DE77281C - Verfahren zur Verhütung der Selbstentzündung von Kohlenlagern - Google Patents
Verfahren zur Verhütung der Selbstentzündung von KohlenlagernInfo
- Publication number
- DE77281C DE77281C DENDAT77281D DE77281DA DE77281C DE 77281 C DE77281 C DE 77281C DE NDAT77281 D DENDAT77281 D DE NDAT77281D DE 77281D A DE77281D A DE 77281DA DE 77281 C DE77281 C DE 77281C
- Authority
- DE
- Germany
- Prior art keywords
- coal
- gases
- coals
- ammonia
- ignition
- Prior art date
- Legal status (The legal status is an assumption and is not a legal conclusion. Google has not performed a legal analysis and makes no representation as to the accuracy of the status listed.)
- Expired - Lifetime
Links
Classifications
-
- B—PERFORMING OPERATIONS; TRANSPORTING
- B65—CONVEYING; PACKING; STORING; HANDLING THIN OR FILAMENTARY MATERIAL
- B65D—CONTAINERS FOR STORAGE OR TRANSPORT OF ARTICLES OR MATERIALS, e.g. BAGS, BARRELS, BOTTLES, BOXES, CANS, CARTONS, CRATES, DRUMS, JARS, TANKS, HOPPERS, FORWARDING CONTAINERS; ACCESSORIES, CLOSURES, OR FITTINGS THEREFOR; PACKAGING ELEMENTS; PACKAGES
- B65D90/00—Component parts, details or accessories for large containers
- B65D90/22—Safety features
- B65D90/38—Means for reducing the vapour space or for reducing the formation of vapour within containers
- B65D90/44—Means for reducing the vapour space or for reducing the formation of vapour within containers by use of inert gas for filling space above liquid or between contents
Landscapes
- Engineering & Computer Science (AREA)
- Mechanical Engineering (AREA)
- Solid Fuels And Fuel-Associated Substances (AREA)
Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Es ist eine bekannte Thatsache, dafs grofse Mengen auf einander gehäufter Steinkohlen,
also namentlich Schiffsladungen von Kohlen, wenn sie längere Zeit feuchter Wärme ausgesetzt
sind, zu Selbstentzündungen neigen und zu Gasexplosionen Anlafs geben, welche Ereignisse
die Schiffe Und Mannschaften natürlich in die gröfste Gefahr bringen. Zur Verhütung
dieser Gefahr sind allerdings schon verschiedene Mittel vorgeschlagen, welche aber entweder
ihren Zweck nicht erfüllen oder deren Anwendung viel zu kostspielig ist, als dafs sie
auf allgemeine Einführung Aussicht haben. Der natürlichste Weg, die genannten gefahrbringenden
Ereignisse zu verhüten, ist der, den entzündbaren und explosivfähigen Stoffen der
Kohle die atmosphärische Luft zu entziehen; aber dies auf eine möglichst billige und doch
dem Zwecke genügende Weise zu bewirken, ist bis jetzt noch nicht gelungen.
Ein neuerer Vorschlag, die Luft und die sich aus den Kohlen bildenden Gase aus den
Zwischenräumen im Kohlenlager zu vertreiben, zielt dahin, eine Anzahl der bekannten Flaschen
mit flüssiger Kohlensäure an Bord zu nehmen und die Säure, wenn es bestimmte Anzeichen
wünschenswerth erscheinen lassen, in die Kohlenladung einströmen zu lassen. Die atmosphärische Luft soll also durch eine
Atmosphäre von Kohlensäure ersetzt werden, welche Selbstentzündungen und Explosionen
nicht zuläfst.
Der Gedanke an sich, die atmosphärische Luft durch eine andere Luft- oder Gasart
innerhalb der und um die Kohlenladung herum zu ersetzen, ist annehmbar, nur seiner
Ausführung in der vorgeschlagenen Weise stehen schwerwiegende Bedenken entgegen.
In erster Linie kommt die Kostenfrage in Betracht, und es läfst sich leicht rechnerisch
nachweisen, dafs sich die Anwendung von flüssiger, in Flaschen an Bord mitgeführter
Kohlensäure zu dem gedachten Zweck den Kohlenschiffstransport so erheblich vertheuert,
dafs sich die mafsgebenden Kreise zu dem Mittel in dieser Form nicht verstehen werden.
