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Biegsame Klebstoff olie zum Aufkleben auf Flächengebilde aus Kunststoff,
insbesondere zum Verstärken oder Verbinden solcher Flächengebilde Die 1?rhiidung
bezieht sich auf biegsame Klebstoffolien zum Aufkleben auf Flächengebilde aus Kunststoff,
insbesondere zum Verstärken oder Verbinden solcher Flächengebilde.
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Infolge ihres gefälligen Aussehens und. ihrer Dauerhaftigkeit haben
Flächengebilde aus Kunststoff, insbesondere V invlliarz, verbreitete Verwendung
gefunden, beispielsweise als Deckschichten, Wandbekleidungen, IZegenmantelstoffe
und auch als Möbelbezüge an Stelle von Leder. Jedoch haben solche Gebilde den Nachteil,
daß sie leicht reißen können. Selbst ein kleiner Riß verlängert sich schon bei der
geringsten Spannung schnell. Dies erschwert <las \"erarbeiten, insbesondere auch
das Verbinden solcher Flächengebilde miteinander oder finit Werkstücken nach dem
üblichen Befestigungsverfahren (Täckse, Vernähen od. dgl.) ; denn die durch die
Nahtstiche oder Täckse verursachten Löcher bilden die Ausgangsstellen für Risse.
Man hat schon zum Beheben dieses Nachteiles die Flächengebilde mit einer Stofflage
bekleidet, jedoch wurde das Erzeugnis hierdurch erheblich verteuert und seine Elastizität
verringert.
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Es sind auch schon Klebstoffe als Verbindungsmittel für Flächengebilde
aus Kunststoff verwendet worden. Diese Klebstoffe haben sich als zufriedenstellend
erwiesen. -,nenn die Klebverbindungen nicht gleich irgendeiner Spannung ausgesetzt
oder die zu
verbindenden Teile bis zum Abbinden des Klebstoffes
durch Klemmen unter Druck gehalten wurden, was jedoch nicht immer praktisch ausführbar
ist. Beispielsweise läßt sich beim Beziehen von Möbeln der Kunststoffbezug nicht
entlang den Kanten eines Kissens durch Klemmen festlegen. Da die Flächengebilde
aus Kunststoff nicht porös sind, nimmt es eine beträchtliche Zeitspanne in Anspruch,
bis genügend Lösungsmittel zwischen den Verbindungsflächen entweichen kann, um das
Abbinden des Klebstoffes zu gestatten, was natürlich sehr nachheilig ist. Ferner
läßt sich der Klebstoffaufstrich nicht genau regeln, und infolgedessen gelangt oft
Klebstoff auf Werlkstückteile, die nicht bestrichen werden sollen.
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Die Erfindung bezweckt demgegenüber die Schaffung von biegsamen Klebstoffolien,
die sich leicht auf Flächengebilde aus Kunststoff aufbringen lassen, z. B. in Form
von Streifen, sofort stark an diesen anhaften und eine starke, biegsame Klebverbindung
bilden.
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Zur Vermeidung der bisherigen Nachteile besteht gemäß der Erfindung
die Klebstoffolie aus einer Stofflage und einer innig mit ihr verbundenen o,i bis
0,4 mm dicken Klebstoff lage aus ioo Gewichtsteilen eines 25 bis 45% Akrylnitril
enthaltenden Butadienakrylnitrilmischpolymerisats und 25 bis 6o Gewichtsteilen eines
den Klebstoff zähplastisch gestaltenden Mittels, wie chloriertem Kautschuk, einem
85 bis 93% Vinylchlorid enthaltenden Vinylchloridvinylacetatmischpolymerisat oder
einer Mischung der beiden letzteren.
