere mit desensibilisierten Filmen für die Verwendung beim Hersolverfahren, und sie betrifft ein Verfahren zu deren Herstellung.
Das Hersolverfahren ist, kurz gesagt, ein photographisches Verfahren zur Wiedergabe, eines Originals, dessen Linien verschiedenfarbig, darunter auch schwarz sind. Das Trennen der Farben kann durch die gebräuchlichen Verfahren nicht ohne Beeinträchtigung durch schwarze Buchstabenoder Strichzeichnungen erreicht werden. Diese üblichen Trennungen erfordern ein umfangreiches umständliches Retuschieren, um das schwarze Bild aus dem Negativ zu entfernen, ein Verfahren, das geschickte Fachkräfte und viel Zeit beansprucht.
Diese kostspielige und mühselige Maßnahme kann dadurch vermieden werden, daß zwei selten angewandte photographische Phänomene benutzt werden, nämlich der Solarisations- und' der Herscheleffekt. Der Name »Hersol« leitet sich von diesen Phänomenen —■ dem Herscheleffekt und dem Solarisationseffekt — ab, indem aus »Her« und »sol« der Name »Hersol« gebildet worden ist. Von diesen beiden ist der Herscheleffekt der wichtigere. Das Solarisationsphänomen wird weniger angewendet.
Der »Solarisationseffekt« ist die Umkehrung, die erreicht wird, wenin eine Emulsion stark überbelichtet und dann teilweise entwickelt wird1, um den maximalen Kontrast zu erhalten. Ein Beispiel dieses Effektes kann oft bei Nachtaufnahmen) von
Straßenbildern beobachtet werden, bei denen die erleuchteten Straßenlatnpen auf dem hergestellten Abzug schwarz erscheinen. Die hohe Intensität der Straßenlampen hat diese Umkehrung verursacht.
Der Herscheleffekt tritt auf, wenn ein latentes Bild durch Belichten mit einem intensiven rötet* Licht allmählich zerstört wird. Das brauchbare Licht hat eine Wellenlänge, die ungefähr 500 Ä länger ist als die Höchstempfindlichkeit der Emulsion. Dieses Licht kann durch eine gewöhnliche Projektionsglühfadenlampe erhalten werden, die z. B. mit einer Spannung von 115 Volt und einem Stromverbrauch von 500 Watt betrieben wird1. Diese Lichtquelle liefert ein kontinuierliches Spektrum, aus welchem das Gebiet von 6000 Ä und höher durch Verwendung eines scharf trennenden roten Filters mit passenden Eigenschaften abgetrennt wird, um die orthochromatische Emulsion in geeigneter Entfernung von beispielsweise 20 cm zu beleuchten. Das zuvor gebildete latente Bild wird langsam reduziert, und bei ausreichender Belichtungszeit verschwindet es schließlich ganz.
Durch eine Kombination dieser beiden Effekte kann eine Anzahl von Negativen hergestellt werden, in denen die schwarzen Linien sowie andere bestimmte Farben in den Teilfarbenauszügen· ausgelöscht sind. Unter »Auslöschen« wird vom Lichtbildner in der graphischen Technik das Auslöschen oder Abschwächen einer Farbe verstanden^ so daß sie in den Hintergrund übergeht oder darin, verschwindet. Wenn eine grüne Linie auf weißem Papier nach dem üblichen Verfahren ausgelöscht werden soll, so wird, wenn ein orthochromatischer grünempfindlicher Film und ein gut wirkendes grünes Filter im Strahlengang des Lichtes benutzt wird, erreicht, daß die grüne Linie in dem erhaltenen Negativ verschwindet. Eine rote Linie kann durch Anwenidung eines gut wirkenden roten Filters und eines rotempfindlichen Films ausgelöscht werden. Indessen ist es nicht möglich, einfe schwarze Linie auszulöschen, da es weder schwarzempfindliche Emulsionen noch schwarze Filter gibt.
