DE83059A - - Google Patents
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 30: Gesundheitspflege.
(Schweiz).
Patentirt im Deutschen Reiche vom l. Juni 1894 ab.
Zur Sterilisation von Gebrauchsgegenständen sind - bereits eine Reihe von Mitteln bekannt
geworden.
Bei den gewöhnlichen Verfahren zur Desinfection, welche man bisher sowohl bei den
Behörden, als auch bei den Eisenbahnverwaltungen angewendet hat, oder wie sie von
einzelnen Aerzten ausgeführt worden sind, hat man sich auf folgende drei Methoden beschränkt:
1. die Anwendung von Wasserdampf;
2. die Anwendung von toxischen Lösungen, theilweise von Quecksilbersublimat;
3. Imprägniren mittelst desinficirender Gase,
beispielsweise Chlor, schwefliger Säure, Salpetersäure und dergl.
Diese drei Methoden sind jedoch ungenügend, da eine grofse Menge von Substanzen und
Gegenständen sich denselben entziehen.
Getreide, Cerealien jeder Art, kostbare Stoffe und dergl. können mittelst der genannten Verfahren
nicht behandelt werden, ohne stark beschädigt zu werden.
Zur Conservirung von Nahrungsmitteln sind ferner Vorschläge dahin gemacht worden, die
Desinfection unter Anwendung eines Vacuums und einer geeigneten toxischen Substanz vorzunehmen,
So betrifft beispielsweise die englische Patentschrift Nr. 1859/60 von
Trevithik und Jones die Behandlung von Fleisch im luftleeren Räume mit antiseptischen
Gasen, besonders schwefliger Säure, und die englische Patentschrift Nr. 2919/65 von Fox
die Behandlung von Fleisch mit Salpetersäure
oder Untersalpetersäure in Kammern oder Büchsen, wobei der in den Büchsen entstehende
luftverdünnte Raum mit schwefliger Säure oder anderen antiseptischen Gasen ausgefüllt
wird.
Ferner wird in der deutschen Patentschrift Nr. 32476, welche sich auf ein Verfahren zur
Aufbewahrung von Nahrungsmitteln unter Druck und gleichzeitiger Anwendung von conservirenden
Substanzen bezieht, erwähnt, dafs es für manche Fälle zweckmäfsig ist, dem Transportgefäfs alle Luft zu entziehen, bevor
überhaupt Imprägnirungsflüssigkeit in das Gefäfs eingebracht wird.
In dem Buch von Heinzerling »Conservirung von Nahrungsmitteln« wird unter
anderem erwähnt, dafs zum Zw.eck der Conservirung von Getreide das Evacuiren der
Getreidebehälter vorgeschlagen sei.
Die vorerwähnten Desinfectionsverfahren sind jedoch theilweise nur für ganz bestimmte
Gegenstände verwendbar und anderentheils in ökonomischer Beziehung unvortheilhaft und
eignen sich daher nicht zur Ausführung im Grofsen, wie dies beispielsweise bei Grenzübergängen
oder bei der Absperrung und Vernichtung von Infectionsherden in Städten erforderlich
ist.
Ein Desinfectionsverfahren, welches von der Gröfse und Beschaffenheit der zu desinficirenden
Gegenstände vollkommen unabhängig ist und gleichzeitig die der Desinfection unterworfenen
Substanzen in keiner Weise verändert, fehlte bisher gänzlich.
rl p TO Wf* *
Das Desinfectionsverfahren, welches den Gegenstand vorliegender Erfindung bildet, beseitigt
alle diese Uebelstände.
Bei seiner Anwendung verfährt man auf folgende Weise:
1. Man bringt die Gegenstände, welche desinficirt
werden sollen, in ein gegen den äufseren Luftdruck vollkommen widerstandsfähiges Gefäfs
mit hermetischem Verschlufs.
2. Man erzeugt in diesem Gefäfs ein Vacuum mittelst einer Luftpumpe, eines Exhaustors oder
dergleichen.
3. Man bringt in dieses Gefäfs nach der Erzeugung des Vacuums Dämpfe von toxischen
Körpern, beispielsweise schweflige Säure, oder ein Gemisch von schwefliger Säure mit Kohlensäure
, oder Carbolsäuredämpfen, oder mit Chlor oder Dämpfen irgend eines anderen
üblichen Antisepticums.
4. Man läfst diese Dämpfe eine gewisse Zeit lang auf die zu desinfkirenden Gegenstände
einwirken.