Zieht man zu diesem Hemmnifs für die Verwendung von flüssiger Kohlensäure noch in
Betracht, dafs beim raschen Ausströmen der Kohlensäure aus den Flaschen die Säure zur
gröfseren Hälfte erstarrt bezw. zu einer festen schneeigen Masse wird, welche sich ohne Anwendung
von Wärme nur langsam verflüchtigt, so ist es klar, dafs die Anwendung der Kohlensäure
in der erwähnten Form nicht nur des hohen Kostenpunktes wegen Schwierigkeiten macht, sondern auch nur unvollkommene Re-^
sulfate giebt.
Unter Berücksichtigung der erwähnten Mifsstände ist ein neuer Weg gefunden worden,
auf welchem der in Rede stehende Zweck mit Mitteln erreicht wird, welche sich mit verhältnifsmäfsig
geringen Kosten beschaffen lassen und sich als völlig sicher wirkend erweisen.
Es werden nämlich zum Austreiben der atmosphärischen Luft und der Menthangase
aus den Kohlen Rauchgase benutzt, welche am
zweckmäfsigsten aus Koksfeuerungen von Dampfkesseln oder Koksöfen mit oder ohne Anwendung
von Kalkstein gewonnen werden. Bevor solche Rauchgase, welche durchschnittlich 15
bis 20 pCt. Kohlensäure und nicht über 4 pCt. Sauerstoff enthalten, in und um die Kohlen
geleitet werden, ist es zweckmäfsig, sie zunächst zu kühlen, im Wasser zu waschen und durch
eine Lösung von kohlensaurem Natron ziehen. zu lassen, um sie von der Holz oder Metall
angreifenden und die Gesundheit schädigenden schwefligen Säure zu befreien. Die Gase werden
alsdann mit einem gewissen Druck in den Kohlenlagerraum des Schiffes eingeführt. Die
zwischen den Kohlen befindliche atmosphärische Luft und die Kohlenwassersfoffgase werden
nach oben hin verdrängt und von hier durch Ventilation abgeführt, so dafs schliefslich der
ganze Schiffslagerraum wesentlich nur mit Kohlensäure und Stickstoff angefüllt ist.
Die mechanische Einrichtung zur Ausübung des neuen Verfahrens läfst sich natürlich in
verschiedener Weise ausführen. In den Fällen, wo die Kohlenladungen von Dampfern nach
dem neuen Verfahren behandelt werden sollen, läfst sich als Erzeugungsquelle der erforderlichen
Rauchgase die Dampfkesselanlage benutzen. Da die zu beseitigende Gefahr der Selbstentzündung
und Explosion der Kohlenladungen auf Dampfern aber weniger vorhanden ist als auf
Segelschiffen, weil die Reisen von Dampfern in den meisten Fällen von nur kuzer Dauer
sind, müssen die zum neuen Verfahren nöthigen Einrichtungen in erster Linie den Verhältnissen
der Segelschiffe angepafst sein.
Es ist also zunächst eine besondere Quelle zur Erzeugung der Rauchgase vorzusehen,
welche in einem auf dem Lande oder auf einem kleinen Dampfer aufgestellten Koksofen
bestehen kann. Von dieser Quelle aus werden die Gase durch eine Rohrleitung in den Schiffsladeraum eingeführt. Vorher jedoch werden
sie durch einen mit einem continuirüchen Wasserstrahl versorgten Scrubber oder Wäscher
geleitet, von diesem durch ein Gebläse einem Kühler zugebracht und hierauf in das Röhrensystem
des Schiffsladeraumes eingeführt. Zweckmäfsig treten die Gase vom Deck, aus zunächst
in ein Rohr, welches unter Deck an den Schiffsseitenwänden in beliebiger Höhe angebracht
ist.. Von diesem Hauptrohr zweigen sich Nebenrohre ab, welche an der Schiffswand herunter bis zum Boden kufen und
sich dann quer über letzteren hinziehen. Die Rohrstränge auf dem Schiffsboden sind in
horizontaler Richtung vielfach angebohrt, so dafs die aus diesen Oeffnungen kommenden
Rauchgase die gestauten Kohlen zunächst horizontal durchstreichen. Es ist zu beachten,
dafs solche Oeffnungen in besonders reichlicher Anzahl unterhalb der Einschüttluken des
Schiffsraumes vorhanden sind, weil an diesen Stellen die Bildung eines Feuerherdes in den
Kohlen am meisten zu befürchten ist. Unter den Luken hat sich nämlich als natürliche
Folge des Einschüttens das meiste Kohlenklein angesammelt und haben sich die Kohlen durch
das fortwährende Nachschütten von Kohlen am festesten gelagert. Da die Rauchgase unter
Pressung in den Kohlenraum eingeführt werden und ferner bedeutend schwerer sind als die
atmosphärische Luft und die Menthangase, so findet eine Austreibung der letzteren Gasarten mit
Sicherheit statt und die Kohlen sind alsdann in einer wesentlich aus Kohlensäure und
Stickstoff bestehenden Atmosphäre eingehüllt.