Nach dem Hersolverfahrem können die schwarzen Linien ausgelöscht werden, aber um dies zu erreichen, muß die Reihenfolge der Verfahrenismaßnahmen umgekehrt, und an Stelle eines gewöhnlichen farbsensibiiisierten Films muß eine farbdesensibilisierte Emulsion verwendet werden. Auch muß an Stelle eines klaren, schleier frei en Films eine verschleierte Emulsion angewendet und an Stelle einer vollständigen Entwicklung darf nur teilweise entwickelt werden. Nach diesem Verfahren fallen, zum großen Teil das sonst notwendige Retuschieren und Nachzeichnen weg, wähnend bei dem üblichen Separationsverfahren die schwarze Farbe auf allen durch Separation hergestellten Negativen erscheint. Es ist daher ein photographischer Film erforderlich, bei 'dem das latente Bild durch rotes Licht leicht zerstört werden kann (Herscheleffekt); und diese Eigenschaft wird durch eine Anzahl deseBsibilisierender Farbstoffe erreicht, von denen Pinakryptolgrün einer der wichtigsten ist.
Dieses Verfahren ist somit aus. verschiedenen Gründen von Vorteil.
1. Es wird Geld durch Zeitgewinn erspart. Bis zu 80% der Zeit, die zur Fertigstellung der Teilnegative erforderlich ist, kann durch dieses Verfahren eingespart werden.
2. Es erfordert nur eine sehr einfache Ein?- richtung, wodurch die Anschafrungskosten verringert werden.
3. Es lassen sich mit ihm die einzelnen Farben von Schwarz trennen, wodurch die Arbeitskosten für Retuschieren, Fleckenbeseitigung oder Nachzeichnen verringert werden.
Die Empfindlichkeit einer Emulsion für den Herscheleffekt wird durch die Wirkung von desensibilisierenden Farbstoffen gesteigert. Gerade so, wie ein senBibilisierender Farbstoff eine höhere Wirkung ermöglicht, so steigert ein Desensibilisator oft die umgekehrte Wirkung des Herscheleffektes. Für diesen Zweck ist Pinakryptolgrün sehr brauchbar, in dem die Emulsion in üblicher Weise gebadet wird.
Das Bad wird hergestellt, indem etwa 5 ecm einer V1000 Lösung von Pinakryptolgrün je Liter destillierten Wassers benutzt werden und ein Netzmittel zugesetzt wird. In dieser Lösung wird die Emulsion etwa 1 Minute gebadet. Sie wird dann herausgenommen, abtropfen gelassen und zum Trocknen aufgehängt, wonach sie gebrauchsfertig ist. Diese Maßnahmen, bei denen orthochromatische Filme, vorzugsweise von mittlerer oder hoher Gradation, benutzt werden (wie sie z. B. unter der Bezeichnung »Reprolith-Ortho«- Filme im Handel sind), werden bei Rotlicht ausgeführt und das Trocknen der Filme im Dunkeln vorgenommen.
Bevor irgendeine Umkehrwirkung, wie Herscheleffekt oder Solarisation, erzielt werden kann, muß zuerst ein latentes Bild vorhanden sein, um hiermit weiterarbeiten zu können. Dieses Ausgangsbild wird erhalten, indem die Emulsion durch Belichten mit weißem Licht absichtlich verschleiert und dann die weiteren Belichtungen durch die Kopie durchgeführt werden.
Bei Durchführung des bisherigen Verfahrens werden orthochromatische Filme mittlerer oder steiler Gradation für die ersten Farbauszüge benutzt, von denen einige Positive und einige Negative sind. Die Schwarzplatte wird mit stark, aber gleichmäßig überbelichteten Filmen durchgeführt. Durch eine nachfolgende Kontaktbelichtung durch die Kopie wird das erzeugte latente Schleierbild überall ausgelöscht, abgesehen von den Stellen, an denen ein schwarzer Abdruck in der Kopie vorhanden war. Auf diese Weise wird nach dem Entwickeln ein Positiv erhalten. Der Blauauszug wird auf einem Film hergestellt, dler wenig verschleiert worden ist. Hierbei müssen zwei Kontaktbelichtungen durch die Kopie gemacht werden. Durch die erste Belichtung durch ein blaues Filter wird das Bild in den blauen
Flächen und im Hintergrund aufgebaut, und -durch die zweite Belichtung durch ein rotes Filter wird das Bild im Hintergrund ausgelöscht. Das entstehende Bild ist positiv. Der Rotaüszug liefert dagegen ein Negativ. Er wird durch Belichten von stark getrübten oder verschleierten Filmen durchgeführt. Hierbei müssen wieder zwei Konitaktbelichtungen durchgeführt werden. Die erste baut den Hintergrund über dem Schlei er niveau auf, ίο ' und die zweite läßt das Bild unter den rotem Teilen des Werks verlöschen. Die ursprünglichen Teilbilder werden durch Kontakt auf reguläre photomechanische Filme mit Hilfe der bei dieser Art von Filmen erreichbaren, hohen Gradation kopiert, um Teilbilder zu gewinnen, die dann zur Reproduktion geeignet sind.