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Die gewehte oder ungewebte Stofflage kann aus Baumwollzeug, Filz oder
Papier bestehen. Wichtig ist, daß die Klebstofflage eine Dicke von o,1 bis 0,4 mm
hat. Ferner muß sie zum Erhalten der erwünschten Klebkraft sowohl weich wie nähplastisch
sein. Klebstofflagen aus Butadienakrylnitrilpolymerisaten mit einem Akrylnitrilgehalt
von zwischen 25 und 45 % haben die erwünschte Weichheit, und der Klebstoff bildet
unter Zug oder Spannung Fäden, die jedoch bei fortgesetzter Spannung sich immer
mehr Strecken und schließlich brechen. Durch Hinzufügung von 25 bis 6o Gewichtsteilen
eines polymeren, Zähigkeit verleihenden Mittels, wie chlorierter Kautschuk mit einem
Chlorgehalt von etwa 671/o, ein 85 bis 93% Vinylchlorid enthaltendes Vinylchloridvinylacetatmischpolymerisat
oder eine Mischung dieser auf Zoo Gewichtsteile des Butadienakrylnitrilmischpolym-erisats,
wird der Klebstoff so nähplastisch, daß sich bei der Ausübung von Spannung dicke
Fäden bilden, die sich unter fortgesetzter Spannung nicht immer weiter dehnen, sondern
die zu verbindendenTeile zusammenhalten.
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Die Klebstoffolie gemäß der Erfindung kann in der Weise hergestellt
werden, daß eine 0,3 bis 0,4 mm dicke Klebstoffschicht in der Form einer
Lösung mit einem Gehalt von 20 bis 35% an festen Stoffen, die aus ioo Gewichtsteilen
eines 25 bis 45% Akrylnitril enthaltenden Butadienakrylnitrilmischpolymerisats und
25 bis 6o Gewichtsteilen eines den Klebstoff nähplastisch gestaltenden Mittels,
wie chloriertem Kautschuk mit einem Chlorgehalt von etwa 670/0, einem 85 bis 93%
Vinylchlorid enthaltenden Vinylchloridvinylacetatmischpolymerisat oder einer Mischung
der letzteren in einem flüchtigen, organischen Lösungsmittel besteht.
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Der Klebstoff kann auf irgendeine beliebige Weise mit der Stofflage
verbunden werden, beispielsweise durch Aufstreichen, Kalandern oder Auftragen mittels
eines Messers. Um dabei Blasenbildung zu vermeiden und doch eine Klebstofflage der
gewünschten Dicke zu erhalten, wird der Klebstoff als flüchtige organische Lösung
in mehreren Schichtelf aufgetragen und nach dem Auftragen jeder Schicht trocknen
gelassen. Zum Beispiel können drei Schichten aufgetragen werden. Jede Schicht ist
beim Auftragen etwa 0,3 bis 0,4 mm dick und wird nach dein Auftragen trocknen
gelassen, wobei Blasenbildung beim Trocknen vermieden werden muß, so daß ein glatt
verlaufender Film erhalten wird.
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Die Stofflage kann nur auf einer Seite oder auf beiden Seiten mit
einer Klebstofflage versehen werden.
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Zum Verstärken oder Verbinden von Flächengebilden aus Kunststoff,
beispielsweise aus Polyvinylchlorid und Vinylidenchloridpolymeren oder Mischpolymerisaten
von Vinylchlorid und Vinylacetat oder Vinylidenchlorid, wird der Klebstoff der Klebstoffolie
durch ein Lösungsmittel aktiviert und die Folie gegen das Flächengebilde angepreßt,
wobei sie sofort an dem betreffenden Flächengebilde haftenbleibt. Der Klehstoffbetrag
der Kleb Stoffschicht ist genügend. groß, so daß der Klebstoff durch das Lösungsmittel
nicht flüssig gemacht wird. Versucht man, die Klebstoffolie nach ihrem Aufbringen
auf das Kunststoffflächengebilde von dieser abzuziehen, so bildet der Klebstoff
dicke Fäden. Hierdurch wird die zum Abziehen ausgeübte Spannung über eine ziemliche
Fläche der Flächengebildes verteilt. Infolge der Dicke der Klebstofflage werden
die Klebstoffäden nicht übermäßig gestreckt und halten die Klebstoffolie mit dem
Kunststoffflächengebilde fest verbunden.