Obgleich das vorbeschriebene Verfahren schon eine in den meisten Fällen genügende Sicherheit
gegen Selbstentzündung und Explosion bietet, kann diese Sicherheit noch dadurch erhöht
werden, dafs man zum Schlüsse der Gaseinführung den Inhalt einiger Flaschen voll
comprimirten flüssigen Ammoniaks mit einströmen läfst. Letzteres vereinigt sich mit der
Kohlensäure der Rauchgase zu carbaminsaUrem Ammoniak und schlägt sich wie ein Hauch auf'
die KohlenstUcke nieder, wobei die Kohlen in günstiger Weise etwas abgekühlt werden.
Aufserdem wird die schädliche Feuchtigkeit, welche in den Kohlen trotz aller Mühe, diese
trocken zu verladen, doch vorhanden ist, von dem carbaminsäuren! Ammoniak absorbirt,
welches sich dadurch zum sogenannten Salvolatile (kohlensauren Ammoniak) umwandelt.
Endlich wird auch dieses noch mehr von der gebotenen Kohlensäure aufnehmen und in
zweifach kohlensaures Ammoniak übergeführt werden. Namentlich ist die Anwendung der
kohlensauren Ammoniakverbindungen für genannten Zweck von Vortheil, weil diese Verbindungen
schon bei 60 bis yo° C. flüchtig sind. Die Anwendung von Ammoniak oder
dessen Verbindungen hat folgende Vortheile: Die Diffusion der im Schiffskohlenraum enthaltenen
Gase mit der atmosphärischen Luft wird erschwert, weil die Gase ein höheres specifisches Gewicht haben, als ohne Anwendung
des Ammoniaks. In sanitärer Beziehung trägt das Ammoniak dazu bei, den Grad der Giftigkeit des kohlensauren Gases herabzumindern.
Das Ammoniak wirkt der Oxydation, auch der des Schwefelkieses kräftig entgegen.'
Damit diese günstigen Eigenschaften des Ammoniaks namentlich dort besonders zur Geltung kommen, wo die Gefahr der Kohlenentzündung
am gröfsten ist, also unter den Einschüttluken, empfiehlt es sich, an diesen Stellen beim Verladen der Kohlen zwischen
letztere einige Hände voll grob gestofsenes Salvolatile oder zweifach kohlensaures Ammoniak
zu streuen, so dafs also der kegelförmige Kohlenberg, welcher sich unter den Luken ge-
bildet, auf alle Fälle mit diesem Schutzmittel reichlich versehen ist.