Dieses Verfahren ist zur Zeit auf die Reproduktion von Vorlagen beschränkt, die nur ein^ seitig auf durchsichtiges oder durchscheinendes Papier gedruckt sind. Das Desensibilisiereni im Bad ist unsauber, zeitraubend, und die erzielbare Einheitlichkeit ist unbefriedigend. Wie zu erwarten, ist das Ausmaß der erzielten Desensibilisierung eine Funktion der Farbkonizentration, der Einwirkungsdauer und der Temperatur des. Färbebades. Da durch jedes Filmstück eine bestimmte Farbmenge aus der Lösung absorbiert wird und das Farbbad lösliche Bromide aus der Emulsion entfernt, so daß ihre Zusammensetzung geändert wird, dürfen für die Aufrechterhaltung der Konsistenz nur kleine Filmmengen in einem Bad desensibilisiert werden. Besonders muß auch darauf geachtet werden, daß Blasenbildungen und Trockeinstreifen vermieden werden. Auch muß der Film im Färbebad dauernd bewegt werden.
Das Baden erfordert außerdem besondere Vorbereitungen und Zeit sowie eine Dunkelkammer für die Trocknung und ergibt einen in seinen Eigenschaften nicht einheitlichen Film. Die Desensibilisierung ist ungleichmäßig und streifig; oft erscheinen Flecken an kritischen Stellen, und eine gleichmäßige Reproduktion von eimer Platte auf die nächste ist fast unmöglich.
Um einige der vorstehenden Mängel zu beheben, wurde vorgeschlagen, bei dem Verfahren eine lichtempfindliche Emulsion zu verwenden, die die Eigenschaft hat, beim Belichten sich umzukehren. Die Emulsion wird dadurch hergestellt, daß das gewünschte Halogensilber in einer ausreichend kleinen Menge Gelatine hergestellt wird, um die unmittelbare Bildung einer stabilen Emulsion oder -Suspension zu verhindern.
Das Halogensilber wird aus der Lösung absetzen gelassen, der Sölarisation unterworfen!, in einer ausreichenden Menge Gelatinelösung emulgiert, um eine gießbare Emulsion zu erhalten, und die Emulsion dann auf eine Filmunterlage aufgetragen. Anstatt das Halogensilber zu solarisieren, können auch Desen'sibilisatoren, wie Azinr, Thiazon-, Chinoxalin- und ähnliche Farbstoffe, einschließlich Schwefelverbindungen! und ähnliche Verbindungen, der Emulsion zugesetzt werden, ehe sie auf die Filimunterlage aufgetragen wird.
Obgleich eine Emulsion, die nach einem der beiden obigen Verfahren hergestellt wird', für die Herstellung von Filmen von Wert ist, die nach dem Belichten und Entwickeln unmittelbar positive Bilder ergeben, sind die photographiscben Ergebnisse bei dem Hersolverfahren jedoch nicht so gut als die, welche durch Oberflächenanwendung der Desensiibilisatoren erhalten werden. Derartige Emulsionen ergeben eine geringere Gradation und kleinere maximale Schwärzungen. Außerdem ist der Zusatz des Desensibilisators zur Emulsion nicht nur verschwenderisch, sondern es muß a!ls Zusatz zur Emulsion wenigstens die fünffache Menge an Farbstoff zugesetzt werden, um die gleiche Desensibilisierwirkung zu erreichen, wie , sie bei der Oberflächenbehandlung erzielt wird. Der Zusatz von großen Mengen an desensibilisierenden Stoffen zur Emulsion verändert auch die Eigenschaften und Beschaffenheit der Emulsion, so daß keineswegs die bestmöglichen Ergebnisse erhalten werden können.