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Zum Aktivieren des Klebstoff es kann das Lösungsmittel auf die Klebstofflage
aufgestrichen werden, oder die Klebstofflage kann über eine das Lösungsmittel enthaltende
Filzschicht gezogen oder auch in das Lösungsmittel eingetaucht werden. Die aktivierte
Klebstofflage wird dann fest gegen die Oberfläche des Kunststoffflächengebildes
gedrückt. Gegebenenfalls können zwei solcher Flächengebilde zum Herstellen eines
fortlaufenden Stückes miteinander verbunden werden. Zu diesem Zweck werden sie nebeneinandergelegt,
und es wird eine streifenförmige Klebstoffolie gegen die Oberflächen der beiden
Flächengebilde längs den nebeneinanderliegenden Kanten gepreßt. Geeignete Lösungsmittel
für den Klebstoff sind u. a. Methyläthylketon, Methylisobutylketon, Cyclohexanon
und Aceton. Beispielsweise besteht das Lösungsmittel aus 2o Volumteilen Cyclohexanon
und 8o Volumteilen Methyläthylketon. Die aktivierte Klebstoffolie wird während der
ersten 4o Sekunden nach dem Auftragen des Lösungsmittels, vorzugsweise 20 Sekunden
nach
dein .\tiftragen, gegen die Fläche des Kunststoffflächengel)ildes gepreßt. Durch
Erhöhen des Cyclohexanonanteiles auf 5o% kann eine A'ktiviertligs(latier von 5 Minuten
erhalten werden. Wie schon erwähnt, haftet die Klebstoffolie sofort stark an denn
Flächengebilde an, und die Klebverbindung verstärkt sich während der nächsten Stunden.
Nach 24 Stilldon ist eine Zugkraft von über 6 kg zum Abziehen der Teile voneinander
erforderlich.
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Die erfindungsgemäßen Klebstoffolien können weit verlireitete\'ertvendung
finden. Sollen Flächengebilde aus Kunststoff z. B. als Möbelbezüge verwendet werden,
so können die Randteile der Gebilde durch Streifen aus Klebstoffolien verstärkt
und diese verst:irkteli Randteile <Lurch Stiche, Nägel, Täckse oder Klebstoff
dann mit dem zu bekleidenden Möbelstück verbunden werden. Die Klebstoffolien kiiniic-n
auch zu Scheiben -zerschnitten werden und auf Kunststofffl:ichengebilden als ringförmige
Verst:irkungen voi l,öclierri dienen, durch die z. B. Quasten gesteckt \\-erden.
IrgendwelcheAusschnitte in den I@ l:irhengel>ilden können durch entsprechend zugeschnittene
"Feile von Klebstoffolien verstärkt werden. Einschnitte in den so verstärkten Gebildeteilen
Ballen einen Reißwiderstand bis zu 18,5 kg im Vergleich zu einem Reißwiderstand
von nur etwa 3 kg in nicht verstärkten Gebilden. Ist die Klebstottolie auf beiden
Seiten mit .einer Klebstoffso l:(*intien "Feile desselben Gebildes oder auch ühereinanderliegeildeGebilde
miteinander vei-1>tilicleii werden. 1>1e so gebildete Verbindung ist auch wasserdicht.