5. Man saugt die Dämpfe aus dem Gefäfse ab und leitet sie nach einem Gasometer.
6. Man läfst in das Gefäfs wieder Luft eintreten.
7. Man nimmt die Gegenstände aus dem Gefäfse wieder heraus, welche nunmehr vollständig
desinfkirt sind.
Die Methode ist allgemein und für alle möglichen Gegenstände anwendbar, selbst für
diejenigen, welche der Desinfection gegenüber am empfindlichsten sind, wie Cerealien, Wollen-
und Seidenstoffe.
Zur Ausführung dieses Verfahrens sind folgende drei Apparate nothwendig, welche durch
die beiliegende Zeichnung veranschaulicht werden.
A ist eine Kammer oder ein Gefäfs aus vernietetem oder geschweifstem Eisenblech von
passender Gröfse, um Matratzen, Wäsche, Stoffballen, Getreidesäcke, Weifszeug für
Krankenhäuser u. s. w., nöthigenfalls sogar einen ganzen Waggon aufnehmen zu können.
Die besagte Kammer hat am besten cylindrische Form und ist mit einem oder zwei
beweglichen Deckeln versehen, an welchen eine gegen den äufseren Luftdruck widerstandsfähige
und hermetisch verschliefsbare Thür a angebracht ist.
Diese Kammer wird beispielsweise durch ein massives Mauerwerk oder durch Träger
gestützt, oder kann einfach in einem Rahmen von Eisenbahnschienen gelagert werden, welche
gleichzeitig zur Herbeiführung des Waggons oder anderer Gegenstände dienen können. Die
beweglichen Deckel können mittelst Scharniere gedreht oder an Ketten oder sonst in beliebiger
Weise aufgehängt werden.
C stellt schematisch eine Luftpumpe von beliebigem System dar, vermittelst welcher ein
ziemlich vollkommenes Vacuum erzielt wird; je rascher und vollkommener diese Pumpe
functionirt, um so besser gelingt die Desinfection.
D stellt einen Gasometer dar von beliebiger Form und beliebigem Material, dessen Inhalt
im wesentlichen gleich demjenigen des Gefäfses A ist.
Die Anwendung eines Oelgasometers, wie ein solcher in der beüiegenden Zeichnung dargestellt
ist, ist am empfehlenswerthesten.
Die Glocke E taucht in ein Oelbad, welches zwischen zwei concentrischen Cylindern e e'
eingeschlossen ist, welche durch eine Oelschicht von geringer Dicke von einander getrennt
werden. Der innere punktirt gezeichnete Cylinder wird oben durch eine hermetische
Platte verschlossen, welche durch eine Röhre F gestützt wird, durch welche die Gase ein-
und ausströmen können. Im übrigen kann der, Gasometer eine beliebige, seiner Gröfse
entsprechende Form haben; zu dem Oelbade kann sowohl ein anorganisches, als ein organisches
OeI benutzt werden, dasselbe mufs jedoch möglichst widerstandfähig gegen die
Wirkung von Säuren sein.
F' ist eine Röhre, welche die Kammer A mit der Pumpe C verbindet, G ist eine mit
der Pumpe in Verbindung stehende Luftröhre, H ist eine Röhre, welche die Röhren F und
F' mit einander verbindet, hf und f, g g'
sind beliebig an dem Röhrensystem angeordnete Ventile, I ist das Treibrad der Pumpe,
K ist ein massives Untergestell für die Pumpe, L ein Gegengewicht für die Glocke des Gasometers,
M ein Schwungrad. ·'
Der Apparat functionirt in folgender Weise:
Man bringt die zu desinficirenden Gegenstände in die Kammer A, welche man alsdann
verschliefst, öffnet die Ventile g und g' und schliefst die anderen Ventile h, f und f.
Man setzt die Pumpe in Thätigkeit, bis in dem Gefäfs A nur noch möglichst wenig
Druck ist; nach dem Abstellen der Pumpe schliefst man g und öffnet f Und h\ Die
Gase gehen aus dem Gasometer durch F,\h, H, f, F', g' nach A, wo sie rasch den gewöhnlichen
Atmosphärendruck wieder herstellen.
Nach einer, zwei oder mehreren Stunden, je nach dem gegebenen Falle, setzt man die
Pumpe C wieder in Thä'tigkeit, nächdenji man
das Ventil f geöffnet und f und h geschlossen
hat; das bereits geschlossene Ventil g bleibt geschlossen, das Ventil g1 bleibt geöffnet. Die
Gase werden durch die Pumpe aus der Kammer A abgesaugt und in den Gasometer D
zurückgedrückt.
