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Formbauplatte Die Lage auf dem Gebiete des Bauwesens ist durch die
Forderung raschen Baufortschritts und durch die Verknappung der Baustoffe gekennzeichnet.
Der erstgenannten Forderung entspricht am meisten das Bauen nach dem Baukastensystem,
mithin das Errichten von Gebäuden aus fertigen, beispielsweise fabrikmäßig herstellbaren
Bauteilen. Die Verknappung der Baustoffe bezieht sich besonders auf Holz, aber auch
auf Kalk und Zement. Deshalb ist die Erzeugung von Fertigbauteilen in dem erforderlichen
außerordentlich großen Umfang bisher und in absehbarer Zeit nicht möglich. Der notwendige
Zementbedarf kann nicht gedeckt werden.
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Die Erfindung geht deshalb dahin, die Herstellung von Fertigbauteilen,
vornehmlich Formbauplatten für die Errichtung von Gebäuden, namentlich für den Kleinhausbau
zu ermöglichen, und zwar unter Benutzung von in ausreichendem Maße zur Verfügung
stehenden Ausgangsstoffen. Dieses Ziel ist erfindungsgemäß erreichbar, indem die
Formbauplatte ein aus Schwarten oder sonstigen Abfallbrettern gebildetes Traggerippe
besitzt, dessen Zwischenräume mit Lehm oder anderem geeigneten Füllstoff ausgefüllt
sind. Die Schwarten, welche die beim Zersägen von Baumstämmen in Bretter sich ergebenden,
mit Rinde besetzten ersten Anschnitte sind, fallen in allen Sägewerken und ähnlichen
Betrieben laufend an, sind als Nutzholz nicht verwendbar und werden bisher als Abfall
betrachtet und allenfalls fürFeuerungszwecke benutzt. Sie werden erfindungsgemäß
erstmals einem nützlicheren Zweck zugeführt. Sie eignen sich für das Traggerippe
von Formbauteilen gemäß der Erfindung sehr gut, weil ihre ungleichmäßige, zerfurchte
Oberfläche eine innige Verbindung mit der Lehm- o. dgl. Füllung ermöglicht. Ein
weiterer Fortschritt der Erfindung liegt darin, daß Lehm,
der wegen
seiner Brüchigkeit von vielen Fachleuten als Baustoff abgelehnt wird, nunmehr einem
vorteilhaften Bauzweck zugeführt werden kann. Er dient erfindungsgemäß hauptsächlich
dazu, die Masse der Bauplatte zu bilden und dieser die nötige Standfestigkeit zu
geben.
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Die Erfindung kann derart verwirklicht werden, daß die Formbauplatte
zwei aus nebeneinanderliegenden Brettern bzw. Schwarten gebildete Deckschichten
aufweist, auf deren Innenseite quer verlaufende Bretter bzw. Schwarten als Abstandsstege
und zur Bildung kanalartiger Kammern befestigt sind, die mit zweckvoll mit Fasermaterial
vermischtem Lehm vollgestampft sind. Es sind dabei vorzugsweise die äußeren Abstandsstege
im Abstand von den Außenkanten der Deckschichten anzuordnen, um durch die derart
gebildeten, nach außen offenen Kammern das Zusammensetzen zweier Platten durch Einbringung
einer Verbindungsfüllung nut-und federartig zu ermöglichen.
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Die Ausbildung kann aber auch derart getroffen sein, daß die Formbauplatte
aus sich kreuzenden, verzahnungsartig ineinandergefügten Abfallbrettern, z. B. besäumten
Schwarten, besteht, deren Fächer mit Lehm oder sonstiger geeigneter Füllung ausgestampft
sind, die zweckvoll ebenfalls mit Fasern durchsetzt ist. Damit die Füllungen der
verschiedenen Fächer untereinander verbunden sind, werden die Schwarten vorzugsweise
mit die benachbarten Fächer verbindenden Öffnungen versehen.
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Die Formbauplatten gemäß der Erfindung sind rasch und einfach herstellbar.