Gegenstand der Erfindung ist nun ein photographischer Film, der die obengenannten Mangel nicht besitzt. Dieser erfindungsgemäße photographische Film besteht aus einem Schichtträger, einer unmittelbar darauf angeordneten lichtempfindlichen Halogensilberemulsion, welche gegen Licht einer Wellenlänge von über 600 μ unempfindlich ist und eine hohe Gradation besitzt, und einer wasserdurchlässigen Kolloidschicht, in welcher eine den Herscheleffekt begünstigende Verbindung gleichmäßig dispergiert ist, welche ursprünglich in einer Konzentration vorhanden ist, die 5 bis 500 mg je Liter einer 0,5- bis iofl/oiigen wäßrigen Dispersion des wasserdurchlässigen Kolloids entspricht.
Ein solcher Film wird erhallten, indem entweder auf oder unter der Emulsion, aber jedenfalls an dieser anliegend, eine besondere Schicht angeordnet wird, die aus einer 0,5- bis io°/oigen wäßrigen Dispersion eines wasserdurchlässigen Kolloids besteht, die 10 bis 100 ecm einer 0,001-his o^/oigen wäßrigen Lösung einer desensibilisierenden Verbindung je Liter der genannten Dispersion enthält. Bei Verwendung von Gelatine als Kolloid liegt die optimale Konzentration zwischen 1,5 und 3,5%. Die wäßrige Dispersion wird auf die Filmunterlage, ehe auf sie eine lichtempfindliche Emulsion aufgetragen wird, aufgesprüht, aufgegossen oder aufgestrichen oder auf die Emulsion, worauf der Aufstrich in üblicher Weise getrocknet wird. Der hergestellte Film, in. welchem entweder die aufgetragene Schicht, die Emulsionsschicht oder beide auch ein Härtemitteil, enthalten können·, wird dann gealtert, damit er seine stabilisierten photographischen und physikalischen Eigenschaften erhält. Die üblichen Zusatzstoffe, wie sie zur Regelung der Biegsamkeit, Wie Glyzerin, oder der Härte, wie Formaldehyd, Glyoxal oder Kaliumchromalaun, erforderlich sind, und photographisch indifferente Netzmittel, wie Saponin, Isopropylnaphthalinsulfonat oder Dioctyl·- natriumsulfosuccinat, können der Lösung oder
Dispersion, welche das wasserdurchlässige Kolloid und den desensibilisierenden Farbstoff enthält, zugesetzt werden.
Der Wirkungsgrad kann durch Veränderung der Dicke des Überzuges aus dem wasserdurchlässigen Kolloid und dem desensibilisierenden Farbstoff reguliert werden. Ein Verhältnis der Dicken der Überzugsschicht zur Gelatinehalogensilberemulsionsschicht von 1:5 ist praktisch d'as beste Verhältnis. Die Dicke der Überzugsschicht kann 0,3 bis 4,5 Mikron und die Dicke der Emulsionsschicht i,5 bis 20 Mikron betragen. Die besten Resultate werden erhalten, wenm die Dicke der Emulsionsschicht 6 bis 8 Mikron beträgt. 1S Die Konzentration des desensibiüsierenden Farbstoffes in der wasserdurchlässigem Kofoiddispersion beeinflußt auch den Effekt, und sie kann zwischen 0,005 und 0,5 g je Liter der Kolloiddispersion, betragen- Die besten Resultate werden erhalten, wenn die Konzentration· zwischen: 0,02 und 0,2 g je Liter der kolloidalen Dispersion liegt. Für noch größere Wirkungen oder für die Behandlung von Emulsionsschichten einer Dicke von. 8 bis 20 Mikron kann die Schicht aus dem wasserdurchlässigen, Kolloid und dem desensibilisierenden Farbstoff abwechselnd auf zwei oder drei Emulsionsschichten aufgetragen werden. Wenn mehr als eine Schicht aus dem Kolloid und dem desensibilisierenden Farbstoff anliegend an eine Emulsion aufgetragen wird, so wird die Gesamte konzentration, des desensibilieierenden Farbstoffes gleichmäßig auf die Schichten verteilt. Wenn beispielsweise anliegend an die Emulsionsschicht zwei Schichten als Unter- und Überguß verwendet werden, so wird die Menge des, desensibilisierenden Farbstoffes vorzugsweise auf beide Schichten gleichmäßig verteilt. Diese Menge kann 5 bis 150 ecm einer 0,001- bis o^/oigen wäßrigen Lösung des deserasibilisierenden Farbstoffes je Liter der wasserdurchlässigen Kolloiddispersion in jeder Schicht betragen, was 10 bis 300 ecm einer einzigen angewendeten Schicht entspricht.
