DE75265C - Verfahren zum Beizen und Reinigen von Eisen- und Stahlplatten, Drahtreifen und dergl - Google Patents
Verfahren zum Beizen und Reinigen von Eisen- und Stahlplatten, Drahtreifen und derglInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Gegenstand vorliegender Erfindung bezieht sich auf Verfahren und Apparate zum Abbeizen
und Reinigen von Eisen-' und Stahlgegenständen, wie z. B. von Platten, Drahtringen
und dergl., um dieselben für das Ueberziehen mit Zinn und anderen Metallen geeignet zu
machen. Der Hauptzweck der vorliegenden Erfindung besteht darin, an Zeit, Mühe und
an der für diese Operation . erforderlichen Säure zu sparen, sowie gleichzeitig zu vermeiden,
dafs das Metall durch den Reinigungsprocefs angegriffen werde.
Das vorliegende Beiz- und Reinigungsverfahren ist besonders für Platten bestimmt,
welche in stärkerem Mafse verzinnt werden sollen, als dies bei anderen Eisen- oder Stahlärtikeln
der Fall ist.
Zum Zwecke des bekannten Schwarzb.eizens
legt Erfinder in einen Behälter, welcher verdünnte Säure, z. B. verdünnte Chlorwasserstoffsäure
oder Schwefelsäure enthält, eine Anzahl von Platten parallel oder nahezu parallel zu einander ein, und zwar möglichst
nahe an. einander, ohne dafs dieselben sich jedoch berühren. Hierauf verbindet er die
eine Endplatte, der Reihe mit dem einen, etwa dem positiven Pol einer Dynamomaschine oder
einer anderen Elektricitätsquelle und die andere Endplatte der Reihe mit dem anderen bezw.
dem negativen Pol.
Für gewöhnlich wendet Erfinder etwa 6 pCt. Chlorwasserstoffsäure vom specifischen Gewicht
1,140 oder etwa 3 pCt. Schwefelsäure vom specifischen Gewicht 1,750 an, indessen
können auch schwächere procentuale Verhältnisse in Anwendung gebracht werden.
Hierauf läfst man einen elektrischen Strom eine Zeit lang durch die Flüssigkeit und Platten
hindurchgehen und dann unter Anwendung eines Strömwenders einige Zeit in der umgekehrten
Richtung. ■
; Im allgemeinen wendet man den Strom etwa viermal in der Minute; bei starken Platten kehrt
man jedoch den Strom weniger oft um, um den Wasserstoffgasblasen Zeit zu lassen, vom
Boden der Platte aus, wo die reinigende Wirkung beginnt, über die Oberfläche hinweg-,
zugehen.
Nach verschiedenen Stromwechseln während etwa 10 Minuten, wenn die Säure die oben
angegebene Stärke besitzt, wird der Schmutz von der Oberfläche der Platten entfernt und
fällt in fein vertheilteni Zustande herab oder wird von den Platten abgebürstet, welche auf
diese Weise gereinigt werden. Nachdem der Schmutz entfernt ist, findet am negativen Pol
am reinen Metall keine weitere Einwirkung statt, wenn die Säure nicht stark ist. In einigen
Fällen bringt der Erfinder an Stelle einiger Metallplatten Kohleplatten in den Behälter ein,-welche
aus verhältnifsmäfsig kleinen, gleich den Glasscheiben in einem Fenster, in einem Holzrahmen
befestigten Kohlenstückchen gebildet sind. Der Stromwender kann durch ein Uhrwerk
oder eine diesem ähnliche Vorrichtung bethätigt werden, welche auf die zur Umkehr
geeigneten Zeitabschnitte abgestimmt ist. Die Wirkung wird durch eine geringe Temperaturerhöhung
des Bades unterstützt, welche sich je nach der Stärke der angewendeten Säure richtet.
Zum Zweck des Weifsbeizens wird eine jede der Metallplatten gegen eine Kohlenplatte gelegt,
welche sie in einem geeigneten Rahmen
hält, vermittelst dessen sie in leitender Verbindung mit der Kohle erhalten wird. Nachdem
der elektrische Strom eine Zeit lang vom positiven Pol zur ersten Kohle und zum negativen
Pol von der letzten Platte hindurchpassirt ist, hat der Satz von Kohle- und Metallplatten gewissermafsen den Charakter einer
Sammelbatterie angenommen, so dafs, sobald der Strom gewendet wird, nur ein Trieil der
elektromotorischen Kraft vom Stromerzeuger erforderlich ist, während der Inhalt des Behälters
als secundäre Batterie den Rest beisteuert.
Die Leiter für den Stromerzeuger können daher beim Wenden des Stromes unterbrochen
und die Reihe der Platten durch "Verbindung der ersten Platte mit der letzten, wenn erforderlich
unter Zwischenschaltung eines geeigneten Widerstandes kurz geschlossen werden.
