DE89235C - - Google Patents
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Zweck vorliegender Erfindung ist, aus gezogenen und glatten Rohren mittelst einer
Pulverladung Geschosse mit hoch explosiven Sprengstoffen sicher und wirksam abzufeuern,
beispielsweise Granaten zum Durchschlagen von Panzerplatten und dergl.
Es sind zu diesem Zwecke Einrichtungen getroffen, um die hoch explosive Sprengladung
der Geschosse sicher unterzubringen, so dafs beim Transport oder Handhaben derselben
ebenfalls Unglücksfälle ausgeschlossen sind. Es ist bekannt, dafs die Verwendung von
hoch explosiven Sprengstoffen in Geschossen den Uebelstand hat, dafs sehr leicht eine vorzeitige
Explosion eintreten kann.
Die Ursachen der vorzeitigen Explosion, wenn solche Geschosse aus Geschützrohren
mittelst einer Pulverladung abgefeuert werden, sind folgende:
1. der Sfofs oder die Erschütterung, die beim Abfeuern der Pulverladung beim Vortreiben
des Geschosses auf dasselbe übertragen werden,
2. die plötzliche Drehung des Geschosses, sobald es in die Züge des Rohres eintritt, und
seine Drehung während des Fluges,
3. das seitliche Vibriren des Geschosses im Rohre und
4. im Falle der Verwendung von Geschossen zum Durchschlagen von Panzern der Stofs
oder die Erschütterung beim Geschofsaufschlag, wodurch das Geschofs explodirt, bevor es den
Panzer durchschlagen kann.
Es sind viele Vorschläge gemacht worden, die aus diesen Ursachen herrührenden vorzeitigen
Explosionen zu verhüten, ohne dafs indessen ein befriedigendes Ergebnifs erzielt
wurde.
Nach vorliegender Erfindung wird' der angestrebte Zweck in sehr einfacher und wirksamer
Weise erreicht.
Den ersten und vierten der oben bezeichneten Anlässe für vorzeitige Explosion, nämlich
den Stofs und die Erschütterung, kann man wie folgt vermeiden. Die Sprengstoffladung
wird in einer sehr dünnwandigen cylindrischen Büchse angebracht, welche von einer Anzahl
ebenfalls dünnwandiger, concentrischer und verschiebbarer Büchsen umschlossen ist. Diese
Büchsen können' teleskopartig auf einander gleiten. An beiden Enden einer jeden Büchse
sind Lufträume belassen. Der Stofs beim Abfeuern wird dann von vier Luftpolstern aufgenommen
und durch Reibung und Compression vollständig gebrochen, bevor er auf die Sprengladung sich überträgt, die ebenfalls
an beiden Enden Luftpolster hat. Die Sprengladung ist beim Abfeuern aus dem Rohre der
Möglichkeit eines Stofses so weit entrückt, dafs sie in Beziehung auf den Geschofskörper selbst
praktisch in ihrer Lage verbleibt. Die die Sprengladung umschliefsenden Büchsen allein
bewegen sich nach einander rück- und vorwärts und nehmen dadurch von dem Stofs so
viel auf, dafs das, was an Stofskraft noch übrig bleibt, aufhört, die Ursache einer Gefahr
zu sein. In ähnlicher Weise wirken beim Aufschlagen auf Panzerplatten die Büchsen bezw.
Polster im Geschofskörper nach der entgegengesetzten Richtung.
Die zweite Ursache vorzeitiger Explosion, nämlich die Drehung des Geschosses, wird
dadurch vermieden, dafs die Sprengladung an der Drehung verhindert wird. Zu diesem
Zwecke sind die teleskopartig verschiebbaren Büchsen in einer äufseren luftdichten Büchse
eingeschlossen, welche im Geschofskörper von axialen Endzapfen getragen wird, derart, dafs
die äufsere Büchse aufser Berührung mit dem Geschofskörper ist, ausgenommen durch ihre
Zapfen. Wenn daher Drehung des Geschosses eintritt, so wird auf die die Sprengladung enthaltende
Büchse nur eine unmerkliche Drehung übertragen. Ist es nöthig, eine auch nur unbedeutende
Drehung der Sprengladung zu vermeiden, so werden Spiralnuthen im Innern der Büchse und ebenso am Umfange der äufseren
Büchse derart angeordnet, dafs die Drehung des Geschosses nach der einen Richtung durch
die Wirkung der Luft eine sehr geringe Drehung nach der entgegengesetzten Richtung
auf die Sprengladung überträgt.