Der wie oben hergestellte Film ist für die Reproduktion sowohl nach dem Kontakt- als auch Reflexverfahren sehr gut geeignet. Im letzteren Falle hat der Film einen hellen Untergrund. Bei dem Reflexkopierverfahren werden die besten Resultate erhalten, wenn die Menge des desensibilisierenden Farbstoffes in der Unterschicht oder dem Aufstrich 10 bis 50 ecm einer o,ifl/oigen Lösung des desensibilisierenden Farbstoffes1 je Liter einer 2°/oigen wäßrigen Dispersion des wasserdurchlässigen Kolloids beträgt.
Der Film kann auch mit den üblichen Lichthof-Schutzschichten versehen sein,. Da dem Fachmann Farbstoffe für diesen Zweck bekannt sind, brauchen sie hier nicht erwähnt zu werden.
Die wie oben hergestellten Filme sind unter allen gebräuchlichen Bedingungen genügend beständig, und sie behalten die ihnen erteilte Desensibilisation eine verhältnismäßig lange Zeit. Die Ursache der Wirksamkeit dieser Filme und des Herstellungsverfahrens ist der verhältnismäßig hohen Konzentration des desensibilisierenden Farbstoffes am der Grenzfläche von Emulsion und der wasserdurchlässigen Trägerschicht zuzuschreiben, also an einer Stelle, an der das Licht die Emulsion zuerst trifft und seine höchste Intensität erreicht. Ein Überschuß an desensibilisierendem Farbstoff in Schichten unter der Oberfläche der Emulsion, wo er weniger benötigt wird, wird somit nicht vergeudet.
Die Halogensilbergel'atineemulsion;, die einen Teil des vorstehenden Films bildet, besteht aus der üblichen orthochromatischen Emulsion, die auf Bestrahlung mit Wellenlängen über 600 μ praktisch unempfindlich ist, d. h. sie spricht auf orange und rote Spektren nlicht an..
Als desensibilisierende Farbstoffe, die entweder in der wäßrigen: wasserdurchlässigen Dispersion gelöst oder suspensiert werden, können, können irgendwelche Farbstoffe benutzt werden, 'durch die die Empfindlichkeit der Hailogensilberemufeionen so verringert wird, daß sie in einem verhältnismäßig hellen Licht entwickalt werden können. Farbstoffe dieser Art sind in der photographischen! Literatur beschrieben (siehe z.B. Eders »Handbuch der Fotografie«, Bd. III, Teil 3, S. 122 bis 190).
- Ale derartige Farbstoffe können beispielsweise angeführt werden: Anthrachinon-2-carbonsäure, Anthrachinon - 2 - carbonyltaurid, Anthrachinon-2-sulfonsäure, Azine, Chrysoidin! (Colour Index Nr. 20), Chrysoidin R (Colour Index Nr. 21), Phenosafranin (Colour Index Nr. 840), Pinakryptolgrün (Schultz, 7. Auflage, Nr. 944), Pinykryptolgelb (Schultz, 7. Auflage, Nr. 929), Safranin (Colour Index Nr. 841), Tetramethylsafranin, Indulin-Schaf lach (Colour Index Nr. 827), Neutralrot (Schultz, 7. Auflage, Nr. 946), Auramin (Colour Index Nr. 655), Alizarin-Direktblau (Schultz, S.Auflage, Nr. 1192). Es können auch mehrkernige Chinonderivate, die eine löslichmachende Gruppe enthalten., wie das Natriumsalz der Anthrachinon-2-sulfonsäure oder das Natriumsalz der i-Nitro-anthrachiinoni-2-suilfonsäure (USA.-Patentschrift 1753 911) verwendet werden.
Die Tauride der Anthrachimonsulfonsäuren und Anthrachinoncarbonsäuren, wie Anthrachinoni-sulfomethyl-taurid, Anthrachinoni-2-sulfomethyltaurid, Anthrachinon-sulfo-taurid, Anthrachinon-2-chlor-3-sulfomethyl-taurid, Anthrachinone, 6-disulfomethyl - taurid, Anthrachinon - 2 - carbonylmethyl-taurid und Anthrachinon-2-chlor-3-carbonyl-methyl-taurid, wie aus der USA.-Patenttschrift 2 131 742 bekannt.
Das i-Oxy-4-methylaminabenizolsulfat und die Alkalimetallsalze von Anthrachinon-2-sulfosaxcosid, Anthrachinon-2-carboxylsarcosid sind in der USA.-Patenstschrift 2 132 169 beschrieben.