Sie können fertig geliefert oder an der Baustelle erzeugt werden. Sie ermöglichen
die Anwendung des Schnellbauens nach dem Baukastenprinzip, da sie als Fertigbauteile
zur Verwendung kommen. Ihr Gestehungspreis ist verhältnismäßig gering, da die Beschaffungskosten
von Abfallbrettern, wie Schwarten, und von Lehm oder sonst geeignetem Füllmaterial
nicht :ehr hoch sind, zudem diese Ausgangsstoffe in den meisten Gegenden verfügbar,
also in der Regel nicht mit hohen Beförderungskosten belastet sind. Ihre Herstellung
setzt keine Fachkräfte voraus, ist vielmehr mit Hilfskräften möglich, ebenso ihre
Verarbeitung bei der Errichtung eines Gebäudes. Die Formbauplätte stellt daher ein
vorteilhaftes Mittel dar, mit Hilfe dessen Bauwillige sich selbst ein Eigenheim
erstellen können.
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Die Erfindung ist auf der Zeichnung beispielsweise veranschaulicht.
Es zeigt Fig. i ein Belastungsdiagramm in schematischer Darstellung, Fig. 2 eine
Ansicht einer Formbauplatte, Fig. 3 einen Schnitt nach A-B der Fig. 2, Fig. 4 einen
Schnitt nach C-D der Fig. 2, Fig. 5 ein Traggerippe aus verzahnungsartig ineinandergreifenden
Abfallbrettern, Fig.6 zwei zusammengefügte Formbauplatten, Fig. 7 das Zusammenfügen
zweier Platten in schaubildlicher Darstellung.
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Die Formbauplatte gemäß Fig.2 bis 4 besteht aus den beiden Deckschichten
a und b, welche, wie namentlich Fig. 2 und 4 zeigen, aus nebeneinander angeordneten
Schwarten gebildet sind. Quer zu diesen Schwarten, und zwar auf der Innenseite der
Deckschichten a und b, sind die Schwarten c und d
angeordnet, welche einerseits
als Abstandsstege dienen, andererseits kanalartige Hohlräume zwischen den Deckschichten
bilden, in welche die Lehmfüllung e eingestampft wird.
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Vorzugsweise wird nicht reiner Lehm verwendet, dieser vielmehr mit
pflanzlichen oder tierischen Fasern vermischt. Besonders geeignet sind kurze Fasern
aus Stroh, Ginster, Birkenreisig usw. Auf dieseWeise wird dieGefügebeständigkeit
derLehmfüllung gesteigert.
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Bei einer derartigen Formbauplatte ergibt sich der Vorteil, daß der
aus wenig festigkeitsgünstigem Werkstoff, nämlich Lehm, bestehende Teil der Platte
in die belastungsmäßig neutrale Zone der Platte zu liegen kommt, wie das Diagramm
gemäß Fig. i deutlich zeigt. Die Lehmfüllung ist somit den geringsten Biegungsbeanspruchungen
ausgesetzt. Dort, w o die Belastungen sich auswirken, befinden sich die Schwarten
als Tragteile. Dagegen bildet der Lehm den Kern der Platte, fördert mithin deren
Standfestigkeit.
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Die Deckschichten a und b und die Abstandsstege c und
d sind zweckvoll mittels Holzzapfen f
miteinander verbunden. Es ist
möglich, durch zusätzliche Stifte g die Deckschichten mit der Füllung zusammenzunageln.
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Vorzugsweise werden die äußeren Abstandsstege nicht bei der Außenkante
der Deckschichten an diesen befestigt, sondern etwas nach innen versetzt, so daß
nach außen offene Kammern h entstehen, welche das Zusammenfügen zweier Platten erleichtern.
Beim Aneinandersetzen zweier Formbauplatten ergänzen sich die Halbkammern dann zu
einem Kanal. Durch Einsetzen einer Füllschwarte oder durch Einbringung einer Lehmfüllung
sind die beiden Platten also nut- und federartig miteinander verbindbar.
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Wie Fig.5 zeigt, ist es möglich, anstatt eines Traggerippes aus zwei
Deckschichten und Abstandsstegen ein Traggerippe zu wählen, bei welchem die es bildenden
Abfallbretter i und k, die wiederum Schwarten sein können, verzahnungsartig ineinandergreifen.