Um die dritte Ursache vorzeitiger Explosion, nämlich seitliches Vibriren des Geschosses beim
Heraustreiben aus dem Rohre zu vermeiden, wird ein Luft- oder Gummipolster zwischen
den Lagerstücken, in welchen die Zapfen sich drehen, und dem Geschofskörper selbst angebracht,
und durch diese Polster wird das seitliche Vibriren bis zu einem Grade herabgemindert,
dafs es weiter nicht in Betracht kommt; ferner wird dadurch ein nachgiebigeres Halten der Büchse erreicht, was zur Verminderung
der Zapfenreibung ebenfalls beiträgt. Auf die Zapfen wird ein Ring aus weichem Gummi aufgebracht, um jedes Vibriren aufzuheben,
welches durch Berührung der Zapfen mit den Seiten der Lagerstücke etwa eintreten
könnte.
Die erwähnten Büchsen werden so ausgeführt, dafs sie passend in einander liegen, und zwischen
die Büchsen wird eine passende Packung oder ein Schmiermittel, wie Fett oder Graphit,
gebracht, oder es können, um einen möglichst luttdichten Abschlufs zu erzielen, zwischen die
Büchsen auch mit Fett getränkte Packungen gelegt werden. Die Reibung, mit welcher die
Büchsen auf einander gleiten, braucht nur so grofs zu sein, dafs ein angemessen luftdichter
Abschlufs erreicht wird. Auf diese Weise wird erreicht, dafs die lebendige Kraft der
Sprengladung nur ganz allmälig verzehrt wird, sowohl wenn das Geschofs aus dem Rohre
abgefeuert wird, als auch wenn es aufschlägt, da die Bewegungen der eingeschlossenen
Büchsen nach der einen und anderen Richtung eine Compression der Luftpolster bezw. eine
Luftverdünnung im einen Ende entweder der äufsersten oder innersten Büchse zur Folge
haben.
Fig. ι zeigt einen mittleren Längsschnitt durch eine gewöhnliche geschmiedete Stahlgranate,
die mit dieser Einrichtung versehen ist.
Fig. 2 zeigt einen mittleren Längsschnitt durch eine ebenfalls mit der Einrichtung versehene
Granate für nichtgezogene Geschützrohre.
Der Geschofskörper A ist mit einem abnehmbaren Boden A' und an seinem Kopfe
mit einer Verschlufsschraube A^ versehen. In der
Büchse B aus Metall oder anderem passenden Material befindet sich die Sprengladung, beispielsweise
Sprenggelatine, und zwar zweckmäfsig gegen Zutritt von Luft geschützt. Diese
Büchse ist an beiden Enden geschlossen und von einer Anzahl.von Schutzbüchsen CDEF
umgeben, die mit Ausnahme der äufseren Büchse F am einen Ende geschlossen, am
anderen offen sind und mit ihren offenen Enden abwechselnd gegen das eine und andere
Ende des Geschofskörpers gerichtet liegen. Die äufsere Schutzbüchse F ist an beiden
Enden geschlossen und wird in dem Geschofskörper A mittelst Drehzapfen ff an ihren
Enden getragen, so dafs diese Büchse und der Geschofskörper sich mit Bezug auf einander
frei drehen können.
Die Büchse B für die Sprengladung ist in die Büchse C so eingepafst, dafs sie darin
längsweise verschiebbar ist, und die Büchsen D und E sind ähnlich wie die Büchsen iibezw. F
eingepafst, während passende Packungen zwischen die Büchsen, gelegt sind, um den Durchtritt
von Luft zwischen den Büchsen vom einen nach dem anderen Ende hin zu verhindern.