Die AlkaMmetalsalze der Anithrachinon-2-phenoxy-2', 4'-disulfonsäure, Anthrachinon-2-phenoxy-3, 4' - disulfonsäure, Anthrachinon - 2 - thioäthan- ω - s-ulf ο - 3 - sulf onat, Anthrachinon - 2 - thiophenol-3,4'-disulfonsäure, 2 - (4' - Carboxy - 2' - sulfophen-
oxy) - anthrachinon, 2 - (4' - Carboxy - phenoxy)-antnrachinon-3-sulfoDsäure sind in der USA.-Patentschrift 2 172 192 beschrieben.
Die desensibilisierenden Verbindungen können einzeln oder in geeigneten Mischungen verwendet werden. Die Art oder Konstitution der Verbindung ist unwesentlich; wenn sie den Herscheleffekt verbessert, kann sie bei der vorliegenden Erfindung Verwendung finden.
Die wasserdurchlässigen KoMoide, die bei der Herstellung der desensibilisierenden. Schicht verwendet werden können, sind: Gelatine; wasserlösliche Celluloseverbindungen, wie Oxyäthylcellulose; Polyvinylalkohol und gelatinierende Verbindungen, wie sie in der USA.-Patentschrift 2249537 beschrieben sind; Polyvinylacetaldehydl· acetalharze und teilweise hydrolysierte Acetatharze, wie sie in den ÜSA.-Patentschriften ι 939 422 und 2 036 092 beschrieben sind. Die PolyvinylacetajlSdehydacetalharze sind mit einem Polyvinylacetaldehydacetalgehalt von wenigstens SO10Iq und einem freien Hydroxylgehalt entsprechend wenigstens 15% Polyvinylalkohol, und die teilweise hydrolysierten Polyvinylacetatharze mit einem Polyvinylacetatgehalt von etwa 20 bis 50% und einem, Hydroxylgehalt, entsprechend etwa 50 bis 80% Polyvinylalkohol, werden bevorzugt.
Die gemäß der Erfindung benutzten, Schichtträger bestehen aus Cellulosederivaten, wie Cellulosenitrat, Celluloseacetat und anderen; niederen Fettsäureestern der Cellulose, einschließlich der einfachen und gemischten Ester, wie Cellulosepropionat, Cellulosebutyrat, Celluloseaeetat-propionat, Celluloseacetatbutyrat u. dgl., Celluloseäthern, wie Äthyläther, Beazyläther u. dgl., und schmelzbaren, wasserunlöslichen, synthetischen, linearen Superpolymeren, die zur Filmherstellung benutzt werden, wie es in den USA.-Patent-Schriften 2071252, 2071253 und 2130948 beschrieben ist.
An Stelle der vor stehenden Filmstoffe können auch Schichtträger aus Polyvinylharzen, wie aus Polyvinylchlorid, Polyvinylbromid, Polyvinylacetat, Mischpolymerisate aus Vinylchlorid und Vinylacetat und Mischpolymerisate aus Vinylchlorid und Vinylbromid sowie Mischungen aus derartigen Polymerisaten und Mischpolymerisaten benutzt werden.
Die Erfindung wird an Hand der nachstehenden Beispiele näher erläutert. Die Teile sind Gewichtsteile.
Beispiel 1
Es wurden 10 kg einer orthochromatischen Emulsion vom Ammoniaktyp ziemlich hoher Gradation und einer Sensibilität nicht über 590 m μ, die 90 g Gelatine und 40 g Halogeinsilber (in der Hauptsache Silberbromid und kleine Mengen Silberjodid) je kg flüssiger Emulsion enthielt, hergestellt und für die folgenden Versuche benutzt:
Zu ι kg der hergestellten Emulsion wurden 250 ecm einer o,ifl/oigen Lösung von Pinakryptol· grün als Desensibilisierungsfarbe gegeben. Die Emulsion wurde auf einen Film als Schichtträger aufgetragen, und getrocknet. Der Film wurde in einem S'ensitometer belichtet, entwickelt, fixiert und getrocknet. Eine andere Probe der gleichen Emulsion, die aber keinen desensibilisierenden Farbstoff enthielt, wurde aufgegossen, belichtet, in der gleichen. Weise behandelt und als Standardprodukt benutzt. Der sensitometrische Vergleich der beiden Proben ergab, daß die restliche Empfindlichkeit der desensibilisierten Emulsion etwa 500Zo derjenigen der nicht desensibilisierten Emulsion betrug.