Sobald das Vacuum die frühere Höhe erreicht hat, stellt man die Pumpe ab und läfst
atmosphärische Luft durch eine beliebige Vorrichtung in das Gefäfs A eintreten, nachdem
Claims (1)
- man das Ventil g' geschlossen hat. Darauf öffnet man das Gefäfs, und die Gegenstände sind nun vollkommen aseptisch und desinficirt.Das in dem Gasometer enthaltene Gas kann nach dem Verschliefsen sämmtlicher Ventile für eine neue Operation aufbewahrt werden.Das erste Evacuiren hat zur Folge, dafs das zur Tödtung der Krankheitskeime verwendete Gas rein mit den Körpern in Berührung gebracht wird, die sterilisirt werden sollen, und nicht mit Luft verdünnt.Hierdurch werden zwei neue Wirkungen erzielt.Der Erfinder hat nämlich durch Versuche festgestellt, dafs die Einwirkung der giftigen Gase ganz aufserordentlich viel schneller vor sich geht, wenn sie rein mit den zu desinficirenden Körpern in Berührung gebracht werden, als wenn sie mit Luft vermischt zur Anwendung kommen. Diese Erscheinung mag ihre Erklärung in dem Umstände finden, dafs poröse Körper, wie Holz, Leder, Kleiderstoffe, unter gewöhnlichem Luftdruck bis in das Innere ihrer Poren hinein mit Luft erfüllt sind, welche in den Poren infolge der MoIecularattraction festgehalten wird. Die in den Poren befindliche Luft erschwert jedoch den Zutritt der Desinfectionsgase aufserordentlich, die im Innern der Körper befindlichen Krankheitskeime werden mithin von den Desinfectionsgasen' nur sehr langsam oder gar nicht getödtet werden.Diese Schwierigkeit wird beseitigt, wenn die Körper vor dem Zutritte der Desinfectionsgase der Luftleere ausgesetzt werden. Die in den Poren befindliche Luft wird abgesaugt und die Poren der Körper für die Aufnahme der Desinfectionsgase geeignet gemacht.Hierzu kommt, dafs diejenigen Keime, welche Luft oder Wasser enthalten, durch die Einwirkung des Vacuums gesprengt und dadurch vielleicht schon zum Theil ihrer Lebensfähigkeit beraubt werden. Die Folge ist, dafs die wirksamen Gase ' durch die vorbereitende Wirkung der Luftleere nicht allein viel schneller zu der Oberfläche der Keime selbst, sondern auch sofort in voller Concentration Zutritt erhalten.Die zweite Wirkung, welche durch die vorherige Entlüftung erzielt wird, besteht in der Möglichkeit, die giftigen Gase wieder zu verwenden.Bei den bisherigen Desinfectionsverfahren ohne Entlüftung werden die Desinfectionsgase durch Zutritt der Luft derart verdünnt, dafs sie nur einmal oder doch höchstens zweimal hinter einander zur Desinfection benutzt werden konnten, da dieselben infolge der bei Wiederholung des Processes sich stets verstärkenden Verdünnung der Luft unwirksam werden. Bei dem vorliegenden Verfahren tritt jedoch eine derartige Verdünnung nicht ein.Die Desinfectionsmittel behalten stets nahezu ihre ursprüngliche Concentration und können daher beliebig oft verwendet werden.Die zweite Evacuirung hat aufserdem noch folgenden Erfolg.Während die behandelten Waaren dem desinficirenden Gase ausgesetzt sind, verdichtet sich an ihrer Oberfläche und in ihren Poren eine Menge dieser meistens sehr übelriechenden Körper.Würde man ohne vorheriges Absaugen jener Gase die Luft zulassen, so würde der Geruch der betreffenden Stoffe so lange den Waaren anhaften, bis diese verdichtete Schicht infolge der Diffusion durch Luft ersetzt wäre. Nach dem vorliegenden Verfahren dagegen werden die Waaren nach Beendigung des Processes vollständig geruchlos erhalten.Patenτ-Anspruch:Desinfectionsverfahren, bestehend in dem Evacuiren des die zu desinficirenden Gegenstände aufnehmenden Raumes, nachfolgendem Einlassen eines desinficirenden Gases oder Dampfes und Auspumpen dieses Gases oder Dampfes zwecks erneuter Verwendung.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
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Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE763074C (de) * | 1938-11-16 | 1953-03-30 | Braun Fa B | Verfahren und Vorrichtung zum Sterilisieren von Katgut |
Cited By (1)
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| DE763074C (de) * | 1938-11-16 | 1953-03-30 | Braun Fa B | Verfahren und Vorrichtung zum Sterilisieren von Katgut |
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