Ein Luftpolster α ist zwischen dem vorderen Ende der Büchse B und dem vorderen
Ende der Büchse C gelassen und ein Luftpolster b zwischen den hinteren Enden der
Büchsen B und C und dem hinteren Ende der Büchse D. In ähnlicher Weise sind Luftpolster
c zwischen den vorderen Enden der Büchsen C und D und dem vorderen Ende der
Büchse E und ein Luftpolster d zwischen den hinteren Enden der Büchsen D und E und
dem hinteren Ende der Büchse F gelassen. Ein Ende der Büchse F ist eingeschraubt oder
sonstwie wegnehmbar, so dafs die inneren Büchsen in diese Büchse eingeschoben werden
können.
Es ist ersichtlich, dafs auf diese Weise eine Anzahl auf einander folgender Luftpolster gebildet
ist, derart, dafs, wenn das Geschofs durch die Pulverladung mit Bezug auf die Büchse E vorwärtsgetrieben wird, die Luft in
dem Raum d- comprimirt und ein theilweises Vacuum zwischen dem vorderen Ende der
Büchse E und dem vorderen Ende der Büchse F gebildet wird. Die Compression der Luft im
Räume d veranlafst, dafs die Büchse D und ihr Inhalt in der Büchse E sich vorwärtsbewegen
und dadurch die Luft im Räume c comprimiren, und diese Compression veranlafst,
dafs die Büchse C und ihr Inhalt in. der
Büchse D sich rückwärts bewegen. Die Luft im ,Räume b wird durch diese Rückwärtsbewegung
comprimirt und veranlafst, dafs die Büchse D mit der Sprengladung in der Büchse C
sich vorwärtsbewegt und so die Luft in a comprimirt. Auf die Weise ist eine sehr wirksame
Polsterung für die Sprengladung geschaffen, durch welche verhindert wird, dafs
eine Explosion der Ladung durch Stofs oder Erschütterung entsteht, die durch das plötzliche
Vortreiben des Geschosses und das Beharrungsvermögen der eingeschlossenen Sprengladung
und ihrer Schutzhülsen erzeugt werden.
Es kann irgend ein passender Zündsatz zur Explosion der Sprengladung im richtigen Zeitpunkt
Anwendung finden.
Die Zeichnung zeigt als Zünder eine Revolverpatrone e, die in ein Rohr g eingeschoben
ist, das an die Büchse F geschraubt ist. Die Kugel dieser Patrone liegt der Sprengladung
in der Büchse B zugekehrt, und die Patrone wird durch eine innere Hülse g1 am
Platz gehalten. Der Drehzapfen fl trägt eine Verlängerung f'2, die den Schlagstift bildet,
und er wird mittelst einer Mutter h aus Blei oder anderem passenden Material in Stellung
gehalten.
Beim Geschofsaufschlag fliegt die Büchse F und ihr Inhalt mit Bezug auf den Geschofskörper
durch ihr Beharrungsvermögen weiter vor, streift das Gewinde der Mutter h ab und
veranlafst., dafs der Zündsatz der Patrone c gegen den Schlagstift f2 trifft, so dafs die
Kugel der Patrone in die Sprengladung des Geschosses eindringt und dieselbe zur Explosion
führt.
Um das Vibriren des Geschosses zu vermindern, sind die Drehzapfen ff1 in Lagerstücken
jj1 gelagert, die von Polstern j'2ß aus
weichem Gummi umgeben sind. Ebenso ist ein Ring aus weichem Gummi um jeden der beiden Drehzapfen so gelegt, dafs zwischen
ihnen und den Seiten der Lagerstücke ein Polster gebildet wird , falls eine seitliche Verrückung
der Zapfen eintreten sollte.
Um in wirksamerer Weise eine Drehung der Büchse F und ihres Inhalts zusammen mit
dem Geschofskörper. zu verhindern, können spiralige Rippen, Nuthen und dergl. an der
Innenseite der Wand des Geschofskörpers und aufsen am Umfange der Büchse F derart angeordnet
werden, dafs die Drehung des Geschosses um seine Längsachse in der einen Richtung bestrebt ist, durch die Wirkung der
Luft zwischen jener Büchse und dem Geschofskörper die Drehung der Büchse F zu verhindern
bezw. eine langsame Drehung in der entgegengesetzten Richtung zu veranlassen.