Sowohl beim Schwarzbeiz- wie beim Weifsbeizverfahren können die Elektricitätsleiter beständig
mit an den Enden des Behälters befestigten Kohlen- oder Eisenplatten verbunden sein.
Wird Schwefelsäure angewendet, so können Bleiplatten zu diesem Zweck gebraucht werden,
wird dagegen Chlorwasserstoffsäure angewendet, so werden Eisenplatten gebraucht,
welche gegen Auflösung dadurch geschützt werden, dafs sie in dichte Berührung mit
den zu reinigenden Platten gebracht werden.
In allen. Fällen wird darauf zu achten sein, dafs man nicht mit Flüssigkeit arbeitet,
welche zu reich an .Eisensalzen ist, da alsdann Niederschläge entstehen könnten, welche die
beizende Wirkung beeinträchtigen würden. Das Verhältnifs der Eisensalze sollte 15 Gewichtsprocente
nicht überschreiten.
Zum bequemen Einbringen und Ausbringen der zu reinigenden oder zu beizenden Platten
in und . aus dem Behälter werden geeignete Rahmen, Körbe oder Kästen von Holz oder
dergleichen verwendet, welche in den mit Platten zu beladenden Behälter eingesenkt und
in seitlichen Nuthen oder zwischen vom Boden oder aus den Seiten der Platten hervorstehenden
Bolzen von einander getrennt gehalten werden, ähnlich wie dies bei einem Röstgestell
geschieht. Ebenso wird eine aufrechte Säule angebracht mit einem Arm, welcher ringsherum
zu schwingen vermag, ähnlich dem Ausleger eines Krahnes, sowie mit einer Kurbel oder einer anderen zum Heben und Senken
des die Platten enthaltenden Rahmens geeigneten Vorrichtung versehen. In der einen
Stellung befindet sich der Ausleger über einer Plattform, auf welcher ein Rahmen ruht,
während die Platten in denselben eingelegt oder aus demselben herausgenommen werden.
In einer zweiten Stellung steht der Ausleger über dem Reinigungsgefäfs im Begriff, den
Rahmen mit frischen Platten in dasselbe einzusenken oder den Rahmen mit den gebeizten
Platten aus demselben emporzuheben. In einer dritten Stellung befindet sich der Ausleger über
einem Wasserbehälter, in welchem die gebeizten Platten gewaschen werden. Aufserdem
können mehr als eine Plattform, ein Beizgefäfs und Waschgefäfs in Verbindung mit
einem Krahn angeordnet werden.
Das im Vorstehenden in seiner Anwendung auf Platten beschriebene Verfahren wird in
derselben Weise bei der Behandlung von Drahtringen oder Strähnen und anderen Artikeln
angewendet, wobei die Kasten, Rahmen oder Körbe in geeigneter Weise angeordnet sind, um diese Gegenstände in den Behältern
zu halten. Eine Anzahl Drähte kann leicht durch den Behälter gezogen werden, dicht
neben einander, jedoch so, dafs dieselben sich nicht gegenseitig berühren. Die beiden äufseren
Drähte werden mit der Elektricitätsquelle verbunden,
und der Strom wird von Zeit zu Zeit in umgekehrter Richtung durch dieselben hindurchgelassen.
Das oben beschriebene Weifsbeizverfahren kann auch zum Reinigen von gelötheten Verbindungsstellen
von Eisen oder Stahl angewendet werden. Zu diesem Zweck wird der
Gegenstand in einen mit Blei ausgelegten Behälter eingetaucht, welcher 1 bis 2 pCt. der
Gesammtflüssigkeitsmenge an Schwefelsäure enthält. Der eine Pol der Elektricitätsquelle wird
mit dem eingetauchten Gegenstand verbunden, der andere dagegen mit dem Bleifutter, und
der Strom wird gelegentlich umgekehrt, jedoch vortheilhaft derart, dafs der Gegenstand dreibis
viermal so lange als Kathode dient, als er die Anode bildet.
Mitunter kommt es vor, dafs die Platten auf der einen Seite rein sind. In diesem Falle
werden zwei solche Platten mit ihren reinen Seiten dicht an einander gelegt, so dafs dieselben
gewissermafsen eine einzige Platte bilden, und es findet dann nur eine geringe Einwirkung
auf die reinen Seiten statt.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Ein Verfahren zum Beizen und Reinigen von Eisen- oder Stahlgegenständen, dadurch gekennzeichnet, dafs man die letzteren, in verdünnte Säure eingetaucht, der Einwirkung eines elektrischen Stromes unterwirft, dessen Richtung von Zeit zu Zeit gewechselt wird.
Publications (1)
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