Zu diesem Zweck besitzen die Bretter zahnlückenartige Ausnehmungen l bzw. m. Die
Fächer, welche die Längsbretter i und die Querbretter k bilden, nehmen die Lehmfüllung
auf. Zweckvoll besitzen die Bretter Öffnungen n zur Verbindung der Fächer, so daß
der Lehm beim Einstampfen von einem Fach ins andere zu fließen vermag, die Füllungen
der Fächer also untereinander verbunden sind. Aus fertigungstechnischen Gründen
werden vorzugsweise runde Öffnungen (Bohrungen) gewählt.
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Durch diese Ausbildung werden Nägel oder Drähte entbehrlich, welche
beim Ausführungsbeispiel nach Fig. 2 und 4 zum Zusammenhalt der Deckschichten zweckmäßig
sind. Auch hinsichtlich der auftretenden Beanspruchungen ist ein solches Traggerippe
günstig.
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Zwecks leichter Zusammensetzung zweier Formbauplatten
kann
gemäß Fig. 7 die Ausbildung so getroffen sein, daß einige Querbretter k ein Stück
weit über das äußerste Längsbrett i hinausragen und mittels der Ausnehmung o in
das äußerste Querbrett der anschließenden Platte einhängbar sind. Die benachbarten
Gegenbretter k1 sind in diesem Fall entsprechend kürzer ausgebildet oder gegenüber
den verlängerten Brettern k etwas seitlich versetzt. Bei dieser Ausbildung müssen
allerdings die Randfächer der Platten nach deren Zusammenfügen noch mit Lehm ausgefüllt
werden. Da es unter Umständen nicht erwünscht ist, die zur Bildung einer Wand oder
Mauer aufgestellten Platten nachträglich mit Lehmfüllungen zu versehen, so kann
gemäß Fig. 6 der Formbauplatte ein Einfassungsrahmen p gegeben werden, der natürlich
auch aus Abfallbrettern bzw. Schwarten bestehen kann und sich an die Stirnfläche
der sich kreuzenden Tragbretter bzw. -schwarten anlegt. In diesem Fall können sämtliche
Fächer der Bauplatten vor deren Verbindung vollgestampft werden. Es ist auch der
saubere Zusammenbau mehrerer Formbauplatten erleichtert.
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Außer den eingangs erwähnten Vorteilen der Erfindung besitzt eine
nach ihr ausgebildete Formbauplatte den Vorzug guter Wärme- und Schalldichtung.
Die Formbauplatte kann in jedem Fall außen und/oder innen mit einem Glattstrich
bzw. einem Verputz versehen werden, so daß die Wand oder Mauer sich dein Nussehen
nach von `'Fänden oder Mauern aus Stein oder Beton nicht unterscheidet.
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Auf der Zeichnung sind aus Gründen zeichnerischer Klarheit und Vereinfachung
nicht Schwarten, sondern Bretter als Bestandteile des Traggerippes dargestellt.
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Bei jeder Ausbildungsform der Erfindung können aber Schwarten oder
Abfallbretter verwendet werden. In Betracht kommen namentlich Bretter minderer Güte,
welche deshalb außer dem üblichen AmvendungsbereichvonBrettern liegen.In manchen
Fällen, z. B. bei der Ausbildungsform nach Fig. 5 und 7, wird es sich empfehlen,
die Schwarten, sofern solche benutzt werden, zu besäumen.
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Die Füllung des Traggerippes kann gegebenenfalls aus anderem geeigneten
Stoff bestehen, braucht also nicht unbedingt aus Lehm gebildet zu werden. Die Füllräume
können beispielsweise mit bausteinartigen Teilen unter Benutzung von Lehm als Mörtel
oder anderen :Mörtelmassen ausgemauert werden. Lehm erweist sich allerdings als
Füllmasse besonders vorteilhaft, weil er in genügender Menge zur Verfügung steht,
billig ist, leicht verarbeitet werden kann und bei einer Bauplatte gemäß der Erfindung
im Gegensatz zu sonstigen Bauplatten keinen besonderen Putzträger braucht, da das
Traggerippe die Anbringung eines Kalk- oder Zementputzes ermöglicht.