Um die verschiebbaren Büchsen mit Bezug auf die umschliefsende Büchse F in passender
Stellung zu halten, bis das Geschofs aus dem Rohre abgefeuert wird, befestigt man an der
Innenwand der Büchse F mittelst Leim, Schellack oder dergl. Gummistücke, welche
die Büchsen D und E in Stellung halten, aber abbrechen und eine glatte Oberfläche
hinterlassen, wenn die Büchse F mit dem Geschofskörper beim Abfeuern mit Bezug auf
die eingeschlossenen Büchsen vorwärtsgetrieben wird. Die inneren Büchsen werden in ihren
passenden Stellungen durch Reibung und Elasticität der Luft gehalten, bis, wie oben beschrieben
wurde, die Luftpolster zusammengedrückt sind.
Die Einrichtung ist sowohl für Granaten als Torpedos brauchbar.
Bei Hohlgeschossen zum Durchschlagen von Panzerplatten wird das Geschofs mit einem
passenden Zeit- und Percussionszünder derart versehen, dafs der Zünder beim Geschofsaufschlag
in Wirkung tritt, aber die Explosion des Geschosses erst nach Ablauf einer vorbestimmten
Zeit veranlafst, so dafs dem Geschofs Zeit zum Eindringen in die Panzerplatte oder zum Durchschlagen derselben gelassen
ist, bevor es explodirt. Man kann zu diesem Zwecke einen Zünder, wie den in der Zeichnung dargestellten, benutzen, indem man
nur einen Theil seiner Zündladung aus langsambrennendem statt aus schnellbrennendem Pulver
ausführt.
Wenn man ein Explosionsgeschofs mit dieser Einrichtung für ein glattes Geschützrohr herstellt,
so empfiehlt es sich, dasselbe im Vergleich zu seinem Durchmesser sehr lang zu wählen, wie in Fig. 2. Da hier eine Drehung
des Geschofskörpers nicht eintritt, so fällt die äufsere, mit Zapfenlagerung versehene Büchse
weg, und es wird die äufsere längsverschiebbare Büchse E in einer passenden Bohrung
des Geschofskörpers A angeordnet.
Der Geschofskörper wird ferner nahe an seinem hinteren Ende mit einer Anzahl von
unter Federdruck stehenden kleinen Flügeln k versehen, die in Nuthen im Geschofskörper
um Bolzen k1 drehbar sind, so dafs die Flügel beim Einbringen des Geschosses in das Rohr
zurücktreten und durch Federdruck herausgedrückt werden, wenn das Geschofs das Rohr
verläfst. Durch solche Flügel wird dem Geschofs eine gewisse Stetigkeit und Genauigkeit beim
Fluge ertheilt. Bei dem dargestellten Geschofs besteht die Zündvorrichtung aus einer kleinen
Patrone "e, die in einer Bohrung des Verschlufsbodens A1 des Geschofskörpers liegt und beim
Aufschlagen des Geschosses durch den Zündtift I1 eines Kolbens / getroffen wird, während
letzterer unter gewöhnlichen Umständen durch einen Stift m in Stellung gehalten wird,
der beim Geschofsaufschlag zufolge des Beharrungsvermögens des Kolbens / abbricht.
Claims (1)
- Pa tent-Ansprüche:Ein Sprenggeschofs mit durch Luftpuffer gestütztem Sprengstoffbehälter, gekennzeichnet durch die Sprengstoffbehälter (B) umgebende Schutzbüchsen (C D E), welche so in einander geschachtelt sind, dafs stets zwei auf einander folgende Büchsen ihre Oeffnungen einander zukehren, und so an einander und im Geschofskörper gleiten, dafs Luftpolster (abcd) zwischen den einzelnen Büchsen gebildet werden.
Eine Ausführungsform des unter i. gekennzeichneten Sprenggeschosses, bei welcher die äufserste Schutzbüchse (F), anstatt in dem Geschofskörper (A) zu gleiten, in demselben mittelst Zapfen (ff1) drehbar gelagert ist.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
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| DE89235C true DE89235C (de) |
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Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| US3026806A (en) * | 1957-03-22 | 1962-03-27 | Russell Mfg Co | Ballistic missile nose cone |
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- DE DENDAT89235D patent/DE89235C/de active Active
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| US3026806A (en) * | 1957-03-22 | 1962-03-27 | Russell Mfg Co | Ballistic missile nose cone |
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