Weil die in den Kohlenraum eingeführten Gase jede Oxydation verhindern, ist eine selbstthätige
Entzündung unmöglich geworden. Da ferner in den Rauchgasen befindliche Wesen ersticken, findet eine Vernichtung sämmtlichen
Ungeziefers in dem Kohlenraum statt. Andererseits sind natürlich Vorkehrungen zu treffen,
dafs die giftigen Einflüsse der Gase nicht auf die auf dem Schiffe befindlichen Personen einwirken
können. Der Kohlenladeraum mufs also dicht abgeschlossen sein und darf nur mit
besonderen Vorsichtsmafsregeln betreten werden. Ist letzteres nöthig, so sind die Gase vorerst
durch eine Oberflächenventilation zu entfernen, oder wenn die Gase während der Reise noch
nicht aus dem Kohlenraum entfernt werden dürfen, so versieht sich die den Raum betretende
Person mit einem einfachen Athmungsapparat, bestehend aus einem Nasenklemmer, der das Einathmen der schädlichen Gase durch
die Nase verhindert, und aus einem mit Luftschlauch versehenen Mundstück, durch welches
die Person frische atmosphärische Luft einathmet. Das Löschen der Kohlen darf erst
dann stattfinden, nachdem ein paar Tage hindurch eine kräftige Oberflächenventilation stattgefunden
hat, welche die Gase abführt. Diese Ventilation ist auch während des Löschens fortzusetzen.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Verfahren zur Verhütung der Selbstentzündung von Kohlenlagern, dadurch gekennzeichnet, dafs unmittelbar durch Verbrennung erzeugte Kohlensäure und nach Umständen zusammen mit Ammoniak oder dessen Carbonaten in die Kohlenlager zwecks Austreibung der atmosphärischen Luft und des Methangases eingeführt werden.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE77281C true DE77281C (de) |
Family
ID=350103
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT77281D Expired - Lifetime DE77281C (de) | Verfahren zur Verhütung der Selbstentzündung von Kohlenlagern |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE77281C (de) |
-
0
- DE DENDAT77281D patent/DE77281C/de not_active Expired - Lifetime
Similar Documents
| Publication | Publication Date | Title |
|---|---|---|
| DE60122125T2 (de) | Hypoxische brandbekämpfungsysteme und atmungsfähige feuerlöschmittel | |
| DE2032071A1 (de) | Schutzgaseinnchtung | |
| DE3539347A1 (de) | Verfahren und vorrichtung zum umsetzen in rauchgasen enthaltener gasfoermiger schwefelverbindungen, wie schwefeldioxid, in von den rauchgasen abzutrennende feste verbindungen | |
| DE77281C (de) | Verfahren zur Verhütung der Selbstentzündung von Kohlenlagern | |
| DE2236981B2 (de) | Verfahren zum loeschen von koks | |
| DE184060C (de) | ||
| DE1692187A1 (de) | Verfahren und Anlage zur kuenstlichen Absenkung des Sauerstoffgehaltes fuer die Erzeugung einer kontrollierten Atmosphaere in einem gekuehlten Lagerraum fuer Fruechte u. dgl. | |
| DE60000715T2 (de) | Verfahren und Vorrichtung zur Verminderung der Auswirkung eines Brandes in einem Tunnel | |
| DE292786C (de) | ||
| DE507305C (de) | Verfahren zur Beseitigung der Staubteilchen oder sonstigen staubfoermigen Ablagerungen in der Sauerstoff entwickelnden Chemikalpatrone von Atmungsgeraeten | |
| DE366587C (de) | Abwehrvorrichtung an Kraftwagen | |
| DE1551588A1 (de) | Verfahren und Vorrichtung zum Verdampfen tiefsiedender Flüssigkeiten | |
| DE1559679C3 (de) | Leichtschaumlöschverfahren mit Kohlendioxydzusatz und Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens | |
| DE516923C (de) | Verfahren zum Konservieren tierischer und pflanzlicher Stoffe | |
| DE347671C (de) | Verfahren zur Herstellung und Verwendung von Sprengmitteln aus fluessiger Luft | |
| DE856031C (de) | Verfahren und Einrichtung zur Reinigung von Schwefelwasserstoff und Kohlendioxyd enthaltenden Gasen | |
| AT20297B (de) | Verfahren und Apparat zur Regenerierung der Atmungsluft. | |
| DE2613613C3 (de) | Lagemäßige Anordnung der Luftansaugöffnung bei einem in einem Gebäude untergebrachten Dieselmotor | |
| DE435737C (de) | Verfahren zur Trockenkuehlung bzw. mechanischen Aufbereitung von heissen Stoffen, die vor Erreichung einer Mindesttemperatur der Einwirkung von Luft entzogen bleiben muessen | |
| AT29007B (de) | Einrichtung an Theatern. | |
| DE3505829A1 (de) | Mittel zur entgiftung von abgasen der industrie, der raumbeheizungen sowie der abgase von fahrzeugen | |
| AT44820B (de) | Einrichtung zum räumlichen Begrenzen von Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosionen in Bergwerken. | |
| DE4117477A1 (de) | Verfahren zur oxidativen nachbehandlung von abgasen | |
| AT146205B (de) | Gasschutzdecke. | |
| DE735989C (de) | Verfahren zur Bekaempfung des Hausbockkaefers und seiner Larven |