Beispiel 2
Ein Schichtträger wurde mit der im Beispiel 1 beschriebenen orthochromatischen Emulsion über- 80 zogen. Nach dem Verfestigen und Kühlen wurde auf die Emulsion eine 2%ige Gelatinelösung aufgestrichen!, die zusätzlich zu den üblichen Zusatzstoffen, wie Saponine Glyzerin und KaMumchromalaun als Härtemittel noch 75 ecm einer o.iVoigew wäßrigen Lösung von Pinakryptolgelb je Liter der Gelatinelösung als Desensibilisierungsmittel enthielt.
Nach dem Kühlen und Trocknen* war das Material gebrauchsfertig. Durch sensitometrisehe Belichtung und Weiterbehandlung wurde iesbgestellt, daß die verbliebene Empfindlichkeit, verglichen mit dem Standardprodukt, nur noch 20% betrug. Die Brauchbarkeit für den Herscheleffekt war dementsprechend erhöht.
Beispiel 3
Es wurde eine Gelatinelösung der folgenden Zusammensetzung:
Gelatine 30 g
Wasser iooo ecm
Phenosafranin, o,2°/oige Lösung 20 ecm
Kaliumchromal'aun, io°/oige Lösung ... 5 ecm
Saponin, 5%>iige Lösung 20 ecm
hergestellt. Zu diesem Zweck wurde die Gelatine zunächst in kaltem Wasser geweicht und nach dem Quellen gelöst, indem der Behälter in heißes Wasser eingesetzt und das Volumen durch Zugabe von warmem Wasser auf iooo ecm aufgefüllt wurde. Dann wurden die übrigen Zusatzstoffe zugesetzt und die erhaltene Lösung so auf den Schichtträger aufgebracht, daß ein gleichmäßiger Überzug erhalten wurde, wie beispielsweise dadurch, daß der Schichtträger mit der oberfläche der geschmolzenen Lösung in Kontakt gebracht wird.
Der überzogene Schichtträger wurde dann abgekühlt und mit der im Beispiel 1 beschriebenen orthochromatischen Emulsion überzogen. Der hergestellte Film besaß im Vergleich zum Standardprodukt eine restliche Sensibilität von 20%.
Beispiel 4
Eine nach Beispiel 1 hergestellte photographische Emulsion wurde auf einen geeigneten Schicht- 12g träger aufgetragen und nach dem Verfestigen mit
einer Gelatinelösung der folgenden Zusammensetzung überzogen:
Gelatine 15 g
Wasser 1000 ecm
Pinakryptolgrün, ο, ι'%ige Lösung .... 60 ecm
Formaldehyd, o,2°/oige Lösung 20 ecm
Saponin, o,5°/oige Lösung 10 ecm
Der Überzug wurde getrocknet und mit einem weiteren Überzug der im Beispiel 1 beschriebenen orthochromatischen Emulsion versehen. Das Trocknen kann unterbleiben, vorausgesetzt, daß den desensibilisierenden Schichten genügend Zeit zum Verfestigen gelassen, wird, bevor sie mit der zusätzlichen Emulsionsschicht überzogen werden.
Das Endprodukt, in dem 'die desensibilisierende Schicht zwischen zwei Emulsionsüberzügen liegt, hatte eine restliche Sensibilität von 10%.
Beispiels
Ein desensibilisierter Film wurde, hergestellt, in dem zwei nach Beispiel 1 hergestellte Emulsionsschichten durch eine wie im vorhergehenden Beispiel beschriebene desensibilisierende Schicht getrennt wurden. Zwei gleiche Desensibilisierungsschichten dienten als Boden- und Deckschicht. Der erhaltene schichtartig aufgebaute Film zeigte einen starken Herscheleffekt, und seine restliche Empfindlichkeit betrug etwa 2°/o.
Beispiel 6
Ein aus der im Beispiel·! beschriebenen Emulsion hergestelltes orthochromatisches Filmstück in der Größe von etwa 20-25 cm wurde 2 Minuten bei 20° in 1 Feiner 0,001 %igen Lösung von Pinakryptolgrün gebadet. Nach dem Trocknen zeigte der Film im Vergleich mit einem behandelten Film einen 50°/oigen Verlust der Empfindlichkeit.