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1>1e folgenden Beispiele erl:iuterli das Verfahren zum herstellen
der Klebstoffolien sowie das Verfahren zum \'erst:irken \#n Fl:ichengeb lden
aus
Ktlliststo@t mittels tlci- Folien. Beispiel 1 looTeilc c1 nes@utad@cnakrv@n@trilin@schpo@yinerisats,
<las 33"/() _11;rvhiitril entil:ilt, und 4o Teile eitles 8@ bis Q8°/0 \-invlclilorid
enthaltenden Vinylc111ori@Ivinylaretatinisch11o1vmerisats wurden in einer Löstingsmittc#lniischung
aus 70 Volutnteilen Toluol tilld 30 \`c>ltlinteilen @letlivlisolititylketon
aufgelöst. 1)1e Lösung wurde auf einen Festgehalt von 26°/o eingestellt. \uf eine
Baumwollschicht oder Lage wurde itin durch ein Messer eine o,4 min dicke Lage der
Klebstofflö sutig aufgetragen und dann in einem Ofen 6 Minuten lang 1>e1 ":irrer
Temperatur von 71 1)1 *,; 77#getrocknet. Z weiweitere Lagen der Lösung wurden
auf dieselbe Weise aufgetragen und jede ebenso getrocknet. Die Dicke des so auf
der 13atiimvollscliiclit gebildeten Klebstoffilms betrug ungefähr o.2 mni und war,
obgleich trocken, ziemlich «eich, so daß die Folie äußerst biegsam war. Die Folie
\\-tircle dann in 2,54c111 ]>reite Streifen zerschnitten. 1?iti Lösungsmittel aus
20 Volumteilen Cyclohexanon tind 8o Volunlteilen. Methyl-:ithvlketon wurde dann
auf einen Streifen aufgestrichen. Nach 2o Sekunden wurde dieser aktivierte Streifen
gegen einen entsprechend breiten Streifen eines Flächengeb kies, (las aus einem
plastiziertenVinvlchlori<lvinvlacetatmischpolymerisat mit ungefähr 95 °/o Vinylchlorid
bestand., gepreßt und durch ein geeignetes Werkzeug, beispielsweise eine Handwalze,
fest gegen das Gebilde aasgearbeitet. Nach 24 Stunden bedurfte es einer Zugkraft
von 7 kg, uni die Teile auseinanderzuziehen, und oder Klebstoff bildete dabei dicke,
lange Fäden.
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Beispiel 1I Es wurde eine Lösung zubereitet aus ioo Teilen eines 26°/o
Akrylnitril enthaltenden ButadienakrylnitrilmischpolymeriSats, 25 Teilen eines mineralischen
Füllmittels, ro Teilen eines feinverteilten Siliciumdioxydgels, 5o Teilen eines
chlorierten Kautschuks mit einem Chlorgehalt vtan 67% und einer Viskosität von
125 Centipoisen und ioTeilen eines 88,5 bis go,5% Vinylchlorid enthaltenden
Vinylchloridvinylacetatmischpolymerisats in einem Lösungsmittel aus 75 Volumteilen
eines Mineralöllösungsmittels und 25 Volumteilen Cyclohexanon. Die Lösung wurde
auf einen Festgehalt von 250/0
eingestellt. Wie im Beispiel I beschrieben,
wurde eine Klebstoffolie mit einem ungefähr o,2 mm dicken Klebstoffilm gebildet
und in 2,54 cm breite Streifen zerschnitten. Nach Aktivierung des Klebstoffes auf
einem Streifen durch ein Lösungsmittel wurde dieser nach dem Verfahren des Beispiels
1 gegen einen gleich ]>reiten Vin.ylchloridviiiylidenchloridstreifen gepreßt. Nach
24 Stunden war eitre 7u,-kraft von 7 kg erforderlich, um die Teile auseinanderzuzieben.
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Beispiel 111
1?ilie Klehstoffolie wurde nach (lern Verfahren
des Beispiels 1 hergestellt und ein 5 cm langes und breites Viereck aus ihr ausgeschnitten.
Ein Lösungsmittel aus 20 Volut1iteilen Cyclohexanon und 8o Voluniteilen Metliyläthylketon
wurde auf die Klebstofffläche aufgetragen und das Viereck darin an der Ecke eines
Kunststoffflächengebildes gegen dieses gepreßt und aufgewalzt. Nach 24 Stunden wurde
ein rechteckiger Ausschnitt an der verstärkten Ecke gemacht, und .es war eine Kraft
von 18,5 kg erforderlich, um das Gebilde an dem Scheitel des von dein Ausschnitt
gebildeten Winkels einzureißen.