Aus der vorstehenden Beschreibung und den Ausführungsbeispielen geht hervor, daß nach der vorliegenden Erfindung ein vordesensibilisierter Film offenbart wird, durch den bis zu einem Drittel der mit 'der Anwendung des Hersolverfahrens verbundenen Arbeit und, da er ganz gleichmäßig ist, durch Verringerung der überflüssig gewordenen Wiederholungen viel Zeit erspart wird. Die Gleichmäßigkeit zwischen den einzelnen Filmen ermöglicht es, die Belichtungen genau einzustellen, so daß mit Sicherheit die gewünschten Resultate erzielt werden.
Die gemäß der vorliegenden Erfindung erhaltenen Ergebnisse sind im Licht des Standes der Technik vollkommen unerwartet. So liegt die durch Desensibilisieren erzielte mittlere restliche Empfindlichkeit, die an gebadeten Proben oder Proben, die die desensibilisierenden Farbstoffe in der Emulsion enthalten, gemessen wurde, zwischen 46 und 52% im Vergleich zu einer restlichen Weißlichtempfindlichkeit von 2 bis 20% bei einem erfindungsgemäß hergestellten Film.
An der Ausführung der Erfindung können natürlich zahlreiche Änderungen vorgenommen werden, ohne daß hierdurch der Rahmen der Erfindung verlassen wird. So kann z. B. die Schicht aus dem wasserdurchlässigen Kolloid und dem desensibilisierenden Farbstoff mehr nach der Mitte der lichtempfindlichen Emulsionsschicht gebracht werden, indem zunächst ein Film mit einer lichtempfindlichen Emulsionsschicht in der halben normalerweise erforderlichen Dicke aufgetragen, diese Emulsionsschicht mit der Schicht aus dem Kolloid und dem desensibilisierenden Farbstoff überzogen und dann ein zweiter Überzug einer lichtempfindlichen Emulsionsschicht in der gleichen Dicke des ersten Überzuges aufgetragen wird.

Claims (2)

PATENTANSPRÜCHE:
1. Photographischer Film, bestehend aus einem Schichtträger, einer lichtempfindlichen Halogensilberemulsion, welche gegen Licht einer Wellenlänge von über 600 ταμ unempfindlich ist und eine hohe Gradation besitzt, und einer sich unmittelbar damit in Kontakt befindlichen, wasseraufnahmefähigen Kolloidschicht, in welcher eine den Herscheleffekt erhöhende Verbindung gleichmäßig dispergiert ist, welche ursprünglich in einer Konzentration vorhanden ist, die 5 bis 500 mg je Liter einer 0,5- bis ioVoigen wäßrigen Dispersion des wasserdurchlässigen Kolloids entspricht.
2. Photographischer Film gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß er als den Herscheleffekt erhöhende Verbindung Pinakryptolgrün, Pinakryptolgelib, Phenosafranin oder Anthrachinon-2-sulfon- bzw. -carbonsäure enthält.
In Betracht gezogene Druckschriften:
Deutsche Patentschrift Nr. 730212; USA.-Patentschrift Nr. 2090607;
Zeitschrift für wissenschaftliche Photographic, 26 (1928/29), S. 249 bis 259;
»Die Photographische Industrie«, Jahrg. 1934, S. 565, 566.
©609715 12.56
DEG6595A 1950-04-18 1951-04-18 Photographischer Film mit erhoehter Empfindlichkeit gegen den Hersol-Effekt Expired DE954476C (de)

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GB (1) GB697190A (de)

Citations (2)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
US2090607A (en) * 1934-07-25 1937-08-17 Baldsiefen Walter Dewey Selective desensitizer
DE730212C (de) * 1941-04-05 1943-01-08 Ig Farbenindustrie Ag Verfahren zur desensibilisierenden und schleierfreien Entwicklung photographischer Halogensilberemulsionen

Patent Citations (2)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
US2090607A (en) * 1934-07-25 1937-08-17 Baldsiefen Walter Dewey Selective desensitizer
DE730212C (de) * 1941-04-05 1943-01-08 Ig Farbenindustrie Ag Verfahren zur desensibilisierenden und schleierfreien Entwicklung photographischer Halogensilberemulsionen

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FR1049294A (fr) 1953-12-29
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CH294714A (fr) 1953-11-30

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